Kein „Wechselmodell“ für einen gemeinsam angeschafften Hund nach dem Ende der Lebensgemeinschaft

Anders als bei Kindern kann die Betreuung eines gemeinsam angeschafften Hundes in einem „Wechselmodell“ nach dem Ende einer Lebenspartnerschaft nicht vor Gericht durchgesetzt werden. So entschied das LG Potsdam (Az. 7 S 68/23).

LG Potsdam, Pressemitteilung vom 11.07.2024 zum Urteil 7 S 68/23 vom 10.07.2024

Anders als bei Kindern kann die Betreuung eines gemeinsam angeschafften Hundes in einem „Wechselmodell“ nach dem Ende einer Lebenspartnerschaft nicht vor Gericht durchgesetzt werden. Das Landgericht Potsdam hat es in einem am 10.07.2024 verkündeten Urteil (Az. 7 S 68/23) abgelehnt, die gemeinsame Betreuung einer während einer Lebensgemeinschaft erworbenen Mischlingshündin nach dem Ende der Lebensgemeinschaft in einem „Wechselmodell“ anzuordnen. Es hat stattdessen das Alleineigentum an der Hündin der vormaligen Lebenspartnerin zugesprochen und ihr die Zahlung eines Ausgleichsbetrages an den früheren Lebenspartner aufgegeben.

Die Mischlingshündin war während des Zusammenlebens angeschafft worden. Nach dem Ende der Beziehung und dem Auszug des Mannes aus der zuvor gemeinsam genutzten Wohnung verlangte er die Herausgabe der Hündin an sich und hilfsweise die Herausgabe im zweiwöchigen Wechsel. Im Wege der Widerklage begehrte die Frau die Zuweisung des Alleineigentums an dem Tier an sich gegen Zahlung eines Ausgleichsbetrages.

Das Landgericht hat in zweiter Instanz der Widerklage der Frau entsprochen und die Anträge des Klägers abgelehnt. Zur Begründung hat es ausgeführt, dass eine Regelung zum Umgang mit dem im Miteigentum stehenden Haustier nur während des Bestehens der Miteigentümergemeinschaft möglich sei, wobei die Aufhebung dieser Gemeinschaft von jedem Miteigentümer jederzeit verlangt werden könne. Dies sei mit der Widerklage der Frau geschehen. Anders als vom Gesetz für den Regelfall einer Miteigentümergemeinschaft angeordnet, komme bei einem Haustier eine Auflösung der Gemeinschaft durch Verkauf des Tieres nicht in Betracht. Vielmehr sei das Alleineigentum einem der bisherigen Miteigentümer zuzuweisen, hier der Frau, die die Hündin nach der Trennung überwiegend betreut habe. Hierfür sei ein Ausgleichsbetrag an den vormaligen Miteigentümer zu leisten, der auch über dem wirtschaftlichen Wert des Miteigentumsanteils liegen könne.

Quelle: Landgericht Potsdam

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DIHK: Was die deutsche Wirtschaft aktuell blockiert – und wie sie wieder Fahrt aufnehmen kann

Mit ihren Plänen für eine Wachstumsinitiative hat die Bundesregierung einen grundsätzlich richtigen Weg eingeschlagen. Jetzt müssen zügig Entwürfe für die erforderlichen Begleitgesetze formuliert und verabschiedet werden – möglichst noch im Herbst. Denn in den Betrieben sind spürbare Entlastung und positive Impulse bitter nötig, wie die DIHK auch in ihrer aktuellen Kampagne „Ich kann so nicht arbeiten“ aufzeigt.

DIHK, Mitteilung vom 29.08.2024

Die Bundesregierung hat sich im Sommer in zwei Anläufen nach langem Ringen auf einen Haushaltsentwurf für 2025 geeinigt – und zugleich auch eine Wachstumsinitiative in Aussicht gestellt, die Deutschlands Wirtschaft wieder auf Zukunftskurs bringen soll.

Das ist grundsätzlich ein richtiger Weg: Nur mit weiterem Wachstum kann auch der Staat seine Aufgaben solider finanzieren. Wäre das deutsche Bruttosozialprodukt 2023 und in diesem Jahr nicht stagniert beziehungsweise sogar zurückgegangen, sondern jeweils um zwei Prozent gewachsen, hätte unser Land in Summe rund 250 Milliarden Euro mehr erwirtschaftet. Fast die Hälfte davon – also rund 125 Milliarden Euro – stünden damit auch zusätzlich den Steuer- und Sozialkassen zur Verfügung. Die andere Hälfte käme privaten Einkommen, Investitionen und Spareinlagen zugute, ein direkter und starker Beitrag für mehr Wohlstand.

Anders als der inzwischen von der Bundesregierung ans Parlament weitergeleitete Haushalt liegen die meisten Entwürfe für die Begleitgesetze, die Wachstum bringen sollen, bislang noch auf Eis. Deshalb kommt es jetzt darauf an, dass sie möglichst noch im Herbst zügig formuliert und verabschiedet werden. Denn nur dann können sie in den Betrieben auch tatsächlich Wirkung entfalten. Dort sind spürbare Entlastung und positive Impulse bitter nötig.

Reformen müssen beschleunigt werden

Die Regierungsinitiative geht an vielen Stellen in die richtige Richtung – etwa mit der erleichterten Steuerabschreibung und der Ausweitung der Forschungszulage. Allerdings, so eine erste DIHK-Analyse der bisherigen Pläne, brauchen Deutschland und Europa im internationalen Wettbewerb ein deutlich höheres Reformtempo.

Noch immer fehlt es wichtigen Infrastrukturprojekten weniger an Geld, sondern vielmehr an der notwendigen Geschwindigkeit. So sind etwa Dänen, Österreicher oder Niederländer bei wichtigen grenzüberschreitenden Verkehrsprojekten schon mit dem Bau fertig, während Deutschland noch in Genehmigungsschleifen steckt. Andere wichtige Wettbewerbsthemen, etwa die Sorgen um die deutsche Energieversorgung, hat die Bundesregierung bei ihrer aktuellen Wachstumsinitiative komplett ausgeblendet.

Was konkret Betriebe und ganze Wirtschaftsregionen in ihrer Entwicklung ausbremst, beschreiben DIHK und IHKs in ihrer Kampagne „Ich kann so nicht arbeiten“. Dabei zeigen Unternehmerinnen und Unternehmer an konkreten Beispielen, wodurch sie im wirtschaftlichen Alltag aufgehalten werden – und wie es besser laufen könnte.

Schnellerer Brückenbau für stärkere Wirtschaft

Seit dem 2. Dezember 2021 ist die A45 bei Lüdenscheid komplett gesperrt, da die marode Rahmede-Talbrücke abgerissen werden musste. Diese Sperrung hat die wirtschaftsstarke Region Südwestfalen ins Verkehrschaos gestürzt, weil auch die Umleitungen regelmäßig überlastet sind. Für die regionale Wirtschaft ist die Sperrung eine Katastrophe – schließlich ist damit die Hauptverkehrsader der Region lahmgelegt. Trotz der Dringlichkeit ist eine teilweise Wiedereröffnung erst für 2026 zu erwarten. Laut dem Verkehrsverband Westfalen wird der in diesen fünf Jahren entstehende wirtschaftliche Schaden auf mindestens 1,8 Milliarden Euro geschätzt.

Betroffen sind Unternehmen aller Branchen, die lange Umwege in Kauf nehmen müssen. Auch Anwohner und Pendler leiden massiv unter der Sperrung. Der rasche Neubau der Brücke ist daher für Wirtschaft und Bevölkerung unerlässlich. Um den Wirtschaftsstandort zu sichern, müssen zudem viele weitere Brücken saniert oder neu gebaut werden – was eine deutliche Beschleunigung der Planungs- und Genehmigungsverfahren erfordert.

Berichtspflichten verringern, Effizienz steigern

Mancherorts braucht es mehr Investitionen, an anderer Stelle einfach nur weniger Bürokratie. Ein Beispiel: Ein durchschnittlicher Autohandel mit Werkstatt hat etwa 40.000 Teile auf Lager. Im Rahmen gut gemeinter Lieferkettengesetze und Nachhaltigkeitsberichtspflichten, die große Unternehmen an Zulieferer und Dienstleister durchreichen, müssen immer öfter auch kleine und mittlere Betriebe nachweisen, woher etwa ein Ersatzteil stammt. Dies ist für viele kaum umsetzbar, ohne dass darunter ihre eigentliche Arbeit leidet.

Die zehn wichtigsten Punkte für eine notwendige Zeitwende in der Wirtschaftspolitik hat die DIHK-Vollversammlung, zu der alle 79 Industrie- und Handelskammern Deutschlands gehören, bereits im November 2023 unter dem Titel „#GemeinsamBesseresSchaffen – jetzt“ formuliert. Einiges davon hat die Politik aufgegriffen, neue Herausforderungen kommen hinzu. Die Unternehmen brauchen eine spürbare Kurswende zum Wachstum – jetzt.

Politik und Wirtschaft zusammenbringen, um Zukunft zu sichern

Die DIHK wird weiterhin die Stimmen aus der Wirtschaft bündeln und aufzeigen, wo Unternehmen dringend Entlastung und echte Unterstützung brauchen. Nur zusammen können Politik und Wirtschaft dafür sorgen, dass sich der Wirtschaftsstandort Deutschland wieder eine bessere Zukunft erarbeiten kann. Verständliche Beispielfälle und konkrete Lösungen finden Sie unter anderem hier: www.dihk.de/besserjetzt.

Quelle: Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK)

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Inflationsrate im August 2024 voraussichtlich +1,9 %

Die Inflationsrate in Deutschland wird im August 2024 voraussichtlich +1,9 % betragen. Wie das Statistische Bundesamt nach bisher vorliegenden Ergebnissen weiter mitteilt, sinken die Verbraucherpreise gegenüber Juli 2024 voraussichtlich um 0,1 %.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 29.08.2024

Verbraucherpreisindex, August 2024:

  • +1,9 % zum Vorjahresmonat (vorläufig)
  • -0,1 % zum Vormonat (vorläufig)

Harmonisierter Verbraucherpreisindex, August 2024:

  • +2,0 % zum Vorjahresmonat (vorläufig)
  • -0,2 % zum Vormonat (vorläufig)

Die Inflationsrate in Deutschland wird im August 2024 voraussichtlich +1,9 % betragen. Gemessen wird sie als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat. Wie das Statistische Bundesamt nach bisher vorliegenden Ergebnissen weiter mitteilt, sinken die Verbraucherpreise gegenüber Juli 2024 voraussichtlich um 0,1 %. Die Inflationsrate ohne Nahrungsmittel und Energie, oftmals auch als Kerninflation bezeichnet, beträgt voraussichtlich +2,8 %.

Quelle: Statistisches Bundesamt

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IAASB: Hinweise zur Anwendung des Standards für die Prüfung weniger komplexer Unternehmen (ISA for LCE)

Das IAASB hat Hinweise zur Anwendung des Internationalen Prüfungsstandards für die Prüfung von Jahresabschlüssen weniger komplexer Unternehmen herausgegeben. Dazu hat siche die WPK geäußert.

WPK, Mitteilung vom 20.08.2024

Das International Auditing and Assurance Standards Board (IAASB) hat Hinweise (Authority Supplemental Guidance) zur Anwendung des Internationalen Prüfungsstandards für die Prüfung von Jahresabschlüssen weniger komplexer Unternehmen (ISA for LCE) herausgegeben (zur Veröffentlichung des Standards siehe „Neu auf WPK.de“ vom 7. Dezember 2023).

Diese Hinweise sollen unter anderem Abschlussprüfer bei der Entscheidung unterstützen, ob der Standard für einen bestimmten Auftrag angewendet werden kann, und gehen auf die Verantwortung der Prüfungsgesellschaft, des Auftragspartners und des Prüfungsteams ein. Sie stellen lediglich eine Auslegungshilfe in Bezug auf den Standard dar, der allein bindend ist.

Quelle: Wirtschaftsprüferkammer

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Was ändert sich im September 2024?

Die Bundesregierung informiert über einige gesetzlichen Neuregelung im September 2024: Die Fortentwicklung des Völkerstrafrechts schließt Lücken in der Strafbarkeit und stärkt Opferrechte, bei Neuzulassungen von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen gilt die Abgasnorm Euro 6e verpflichtend und der gesetzliche THC-Grenzwert im Straßenverkehr ist geregelt.

Bundesregierung, Mitteilung vom 29.08.2024

Die Fortentwicklung des Völkerstrafrechts schließt Lücken in der Strafbarkeit und stärkt Opferrechte, bei Neuzulassungen von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen gilt die Abgasnorm Euro 6e verpflichtend und der gesetzliche THC-Grenzwert im Straßenverkehr ist geregelt.

Fortentwicklung des Völkerstrafrechts

Das Völkerstrafgesetzbuch entstand vor über 20 Jahren. Es stellte sicher, dass die deutsche Justiz im Krieg verübte Gräueltaten verfolgen kann – und zwar unabhängig vom Tatort und von der Staatsangehörigkeit des Täters oder der Täterin. Nun werden Lücken in der Strafbarkeit geschlossen, Opferrechte gestärkt und die Breitenwirkung völkerstrafrechtlicher Prozesse und Urteile verbessert.

Weniger Schadstoff-Ausstoß im Straßenverkehr

Für alle Neuzulassungen von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen (LNF) gilt ab September die Abgasnorm Euro 6e. Bis 2030 will die EU den CO2-Ausstoß bei Pkw um 55 Prozent und bei LNF um 51 Prozent im Vergleich zum Jahr 2021 verringern. Die Norm besteht aus drei Stufen – die erste davon tritt nun in Kraft. Die Regelung enthält zudem verschärfte Grenzwerte für Stickoxide und Partikel. Hersteller werden verpflichtet, diese immer mehr auch unter tatsächlichen Fahrbedingungen zu realisieren.

Cannabiskonsum im Straßenverkehr geregelt

Seit dem 22. August gilt im Straßenverkehr ein gesetzlicher Grenzwert von 3,5 Nanogramm Tetrahydrocannabinol (THC) pro Milliliter im Blutserum. Für Fahranfängerinnen und -anfänger sowie für junge Fahrerinnen und Fahrer vor Vollendung des 21. Lebensjahres gilt ein absolutes Cannabisverbot am Steuer. Besonders gefährlich ist der Mischkonsum von Alkohol und Cannabis – deshalb gilt für Cannabiskonsumentinnen und -konsumenten ein absolutes Alkoholverbot am Steuer.

Quelle: Bundesregierung

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Ausbildungsplatzsuche: Weniger Facebook, mehr YouTube

Auch in diesem Jahr bleiben sehr viele Ausbildungsplätze unbesetzt – auch weil sich Unternehmen und Jugendliche bei der Suche verpassen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung untersucht, was die Gründe sind und wo Unternehmen nachbessern können.

IW Köln, Pressemitteilung vom 29.08.2024

Auch in diesem Jahr bleiben sehr viele Ausbildungsplätze unbesetzt – auch weil sich Unternehmen und Jugendliche bei der Suche verpassen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung untersucht, was die Gründe sind und wo Unternehmen nachbessern können.

Im September fangen hunderttausende Jugendliche mit ihrer Ausbildung an. Allerdings gehen viele Betriebe leer aus, wie schon in den Jahren zuvor: 2023 blieben 73.000 gemeldete Ausbildungsplätze unbesetzt. Gleichzeitig gab es 63.000 Jugendliche, die keinen passenden Ausbildungsplatz gefunden haben. Wo liegen die Ursachen? Das IW hat gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung untersucht, warum Unternehmen und Bewerber nicht zusammenfinden. Ein großes Problem: Betriebe werben oft nicht dort mit ihrer Ausbildung, wo Jugendliche suchen.

Unternehmen und Bewerber verpassen sich

Dass sich Bewerber und Betriebe gegenseitig nicht finden, kann verschiedene Ursachen haben. Ausbildungsort und Wohnort liegen zu weit auseinander, Berufswunsch und Ausbildungsplatz passen nicht zusammen oder die Jugendlichen sind nicht ausreichend qualifiziert. Außerdem kann es sein, dass die Informationen über Ausbildungsplatzangebote nicht bei den Jugendlichen ankommen, etwa weil die Unternehmen an falscher Stelle werben. Die Studienautoren haben Unternehmen gefragt, wo sie für ihre Stellen werben, und junge Menschen, wo sie nach Stellen suchen. Das Ergebnis: Neben Online-Stellenanzeigen sind Social-Media-Plattformen bei der Suche beliebt. Doch während über 70 Prozent der Unternehmen auf Facebook nach Azubis suchen, sind dort nur 25 Prozent der Befragten Jugendlichen für die Ausbildungsplatzsuche unterwegs. Besser wäre es für die Betriebe, wenn sie auf YouTube werben würden: Beinahe jeder zweite Jugendliche nutzt die Videoplattform für die Suche, gleichzeitig wirbt dort nicht einmal jedes fünfte Unternehmen. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei WhatsApp, TikTok und Snapchat: Jugendliche nutzen diese Plattformen für ihre Stellensuche, aber Unternehmen sind dort kaum vertreten.

Kommunikation an junge Menschen anpassen

„Unternehmen und Jugendliche verpassen sich auf Social-Media-Plattformen zu häufig“, sagt Studienautor Dirk Werner. „Dabei liegt gerade im digitalen Raum großes Potenzial, für beide Seiten.“ Aber auch analoge Angebote, etwa Praktika und Betriebsbesichtigungen, seien wichtig, um konkrete Einblicke in Ausbildung und Beruf zu bieten und ein persönliches Kennenlernen zu ermöglichen.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln)

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Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen gerichtliche Entscheidungen eines abgeschlossenen Erbscheinsverfahrens

Das BVerfG hat die Verfassungsbeschwerde eines Erbprätendenten nicht zur Entscheidung angenommen. Dieser wendete sich gegen gerichtliche Entscheidungen eines abgeschlossenen Erbscheinsverfahrens (Az. 1 BvR 1929/23).

BVerfG, Pressemitteilung vom 30.08.2024 zum Beschluss 1 BvR 1929/23 vom 13.07.2024

Mit am 30.08.2024 veröffentlichten Beschluss hat die 1. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts die Verfassungsbeschwerde eines Erbprätendenten nicht zur Entscheidung angenommen. Dieser wendet sich gegen gerichtliche Entscheidungen eines abgeschlossenen Erbscheinsverfahrens.

Die Verfassungsbeschwerde wahrt bereits nicht den Grundsatz der Subsidiarität, weil der Beschwerdeführer nicht vorgetragen hat, dass er neben der Durchführung des Erbscheinsverfahrens auch erfolglos eine Erbenfeststellungsklage erhoben hat.

Der Grundsatz der Subsidiarität erfordert, dass ein Beschwerdeführer über das Gebot der Erschöpfung des Rechtswegs im engeren Sinne hinaus alle nach der Lage der Sache zur Verfügung stehenden prozessualen Möglichkeiten ergreift, um die Korrektur der geltend gemachten Grundrechtsverletzung durch die Fachgerichte zu erwirken oder eine Grundrechtsverletzung zu verhindern.

Aus der Begründung der Verfassungsbeschwerde wird nicht erkennbar, dass der Beschwerdeführer alle Rechtsschutzmöglichkeiten ausgeschöpft hat, um sein eigentliches Ziel − die Feststellung der Erbenstellung − zu erreichen. Ein Erbprätendent kann neben der Durchführung eines Erbscheinsverfahrens vor den Fachgerichten eine Erbenfeststellungsklage erheben und auf diesem Weg die Feststellung der Erbenstellung erreichen. Der Vorrang der Erbenfeststellungsklage gilt nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts nicht nur in den Fällen, in denen es allein um eine inhaltliche Überprüfung des Ergebnisses des Erbscheinsverfahrens geht, sondern auch, wenn − wie hier − Verfahrensfehler im Erbscheinsverfahren gerügt werden.

Quelle: Bundesverfassungsgericht

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Sexuelle Belästigung auf Betriebsfeier kostet Außendienstmitarbeiter den Arbeitsplatz

Ein Arbeitnehmer, der einer Kollegin einen Klaps auf den Po gibt, sie an sich zieht und gegen ihren erkennbaren Willen festhält, kann deswegen außerordentlich gekündigt werden, auch wenn sich der Vorfall in der lockeren Atmosphäre einer Betriebsfeier ereignete. Dies hat das ArbG Siegburg entschieden (Az. 3 Ca 387/24).

ArbG Siegburg, Pressemitteilung vom 28.08.2024 zum Urteil 3 Ca 387/24 vom 24.07.2024

Ein Arbeitnehmer, der einer Kollegin einen Klaps auf den Po gibt, sie an sich zieht und gegen ihren erkennbaren Willen festhält, kann deswegen außerordentlich gekündigt werden, auch wenn sich der Vorfall in der lockeren Atmosphäre einer Betriebsfeier ereignete. Dies hat das Arbeitsgericht Siegburg entschieden.

Der Kläger war seit einem Jahr bei dem beklagten Arbeitgeber als Außendienstmitarbeiter beschäftigt und wegen unflätigen Verhaltens und Alkoholkonsums bereits abgemahnt worden. Bei einer Betriebsfeier schlug der Kläger einer vorbeigehenden Kollegin auf den Po. Als diese seine Hand wegstieß, zog er sie an sich und sagte, sie solle das als Kompliment betrachten. Der Arbeitgeber kündigte dem Kläger daraufhin fristlos.

Mit Urteil vom 24.07.2024 hat das Arbeitsgericht Siegburg die Kündigungsschutzklage des Außendienstmitarbeiters abgewiesen. Nach der Vernehmung der Kollegin als Zeugin stand zur Überzeugung des Gerichts fest, dass der Kläger sie durch sein Verhalten anlässlich der Betriebsfeier sexuell belästigt habe. Seine Äußerung, sie solle den Klaps auf den Po als Kompliment auffassen, lasse seine sexuell bestimmte Motivation erkennen. Zudem stelle das Festhalten der Kollegin gegen ihren Willen einen nicht hinnehmbaren Eingriff in ihre Freiheit dar. Gibt ein Mitarbeiter bei einer Betriebsfeier einer Kollegin einen Klaps auf den Po, zieht diese an sich und hält sie fest, obwohl sie dies erkennbar nicht will, stellt dies einen Grund für eine fristlose Kündigung dar.

Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Gegen das Urteil kann Berufung beim Landesarbeitsgericht Köln eingelegt werden.

Quelle: Arbeitsgericht Siegburg

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Gründungsinteresse sinkt auf historischen Tiefstand

Ein Rekordtief beim Gründungsinteresse und die bisher schlechteste Bewertung des Gründungsstandortes Deutschland durch Jungunternehmer: In ihrem aktuellen Report Unternehmensgründung kommt die DIHK zu ernüchternden Ergebnissen.

DIHK, Mitteilung vom 21.08.2024

DIHK stellt Report Unternehmensgründung 2024 vor

Ein Rekordtief beim Gründungsinteresse und die bisher schlechteste Bewertung des Gründungsstandortes Deutschland durch Jungunternehmerinnen und -unternehmer: In ihrem aktuellen Report Unternehmensgründung kommt die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) zu ernüchternden Ergebnissen.

Die fast 1.000 angehende Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich an der Befragung der DIHK und der Industrie- und Handelskammern (IHKs) beteiligten, bewerteten den Gründungsstandort Deutschland 2024 mit einer 3,6 gerade einmal als „ausreichend“. Ein deutlicher Rückgang gegenüber den Vorjahren – dabei hatten die Rahmenbedingungen hierzulande im Urteil der Jungunternehmer schon zuvor mit 3,3 (2020 und 2021) beziehungsweise 3,4 (2022 und 2023) lediglich als „befriedigend“ abgeschnitten.

Wachstums- und Innovationspotenziale gehen verloren

„Ich mache mir große Sorgen um unseren Standort“, kommentiert DIHK-Präsident Peter Adrian die Ergebnisse der Umfrage. „In der Industrie sehen wir schon fast einen Abschied auf Raten durch verstärkte Produktionseinschränkungen und Abwanderungstendenzen. Wenn jetzt auch noch immer weniger Menschen hierzulande Unternehmen gründen wollen, gehen uns wichtige Potenziale für Wachstum und Innovationen verloren.“

Die Entwicklung sei „auch deswegen sehr bedenklich, weil sich der Rückgang des Gründungsinteresses nicht allein durch demografische Veränderungen erklären lässt“, so der DIHK-Präsident. „Enorm gestiegene Kosten zum Führen von Betrieben und das Dickicht bürokratischer Regelungen ersticken aktuell die Lust am Unternehmertum. Die Signale für eine bessere Standortpolitik könnten kaum deutlicher sein.“

Haupthürden Unsicherheit, Regulierung und Kosten

Neben der konjunkturellen Lage gibt es zahlreiche strukturelle Hemmnisse für das Unternehmertum, wie die Beratungsgespräche der IHKs zeigen. Insbesondere sind es die hohe Regulierungsdichte sowie hohe Kosten, die zusätzlich zu den Unsicherheiten über das geschäftliche Umfeld viele potenzielle Gründerinnen und Gründer davon abhalten, sich selbstständig zu machen.

„Dabei tröstet es kaum, dass einige Projekte etwa in der Gastronomie, die wegen Corona auf Eis gelegt wurden, jetzt nachgeholt werden“, stellt der DIHK-Präsident klar. „Und auch das Plus bei den Beratungen von arbeitslosen Gründern ist eher ein Sondereffekt, weil die Förderung in diesem Bereich verändert wurde.“

Pioniermut und Unternehmergeist gefragt

Erfreulich sei, dass durch das intensive Engagement der IHKs mehr Besucher zu deren Gründungsinformationstagen gekommen seien. „Allerdings kann das keine guten wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen für Unternehmensgründungen ersetzen“, gibt Adrian zu bedenken.

„Pioniermut und Unternehmergeist brauchen wir angesichts der aktuellen Herausforderungen umso mehr. Einen solchen Spirit müssen wir mehr unterstützen. Mich als Unternehmer betrübt es sehr, wenn die Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln immer schwieriger werden und Gründer sich entmutigt fühlen.“

Den Gründerinnen und Gründern zuhören

Damit Gründen wieder attraktiver wird, sind nach Meinung von drei Vierteln der Befragten schnellere und einfachere Regularien nötig. Zwei Drittel fordern ein einfacheres Steuerrecht. Weit oben auf die To-do-Liste der Politik gehören den Gründenden zufolge außerdem ein besserer Zugang zu öffentlichen Fördermitteln, niedrigere Energiepreise und mehr Verständnis für das Unternehmertum in der Gesellschaft.

Der DIHK-Präsident mahnt die Politik, stärker auf die Gründerinnen und Gründer zu hören: „Sie wissen sehr genau, an welchen Schrauben gedreht werden muss, damit in Deutschland wieder mehr neue Unternehmen entstehen.“

Die DIHK leitet hieraus eine politische Agenda für den Gründungsstandort Deutschland ab. Wichtigstes von elf Handlungsfeldern ist der Abbau von Bürokratie. Hier legt die DIHK neun konkrete Maßnahmen vor – von der Entschlackung des Formulars „Einnahme-Überschussrechnung“ bis hin zu einfacheren Formalitäten für ausländische Staatsangehörige bei der Unternehmensgründung.

Quelle: Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK)

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Meldeverfahren nach §§ 45b und 45c EStG in Umsetzung des Abzugsteuerentlastungsmodernisierungsgesetzes (AbzStEntModG) – Verschiebung Anwendungszeitpunkt

Das BMF teilt die Verschiebung des Anwendungszeitpunkts beim Meldeverfahren nach §§ 45b und 45c EStG in Umsetzung des Abzugsteuerentlastungsmodernisierungsgesetzes (AbzStEntModG) mit (Az. IV C 1 – S-2410 / 22 / 10001 :001).

BMF, Schreiben IV C 1 – S-2410 / 22 / 10001 :001 vom 27.08.2024

Zur Gewährleistung einer einheitlichen Anwendung ist die Übermittlung der Angaben nach § 45b EStG und § 45c EStG erstmals für Kapitalerträge vorzunehmen, die nach dem 31. Dezember 2025 zufließen.

Dieses Schreiben wird im Bundessteuerblatt Teil I veröffentlicht.

Quelle: Bundesfinanzministerium

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