Das ifo Institut erwartet für das Jahr 2012 einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in Ostdeutschland (einschließlich Berlin) um 0,6 %. Die Wachstumsrate ist danach damit etwas geringer als in Deutschland insgesamt, weil sowohl die Industrie als auch die höherwertigen Dienstleister hier weniger stark vertreten sind als im gesamtdeutschen Durchschnitt. Weiterhin dürften auch die schrumpfende Bevölkerungszahl und rückläufige Transferzahlungen dämpfend wirken.
ifo Institut, Pressemitteilung vom 16.07.2012
I. Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen
Die Weltwirtschaft geriet im Sommer des letzten Jahres in eine Schwächephase, welche sich in unterschiedlich starkem Maße in allen großen Weltregionen widerspiegelte. Das ifo Weltwirtschaftsklima zeigt seit Jahresbeginn 2012 zwar eine Verbesserung der konjunkturellen Situation an, liegt aber weiterhin unter dem Niveau des Frühjahres 2011. Ausschlaggebend für die schwache Weltkonjunktur waren zum einen die restriktive Wirtschaftspolitik in vielen Schwellenländern und vor allem die erhebliche Verunsicherung durch die neuerliche Zuspitzung der europäischen Schuldenkrise.
In einem Umfeld höherer makroökonomischer Unsicherheit neigten viele Unternehmen dazu, bereits geplante Investitionsprojekte aufzuschieben. Aber auch die privaten Haushalte wurden vorsichtiger und erhöhten daher ihre Sparquote zu Lasten der Konsumnachfrage. Verstärkend wirkten zudem die sich verschärfenden Kreditvergabestandards der Banken. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung der Welt sowie auch in Europa für die Jahre 2012 und 2013 hängt maßgeblich vom Fortgang der europäischen Schuldenkrise ab.
Im Basisszenario der ifo-Konjunkturprognose für Deutschland ist unterstellt, dass es nicht zu einer weiteren Eskalation der Schuldenkrise kommt. Weiterhin wird angenommen, dass die Euroländer an ihrem bereits angekündigten Reform- und Sparkurs festhalten und, falls nötig, weiter intensivieren. Daher dürfte es gelingen, die Eurokrise allmählich zu entschärfen, sodass sich die vorliegende makroökonomische Unsicherheit langsam abbaut.
Unter diesen Annahmen dürfte sich die Weltwirtschaft nach einer Schwächephase in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres allmählich wieder erholen. Ursächlich hierfür ist vor allem die Entwicklung in den Schwellenländern. In vielen dieser aufstrebenden Volkswirtschaften wurde die zum Teil sehr restriktive Geld- und Finanzpolitik in der zweiten Hälfte des Jahres 2011 merklich gelockert. Dies dürfte insbesondere die dortige Binnennachfrage stützen. Zudem ist davon auszugehen, dass die realen verfügbaren Einkommen in den Schwellenländern weiter expandieren, wodurch die Importnachfrage dieser Regionen steigen dürfte.
Im Vergleich zu den aufstrebenden Volkswirtschaften wird die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in den Industrieländern deutlich langsamer verlaufen. Während der Euroraum im aktuellen Jahr eine Rezession durchläuft und im nächsten Jahr stagniert, dürfte sich die konjunkturelle Erholung in den Vereinigten Staaten von Amerika fortsetzen. Alles in allem dürfte die gesamtwirtschaftliche Produktion in der Welt in diesem und im nächsten Jahr mit 3,2 % bzw. 3,6 % nur schwach zunehmen.
Nach einem kräftigen saison- und kalenderbereinigten Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal 2012 (0,5 % gegenüber dem vierten Quartal 2011) dürfte die deutsche Wirtschaft im Sommerhalbjahr eine konjunkturelle Schwächephase durchlaufen, da sich die deutsche Wirtschaft nicht auf Dauer vollständig von der europäischen Finanz- und Vertrauenskrise abzukoppeln vermag. Wichtige Vorlaufindikatoren wie das ifo Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands, welches sich im Mai und Juni merklich eintrübte, deuten auf diese Entwicklung hin.
Unter der Annahme, dass die Eurokrise nicht weiter eskaliert, ist damit zu rechnen, dass die konjunkturellen Auftriebskräfte zum Jahresende 2012 wieder die Oberhand gewinnen. Hierfür spricht es, dass erstens die geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) im Inland weiter anregend wirken und dass zweitens das Zinsniveau in Deutschland aufgrund der ausgeprägten Präferenz ausländischer Investoren für Kapitalanlagen in Deutschland weiterhin sehr niedrig bleibt. Hinzu kommt drittens, dass die vorangegangene Abwertung der europäischen Gemeinschaftswährung die Ausfuhren in Regionen außerhalb des Raums der Europäischen Währungsunion (EWU) begünstigt.
Im Jahr 2013 dürfte das konjunkturelle Expansionstempo in Deutschland weiter zulegen. Getragen wird dies maßgeblich von der Binnennachfrage. Die privaten Konsumausgaben profitieren von der anhaltenden Expansion der realen verfügbaren Einkommen sowie der guten Arbeitsmarktlage. Zudem ist von einem Anstieg der Bruttoanlageinvestitionen auszugehen, da die Finanzierungsbedingungen weiter günstig bleiben und aufgeschobene Investitionsprojekte aus dem Jahr 2012 nachgeholt werden dürften. In seiner aktuellen Prognose erwartet das ifo Institut einen Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsproduktes von 0,7 % im Jahr 2012. Im kommenden Jahr dürfte die gesamtwirtschaftliche Produktion in Deutschland um 1,3 % expandieren.
Von dieser Entwicklung dürfte auch der deutsche Arbeitsmarkt profitieren. Nach Einschätzung des ifo Instituts wird die Zahl der Erwerbstätigen in diesem Jahr um 1,2% und im kommenden Jahr um 0,3 % zunehmen.
II. Prognose für Ostdeutschland
Die Prognose der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung auf regionaler Ebene wird in diesem Jahr durch die jüngst erfolgte Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen erschwert. Am 05. Juli 2012 veröffentlichte der Arbeitskreis Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen (VGR) der Länder erstmals Daten zum Bruttoinlandsprodukt und zur Bruttowertschöpfung nach Bundesländern auf Basis der neuen Wirtschaftszweigklassifikation Ausgabe 2008 (WZ08). Derzeit liegen jedoch nur revidierte Ergebnisse für die Jahre 2008 bis einschließlich 2011 vor, sodass Prognosemethoden, die auf der systematischen Auswertung von langen Datenreihen beruhen, zurzeit nicht nutzbar sind. Dies betrifft insbesondere die Vorausschätzung der Entwicklung in einzelnen Wirtschaftsbereichen. Deshalb werden in der aktuellen Prognose lediglich die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts sowie die Veränderung der Bruttowertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe und im Baugewerbe ausgewiesen.
Grundsätzlich kann sich auch die ostdeutsche Wirtschaft den internationalen Turbulenzen nicht entziehen. Die konjunkturelle Dynamik wird dabei insbesondere durch das Verarbeitende Gewerbe getrieben, da dieser Sektor die stärksten überregionalen Verflechtungen aufweist. Nachdem die nominalen Umsätze der ostdeutschen Betriebe mit wenigstens 50 tätigen Personen in den ersten vier Monaten des Jahres 2012 um 1,6% gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum expandierten, ist für das zweite und dritte Quartal insgesamt eine deutliche Abschwächung der Umsatzentwicklung zu erwarten. Darauf deuten insbesondere auch die Ergebnisse des ifo Konjunkturtests im Verarbeitenden Gewerbe hin. Während die aktuelle Geschäftslage von den Industriefirmen Ostdeutschlands weiterhin als sehr gut eingeschätzt wird, trübten sich in den letzten Monaten die Geschäftsaussichten der Befragungsteilnehmer zunehmend ein. Auch die Kapazitätsauslastung lag nach Unternehmensangaben im zweiten Quartal 2012 saisonbereinigt sowohl unter jener des Vor- als auch Vorjahresquartals. Die positive Umsatzentwicklung der ersten vier Monate 2012 wird dabei maßgeblich durch die Investitionsgüter- (+5,9 %) und Vorleistungsgüterproduzenten (+1,1 %) beeinflusst. Dabei fallen die Investitionsgüterproduzenten jedoch nicht so stark ins Gewicht, da sie traditionell weniger stark in Ostdeutschland vertreten sind. Mit zunehmender Verstärkung der gesamtwirtschaftlichen Auftriebskräfte ist davon auszugehen, dass die konjunkturelle Entwicklung der ostdeutschen Industrie zum Ende des Jahres 2012 wieder an Fahrt gewinnt. Für das aktuelle Jahr ist davon auszugehen, dass die preisbereinigte Bruttowertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe Ostdeutschlands (inkl. Berlin) um 0,8% zulegen dürfte.
Trotz der insgesamt schwächelnden Konjunktur konnte die Produktion im ostdeutschen Baugewerbe in den ersten Monaten des Jahres 2012 deutlich gesteigert werden. Dabei zeigen sich für die verschiedenen Bausparten unterschiedliche Entwicklungen. Während die Betriebe mit 20 und mehr tätigen Personen im Wohnungsbau ihren baugewerblichen Umsatz in den ersten vier Monaten im Vorjahresvergleich um 24,8 % steigern konnten, fielen die Umsatzzuwächse im Wirtschaftsbau mit 4,3 % deutlich geringer aus. Im Bereich des öffentlichen Baus gingen die Umsätze sogar um -6,8 % zurück. Darüber hinaus zeigte sich auch im Ausbaugewerbe Ostdeutschlands eine zweistellige Zuwachsrate des baugewerblichen Umsatzes im ersten Quartal 2012. Die Vorlaufindikatoren für das Baugewerbe sind weiterhin aufwärtsgerichtet, wenngleich nicht mehr so stark wie im ersten Quartal. Im weiteren Jahresverlauf ist davon auszugehen, dass der Wohnungsbau weiterhin von günstigen Finanzierungsbedingungen sowie der guten Arbeitsmarktlage profitiert. Darüber hinaus erscheinen vielen Anlegern Investitionen in Immobilien vor dem Hintergrund der Eurokrise als vergleichsweise sicher. Dämpfend auf die Entwicklung im ostdeutschen Wohnungsbau dürfte sich allerdings die beschleunigte Schrumpfung (und Alterung) der Bevölkerung auswirken. Im Wirtschaftsbau wird sich zudem die schwache Konjunktur im Sommerhalbjahr dämpfend auswirken. Daher werden Investitionen zunächst hinten angestellt, um erst mit schwindender Unsicherheit bei den Unternehmen am Ende des Jahres wieder anzuziehen. Unterstützend wirken sich dabei die weiterhin günstigen Finanzierungsbedingungen aus. Positive Impulse gehen zudem vom Ausbaugewerbe aus, da dieser Bereich eng an die Entwicklung in den anderen Bausparten gekoppelt ist. Der öffentliche Bau hingegen dürfte nur wenig Impulse setzen, trotz aktuell positiver Zuwachsraten bei den Auftragseingängen. Alles in allem wird davon ausgegangen, dass die reale Bruttowertschöpfung im ostdeutschen Baugewerbe gegenüber dem Vorjahr um 1,0 % zunimmt.
Auch die Dienstleistungsbereiche dürften einen positiven Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im aktuellen Jahr liefern. Die weiterhin günstige Arbeitsmarktlage sowie eine verbesserte Einkommenssituation der privaten Haushalte werden die Entwicklung im Einzelhandel stützen. Der Großhandel sowie die unternehmensnahen Dienstleister dürften von der etwas günstigeren Entwicklung des Verarbeitenden Gewerbes zum Ende des Jahres hin profitieren können.
Insgesamt erwartet das ifo Institut für das Jahr 2012 einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in Ostdeutschland (einschließlich Berlin) um 0,6 %. Die Wachstumsrate ist damit etwas geringer als in Deutschland insgesamt, weil sowohl die Industrie als auch die höherwertigen Dienstleister hier weniger stark vertreten sind als im gesamtdeutschen Durchschnitt. Weiterhin dürften auch die schrumpfende Bevölkerungszahl und rückläufige Transferzahlungen dämpfend wirken.
Die positive Entwicklung auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt im Jahr 2011 setzte sich auch im ersten Quartal 2012 weiter fort. Nach Angaben der amtlichen Statistik stieg die Zahl der erwerbstätigen Personen in Ostdeutschland (einschließlich Berlin) um 0,8% gegenüber dem ersten Quartal 2011. Maßgeblich zur Zunahme der Erwerbstätigkeit trug die Entwicklung in Berlin (+2,3 %) bei. Dennoch liegt die Zuwachsrate der Beschäftigung in Ostdeutschland niedriger als in Deutschland insgesamt (1,3 %). Zuletzt trübten sich die ifo Beschäftigungserwartungen für die gewerbliche Wirtschaft Ostdeutschlands allerdings merklich ein. Zudem ist davon auszugehen, dass die Firmen aufgrund der schwächelnden Konjunktur im Sommerhalbjahr 2012 zunächst Arbeitszeitkonten abbauen werden. Darüber hinaus ist es für ostdeutsche Firmen schwieriger, geeignete Fachkräfte zu finden. Im Gesamtjahr ist davon auszugehen, dass die Zahl der erwerbstätigen Personen in Ostdeutschland nur um 0,5 % steigen dürfte.
Für das Jahr 2013 wird in der Prognose angenommen, dass die Unsicherheiten bezüglich der europäischen Schuldenkrise sich allmählich abschwächen und die konjunkturellen Auftriebskräfte wieder die Oberhand gewinnen. Maßgeblich dazu beitragen werden der private Konsum sowie die Bruttoanlageinvestitionen, da insbesondere die Finanzierungsbedingungen günstig bleiben dürften und Investoren aufgeschobene Projekte nachholen werden. Weiterhin ist mit allmählich wieder anziehender Weltkonjunktur auch mit einer wieder etwas stärker steigenden Exportnachfrage zu rechnen.
Dies alles dürfte insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe Ostdeutschlands (einschließlich Berlin) positive Wirkungen entfalten. Es ist davon auszugehen, dass die reale Bruttowertschöpfung in der ostdeutschen Industrie im kommenden Jahr um 3,7% gegenüber dem aktuellen Jahr zulegt. Von der anhaltend hohen Attraktivität deutscher Kapitalanlagen und den weiterhin sehr günstigen Finanzierungsbedingungen dürfte auch das Baugewerbe Ostdeutschlands profitieren. Im Zuge der verbesserten Situation der ostdeutschen Industrie wird der Wirtschaftsbau stärker expandieren als im aktuellen Jahr. Der Wohnungsbau profitiert weiterhin von den niedrigen Zinsen, wird aber durch die demographische Entwicklung gebremst. Vom öffentlichen Bau werden voraussichtlich nur geringe Impulse zu erwarten sein. Alles in allem dürfte die preisbereinigte Bruttowertschöpfung im ostdeutschen Baugewerbe im kommenden Jahr um 2,4 % expandieren.
Die anhaltend gute Arbeitsmarktlage sowie die robuste Binnennachfrage wirken im kommenden Jahr vor allem positiv auf den Handel und das Gastgewerbe. Der Großhandel sowie der Verkehrssektor profitieren von der konjunkturellen Belebung in der Industrie und dürften sich im Jahr 2013 ebenfalls besser entwickeln. Von den öffentlichen Dienstleistern wird hingegen, wie auch schon in den letzten Jahren, kein nennenswerter Impuls auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Ostdeutschlands ausgehen, weil hier die Konsolidierungserfordernisse in den öffentlichen Haushalten negativ wirken.
Somit wird das Bruttoinlandsprodukt der ostdeutschen Länder im nächsten Jahr voraussichtlich um 1,1 % steigen. Damit dürfte das Wachstum jedoch erneut unter dem gesamtdeutschen Durchschnitt liegen, was in der spezifischen Wirtschaftsstruktur Ostdeutschlands begründet liegt. Neben der insgesamt geringeren Bedeutung der Industrie spielt dabei auch das Spezialisierungsmuster innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes eine Rolle. Da nämlich die Investitionsgüterproduzenten in Ostdeutschland eher schwach vertreten sind, fallen auch die Impulse durch die steigende Investitionsnachfrage im Jahr 2013 in den ostdeutschen Ländern schwächer aus. Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte im kommenden Jahr nur noch um 0,1 % expandieren, da tendenziell steigende Lohnstückkosten die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen dämpfen dürften.
III. Prognose für Sachsen
Nach einem guten ersten Quartal hat sich die konjunkturelle Dynamik auch in Sachsen im zweiten Quartal spürbar verlangsamt. Darauf deuten die Befragungsergebnisse aus dem ifo Konjunkturtest für den Freistaat Sachsen hin. Das ifo Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft Sachsens hat sich seit März 2012 merklich eingetrübt. Auch im weiteren Jahresverlauf ist auf Grund der fortbestehenden Verunsicherung im Euroraum mit einer schwachen konjunkturellen Entwicklung zu rechnen. Grundsätzlich folgt die gesamtwirtschaftliche Dynamik in Sachsen somit in hohem Maße dem ostdeutschen Muster.
Allerdings wirken sich die für das Jahr 2012 wahrscheinlich schwache Exportdynamik und die zu erwartende Zurückhaltung der Unternehmen für anstehende Erweiterungsinvestitionen im Freistaat Sachsen aufgrund der spezifischen Wirtschaftsstruktur – höhere Exportquote und ein größerer Anteil an Investitionsgüterproduzenten – stärker aus als in den übrigen ostdeutschen Ländern. Nach Angaben der amtlichen Statistik nahm der Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe in den ersten vier Monaten des Jahres 2012 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,6 % zu. Das schwache Umsatzwachstum liegt auch in der negativen Entwicklung im Fahrzeugbau als der umsatzstärksten Branche der sächsischen Industrie begründet. Für den weiteren Jahresverlauf deuten die aktuellen Befragungsergebnisse des ifo Instituts auf eine weitere Abschwächung der Entwicklung hin. Die Geschäftsaussichten werden zunehmend als ungünstig eingestuft. Für das gesamte Jahr 2012 prognostiziert das ifo Institut daher nur noch einen Anstieg der preisbereinigten Bruttowertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes im Freistaat Sachsen um 0,6 %.
Infolge der langsamen Industriedynamik wird sich auch der Wirtschaftsbau in Sachsen nur schwach entwickeln. Positive Impulse werden dagegen vom Wohnungsbau kommen, wo angesichts der steigenden Nachfrage nach städtischem Wohnraum mit einer Zunahme der Dynamik zu rechnen ist. Gegenüber dem ostdeutschen Durchschnitt, der in diesem Zusammenhang von der Neubautätigkeit in Berlin profitiert, fallen diese Impulse aber gering aus. In der Folge schätzt das ifo Institut, dass die preisbereinigte Bruttowertschöpfung im sächsischen Baugewerbe mit etwa 0,8 % weniger stark wachsen wird als in Ostdeutschland (mit Berlin) insgesamt.
Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt im Freistaat Sachsen wird im aktuellen Jahr voraussichtlich um 0,5 % steigen. Folglich wird die gesamtwirtschaftliche Produktion etwas weniger stark expandieren als im ostdeutschen Durchschnitt.
Für das Jahr 2013 erwartet das ifo Institut auch im Freistaat Sachsen eine deutliche Belebung der gesamtwirtschaftlichen Dynamik. Diese Prognose stützt sich auf die Annahme, dass die allgemeine Verunsicherung im internationalen Umfeld überwunden wird. Die damit einhergehende Erholung der Exportnachfrage und die Durchführung herausgezögerter Investitionen setzen deshalb spürbare positive Impulse für die sächsische Industriekonjunktur. Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes im Freistaat Sachsen wird voraussichtlich um 4,0 % expandieren und damit etwas stärker als in Ostdeutschland insgesamt (mit Berlin). Einhergehend mit dieser Entwicklung wird sich auch die Dynamik im industrienahen Wirtschaftsbau deutlich beschleunigen. Die Bruttowertschöpfung im gesamten sächsischen Baugewerbe wird im Jahr 2013 gegenüber 2012 preisbereinigt um 2,6 % steigen. Alles in allem dürfte das Bruttoinlandsprodukt des Freistaats im kommenden Jahr mit einem realen Wachstum von 1,2 % etwas stärker expandieren als im ostdeutschen Durchschnitt.
Die Entwicklung der Erwerbstätigenzahl wird der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts mit einiger Verzögerung folgen. Zudem sind die Auswirkungen des demographischen Wandels zu berücksichtigen. Im Jahr 2012 wird die Zahl der Erwerbstätigen in Sachsen um 0,4 % steigen, worin sich noch die positiven Impulse der sehr hohen gesamtwirtschaftlichen Dynamik des Vorjahres niederschlagen. Für das Jahr 2013 prognostiziert das ifo Institut hingegen eine Stagnation der Erwerbstätigkeit.
Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des ifo Instituts.
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Quelle: DATEV eG