Die Weltwirtschaft expandierte in den ersten Monaten des Jahres 2013 weiterhin sehr verhalten, die Konjunktur hat sich aber stabilisiert. Insbesondere in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften hat sich die Lage verbessert. Das teilt das IfW Kiel mit.
IfW Kiel, Pressemitteilung vom 20.06.2013
Die Weltwirtschaft expandierte in den ersten Monaten des Jahres 2013 weiterhin sehr verhalten, die Konjunktur hat sich aber stabilisiert. Insbesondere in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften hat sich die Lage verbessert. Die Spannungen an den Finanzmärkten haben sich nochmals verringert, und die Aktienkurse sind deutlich gestiegen. Besonders stark beschleunigte sich die Konjunktur in Japan. In den Vereinigten Staaten nahm das Bruttoinlandsprodukt zwar ebenfalls deutlich stärker zu als im Quartal zuvor; in der Grundtendenz blieb die konjunkturelle Expansion aber verhalten. Im Euroraum setzte sich die Rezession indes fort, wenngleich in deutlich geringerer Schärfe.
In den Schwellenländern schwächte sich die wirtschaftliche Expansion hingegen ab, auch wenn hierfür wohl zum Teil Sonderfaktoren verantwortlich gewesen sind. Insgesamt nahm das globale Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal mit einer laufenden Jahresrate von 2,5 Prozent in ähnlich geringem Tempo zu wie in den Quartalen zuvor. Für das zweite Quartal signalisiert der IfW-Indikator für die weltwirtschaftliche Aktivität, der auf der Basis von Stimmungsindikatoren aus 42 Ländern berechnet wird, eine Beschleunigung, auch wenn das Niveau der Stimmungsindikatoren insgesamt noch recht niedrig ist.
Ausblick: Konjunktur zieht allmählich an
Die Indikatoren für die Weltkonjunktur haben sich in der jüngsten Zeit etwas verbessert. Nach wie vor ist die Grunddynamik aber gering, so dass die Erholung anfällig bleibt für Störungen etwa vonseiten der Finanzmärkte oder durch einen Anstieg der Rohstoffpreise. Die Aussichten hängen zudem zentral von der weiteren Entwicklung der Krise im Euroraum ab und den Einflüssen, die davon auf Nachfrage und Finanzmärkte ausgehen. Für die Prognose unterstellen wir, dass neuerliche deutliche Anspannungen an den Finanzmärkten im Zusammenhang mit der Staatsschuldenkrise im Euroraum ausbleiben.
Angesichts allmählich deutlicher werdender Fortschritte bei den wirtschaftlichen Anpassungsprozesse in den Krisenländern, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Vertrauen in die Zukunft des Euroraums festigt und in der Folge auch die Konjunktur sich allmählich belebt. Eine rasche und durchgreifende Besserung der Situation ist allerdings weiterhin nicht zu erwarten, und das Risiko von neuerlichen Rückschlägen bleibt groß.
Für die fortgeschrittenen Volkswirtschaften ist nach wie vor nur eine moderate konjunkturelle Expansion in Sicht. Die massiv expansive Geldpolitik wird voraussichtlich auch weiterhin nicht zu einer raschen Ausweitung der realwirtschaftlichen Aktivität führen. Zum einen ist private Sektor in vielen Ländern immer noch darum bemüht, seinen Verschuldungsgrad zu verringern. Hinzu kommen bremsende Einflüsse von der Finanzpolitik. In den Vereinigten Staaten wird das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr wohl um 1,8 Prozent zulegen, für das kommende Jahr rechnen wir mit einem Anstieg um 2,3 Prozent (Tabelle). Die Arbeitslosenquote wird voraussichtlich erst gegen Ende des kommenden Jahres die für die derzeitige Geldpolitik relevante Schwelle von 6,5 Prozent unterschreiten.
Die Konjunktur in Japan erhält im laufenden Jahr kräftige wirtschaftspolitische Impulse, dürfte sich aber bereits im Verlauf des kommenden Jahres wieder deutlich abschwächen. Im Jahresdurchschnitt wird der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts gleichwohl mit 1,5 Prozent nur wenig schwächer ausfallen als in diesem Jahr. Im Euroraum dürfte die gesamtwirtschaftliche Produktion im Sommerhalbjahr wohl kaum mehr als stagnieren. In den Krisenländern wird die Rezession vorerst noch weiter anhalten, wenngleich sich das Tempo der wirtschaftlichen Talfahrt allmählich verringern dürfte. Für den Euroraum insgesamt rechnen wir mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,6 Prozent in diesem Jahr und einem Anstieg um 0,8 Prozent im Jahr 2014.
In den Schwellenländern wird die Wirtschaftspolitik angesichts einer verlangsamten wirtschaftlichen Expansion zunehmend bemüht sein, die Konjunktur anzuregen. Dies dürfte im Prognosezeitraum zu einer wieder stärkeren Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Produktion beitragen. Einer Rückkehr zu ähnlich hohen Expansionsraten, wie sie vor der Finanzkrise verzeichnet wurden, stehen aber die anhaltend schwache Nachfrage aus den fortgeschrittenen Volkswirtschaften sowie strukturelle Probleme in einer Reihe von großen Schwellenländern entgegen.
Für China rechnen wir damit, dass das Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr und im nächsten Jahr um rund 7,5 Prozent zunimmt und damit – anders als üblicherweise in den vergangenen Jahren – nicht schneller, als es das Expansionsziel der Regierung vorsieht.
Alles in allem erwarten wir einen Anstieg der Weltproduktion im laufenden Jahr um 3,2 Prozent; etwas weniger als in unserer Prognose vom März (3,4 Prozent). Für 2014 haben wir unsere Erwartungen ebenfalls etwas reduziert; wir prognostizieren nun eine Zunahme des globalen Bruttoinlandsprodukts um 3,8 Prozent (Märzprognose 4,0 Prozent). Bei diesem Expansionstempo geht die Auslastung der weltweiten Produktionskapazitäten in diesem Jahr zurück und steigt im nächsten Jahr allenfalls leicht. Der Welthandel nimmt 2013 mit einer Rate von 2,8 Prozent voraussichtlich erneut deutlich schwächer zu als im mittelfristigen Trend. Für 2014 erwarten wir eine Beschleunigung auf 4,5 Prozent.
Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des IfW Kiel.
———————-
Quelle: DATEV eG