Die europäische Wirtschaft wird voraussichtlich auch weiterhin in moderatem Tempo wachsen, da die jüngsten positiven Entwicklungen am Arbeitsmarkt und der steigende Privatkonsum durch eine Reihe von Wachstumshemmnissen und nachlassenden begünstigenden Faktoren gebremst werden. In ihrer Herbstprognose geht die EU-Kommission von einem BIP-Wachstum im Euroraum von 1,7 % für 2016, 1,5 % für 2017 und 1,7 % für 2018 aus.
Herbstprognose 2016: Moderates Wachstum in schwierigen Zeiten
EU-Kommission, Pressemitteilung vom 09.11.2016
Kommission prognostiziert aufgrund von Wachstumsbremsen und nachlassenden begünstigenden Faktoren für 2017 ein Wachstum von 1,5 % im Euroraum und von 1,6 % in der EU.
Die europäische Wirtschaft wird voraussichtlich auch weiterhin in moderatem Tempo wachsen, da die jüngsten positiven Entwicklungen am Arbeitsmarkt und der steigende Privatkonsum durch eine Reihe von Wachstumshemmnissen und nachlassenden begünstigenden Faktoren gebremst werden. In ihrer am 09.11.2016 veröffentlichten Herbstprognose geht die Europäische Kommission von einem BIP-Wachstum im Euroraum von 1,7 % für 2016, 1,5 % für 2017 und 1,7 % für 2018 aus (Frühjahrsprognose 2016: 1,6 %, 2017: 1,8 %). Einen ähnlichen Verlauf dürfte ebenfalls das BIP-Wachstum in der Gesamt-EU nehmen, das in diesem Jahr bei 1,8 %, 2017 bei 1,6 % und 2018 bei 1,8 % liegen soll (Frühjahrsprognose 2016: 1,8 %, 2017: 1,9 %).
Hauptwachstumsmotor dürfte bis Ende 2018 auch weiterhin der Privatkonsum sein, der durch die Erwartung weiter steigender Beschäftigungszahlen und leicht steigender Löhne begünstigt wird. Auch die Fremdfinanzierungskosten wirken sich aufgrund der außerordentlich akkommodierenden Geldpolitik weiterhin positiv auf das Wachstum aus. Das Haushaltsdefizit des gesamten Euroraums dürfte sich weiter abschwächen, während haushaltspolitisch weiterhin ein nicht restriktiver Kurs verfolgt werden dürfte. Die Investitionen werden voraussichtlich weiter ansteigen.
Doch die politische Ungewissheit, das verhaltene Wachstum außerhalb der EU und der schwache Welthandel wirken sich negativ auf die Wachstumsaussichten aus. Auch besteht weiterhin die Gefahr, dass die schwache Wirtschaftsleistung der letzten Jahre das Wachstum dämpfen könnte. Die anhaltende Unterauslastung der Wirtschaft deutet darauf hin, dass die Wirtschaft schneller wachsen könnte, ohne übermäßigen Inflationsdruck zu erzeugen. Darüber hinaus wird sich die europäische Wirtschaft in den kommenden Jahren nicht mehr auf außerordentlich begünstigende externe Faktoren wie die fallenden Ölpreise und die Währungsabwertung stützen können.
Der für den Euro und den sozialen Dialog zuständige Vizepräsident Valdis Dombrovskis erklärte dazu: ͈Die Volkswirtschaften der EU haben sich als widerstandsfähig erwiesen. Wir gehen davon aus, dass alle Mitgliedstaaten im kommenden Jahr Wachstum verzeichnen werden. Angesichts der größeren globalen Unsicherheit ist es nun wichtiger denn je, an einer soliden und vorsichtigen Wirtschafts- und Haushaltspolitik festzuhalten. Gleichzeitig müssen wir die gesellschaftlichen Ungleichheiten angehen, damit sich niemand im Stich gelassen fühlt.“
Pierre Moscovici, Kommissar für Wirtschafts- und Finanzangelegenheiten, Steuern und Zoll, fügte hinzu: „Das Wachstum in Europa wird trotz schwierigerer Rahmenbedingungen als noch im Frühjahr 2017 auf Kurs bleiben. Mut machen vor allem das Tempo, mit dem nicht zuletzt dank der jüngsten Reformen in vielen Ländern Arbeitsplätze geschaffen werden, die sinkenden Haushaltsdefizite im Euroraum, der Anstieg der Investitionen und der dynamischere EU-interne Handel. In diesen instabilen und unsicheren Zeiten dürfen wir keine Anstrengung scheuen, um den Aufschwung aufrechtzuhalten und zu stärken, und wir müssen sicherstellen, dass er in allen Teilen der Gesellschaft ankommt.“
Aktuelle Erholung kommt sämtlichen Mitgliedstaaten zugute
Obgleich sich der Trend stark divergierender Wirtschaftsleistungen fortsetzt, liegt das BIP der EU nun über dem Vorkrisenniveau, in einigen Mitgliedstaaten sogar mehr als 10 % über dem Tiefststand. Es ist davon auszugehen, dass die Wirtschaftsleistung aller Mitgliedstaaten im Verlauf des Prognosezeitraums weiter zunimmt – wenngleich nicht in gleichgroßem Umfang.
Ausweitung der Investitionen im Jahr 2018, auch dank EU-Kofinanzierungen
Nachdem das Investitionsniveau unter dem geringen Nachfragewachstum und der Erwartung eines schwachen Potenzialwachstums, dem anhaltenden Schuldenabbau in Unternehmen in einigen Mitgliedstaaten und erhöhter Ungewissheit zu leiden hatte, hellt sich das Investitionsumfeld nun wieder auf, sodass für 2018 wieder steigende Zahlen erwartet werden. Die öffentlichen und privaten Investitionen dürften durch Projekte, die über die Investitionsoffensive für Europa finanziert oder – in einigen Mitgliedstaaten – mit EU-Mitteln aus dem Programmplanungszeitraum 2014-2020 kofinanziert werden, der Projekte zunehmend angekurbelt werden, da diese nun in die Durchführungsphase kommen. Insgesamt wird mit einem Anstieg der Investitionen von 3,3 % in diesem Jahr, 3,1 % 2017 und 3,5 % 2018 gerechnet.
Eine wirtschaftliche Erholung mit verhältnismäßig hohem Beschäftigungspotenzial
Die Beschäftigung dürfte mit 1,4 % im Euroraum und in der EU in diesem Jahr so schnell wachsen wie seit 2008 nicht mehr, auch wenn der Arbeitsmarkt immer noch unterausgelastet ist. Die Schaffung von Arbeitsplätzen dürfte sich fortsetzen und durch das von der Nachfrage getragene inländische Wachstum, das moderate Lohnwachstum sowie die haushaltspolitischen Maßnahmen und Strukturreformen in einigen Mitgliedstaaten begünstigt werden. Das Beschäftigungswachstum wird voraussichtlich weiterhin relativ stabil bleiben, auch wenn 2017 und 2018 mit einer leichten Abschwächung gerechnet wird. Zwar dürfte die Erwerbsbevölkerung in diesem Jahr aufgrund einer stärkeren Arbeitsmarktbeteiligung und der schrittweisen Eingliederung der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt stärker steigen, doch wird davon ausgegangen, dass die Arbeitslosigkeit im Euroraum recht schnell von 10,1 % in diesem Jahr auf 9,7 % 2017 und 9,2 % 2018 zurückgeht. Der gleiche Trend wird auch für die Gesamt-EU erwartet: Hier soll die Arbeitslosigkeit von 8,6 % in diesem Jahr auf 8,3 % 2017 und 7,9 % 2018 zurückgehen. Für den Euroraum ist es der niedrigste Wert seit 2009. Zum Vergleich: Einerseits lag die Arbeitslosigkeit 2013 noch auf einem Höchststand von 12 %, anderseits war sie 2007 mit 7,5 % auch deutlich niedriger.
Ölpreise werden Anstieg der zurzeit sehr niedrigen Inflation bewirken
Im ersten Halbjahr lag die Inflation im Euroraum aufgrund der fallenden Ölpreise auf einem sehr niedrigen Niveau, doch stieg sie im dritten Quartal wieder leicht an, da die Auswirkungen vorangegangener Preissenkungen langsam nachließen. Mit dem erwarteten Anstieg der Ölpreise dürfte die Inflation nun leicht auf über 1 % klettern. Vor dem Hintergrund eines höheren Lohnwachstums und einer weiteren Schließung der Produktionslücke ist mit einem schrittweisen Anstieg der Kerninflation, bei der die volatilen Energie- und Lebensmittelpreise nicht berücksichtigt werden, zu rechnen. Insgesamt wird die Inflationsrate im Euroraum voraussichtlich von 0,3 % im Jahr 2016 auf jeweils 1,4 % in den Jahren 2017 und 2018 steigen. In der EU wird sich die Inflation voraussichtlich von 0,3 % in diesem Jahr auf 1,6 % im Jahr 2017 und auf 1,7 % im Jahr 2018 erhöhen.
Weitere Verbesserung bei öffentlichen Finanzen
Sowohl das aggregierte öffentliche Defizit als auch die öffentliche Schuldenquote des Euroraums dürften im Verlauf des Prognosezeitraums 2017-2018 weiter sinken. Das öffentliche Defizit im Euroraum wird voraussichtlich von 1,8 % des BIP in diesem Jahr auf jeweils 1,5 % in den Jahren 2017 und 2018 schrumpfen. Grund dafür sind geringere Sozialleistungen aufgrund der sinkenden Arbeitslosigkeit, ein Rückgang der Lohn- und Gehaltssumme im öffentlichen Sektor und niedrige Zinssätze, die den Schuldendienst billiger machen. Bei der Schuldenquote ist mit einem Rückgang von 91,6 % im Jahr 2016 auf 89,4 % im Jahr 2018 zu rechnen.
Ausfuhren werden nur geringfügig durch globales Wachstum gestützt
Das weltweite BIP-Wachstum ist in den letzten Monaten weiter zurückgegangen und dürfte mit 3,2 % in diesem Jahr auf den niedrigsten Stand seit 2009 fallen. Da in den aufstrebenden Märkten und den Vereinigten Staaten jedoch wieder mit einem stärkeren Wachstum gerechnet wird, ist davon auszugehen, dass die globale Wachstumsrate (ohne EU) wieder leicht steigen wird. Trotz des krisenfesten Handels innerhalb des Euroraums wirkt sich der gegenwärtig schwache Welthandel außerhalb der EU negativ auf die Ausfuhren aus dem Euroraum aus. Der Welthandel, der in diesem Jahr außerordentlich fragil war, wird voraussichtlich langsamer zunehmen als das BIP im Jahr 2016, bevor er 2017 wieder das Niveau des BIP-Wachstums erreichen und 2018 leicht darüber hinausgehen wird. Es ist zu erwarten, dass im Euroraum die Importe rascher als die Exporte ansteigen werden. Der Leistungsbilanzüberschuss des Euroraums dürfte im Prognosezeitraum rückläufig sein.
Prognose stärker mit Abwärtsrisiken behaftet
Die Prognoserisiken haben in den letzten Monaten zugenommen und neigen eindeutig in eine negativere Richtung, u. a. infolge der Abstimmung für einen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU, die Unsicherheit erzeugt hat und als Indikator für erhöhte politische Risiken im gegenwärtigen im gegenwärtig volatilen politischen Umfeld gewertet werden kann. Auch die externen Risiken, etwa die unsicheren wirtschaftlichen Tendenzen in China oder die Gefahr einer Eskalation der geopolitischen Konflikte, sind größer geworden.
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Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der EU-Kommission.
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Quelle: DATEV eG