IWH-Konjunkturbarometer Ostdeutschland

Die konjunkturelle Erholung ist lt. IWH Halle in Ostdeutschland im Winter ins Stocken geraten. Nach dem kräftigen Auftrieb im dritten Quartal 2011 stagnierte das Bruttoinlandsprodukt am Jahresende kalender- und saisonbereinigt.

 

Grautöne im Winterhalbjahr

IWH Halle, Pressemitteilung vom 19.04.2012

 

Die konjunkturelle Erholung ist in Ostdeutschland im Winter ins Stocken geraten. Nach dem kräftigen Auftrieb im dritten Quartal 2011 stagnierte das Bruttoinlandsprodukt am Jahresende kalender- und saisonbereinigt. Die im Gefolge der Abschwächung in Deutschland eingetretenen Verluste an wirtschaftlicher Leistung im ostdeutschen Verarbeitenden Gewerbe konnten von der höheren Wertschöpfung im Baugewerbe und bei den Unternehmensdienstleistern gerade einmal ausgeglichen werden. Kumuliert über das Jahr 2011 beläuft sich der Produktionszuwachs insgesamt gegenüber dem Vorjahr auf 2,7 % (in Deutschland auf 3 %). Damit übertraf Ostdeutschland erstmals wieder das Niveau vor der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2008, und zwar um 1,3 %.

 
Die ostdeutsche Industrie hat im vierten Quartal 2011 die Folgen der weltweiten konjunkturellen Abkühlung und der Zuspitzung der Schulden- und Vertrauenskrise im Euroraum deutlich zu spüren bekommen. Sowohl die im Inland als auch die im Ausland realisierten Umsatzmengen sind nach Ausschluss der Kalender- und Saisoneffekte deutlich zurückgegangen, die Abwärtsdynamik ist dabei kaum geringer als in Westdeutschland. Ausschlaggebend für den Inlandsabsatz waren die starken Rückgänge bei den Investitions- und Gebrauchsgüterherstellern, wohl ausgelöst durch die im Herbst 2011 stark gestiegene Unsicherheit der Investoren und der privaten Haushalte über den Fortgang der europäischen Schuldenkrise. Unter der rückläufigen Auslandsnachfrage haben besonders die Vorleistungs- und Investitionsgüterproduzenten gelitten. Die Bruttowertschöpfung im Baugewerbe dürfte dagegen zum Jahresende zugelegt haben. Die Impulse kommen vor allem aus dem Wohnungsbau. Gestützt durch niedrige Zinsen und recht günstige Beschäftigungs- und Einkommensaussichten haben die privaten Haushalte und die Wohnungsanbieter sowohl in den Neubau als auch in die Modernisierung vorhandener Immobilien investiert. Förderlich dürften auch die sehr milden Witterungsverhältnisse gewesen sein. Der Handel stagnierte in etwa, das Gastgewerbe und der Verkehr dürften geringfügig zugelegt haben.

 

Auch für das erste Quartal 2012 deuten die vorlaufenden Indikatoren nach ersten Schätzungen des IWH auf eine schwache gesamtwirtschaftliche Dynamik in Ostdeutschland hin. Die Auftragseingänge in der Industrie waren bis zuletzt rückläufig. Die vom IWH regelmäßig befragten Industrieunternehmen berichten im Januar ebenfalls von einer kaum veränderten Geschäftslage, auch wenn die Erwartungen auf eine Besserung im späteren Verlauf des Jahres hindeuten. Vom günstigen Investitionsklima dürfte das Baugewerbe zwar auch weiterhin profitieren. Die Dynamik bei den Auftragseingängen hatte allerdings zuletzt etwas abgenommen. Die Bauumfragen des IWH signalisieren ebenfalls eine Stabilisierung der Geschäfte. Alles in allem dürfte das Bruttoinlandsprodukt ein weiteres Quartal in etwa stagnieren.

 

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des IWH Halle.

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Quelle: DATEV eG