Bei Verkäufen großer Immobilien nutzen viele Unternehmen Tricks, um die Zahlung der Grunderwerbsteuer zu vermeiden. Auf Hessens Initiative hat die Finanzministerkonferenz über eine Reform diskutiert.
Hessens Finanzminister stößt Reform der Grunderwerbsteuer an
FinMin Hessen, Pressemitteilung vom 08.09.2016
Bei Verkäufen großer Immobilien nutzen viele Unternehmen verschiedene Tricks, um die Zahlung der Grunderwerbsteuer zu vermeiden. Bei so genannten „Share Deals“ erfolgt der Verkauf eines Grundstücks nicht durch die steuerpflichtige direkte Übertragung des Grundstücks, sondern durch Übertragung der Anteile an der Gesellschaft, der die Immobilie gehört und die eigens für diese Zwecke gegründet wurde. Verkauft wird somit nicht eine Immobilie, sondern faktisch eine Firma. Grunderwerbsteuer wird dabei durch den Einsatz immer neuer Steuertricks nicht fällig.
„Diese Tricks, die die Zahlung der Grunderwerbsteuer umgehen, sind bekannt und werden durchgängig genutzt. Ich gehe davon aus, dass fast jede professionelle Immobilientransaktion ab einer gewissen Investitionssumme auf diesem Weg abgewickelt wird. Das können wir nicht länger dulden. In der Praxis führt dies dazu, dass jede Grundstücksübertragung der kleinen Häuslebauer besteuert wird, während millionenschwere Grundstücksübertragungen von Immobiliengesellschaften häufig steuerfrei sind – weil sie sich diese Trickserei im wahrsten Sinne leisten können.“
Die Finanzministerkonferenz hat am 08.09.2016 beschlossen, dass bis Mitte November die Experten der Länder Lösungsvorschläge für dieses Problem erarbeiten sollen. Im Dezember könnten sich die Finanzminister dann mit den Ergebnissen befassen. „Das Problem ist offenkundig. Gut, dass es auf unsere Initiative hin jetzt angegangen wird. Wir müssen jetzt handeln. Sonst verstreicht wertvolle Zeit, in der trickreiche Unternehmer sich ins Fäustchen lachen, während Otto Normalbürger seine in der Tasche ballt“, erklärte Finanzminister Schäfer.
Da durch den beschriebenen Steuertrick viele Immobilientransaktionen schlicht am Staat vorbei vollzogen werden, ist eine genaue Berechnung, wie viel Einnahmen der Gesellschaft dadurch entgehen, nicht möglich. Es ist allerdings anzunehmen, dass die Größenordnung bundesweit bei bis zu einer Milliarde Euro jedes Jahr liegt.
„Eine konsequente Besteuerung aller Grundstücksübertragungen wäre nicht nur gerecht, sie würde natürlich auch viel mehr Geld einbringen. Geld, das wir nicht behalten wollen, sondern dafür nutzen könnten, die Grunderwerbsteuer insgesamt zu senken. Kriegen wir die Steuertrickser, zahlt sich das für alle ehrlichen Steuerzahler aus“, so Schäfer.
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Quelle: DATEV eG