Rückkehr des Vertrauens beflügelt Konjunktur in Deutschland

Laut IWH Halle hellt sich die konjunkturellen Perspektiven für Deutschland nach dem Produktionseinbruch im Schlussquartal des Jahres 2012 wieder auf. Maßgeblich hierfür sei die Entspannung der Schulden- und Vertrauenskrise im Euroraum und eine etwas höhere weltwirtschaftliche Dynamik.

 

IWH Halle, Pressemitteilung vom 14.03.2013

 

Die konjunkturellen Perspektiven für Deutschland hellen sich nach dem Produktionseinbruch im Schlussquartal des Jahres 2012 wieder auf. Maßgeblich hierfür ist die Entspannung der Schulden- und Vertrauenskrise im Euroraum. Hinzu kommt eine etwas höhere weltwirtschaftliche Dynamik. Beides führt dazu, dass die günstigen binnenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland wieder ihre Wirkung entfalten. Das preisbereinigte Bruttoinlands-produkt dürfte demnach im Jahr 2013 um 1,3% zulegen, die Arbeitslosenquote geringfügig auf 6,4% sinken und die Verbraucherpreisinflation bei 1,7% liegen.

 
In den ersten Monaten des Jahres 2013 haben sich die konjunkturellen Perspektiven für Deutschland aufgehellt. Schon seit dem Schlussquartal des Jahres 2012, als die gesamtwirtschaftliche Produktion sank, schätzen die Unternehmen ihre Geschäftsaus-sichten zunehmend günstiger ein. Der Hauptgrund dafür ist wohl, dass mit der Entspannung der Schulden- und Vertrauenskrise im Euroraum das wichtigste weltwirtschaftliche Risiko weniger akut geworden ist. Die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB) vom vergangenen Sommer, im Notfall zur Stützung des Kurses von Staatstiteln der Krisenländer zu intervenieren (OMT-Programm), verhindert, dass eine „selbsterfüllende Prophezeiung“ über die Insolvenz und den Austritt eines Mitgliedslandes entsteht – ohne dass die EZB bisher tatsächlich Staatsanleihen im Rahmen dieses Programms kaufen musste. Seit der Ankündigung sanken die Risikoprämien, die der spanische und der italienische Staat auf den Kapitalmärkten zahlen müssen, bis Ende Februar kräftig. Selbst der Ausgang der Parlamentswahlen in Italien von Ende Februar, welcher die Unsicherheit über den Konsolidierungs- und Reformkurs im Land erhöht, hat die Risikoprämien für italienische Staatsschuldtitel vergleichsweise wenig steigen lassen, und Ansteckungseffekte auf andere Länder, etwa Spanien, sind ausgeblieben.

 
Hierzulande führt die Rückbildung des Risikos einer akuten Zuspitzung der Euro-krise dazu, dass sich die konjunkturellen Perspektiven deutlich verbessern. Denn die binnenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind für die deutsche Wirtschaft sehr günstig, und auch die Weltkonjunktur hat sich insgesamt etwas belebt: Industrie-produktion und Warenhandel expandierten zuletzt beschleunigt. Ein deutlicher Produktionsanstieg scheint sich insbesondere in den asiatischen Schwellenländern abzuzeichnen. In China expandiert die Wirtschaft schon seit vergangenem Sommer mit einer Jahresrate von über 8%, und vom Anziehen des innerasiatischen Handels profitieren seit dem Herbst die meisten übrigen Volkswirtschaften in Ost- und Südostasien, die in der Regel sehr exportorientiert sind. Auch die Unternehmen in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften blicken etwas optimistischer in die Zukunft. Dort wird die konjunkturelle Belebung aber nur mäßig ausfallen. Die erhebliche finanzpolitische Dämpfung in den USA lässt die US-Wirtschaft sogar etwas langsamer expandieren als im Jahr 2012, und die Produktion im Euroraum wird erst ab der zweiten Jahreshälfte 2013 wieder zunehmen.

 
Vor diesem Hintergrund ist zu erwarten, dass die Auftriebskräfte für die Konjunktur in Deutschland wieder stärkere Wirkung entfalten. Beschäftigung und Löhne werden wohl weiter anziehen, und dies wird den privaten Konsum und den Wohnungsbau stimulieren.

 

Zudem ist die Kapitalintensität der Produktion derzeit vergleichsweise niedrig; die Firmen dürften daher ihren Kapitalstock ausweiten. Die Bedingungen dafür sind äußerst günstig, denn die Zinsen in Deutschland befinden sich auf einem historischen Tiefstand. Ein rasches Anziehen der Konjunktur ist allerdings in den „harten“ Konjunkturindikatoren bisher nur ansatzweise erkennbar. Die Produktion im Produzierenden Gewerbe inklusive Bauhauptgewerbe lag im Januar nur geringfügig über dem Stand vom Vorquartal, und die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe waren rückläufig. Dies lässt erwarten, dass der Produktionsanstieg im ersten Quartal 2013 noch mäßig geblieben ist. Ein Übergreifen der Rezession auf Deutschland ist gleichwohl nicht zu befürchten. Im Gegenteil: Eine Reihe von Indikatoren deutet darauf hin, dass sich der Produktionsrückgang in den kommenden Quartalen nicht fortsetzen wird. So hat die Erwerbstätigkeit im Januar 2013 beschleunigt zugenommen, und die Arbeitslosigkeit ist seit Dezember 2012 wieder rückläufig. Vor allem aber hat sich das Geschäftsklima deutlich verbessert. Seine Erwartungskomponente sprang im Februar um vier Indexpunkte aufwärts und liegt mit einem Wert von 104,6 jetzt sehr deutlich über ihrem langjährigen Mittelwert. Ab dem zweiten Quartal ist daher mit einer kräftigen gesamtwirtschaftlichen Expansion zu rechnen, zumal dann ein wesentlicher Teil der Produktionsverluste, die bei der Bautätigkeit im ersten Vierteljahr durch die ungünstige Witterung entstanden sind, wieder aufgeholt werden dürfte. Das reale Bruttoinlandsprodukt wird im Jahr 2013 um 1,3% zunehmen und damit deutlich stärker als zur Jahreswende erwartet. Für das Jahr 2013 reicht das 66%-Prognoseintervall von 0,8% bis 1,7%, für das Jahr 2014 von 0,8% bis 4,0%.

 

Die Arbeitslosenquote dürfte bei dieser realwirtschaftlichen Entwicklung nochmals rückläufig sein. Die Verbraucherpreisinflation wird im Jahr 2013 mit 1,7% etwas niedriger als im Vorjahr ausfallen und im Jahr 2014 wieder etwas zulegen. Der Finanzierungssaldo des Staates wird im Jahr 2013 sowohl konjunkturbedingt als auch aufgrund einer expansiv ausgerichteten Finanzpolitik leicht negativ ausfallen, sich aber im Jahr 2014 infolge der hohen konjunkturellen Dynamik wieder deutlich verbessern.

 
Wesentliche Risiken für die Konjunktur in der Welt und in Deutschland liegen in der zusehends schwerer berechenbaren Wirtschaftspolitik in vielen fortgeschrittenen Volkswirtschaften. Diese sind allen expansiven Maßnahmen zum Trotz seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise vor fünf Jahren nicht aus der Schwächephase herausgekommen, und die Politik ist vielerorts auf der Suche nach neuen Konzepten zur Stimulierung der Wirtschaft. Aber auch die bloße Fortsetzung der Politik außergewöhnlich niedriger Leitzinsen in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften birgt Risiken, insbesondere das der Bildung von Vermögenspreisblasen. Ein Warnsignal könnten die recht hohen Aktienkurse sein. Auch der Ölpreis ist mit etwa 110 US-Dollar pro Barrel (Brent) seit Sommer 2012 recht hoch. Eine Erklärung dafür ist auch die seit Beginn des „Arabischen Frühlings“ vor zwei Jahren permanent labile politische Lage in den Fördergebieten des Nahen und Mittleren Ostens. Eine Zuspitzung der Lage könnte den Ölpreis rasch stark steigen lassen.

 
Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des IWH Halle.

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Quelle: DATEV eG