Die Konjunktur in der deutschen Logistikwirtschaft hat die während des letzten Jahres zu verzeichnende Talfahrt gestoppt und sich zum Jahresauftakt leicht über dem Vorquartalsniveau stabilisiert. Das geht aus der jüngsten Erhebung zum Logistik-Indikator hervor, den das IfW Kiel im Auftrag der BLV ermittelt hat.
Logistik-Indikator im ersten Quartal 2013
IfW Kiel, Pressemitteilung vom 04.03.2013
Die Konjunktur in der deutschen Logistikwirtschaft hat die während des letzten Jahres zu verzeichnende Talfahrt gestoppt und sich zum Jahresauftakt leicht über dem Vorquartalsniveau stabilisiert. Das geht aus der jüngsten Erhebung (Februarbefragung) zum Logistik-Indikator hervor, den das Institut für Weltwirtschaft im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik e.V. (BLV) ermittelt. Der Klimawert für die Gesamtlogistik liegt nun bei 108,6 Punkten (nach 105 im Vorquartal). Zwar gab die Lageeinschätzung weiterhin leicht nach (Rückgang um 3 Zähler auf 109,5 Punkte), dies wurde aber durch eine merkliche Aufhellung der Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate mehr als wettgemacht (Anstieg um 10,5 auf jetzt 107,7 Punkte).
Aussichten wieder aufwärts gerichtet
Mit dem Überschreiten der neutralen 100-er Marke sind die Aussichten für die Konjunkturentwicklung in der Logistikwirtschaft wieder deutlicher aufwärts gerichtet. In der Klimatendenz bewegen sich die beiden Marktseiten derzeit uneinheitlich: Während sich die Einschätzungen auf der Anbieterseite (Logistikdienstleister) deutlich aufhellte (102,5 Punkte nach 92,7 vor drei Monaten), hat sich das Klima auf der Anwenderseite (Industrie und Handel) leicht eingetrübt und gab um 2,5 Zähler auf nunmehr 114,7 Punkte nach. „Der Wirtschaftsbereich Logistik geht mit wohldosiertem Schwung in das neue Jahr – getragen von einem durchweg optimistischen Grundtenor“, sagte Prof. Raimund Klinkner, Vorstandsvorsitzender der BVL, zum Ergebnis der aktuellen Erhebung. „Nahe beieinander stehenden Lage- und Erwartungswerte lassen eine Fortschreibung der Trends erwarten, aber die Schwächen der Eurozone mahnen – bei allem Optimismus – zur Vorsicht.“
Logistikanbieter: Bessere Lageeinschätzung, mehr Optimismus als im Vorquartal
Auf der Anbieterseite haben sowohl die Lage- als auch die Erwartungskomponente des Klimawertes zugelegt. Die Verbesserung der Lageeinschätzung (Anstieg um 6,9 auf 103,6 Punkte) geht maßgeblich auf die im Mittel wieder als normal eingestufte Kapazitätsauslastung zurück, während die Geschäfts- und Auftragslage geringfügig nachgaben. Der weiterhin rückläufige, vor allem heimische Auftragseingang zeigt aber, dass die Bäume derzeit noch nicht in den Himmel wachsen. Aus den Erwartungen für die kommenden 12 Monate geht hervor, dass mit einer Verbesserung auch nicht gerechnet wird – expansive und kontraktive Antworten zur Auftragsentwicklung halten sich derzeit exakt die Waage. „Gegenüber dem Vorquartal, in dem mit deutlicher Mehrheit noch ein sich fortsetzender Auftragsschwund erwartet wurde, zeigen sich die Befragten damit aber deutlich optimistischer. Auf die Investitions- und Beschäftigungsabsichten schlägt dies indes noch nicht nennenswert durch“, sagt IfW-Konjunkturforscher Dr. Stefan Kooths, der die Berechnung des Indikators betreut. Insgesamt legte damit die Erwartungskomponente um 12,6 auf jetzt 101,4 Zähler zu.
Logistikanwender: Lageeinschätzung gibt nach, aber stärkere Belebung der Logistikaktivität erwartet
Bei den Logistikanwendern in Industrie und Handel zeigt sich zwischen Lage- und Zukunftseinschätzung eine gegenläufige Entwicklung. Die Lageeinschätzung gab um 13,4 auf 115,4 Indexpunkte nach, wobei sich alle diesbezüglichen Komponenten in ähnlichem Ausmaß abschwächten. Im Kontrast zur Anbieterseite ist die Kapazitätsauslastung bei den Anwendern gesunken und auch die Kapazitätsverfügbarkeit im Markt wird als weniger knapp eingestuft. Mit Blick auf die kommenden 12 Monate rechnen die Anwender mit einer stärkeren Belebung der Logistikaktivität als noch in der Novemberbefragung (Anstieg der Erwartungskomponente um 8,4 auf 114 Zähler). Ähnlich wie bei den Anbietern schlägt dies aber noch nicht auf die Planungen für einen stärkeren Kapazitätsausbau durch. Ähnlich wie in der Gesamtwirtschaft scheint auch bei den Logistikern eine abwartende Haltung zu dominieren (Investitions- und Beschäftigungsattentismus).
Welches sind die größten Risiken für die Logistikkonjunktur im laufenden Jahr?
Die Sonderfrage nach den größten Risiken für die Logistikkonjunktur im laufenden Jahr ergab auf beiden Marktseiten im Großen und Ganzen ein ähnliches Muster. Sorgen macht den Logistikern vor allem eine mögliche Verteuerung der Energie- und Rohstoffpreise, während die Sicherheit der Energieversorgung auf Jahresfrist allenfalls als mittleres Risiko, überwiegend aber nicht als nennenswerte Gefahr für die Logistikaktivität gesehen wird. „Die schwelende Eurokrise steht auf beiden Marktseiten weit oben auf dem Risikoradar, wobei sich die Befragten aus Industrie und Handel besonders besorgt zeigen.
Demgegenüber spielt die konjunkturelle Entwicklung in den USA und in China für die Logistikdienstleister eine deutlich größere Rolle als für die Anwender“, so IfW-Forscher Kooths. Die Lohnentwicklung stellt fast für die Hälfte der Befragten gar kein Risiko dar, nur weniger als 10 Prozent erkennen darin ein großes Risiko. Noch niedriger ist die Besorgnis über schädliche Einflüsse auf die Geschäftsgänge durch ein Anspringen der Inflation. Während die Einschätzung der zukünftigen Zinsentwicklung für die Logistikdienstleister mit zu den wichtigsten Risikofaktoren zählt, steht ist es für die Anwender am unteren Ende des Risikoprofils. Eine mögliche Konsumschwäche in Deutschland zählt aus Sicht der Logistiker in Industrie und Handel zu einem ausgeprägten mittleren Risikoszenario; für die Dienstleister scheint diese Risikokategorie indes kaum von Bedeutung zu sein.
Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des IfW Kiel.
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Quelle: DATEV eG