Der IWH-Flash-Indikator prognostiziert für das zweite Quartal 2012 eine Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes von 0,5 % und damit eine Fortsetzung der kräftigen konjunkturellen Belebung vom Beginn des Jahres. Im dritten Quartal wird der Zuwachs wohl 0,3 % betragen. So das IWH Halle.
IWH Halle, Pressemitteilung vom 04.06.2012
Nachdem das Wachstum zum Ende des Jahres 2011 eine kurze Pause eingelegt hatte, stieg das Bruttoinlandsprodukt zu Beginn des Jahres 2012 um 0,5 % überraschend kräftig an. Ausschlaggebend dafür war vor allem eine Ausweitung der Exporte und des Konsums. Die Investitionen gingen hingegen wohl zurück. Eine wesentliche Rolle spielten dabei die dämpfenden Effekte des zeitweise harten Winterwetters auf die Bauinvestitionen.
Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt in Deutschland dürfte im zweiten Quartal 2012 nochmals kräftig um 0,5 % ansteigen, und auch im dritten Quartal dürfte mit 0,3 % die konjunkturelle Belebung anhalten. Deutschland profitiert dabei neben einer wieder höheren Investitionstätigkeit und anhaltender Konsumlaune von einem Anziehen der außereuropäischen Nachfrage. Seit dem Jahreswechsel haben Welthandel und -produktion die Schwächephase während der zweiten Jahreshälfte 2011 überwunden. Eine weitere deutliche Beschleunigung der Expansion ist allerdings nicht zu erwarten.
So hat sich die Erholung der US-Wirtschaft zwar stabilisiert. Gegen eine kräftige Beschleunigung der Konjunktur sprechen aber die nur langsam nachlassenden Belastungen aufgrund der Immobilienkrise. Das vorläufige Ende des Immobilienbooms in China dämpft seit dem Herbst 2011 die dortige Konjunktur: Die Wachstumsdynamik bleibt allerdings deutlich höher als in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften.
Neuerlich verschärft haben sich die konjunkturellen Risiken im Euroraum. Die politischen Widerstände gegen den europaweiten Konsolidierungs- und Reformkurs haben sich verstärkt. So hat der Ausgang der jüngsten Wahlen in Griechenland eine ungeordnete Insolvenz des Landes ein Stück weit wahrscheinlicher gemacht. Seit März steigen die Risikoprämien für spanische Staatstitel wieder, nicht zuletzt wegen sich zuspitzender Probleme im spanischen Bankensektor. Die Risiken, die von der Schulden- und Vertrauenskrise im Euroraum für die deutsche Konjunktur ausgehen, sind zuletzt wieder gestiegen. Deshalb haben sich wohl auch die Konjunkturerwartungen im ZEW-Finanzmarkttest im Mai deutlich eingetrübt. Zudem deutet der Einkaufsmanagerindex auf eine schwächere Entwicklung in der deutschen Industrie hin.
Der ifo-Geschäftsklimaindex signalisiert dagegen für die deutsche gewerbliche Wirtschaft angesichts der robusten Inlandsnachfrage im April eine leicht verbesserte aktuelle Lage der Unternehmen. Die Erwartungen für die nächsten sechs Monate bleiben ebenfalls unverändert positiv. Ebenso lagen die Auftragseingänge im März um knapp 3 % über dem Tiefpunkt im Januar. Die Impulse kamen dabei aus den Ländern außerhalb des Euroraums, wohingegen die Auftragseingänge aus dem Euroraum am aktuellen Rand stagnieren.
Das Zinsniveau ist in Deutschland weiter niedrig. Die Vergabebedingungen für Kredite sowohl an Unternehmen als auch an private Haushalte sind im Frühjahr in etwa unverändert geblieben; für die kommenden Monate ist mit einer leichten Lockerung der Vergabebedingungen und einer Erhöhung der Kreditnachfrage zu rechnen. Vor allem die unverändert positiven Arbeitsmarktaussichten sowie reale Einkommenszuwächse dürften dazu beitragen, dass der private Konsum im laufenden Jahr deutlich steigen wird. Der GfK-Konsumklima-Indikator, der die Verbraucherstimmung erfasst, ging im Mai 2012 zwar zum zweiten Mal in Folge leicht zurück, liegt aber immer noch über seinem langjährigen Durchschnittswert.
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Quelle: DATEV eG