Mehr Frauen an den Start – für einen starken Mittelstand von morgen

Frauen gründen zögerlicher: Sie stellen zwar mittlerweile fast die Hälfte der Teilnehmer in IHK-Gründungsseminaren, aber nur rund ein Drittel der Jungunternehmer, die tatsächlich einen Betrieb errichten. Jährlich könnten 50.000 zusätzliche Jobs entstehen, wenn angehende Gründerinnen ihre Vorhaben entschlossener umsetzten. Der DIHK fordert deshalb u. a., die Kinderbetreuung zu verbessern. Aber auch der Abbau von Bürokratiehürden und die Schaffung eines positiveren Unternehmerbildes könnten dazu beitragen, unternehmerische Ressourcen zu heben.

 

DIHK, Mitteilung vom 20.11.2014

Frauen stellen fast jeden zweiten Teilnehmer bei den Gründungsseminaren der IHKs.

 

Doch viele setzen ihr Vorhaben nicht um. Der Anteil der Frauen an allen Gründungen schwankt deshalb seit Jahren um die 30 Prozent. Wie lässt sich diese Lücke schließen? Hinweise gibt eine aktuelle DIHK-Analyse, basierend auf 200.000 Gesprächen der IHKs mit Existenzgründerinnen und -gründern.

 

50.000 zusätzliche Arbeitsplätze möglich – pro Jahr
Der Anteil von Frauen bei den IHK-Gründungsseminaren liegt inzwischen bei 43 Prozent.

 

Wäre der Frauenanteil an allen Gründungen genauso hoch, könnten dadurch rund 80.000 weitere Neugründungen mit 50.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen pro Jahr entstehen.

 

Gründlicher – aber seltener
Nach den Erfahrungen der IHK-Experten bereiten Frauen ihre Vorhaben sehr gründlich vor. Mehr Frauen als Männer nehmen dann aber auch von ihrem Gründungsprojekt wieder Abstand. Noch immer managen vor allem Frauen parallel ihr persönliches „Unternehmen Familie“ und haben so weniger Zeit, Branchen-Know-how zu sammeln, Netzwerke zu knüpfen und Kapital anzusparen. So gründen viele Frauen dann auch eher kleinere Unternehmen und besonders oft in Dienstleistungsbereichen, wo vergleichsweise wenig Startkapital erforderlich ist.

 

Häufiger Knackpunkt: Vereinbarkeit mit der Familie
Bis zu einem gewissen Grad bietet Selbständigkeit mehr Flexibilität, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Besonders viele Frauen starten daher im Nebenerwerb. Wenn die Geschäftsidee dann Flügel bekommt, ist jedoch häufig der Übergang in den „Hauptberuf Unternehmerin“ angezeigt, um den Anforderungen von Kunden, Geschäftspartnern und Finanziers gerecht zu werden.

 

Unternehmerische Ressourcen heben
Die Regierungsparteien bekennen sich im Koalitionsvertrag zu einer „Neuen Gründerzeit“.

 

Zu Recht, denn während hierzulande immer weniger Unternehmen gegründet werden, gehen vor allem in den Schwellenländern immer mehr gut qualifizierte junge Leute an den Business-Start. Es kommt jetzt darauf an, viel stärker das unternehmerische Potenzial auch von Frauen zu heben. Folgende Maßnahmen sollte die Politik ergreifen, damit mehr Ratsuchende ihr Gründungsvorhaben umsetzen.

 

Kinderbetreuung ausbauen
Bei einem bedarfsgerechten Betreuungsangebot könnten wir zusätzlich 850.000 Vollzeitstellen besetzen. Da wäre auch viel Raum für neues Unternehmertum – von Müttern und Vätern.

 

Mehr Verständnis für Unternehmertum in Politik und Verwaltung
Im Bildungssystem muss die Vermittlung unternehmerischer Kompetenzen stärker verankert werden. So würden mehr Schülerinnen die Möglichkeit der Selbständigkeit in ihre Zukunftsplanung einbeziehen und nicht nur an den sicheren Angestellten-Job denken.

 

„Vorbild-Unternehmerinnen“ könnten den Schritt von Frauen in die Selbständigkeit erleichtern. Zusätzlich zu den vielen IHK-Aktivitäten hat die Bundesregierung eine Initiative gestartet: FRAUEN unternehmen.

 

Bürokratiehürden aus dem Weg räumen!
Von einem gründungsfreundlichen Umfeld profitieren Frauen und Männer. Wichtig ist der Abbau bürokratischer Hürden. Gründerinnen und Gründer sollten ihre Umsatzsteuervoranmeldung wie andere Unternehmer vierteljährlich abgeben müssen – nicht jeden Monat. Es ist gut, dass die Politik diese Erleichterung endlich diskutiert. Das Vorhaben sollte rasch umgesetzt werden, denn acht Steuererklärungen pro Jahr weniger sind spürbarer Abbau von Steuerbürokratie. Das komplizierte Formular „Einnahme-Überschussrechnung“ sollte gestrichen werden. One-Stop-Shops für Gründer – etwa bei den IHKs – würden die Bürokratielast beim Start ins Unternehmerleben um 28 Prozent senken. Um keine Zeit zu verlieren, sollten diese Maßnahmen in das von Bundeswirtschaftsminister Gabriel geforderte Bürokratiemoratorium für junge Unternehmen Eingang finden.

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Quelle: DATEV eG