Konjunktur 2015: Deutschland auf Potenzialpfad – globale Konjunktur auf dem Prüfstand

Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat seine Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland für 2014 und 2015 aktualisiert. Hierbei hat es seine Prognose für 2014 leicht nach unten revidiert und rechnet nunmehr mit einem Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts von 1,5 %.

 

HWWi, Pressemitteilung vom 09.12.2014

 
Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat seine Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland für 2014 und 2015 aktualisiert. Hierbei hat es seine Prognose für 2014 leicht nach unten revidiert und rechnet nunmehr mit einem Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts von 1,5 %.

 

Seit Jahresbeginn hat sich die Wachstumsdynamik deutlich abgeschwächt. Im Sommer ist die deutsche Wirtschaft einer (technischen) Rezession zwar entgangen, mit +0,1 % im Vergleich zum Vorquartal aber nur leicht gewachsen. Der erhoffte Investitionsaufschwung ist ausgeblieben, lediglich der Konsum und die Exporte leisteten im dritten Quartal einen Wachstumsbeitrag. Auch wenn sich die Stimmung der deutschen Verbraucher und Unternehmen zuletzt leicht aufgehellt hat, wird die deutsche Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte stagnieren. Über das Jahr hinweg wurde die Konjunktur noch von außenwirtschaftlichen Effekten gedämpft. Nichtsdestotrotz steht die deutsche Wirtschaft auf einem soliden Fundament und auch die Weltwirtschaft sollte im nächsten Jahr wieder etwas kräftiger wachsen, so dass sich auch die Wachstumsdynamik in Deutschland gegenüber den letzten Quartalen wieder erhöhen wird. Das HWWi erwartet daher für das Jahr 2015 ein reales Wachstum von 1,3 %. Die deutsche Wirtschaft wächst somit bei annähernd geschlossener Produktionslücke weiterhin mit Potenzialrate.

 

Hierbei wird die Binnenwirtschaft die wichtigste Wachstumsstütze bleiben. Vor allem der private Konsum wird aufgrund der weiterhin günstigen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und steigender Realeinkommen deutlich zum Wachstum beitragen. Dabei spielt eine wesentliche Rolle, dass die Inflationsrate, die im November bei 0,6 % lag, sich im nächsten Jahr nur moderat in Deutschland erhöhen wird. Weder die zuletzt gesunkenen Energiepreise noch die Preise für Nahrungsmittel werden im nächsten Jahr die Teuerungsrate substanziell erhöhen. Dennoch ist aufgrund der Einführung des Mindestlohnes und des allgemeinen Anstiegs der Lohnstückkosten mit einem leichten Preisanstieg zu rechnen, so dass sich die jahresdurchschnittliche Inflationsrate 2015 wieder auf 1,5 % erhöhen sollte.

 

Die derzeit dämpfenden außenwirtschaftlichen Effekte werden die Konjunktur im nächsten Jahr nicht zusätzlich belasten, stattdessen werden im nächsten Jahr vom Außenhandel wieder vermehrt positive Impulse ausgehen. Die Exportaussichten sollten sich mit zunehmender Aufhellung der Weltwirtschaft, einer weiteren Abwertung des Euro und sinkender Ölpreise wieder verbessern. Im nächsten Jahr sollten sowohl die Exporte als auch die Importe wieder kräftiger wachsen. Insgesamt ergibt sich für 2015 ein positiver Wachstumsbeitrag des Außenhandels von 0,3 Prozentpunkten.

 

Das Staatskonto sollte im gesamten Prognosezeitraum einen annähernd ausgeglichenen Finanzierungssaldo aufweisen. Auf der Ausgabenseite führen die Einführung der abschlagsfreien Rente ab 63, die Mütterrente, öffentliche Investitionen und die Leistungsausweitung in der gesetzlichen Rentenversicherung und Pflegeversicherung zu Mehrausgaben. Im Vergleich zu den Jahren 2012 und 2013 führt die sich belebende Konjunktur zu einem deutlich erhöhten Steueraufkommen.

 

Im nächsten Jahr werden Angebotseffekte das Geschehen auf dem Arbeitsmarkt prägen. So sorgt vor allem die gestiegene Zuwanderung aus europäischen Staaten für zusätzliches Arbeitskräfteangebot. Hierbei werden aber neben einer weiterhin zu beobachtenden Zuwanderung vor allem die Einführung des Mindestlohns und die bereits in diesem Jahr eingeführte abschlagsfreie Rente ab 63 ihre Wirkung entfalten. Dabei dürfte der Mindestlohn tendenziell die Arbeitslosigkeit erhöhen und den Aufbau der Erwerbstätigkeit dämpfen. Die abschlagsfreie Rente dürfte hingegen die Erwerbstätigkeit mindern. Für 2015 geht das HWWi davon aus, dass die Erwerbstätigkeit langsamer und um 0,5 % steigen wird. Die Arbeitslosigkeit wird hingegen stagnieren und bei 2,9 Millionen verbleiben.

 

Die größten Risiken für diese Prognose bestehen weiterhin in einer sich verzögernden Erholung im Euroraum und einer weiteren Eskalation der geopolitischen Krisen. Der globale Aufschwung steht in 2015 vor ernsthaften Belastungsproben. Vor allem eine schnellere und deutlichere Zinswende in den USA, als diese bisher von den Märkten erwartet wird, könnte die Finanzmärkte destabilisieren und einen Test für die Robustheit der Weltwirtschaft darstellen, die auch im sechsten Jahr nach der globalen Finanzkrise weiterhin fragil und gegenüber Schocks verwundbar ist. Das Jahr 2015 wird daher konjunkturell in besonderer Weise entscheidend für die zukünftige Entwicklung der Weltwirtschaft sein.

 

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des HWWi.

———————-

Quelle: DATEV eG