Das Konjunkturklima in der deutschen Logistikwirtschaft hat sich im dritten Quartal leicht abgekühlt. So bilanziert das IfW die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturerhebung in der Logistikbranche.
IfW Kiel, BVL, Pressemitteilung vom 21.09.2015
- Rückgang beim Logistikklima geht maßgeblich auf Logistikdienstleister zurück
- Dämpfer wegen Zweifeln über weitere wirtschaftliche Entwicklung in Schwellenländern, insbesondere China
- Zunehmende Digitalisierung wird vor allem als große Herausforderung begriffen
„Das Konjunkturklima in der deutschen Logistikwirtschaft hat sich im dritten Quartal leicht abgekühlt“, so bilanziert Prof. Dr. Stefan Kooths, Leiter des Prognosezentrums am Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel, die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturerhebung in der Logistikbranche. Insbesondere Sorgen über die wirtschaftliche Entwicklung Chinas und der Schwellenländer hätten auf die Stimmung gedrückt. Jedoch deute der weiterhin deutliche Abstand zur neutralen 100er-Marke auf künftig expansive, wenn auch etwas weniger dynamische Tendenzen in der deutschen Logistikwirtschaft hin, so Kooths weiter. „Die steigende Nachfrage aus den USA, deren Wirtschaftskraft im zweiten Quartal um 3,7 Prozent gewachsen ist, und die moderat, aber stetig wachsende Nachfrage aus Europa verursachen positive Effekte“, erklärte Prof. Dr.-Ing. Raimund Klinkner, Vorstandsvorsitzender der Bundesvereinigung Logistik e.V. (BVL), zu den Ergebnissen der Befragungen.
Rückgang geht maßgeblich auf Logistikdienstleister zurück
Das logistikbezogene Konjunkturklima ging insgesamt um knapp 8 auf nunmehr 125,7 Zähler zurück. Der Rückgang geht maßgeblich auf die Logistikdienstleister zurück (minus 11,3 Punkte). Die Logistikdienstleister bewerten sowohl ihre derzeitige Geschäftslage als auch die Aussichten für die kommenden 12 Monate weniger optimistisch als im Vorquartal. Die Lageeinschätzung wird vor allem von weniger dynamischen grenzüberschreitenden Auftragseingängen getrübt.
Demgegenüber gab der Teilindikator für die Anwenderseite in Industrie und Handel nur 4 Punkte ab. Der stärkste Dämpfer für die Erwartungen der Logistikanwender geht – auf hohem Niveau – von zukünftig erwarteten grenzüberschreitenden Logistikbedarfen aus. „In der leichten Abkühlung dürften vor allem Zweifel über die weitere wirtschaftliche Entwicklung in den Schwellenländern, insbesondere in China, eine Rolle gespielt haben, die in der Vergangenheit die Dynamik des Welthandels entscheidend mit beeinflusst haben“, erläutert Kooths.
Dennoch zeigen sich die Befragten hinsichtlich der kurzfristigen Aussichten – für das kommende Quartal – deutlich optimistischer als noch vor Dreimonatsfrist. Per Saldo rechnen gut 40 Prozent der Anbieter und gut 30 Prozent der Anwender mit besseren Geschäften im Schlussquartal des laufenden Jahres.
Zunehmende Digitalisierung wird vor allem als große Herausforderung begriffen
Die fortschreitende Digitalisierung schafft auch in der Logistikwirtschaft neue Herausforderungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Hinsichtlich der zusätzlichen Arbeitsplatzanforderungen sind demnach analytisches Verständnis, vernetztes Denken sowie Kommunikationsstärke besonders wichtig. Bei den Logistikern in Industrie und Handel wird zudem die interkulturelle Kompetenz merklich höher eingeschätzt. Hinsichtlich zusätzlicher Angebote für Beschäftigte bilden flexible Arbeitszeiten, Weiterbildungsangebote sowie Delegation von Verantwortung die Spitzengruppe.
Die Bewertung der zusätzlichen Anforderungen der Digitalisierung, gemittelt über beide Marktseiten und alle Antwortkategorien auf einer Skala von 0 (unwichtig) bis 5 (sehr wichtig), liegt durchschnittlich bei 3,7. Demgegenüber erreichen die unterstützenden Angebote der Unternehmen auf derselben Skala nur einen Durchschnittswert von 2,9. „Dies lässt vermuten, dass die Befragten die zunehmende Digitalisierung vor allem als große Herausforderung erleben, zu deren Bewältigung in den Unternehmen noch Luft nach oben ist“, so Kooths.
Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des IfW Kiel.
———————-
Quelle: DATEV eG