Erzeugerpreise Juni 2023: +0,1 % gegenüber Juni 2022

Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte waren im Juni 2023 um 0,1 % höher als im Juni 2022. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, war das die geringste Veränderung der Erzeugerpreise gegenüber einem Vorjahresmonat seit Dezember 2020 (+0,2 % zum Dezember 2019).

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 20.07.2023

Erzeugerpreise gewerblicher Produkte (Inlandsabsatz), Juni 2023
+0,1 % zum Vorjahresmonat
-0,3 % zum Vormonat

Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte waren im Juni 2023 um 0,1 % höher als im Juni 2022. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, war das die geringste Veränderung der Erzeugerpreise gegenüber einem Vorjahresmonat seit Dezember 2020 (+0,2 % zum Dezember 2019). Im Mai 2023 hatte die Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat bei +1,0 % gelegen. Gegenüber dem Vormonat sanken die Erzeugerpreise im Juni 2023 um 0,3 %. Starken Preisanstiegen im Vorjahresvergleich bei Verbrauchs- und Gebrauchsgütern standen kräftige Preisrückgänge bei Vorleistungsgütern und Energie gegenüber.

Starker Preisanstieg bei Verbrauchsgütern vor allem durch Preissteigerungen für Nahrungsmittel

Die Preise für Verbrauchsgüter waren im Juni 2023 um 9,4 % höher als im Juni 2022 und stiegen gegenüber Mai 2023 geringfügig um 0,1 %. Nahrungsmittel waren 11,1 % teurer als im Vorjahr. Besonders stark stiegen die Preise für Zucker (+91,2 % gegenüber Juni 2022). Verarbeitete Kartoffeln kosteten 35,9 % mehr als im Juni 2022, Schweinefleisch 31,1 %. Obst- und Gemüseerzeugnisse waren 19,8 % teurer als ein Jahr zuvor, flüssige Milch und Rahm 15,5 %. Nur wenige Produkte waren im Juni 2023 billiger als im Vorjahresmonat. So kostete Butter 29,3 % weniger, die Preise für nicht behandelte pflanzliche Öle sanken um 44,0 %.

Gebrauchsgüter waren im Juni 2023 um 6,7 % teurer als ein Jahr zuvor, insbesondere bedingt durch die Preisentwicklung bei Möbeln (+7,3 % gegenüber Juni 2022) und Haushaltsgeräten (+7,1 % gegenüber Juni 2022). Gegenüber Mai 2023 stiegen die Preise für Gebrauchsgüter um 0,1 %.

Investitionsgüter waren 6,3 % teurer als im Vorjahresmonat, insbesondere verursacht durch die Preissteigerungen für Maschinen (+7,8 % gegenüber Juni 2022) sowie Kraftwagen und Kraftwagenteile (+5,6 % gegenüber Juni 2022). Gegenüber Mai 2023 stiegen die Preise für Investitionsgüter um 0,2 %.

Preisrückgänge bei Vorleistungsgütern vor allem durch Preissenkungen bei Metallen

Die Preise für Vorleistungsgüter waren im Juni 2023 um 2,7 % niedriger als ein Jahr zuvor. Gegenüber dem Vormonat sanken sie um 0,9 %. Der Preisrückgang im Vorjahresvergleich wurde vor allem durch die Preisentwicklung für Metalle verursacht. Diese waren 10,6 % billiger als im Juni 2022. Gegenüber dem Vormonat sanken die Metallpreise um 0,5 %. Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen kosteten 17,6 % weniger als im Juni 2022. Die Preise für Betonstahl in Stäben sanken im Vorjahresvergleich um 42,6 % (-6,8 % gegenüber Mai 2023). Besonders stark sanken die Preise gegenüber Juni 2022 auch für Düngemittel und Stickstoffverbindungen (-32,0 %), allein gegenüber Mai 2023 sanken hier die Preise um 15,1 %. Holz war 28,9 % billiger als im Juni 2022, Verpackungsmittel aus Holz 26,3 % und Sekundärrohstoffe 24,0 %.

Hohe Preissteigerungen gegenüber Juni 2022 gab es dagegen bei Kalk und gebranntem Gips (+41,3 %), Zement (+31,5 %), Hohlglas (+31,2 %) und Transportbeton (+26,3 %). Industriegase kosteten 21,3 % mehr, Baukies und natürliche Sande 18,5 %.

Rückgang der Energiepreise gegenüber Vorjahresmonat und Vormonat

Stärker als die Preise für Vorleistungsgüter fielen die Energiepreise. Energie war im Juni 2023 um 5,0 % niedriger als im Vorjahresmonat. Gegenüber Mai 2023 sanken sie um 0,2 %. Die Energiepreise waren nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 stark gestiegen, sind jedoch seit September 2022 wieder um 34,5 % gesunken. Den höchsten Einfluss auf die Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat bei Energie hatten die Preisrückgänge bei Strom. Die Preise für Strom fielen über alle Abnehmergruppen betrachtet gegenüber Juni 2022 um 12,4 %, stiegen jedoch gegenüber Mai 2023 um 1,5 %. Mineralölerzeugnisse waren 21,1 % billiger als im Juni 2022, gegenüber Mai 2023 stiegen diese Preise um 0,3 %. Leichtes Heizöl kostete 42,4 % weniger als ein Jahr zuvor (+2,8 % gegenüber Mai 2023). Die Preise für Kraftstoffe sanken um 16,9 % (+0,7 % gegenüber Mai 2023). Erdgas in der Verteilung kostete im Juni 2023 über alle Abnehmergruppen hinweg 2,4 % mehr als im Juni 2022. Gegenüber Mai 2023 sanken die Erdgaspreise jedoch um 1,6 %.

Ohne Berücksichtigung von Energie waren die Erzeugerpreise 2,8 % höher als im Juni 2022 und sanken gegenüber Mai 2023 um 0,3 %.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

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Sorgen der Deutschen im Wandel: Inflation bleibt an erster Stelle, während Klimawandel absteigt

Die Top-Sorgen der Deutschen haben sich verschoben. Aktuelle Daten aus der neu erschienen Studie GfK Consumer Life zeigen, dass wie im Vorjahr die Angst vor der Inflation weiterhin auf Rang 1 ist. Auf Rang 2 steht mittlerweile die Sorge, nicht genug Geld zu haben, um die Rechnungen bezahlen zu können. Die Sorge um den Klimawandel ist auf den dritten Platz abgerutscht.

GfK, Pressemitteilung vom 19.07.2023

Die Top-Sorgen der Deutschen haben sich verschoben. Aktuelle Daten aus der neu erschienen Studie GfK Consumer Life zeigen, was die Deutschen derzeit am meisten umtreibt.

Wie im Vorjahr ist die Angst vor der Inflation weiterhin auf Rang 1. Entsprechend wächst die Sorge der Deutschen, nicht genug Geld zu haben, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Sie ist mittlerweile die zweitgrößte Angst der Verbraucher und verdrängt damit die Sorge um den Klimawandel auf den dritten Platz.

Es gibt aber auch größere Verschiebungen. Während sich die Welt von der Pandemie erholt, rutscht das Thema in der Rangliste um acht Plätze nach unten auf Rang 12. Stattdessen steigt die Furcht vor Immigration und Zuwanderung in die Liste der größten Sorgen der Verbraucher um fünf Ränge nach oben. Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen den Altersgruppen: Während bei den 15- bis 19-Jährigen nur 6 Prozent Immigration zu den drei größten Sorgen zählen, ist es bei den über 50-Jährigen ein Viertel. Diejenigen, die sich über Zuwanderung Gedanken machen, sorgen sich auch häufiger als andere über Kriminalität.

Weniger Deutsche optimistisch über ihre Zukunft

Die finanziellen Sorgen der Verbraucher haben im Vergleich zu 2022 deutlich zugenommen. Unabhängig von Alter, Einkommen oder Wohnort sind die aktuellen Preissteigerungen im Rahmen der Inflation die größten Bedenken der Deutschen. Während 2019, vor der Pandemie, noch 60 Prozent der Verbraucher zuversichtlich in die eigene wirtschaftliche Zukunft blickten, glauben in diesem Jahr nur noch 46 Prozent der Deutschen, dass sich ihre finanzielle Situation im nächsten Jahr verbessern wird. Vor allem Menschen mit niedrigem und mittlerem Einkommen fürchten, ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen zu können. Bei Gutverdienern, also Personen mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von über 3.500 Euro, steht diese Sorge dagegen nicht wie bei der Gesamtbevölkerung auf Platz 2, sondern erst an achter Stelle. „Dennoch geht die anhaltende Krise auch an diesen Menschen nicht spurlos vorbei“, erklärt Petra Süptitz, Expertin für Konsumententrends bei GfK. „Waren im vergangenen Jahr noch 67 Prozent der Besserverdienenden wirtschaftlich zuversichtlich, befürchtet gerade diese Gruppe massive Wohlstandsverluste, sodass nur noch 58 Prozent optimistisch in die Zukunft blicken. Keine andere Einkommensgruppe verzeichnet einen so starken Rückgang.“

Klimawandel: Trotz finanzieller Sorgen bleibt das Thema wichtig

Ungeachtet der wirtschaftlichen Lage bleibt der Klimawandel für die Deutschen ein wichtiges Thema, auch wenn er vom zweiten auf den dritten Platz zurückfällt. Wer sich allerdings große Sorgen um Inflation und Preissteigerungen macht oder Angst hat, seine Rechnungen nicht mehr bezahlen zu können, für den hat der Klimawandel derzeit geringere Priorität. Für ein Drittel der Personen ohne finanzielle Bedenken gehört der Klimawandel zu den drei wichtigsten Themen, während dies nur für 22 Prozent der Personen mit finanziellen Sorgen zutrifft. Zwischen den Altersgruppen gibt es dagegen kaum Unterschiede: Bei den über 50-Jährigen steht der Klimawandel an zweiter Stelle, bei den unter 50-Jährigen an dritter Stelle.

Generationenunterschiede: Finanzielle Sorgen dominieren bei Älteren, breitere Sorgen bei der Gen Z

Die Altersgruppen beschäftigen unterschiedliche Themen. So stehen finanzielle Aspekte bei älteren Generationen wie der Generation X oder den Baby Boomern deutlich stärker im Fokus als andere Themen. Während mehr als die Hälfte dieser Altersgruppen die Inflation zu ihren drei größten Sorgen zählt, sind es bei der Generation Z, also den jüngeren Menschen, nur 36 Prozent. Das liegt daran, dass die Ängste der jungen Generation wesentlich breiter gefächert sind: Sie betreffen Umweltverschmutzung, Terrorismus, die Qualität der Bildung, den Einfluss der Technologie auf die Gesellschaft, den Schutz ihrer persönlichen Daten, Rezession und Arbeitslosigkeit.

Während Sorgen und Ängste der älteren Generation von finanziellen Themen geprägt sind, sieht die jüngere Generation ihre eigene wirtschaftliche Zukunft deutlich optimistischer: Mehr als zwei Drittel der Generation Z geben an, eher zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Dies liegt vermutlich an den vergleichsweise guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt und daran, dass sie häufig noch am Anfang ihres Berufslebens stehen. Bei den über 50-Jährigen ist dagegen nur etwa ein Drittel so optimistisch. In dieser Generation ist die Angst vor dem Wohlstandsverlust besonders ausgeprägt. Zudem machen sich die Deutschen über 50 auch mehr Sorgen um ihre Rente bzw. die Rentenpläne der Regierung.

Quelle: GfK

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Deutsche im Mittelfeld mit einem Homeoffice-Tag pro Woche

Deutschland liegt mit durchschnittlich 1,0 Tagen Homeoffice pro Woche im Mittelfeld in Europa. In Österreich sind es 0,8 Tage. Mehr von zuhause wird in Unternehmen im Vereinigten Königreich gearbeitet (1,5 Tage), Frankreich und Italien liegen mit 0,6 und 0,7 Tagen deutlich darunter. Das geht aus einer Umfrage des ifo Instituts hervor.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 18.07.2023

Deutschland liegt mit durchschnittlich 1,0 Tagen Homeoffice pro Woche im Mittelfeld in Europa. In Österreich sind es 0,8 Tage. Mehr von zuhause wird in Unternehmen im Vereinigten Königreich gearbeitet (1,5 Tage), Frankreich und Italien liegen mit 0,6 und 0,7 Tagen deutlich darunter. In anderen westlichen Ländern liegt Kanada mit 1,7 Tagen vorne, gefolgt von den USA mit 1,4 Tagen. In Australien arbeiten die Beschäftigte durchschnittlich 1,3 Tage von zuhause. Das geht aus einer Umfrage des ifo Instituts unter Vollzeitbeschäftigten hervor, die in insgesamt 34 Ländern durchgeführt wurde.

„Wir sehen, dass Beschäftigte die Möglichkeit von zuhause aus zu arbeiten sehr schätzen. Es klafft jedoch eine Lücke zwischen der Anzahl der von den Beschäftigten gewünschten und den von den Arbeitgebern geplanten Homeofficetagen“, sagt Mathias Dolls, stellvertretender Leiter des ifo Zentrums für Makroökonomik und Befragungen.

In Deutschland wünschen sich die Beschäftigen durchschnittlich 1,8 Tage Homeoffice pro Woche. In Österreich sind es 1,6 Tage. Im Vereinigten Königreich beträgt er 2,3 Tage; in den Vereinigten Staaten 2,6 Tage. Auf der anderen Seite planen Arbeitgeber in Deutschland künftig 1,2 Tage anzubieten. In Österreich planen Arbeitgeber mit 1,0 Tagen pro Woche. Im Vereinigten Königreich sind es 1,7 Tage; in den Vereinigten Staaten 1,9 Tage.

Die Forschenden fragten auch, welche Vorteile Beschäftigte im Arbeiten vor Ort sehen und welche sie im Homeoffice haben. Hauptvorteile des Homeoffice sind danach Zeit- und Kosteneffizienz sowie Flexibilität. Am Arbeiten im Büro schätzen die Beschäftigten vor allem das Miteinander mit Kolleg*innen, eine bessere Zusammenarbeit und eine klare Abgrenzung zwischen Arbeit und Privatleben.

Die Umfrage wurde im April und Mai 2023 durchgeführt. In Frankreich, Deutschland, Italien, im Vereinigten Königreich und den USA liegen je 2.500 repräsentative Antworten vor. Ausgewertet wurden Antworten von rund 42.400 Vollzeitbeschäftigten in 34 Ländern. Die Befragten sind zwischen 20 und 64 Jahre alt und haben mindestens einen weiterführenden Schulabschluss.

Quelle: ifo Institut

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Wirtschaftsexperten erwarten hohe Inflation weltweit

Wirtschaftsexpertinnen und -experten aus aller Welt erwarten weiterhin hohe Inflationsraten in den kommenden Jahren. Das geht aus dem Economic Experts Survey hervor, einer vierteljährlichen Umfrage des ifo Instituts und des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 17.07.2023

Wirtschaftsexpertinnen und -experten aus aller Welt erwarten weiterhin hohe Inflationsraten in den kommenden Jahren. Das geht aus dem Economic Experts Survey hervor, einer vierteljährlichen Umfrage des ifo Instituts und des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik. Demnach wird die Inflationsrate in diesem Jahr weltweit 7,0 % erreichen, im kommenden Jahr dann 6,0 % und 2026 noch 4,9 %. „Die Erwartungen für 2023 und für die kommenden Jahre sind gegenüber der Umfrage aus dem ersten Quartal nahezu gleich“, sagt ifo-Forscher Niklas Potrafke. „Wir werden uns auf hohe Inflationsraten einstellen müssen.“

In Deutschland gehen die Teilnehmenden im laufenden Jahr von 5,8 % aus, in Österreich sogar von 7,8 und in der Schweiz von 2,8 %. In Westeuropa (4,9 %), Nordamerika (4,5 %) und Südostasien (4,8 %) liegen die Inflationserwartungen für 2023 deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt. Hier sind sie für 2023 im Vergleich zum vorherigen Quartal um 0,4, 0,5 und 0,3 Prozentpunkte gesunken.

Zu den Regionen mit besonders hohen Inflationsraten zählen Südamerika (23,3 %) und weite Teile Afrikas. An der Umfrage Ende Juni und Anfang Juli teilgenommen haben 1.405 Expertinnen und Experten aus 133 Ländern.

Quelle: ifo Institut

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Großhandelspreise im Juni 2023: -2,9 % gegenüber Juni 2022

Die Verkaufspreise im Großhandel waren im Juni 2023 um 2,9 % niedriger als im Juni 2022. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, war das der stärkste Preisrückgang gegenüber dem Vorjahresmonat seit Juni 2020 (-3,3 % gegenüber Juni 2019).

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 14.07.2023

Großhandelsverkaufspreise, Juni 2023
-2,9 % zum Vorjahresmonat
-0,2 % zum Vormonat

Die Verkaufspreise im Großhandel waren im Juni 2023 um 2,9 % niedriger als im Juni 2022. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, war das der stärkste Preisrückgang gegenüber dem Vorjahresmonat seit Juni 2020 (-3,3 % gegenüber Juni 2019). Im Mai 2023 hatte die Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahr bei -2,6 % gelegen, im April 2023 bei -0,5 %. Gegenüber dem Vormonat fielen die Großhandelspreise im Juni 2023 um 0,2 %.

Stark gesunkene Preise für Mineralölerzeugnisse sowie für Altmaterialien und Reststoffe

Den größten Einfluss auf die Gesamtentwicklung im Juni 2023 im Vergleich zum Juni 2022 hatte der Preisrückgang im Großhandel mit Mineralöl­erzeugnissen mit -22,7 %. Gegenüber Mai 2023 stiegen die Preise in diesem Wirtschaftszweig allerdings um 1,3 %. Deutlich günstiger gegenüber dem Vorjahr waren auch die Preise im Großhandel mit Altmaterial und Reststoffen (-31,7 %), mit Getreide, Rohtabak, Saatgut und Futtermitteln (-28,4 %) sowie mit Erzen, Metallen und Metallhalbzeug (-20,8 %). Auch gegenüber dem Vormonat waren hier Preisrückgänge zu verzeichnen: -5,5 % bei Altmaterial und Reststoffen, -3,9 % bei Getreide, Rohtabak, Saatgut und Futtermitteln und -2,4 % bei Erzen, Metallen und Metallhalbzeug.

Höher als im Juni 2022 waren dagegen die Preise für Obst, Gemüse und Kartoffeln mit +29,2 % (+5,2 % gegenüber Mai 2023) sowie für lebende Tiere mit +20,7 % (+1,4 % gegenüber Mai 2023). Baustoffe und Bauelemente aus mineralischen Stoffen waren auf Großhandelsebene um 7,7 % teurer als im Vorjahr, verbilligten sich aber gegenüber Mai 2023 um 0,4 % .

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

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Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Juli 2023

Die wirtschaftliche Lage im Frühsommer ist lt. BMWK nach wie vor von einer hohen Unsicherheit und uneinheitlichen Datenlage geprägt. Während sich das außenwirtschaftliche Umfeld bis zuletzt als schwach erweist, deuten erste binnenwirtschaftliche Indikatoren auf eine konjunkturelle Stabilisierung hin. Insgesamt dürfte sich die wirtschaftliche Entwicklung im zweiten Quartal noch als sehr verhalten darstellen.

BMWK, Pressemitteilung vom 14.07.2023

  • Die wirtschaftliche Lage im Frühsommer ist nach wie vor von einer hohen Unsicherheit und uneinheitlichen Datenlage geprägt. Während sich das außenwirtschaftliche Umfeld bis zuletzt als schwach erweist, deuten erste binnenwirtschaftliche Indikatoren auf eine konjunkturelle Stabilisierung hin. Insgesamt dürfte sich die wirtschaftliche Entwicklung im zweiten Quartal noch als sehr verhalten darstellen.
  • Die jüngsten Daten zu den Konjunkturindikatoren, insbesondere zu den Auftragseingängen und der Industrieproduktion, deuten auf eine moderate konjunkturelle Grunddynamik hin, nachdem es zum Ende des ersten Quartals zu einer merklichen Abkühlung gekommen war. Trotz der eingetrübten Stimmung in den Unternehmen deutet die jüngste Stabilisierung der Nachfrage auf eine allmähliche Erholung der Industriekonjunktur in den kommenden Monaten hin.
  • Die Umsätze im Einzelhandel ohne Kfz erhöhten sich im Mai gegenüber dem Vormonat zum zweiten Mal in Folge leicht. Die privaten Konsumenten sind aber weiter verunsichert. In den kommenden Monaten sind vom privaten Konsum in realer Betrachtung keine größeren Wachstumsimpulse zu erwarten.
  • Der Auftrieb der Verbraucherpreise hat sich im Juni wieder etwas beschleunigt und lag bei 6,4 % (Mai: +6,1 %). Auch die Rate der Kerninflation erhöhte sich um 0,4 Prozentpunkte auf 5,8 %. Maßgeblich dafür sind aber nach rückläufiger Tendenz seit März Einmaleffekte aufgrund der Entlastungsmaßnahmen für das 9-Euro-Ticket und den Tankrabatt vor einem Jahr.
  • Nachdem der Arbeitsmarkt lange von der schwierigen konjunkturellen Lage überwiegend unberührt schien, trübte sich im Juni die Lage infolge der wirtschaftlichen Abschwächung spürbar ein. Die registrierte Arbeitslosigkeit erhöhte sich weiter und die Erwerbstätigkeit sank. Angesichts des bestehenden Fachkräftemangels ist aber nicht von einer sprunghaft steigenden Arbeitslosigkeit auszugehen.
  • Im April 2023 lag die Zahl der Unternehmensinsolvenzen lt. amtlicher Statistik um 14,4 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Aktuelle Frühindikatoren zeigen für Juni einen starken Anstieg (IWH Halle: 48,1 %) im Vergleich zum Vorjahr. Laut IWH-Insolvenztrend ist die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften auf den höchsten Wert seit 2016 gestiegen. Für die kommenden Monate wird allerdings ein leichter Rückgang erwartet. Insgesamt zeigt der Trendverlauf einen kontinuierlichen Anstieg seit Mitte 2022, allerdings von einem sehr niedrigen Niveau aus.
  • Insgesamt sprechen die rückläufigen Preise auf den globalen Energiemärkten, die weiter nachlassende Inflationsdynamik, die höheren Lohnabschlüsse und die erwartete weltwirtschaftliche Belebung für eine moderate konjunkturelle Erholung der deutschen Wirtschaft im weiteren Jahresverlauf.

Verhaltene wirtschaftliche Entwicklung im Frühsommer

Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Frühsommer 2023 nach wie vor in einem schwierigen Umfeld. Die weltwirtschaftliche Lage stellt sich angesichts der anhaltenden geopolitischen Spannungen und der zunehmend spürbaren geldpolitischen Straffungen zahlreicher Zentralbanken insgesamt noch als schwach dar. In der Industrieproduktion zeigen sich erste Stabilisierungstendenzen, allerdings dürften die noch schwache globale Nachfrage und verhaltene inländischen Absatzperspektiven einer kräftigeren Erholung noch entgegenstehen. Insbesondere die Wertschöpfung in den energieintensiven Bereich ist trotz des Rückgangs der Energiepreise noch rückläufig, was zum Teil auf die schwache Auslandsnachfrage zurückzuführen sein dürfte.

Als binnenwirtschaftlicher Dämpfer wirken weiterhin die Kaufkraftverluste infolge der hohen, wenn auch rückläufigen Inflation, die den privaten Konsum beeinträchtigen. Die höheren Abschlüsse bei den Tariflöhnen und -gehältern in Verbindung mit der Nutzung der Inflationsausgleichsprämie verringern die Reallohnverluste jedoch spürbar und dürften sich im weiteren Verlauf auch im Einzelhandel und anderen konsumnahe Branchen bemerkbar machen.

Ein weiterer Faktor, der die wirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigt, ist der Zinsanstieg, der die Investitionen dämpft. Insbesondere in der zinsreagiblen Bauwirtschaft deuten sich infolge der gestiegenen Zinsen spürbare Nachfragerückgänge an.

Infolge dieser Herausforderungen ist von einer insgesamt gedämpften konjunkturellen Entwicklung im laufenden Quartal auszugehen. Eine stärkere wirtschaftliche Belebung wird erst erwartet, wenn sich eine spürbare weltwirtschaftliche Erholung abzeichnet und die Kaufkraft aufgrund rückläufiger Inflation und höherer Tarifabschlüsse wieder steigt.

Welthandel entwickelt sich weiterhin schleppend

Die weltweite Industrieproduktion war im Berichtsmonat April im Vergleich zum Vormonat wieder rückläufig (-1,4 %), der Welthandel lag ebenfalls mit 1,4 % im Minus. Die Frühindikatoren für den Welthandel senden überwiegend positive Signale, Europa dürfte allerdings von der erwarteten Belebung weniger profitieren. Der RWI/ISL-Containerumschlag-Index ist im Berichtsmonat Mai leicht von 122,3 auf 123,4 Punkte gestiegen und lässt (saisonbereinigt) eine moderate Erholung des Welthandels erwarten. In den chinesischen Häfen nahm der Umschlag besonders deutlich zu. In Europa gab der Nordrange-Index gegenüber April allerdings von 108,4 auf 104,1 nach. Im Juni dürfte der Welthandel laut Schiffbewegungsdaten des Kiel-Trade-Indikator etwas zunehmen.

Der IWF erwartet in den kommenden Jahren ein durchschnittliches Wachstum der Weltwirtschaft von rund drei Prozent pro Jahr, und damit eine im historischen Vergleich unterdurchschnittliche Entwicklung. Laut dem aktuellen Prognosedurchschnitt von Consensus Economics dürfte die wirtschaftliche Aktivität in wichtigen Handelspartnerländern Deutschlands in diesem Jahr nur verhalten zulegen (Euroraum: +0,6 %, USA: +1,3 %). Aus Asien dürften dagegen stärkere Impulse für die Weltwirtschaft kommen.

Eingetrübte Aussichten für den Außenhandel

Die nominalen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen sind im Mai mit -1,3 % gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt zurückgegangen (April: +1,2 %). Im weniger schwankungsanfälligen Zweimonatsvergleich verringerten sie sich um 1,5 %. Die Warenausfuhren in die EU- und in Nicht-EU-Länder entwickelten sich dabei gegenläufig: Während die Lieferungen in die EU um 1,5 % fielen, stiegen sie in die Drittstaaten um 1,5 %. Dabei schlug sich die konjunkturelle Abschwächung in den USA in rückläufigen Exporten dorthin nieder, die Nachfrage aus China und dem Vereinigten Königreich nahm dagegen zu. Die nominalen Einfuhren von Waren und Dienstleistungen nahmen im Mai gegenüber April 2023 um 0,1 % ab, im Zweimonatsvergleich sogar um 1,8 %. Die Lieferungen von Waren aus der EU expandierten um 3,5 %, aus den übrigen Ländern wurde im Mai etwas weniger als im Vormonat importiert (-0,3 %).

Infolge der günstigeren Entwicklung der Importe im Vergleich zu den Exporten ist der monatliche Handelsbilanzüberschuss zuletzt etwas geschrumpft – von 13,5 Mrd. Euro im April auf 11,6 Mrd. Euro im Mai.

Bei den Außenhandelspreisen machen sich weiterhin die niedrigeren Energie- und Rohstoffpreise sowie die Entspannung bei den Lieferkettenstörungen bemerkbar. Die Terms of Trade verbesserten sich im Mai um +1,0 % ggü. dem Vormonat, da sich die Einfuhren erneut stärker verbilligten (-1,4 %) als die Ausfuhren (-0,4 %). In realer Betrachtung dürfte der Rückgang der Exporte im Mai also etwas schwächer ausgefallen sein, die Importe dürften real zugenommen haben.

Die Frühindikatoren zeichnen derzeit ein gemischtes Bild für die weitere Exportentwicklung: Der Stimmungsindikator von S&P Global liegt seit Februar über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, ist im Juni aber um 1,7 Punkte auf einen Wert von 52,7 gefallen. Sowohl in der stärker exportorientierten Industrie als auch bei den Dienstleistern hat sich die Stimmung etwas eingetrübt. Auch die ifo Exporterwartungen haben sich im Juni mit einem Saldo von ‑5,6 weiter verschlechtert. Schon im Mai war der Indikator nach einem Zwischenhoch im April auf +1,0 gefallen. Im zweiten Quartal liegen die Exporterwartungen per saldo damit nur noch leicht im Plus und deuten auf einen nur verhaltenen Anstieg hin. Der Kiel-Trade-Indikator signalisiert aktuell für den Juni einen leichten Rückgang der (realen) deutschen Exporte.

Weitere Stabilisierung der Industrieproduktion und deutlicher Anstieg der Nachfrage

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Mai gegenüber dem Vormonat um 0,2 % gefallen, nachdem sie im April um 0,3 % zugelegt hatte. Während die Produktion in der Industrie nach dem merklichen Plus im Vormonat (aufwärtsrevidiert von +0,1 auf +0,5 %) im Mai erneut leicht um 0,2 % ausgeweitet wurde, dämpfte vor allem ein kräftiges Minus von 7,0 % im Bereich der Energie. Auch im Baugewerbe kam es nach dem Anstieg im Vormonat zu einer Abnahme um 0,4 %.

Innerhalb der Industrie war im Mai in den einzelnen Wirtschaftszweigen eine unterschiedliche Entwicklung zu beobachten: Der gewichtige Bereich Kfz und Kfz-Teile meldete ein Plus von 4,9 %, der ebenfalls bedeutsame Maschinenbau hingegen ein Minus von 0,5 %. Zu einer besonders kräftigen Abnahme kam es bei der Herstellung von pharmazeutischen Erzeugnissen (-13,1 %). Auch bei den besonders energie-intensiven Wirtschaftszweigen kam es insgesamt erneut zu einem Rückgang um 1,4 %, wobei Rückgängen bei chemischen Erzeugnissen (-0,5 %), Metallerzeugung und -bearbeitung (-1,5 %), Glas, Glaswaren und Keramik (-3,1 %) sowie Kokerei und Mineralölverarbeitung (-10,5 %) Zuwächse in den Bereichen Papier und Pappe (+1,2 %) sowie Metallerzeugnisse (+0,1 %) gegenüber standen.

Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe legten im Mai gegenüber dem Vormonat mit +6,4 % deutlich zu, nach einem starken Einbruch im März (-10,9 %) und einer Seitwärtsbewegung im April (+0,2 %). Wie schon im April war der Auftragseingang im Vormonatsvergleich stark durch Schwankungen bei Großaufträgen geprägt; ohne diese betrug das Plus nur +3,2 %. Die Zuwächse verteilten sich gleichmäßig über die Inlands- und Auslandsnachfrage: Nach Rückgängen im März und April nahmen die Bestellungen aus dem Ausland wieder spürbar zu (+6,4 %), wobei besonders die Nachfrage aus dem Euroraum zuletzt wieder anzog (+6,5 %). Auch die Inlandsaufträge stiegen im Mai wieder deutlich (+6,2 %).

Die Produktion in der Industrie hat sich damit weiter stabilisiert und liegt im Mai wieder auf ihrem durchschnittlichen Niveau im ersten Quartal 2023. Dabei sind bei den Konsum- und den Investitionsgütern Zuwächse zu verzeichnen, während bei den Vorleistungsgütern das Niveau vom ersten Quartal noch nicht wieder erreicht wird. Trotz der eingetrübten Stimmung in den Unternehmen deutet die jüngste Stabilisierung der Nachfrage auf eine – wenn auch zunächst moderate – Erholung der Industriekonjunktur in den kommenden Monaten hin.

Einzelhandelsumsatz legt weiter leicht zu, aber die Stimmung unter den Verbrauchern bleibt zurückhaltend

Die Umsätze im Einzelhandel ohne Kfz erhöhten sich im Mai gegenüber dem Vormonat zum zweiten Mal in Folge leicht. Sie nahmen im Mai um 0,4 % zu, nach einem Anstieg von 0,7 % im April. Im Vergleich zum Mai 2022 meldete der Einzelhandel allerdings ein reales Umsatzminus von 3,6 %, was vor allem die hohen Preissteigerungen widerspiegelt. Der Handel mit Lebensmitteln verzeichnete im Mai im Vergleich zum Vormonat einen Rückgang des Umsatzes um 1,4 %, gegenüber dem Vorjahresmonat war der Rückgang noch deutlicher (-4,3 %). Damit ist der Umsatz im Einzelhandel mit Lebensmitteln seit 23 Monaten in Folge im Vorjahresvergleich rückläufig. Die Preise für Nahrungsmittel haben sich zwar im Mai gegenüber dem Vormonat um 0,3 % verringert (Juni: -0,2 %), aber im Vorjahresvergleich ergab sich mit +14,9 % (Juni: +13,7 %) immer noch eine sehr hohe Preissteigerung. Nach wie vor sind die Nahrungsmittel der stärkste Treiber der Verbraucherpreise. Der Internet- und Versandhandel ging im Mai um 3,1 % zurück (gegenüber Vorjahresmonat -6,8 %).

Die Neuzulassungen von Pkw durch private Halter haben sich im Juni um 1,6 % verringert, nachdem sie im Mai um 2,9 % gestiegen waren. Die Entwicklung dürfte nach wie vor auch noch von der verringerten staatlichen Förderung für E-Fahrzeuge geprägt sein.

Die Frühindikatoren für die Stimmung unter den Verbrauchern sprechen für eine verhaltene Entwicklung: Die Stimmung unter den privaten Konsumenten wird lt. Prognose von GfK im Juli wieder einen kleineren Rückschlag erleiden, nachdem sie sich zuvor acht Mal in Folge von äußerst niedrigem Niveau erholt hatte. Auch das ifo Geschäftsklima im Einzelhandel hat sich im Juni nach Verbesserungen in den Vormonaten wieder leicht verschlechtert. Die Geschäftserwartungen liegen dabei weiterhin tief im negativen Bereich. Die Frühindikatoren deuten somit darauf hin, dass vom privaten Konsum in realer Betrachtung in den kommenden Monaten keine größeren Wachstumsimpulse zu erwarten sind. Die privaten Konsumenten sind weiter verunsichert und durch die nach wie vor hohe Inflation in ihrer Kaufkraft eingeschränkt.

Erhöhte Inflationsrate aufgrund von Einmaleffekten

Die Inflationsrate (Preisniveauanstieg binnen Jahresfrist) hat sich im Juni leicht auf +6,4 % erhöht (Mai: +6,1 %). Verantwortlich für diesen Anstieg nach rückläufiger Tendenz seit März sind Basiseffekte: Zwischen Juni und August 2022 hatten der Tankrabatt und das Neun-Euro-Ticket die Inflation vorübergehend gesenkt. Der Wegfall dieser Vergünstigungen lässt das Preisniveau nun im Vorjahresvergleich höher erscheinen. Die Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) erhöhte sich im Juni auf 5,8 % (Mai: +5,4 %; ggü. Vormonat: +0,4 %).

Nahrungsmittel verteuerten sich gegenüber dem Vorjahresmonat erneut überproportional (+13,7 %), allerdings ließ der Preisauftrieb hier weiter nach (Mai: + 14,9 %, April: +17,2 %). Die Energiepreise legten im Juni mit +3,0 % gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich weniger stark zu als der Gesamtindex. Einerseits sind die Energiepreise auf den Weltmärkten im Vergleich zu 2022 deutlich rückläufig und die hohen Energiepreissteigerungen im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine fallen seit März aus dem Vorjahresvergleich heraus (Basiseffekt). Andererseits haben die Maßnahmen aus dem dritten Entlastungspaket preisdämpfend gewirkt.

Der Preisdruck von Seiten der Energieträger hat zuletzt wieder etwas zugenommen. An den Spotmärkten sind die Preise für Erdgas gestiegen: Aktuell liegt der TTF Base Load mit 34 Euro/MWh aber noch 62 % unter dem Niveau des Vorjahres bzw. 5 % des Vormonats. Zum Rückgang im Vergleich zu den Höchstständen von über 300 Euro/MWh im August 2022 haben die anhaltenden Einsparungen, der überwiegend milden Witterung und die recht hohen Füllstände beigetragen. Die Markterwartungen deuten allerdings darauf hin, dass die Erdgaspreise in den kommenden Quartalen wieder auf etwa 50 Euro/MWh steigen. Erst 2027 dürften sie sich gemäß der Future-Preise beim Vorkrisenniveau einpendeln.

Aufgrund der Energiepreisentwicklung zeigt sich auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen eine nachlassende Preisdynamik. Die Erzeugerpreise sind im Mai nur noch um 1,0 % gegenüber Vorjahresmonat gestiegen (April: +4,1 %). Damit war die Erzeugerpreisinflation so gering wie seit Januar 2021 nicht mehr. Gegenüber dem Vormonat nahmen die Erzeugerpreise ab (‑1,4 %). Die Einfuhrpreise gingen im Mai mit ‑9,1 % gegenüber dem Vorjahresmonat kräftig zurück (‑1,4 % ggü. Vormonat). Auch die Verkaufspreise im Großhandel gaben im Mai sowohl im Vormonats- (‑1,1 %) als auch im Vorjahresvergleich (‑2,6 %) nach.

Für die nächsten Monate wird eine immer noch hohe, aber abnehmende Inflation erwartet. Angebotsseitige Preistreiber, z. B. Lieferkettenstörungen oder die Weitergabe vergangener Kostensteigerungen, lassen weiter nach, gleichzeitig dämpft die geldpolitische Straffung nachfrageseitig. Allerdings dürfte es ab Juli zu einem weiteren aufwärtsgerichteten Basiseffekt durch die Abschaffung der EEG-Umlage ab Juli 2022 kommen. Von Oktober 2023 bis März 2024 dürfte sich zudem die Absenkung des Mehrwertsteuersatzes auf Gas und Fernwärme ein Jahr zuvor bemerkbar machen. Gemäß dem aktuellen Prognosespektrum der Institute dürfte die Inflation in diesem Jahr bei 5,5 bis 6,0 % liegen und 2024 bei 2,0 bis 3,1 %.

Wirtschaftliche Schwächephase zeigt sich zunehmend am Arbeitsmarkt

Im Juni trübte sich die Situation am Arbeitsmarkt infolge der wirtschaftlichen Abschwächung spürbar ein: Die registrierte Arbeitslosigkeit erhöhte sich saisonbereinigt (sb) um 28.000 Personen. Ein Anstieg dieser Höhe ist im Juni ungewöhnlich, normalerweise sorgt die Frühjahrsbelebung für einen Rückgang. Fluchtmigration wirkt sich hier nicht mehr aus, der Anstieg ist vor allem konjunkturell bedingt. Die Erwerbstätigkeit sank im Mai leicht um 1.000 Personen (sb), die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stagnierte im April (sb +0 Personen). Damit endet vorerst der kräftige Beschäftigungsaufbau der letzten Monate. Die Kurzarbeit war dagegen erneut rückläufig. Auch die Frühindikatoren von IAB und ifo haben sich im Juni weiter eingetrübt. Nur noch der Dienstleistungssektor plant weitere Einstellungen, Industrie und Handel erwarten Rückgänge. Auch die Zahl der gemeldeten Stellen sank. Ihr Bestand liegt aber immer noch auf hohem Niveau, weil es Unternehmen schwerfällt, das passende Personal zu finden. Die schwache Konjunktur hinterlässt somit erste Bremsspuren am Arbeitsmarkt. Eine Erholung ist erst zu erwarten, wenn die Konjunktur wieder Fahrt aufnimmt. Von sprunghaft steigender Arbeitslosigkeit ist aber nicht auszugehen. Die Unternehmen stellen sich darauf ein, dass sich der Fachkräftemangel mittelfristig aufgrund von Demografie, Digitalisierung und Dekarbonisierung weiter verschärfen wird. Der Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen belief sich im Juni auf 769.000, was im längerfristigen Vergleich weiterhin recht hoch ist. Gleichzeitig spiegelt die lange Vakanzzeit, also die Zeitspanne zwischen gewünschtem Besetzungstermin und Stellenabgang, die Schwierigkeiten vieler Betriebe wieder, zeitnah passende Arbeits- und Fachkräfte zu gewinnen.

Insolvenzen auch im Frühjahr 2023 auf erhöhtem Niveau

In den ersten vier Monaten des Jahres 2023 gab es mit insgesamt 5.545 Unternehmensinsolvenzen einen Anstieg in der amtlichen Insolvenzstatistik um 17,2 % ggü. dem Vorjahreszeitraum. Im April 2023 lag der Wert mit 1.428 Unternehmensinsolvenzen um 14,4 % höher als im April 2022.

Das Insolvenzgeschehen nimmt seit der zweiten Jahreshälfte 2022 im Trendverlauf kontinuierlich zu, allerdings ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau. Die Folgen des Krieges in der Ukraine, die zwischenzeitlich drastisch gestiegenen Energiepreise und die weiterhin hohen Inflationsraten stellen für viele Unternehmen Belastungen dar, deren Auswirkungen auf das Insolvenzgeschehen in den nächsten Monaten nur schwer abzuschätzen sind.

Als Frühindikator gibt die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen Hinweise auf die künftige Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen. Diese sind nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes im Juni 2023 um 2,2 % gegenüber Mai 2023 und im Vergleich zum Vorjahresmonat um 13,9 % angestiegen. Laut IWH-Insolvenztrend ist die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften auf den höchsten Wert seit 2016 gestiegen. Die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften lag im Juni bei 1.050 und damit um 48,1 % höher als im Juni 2022. Für die kommenden Monate wird allerdings ein leichter Rückgang erwartet.

Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz

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Innovatorenquote im Mittelstand sinkt auf 40 %

Der Anteil der innovativen Unternehmen im deutschen Mittelstand beläuft sich aktuell auf 40 %, wie der neue KfW-Innovationsbericht von KfW Research zeigt. Damit haben in den zurückliegenden drei Jahren 2019-2021 insgesamt 1,5 Millionen Mittelständler mindestens eine Innovation hervorgebracht. In der Vorperiode 2018-2020 hatte der Innovatorenanteil bei 42 % gelegen.

KfW, Pressemitteilung vom 13.07.2023

  • Innovationsausgaben mit 33,9 Mrd. Euro in 2021 stabil gegenüber Vorjahr
  • Anteil innovativer Unternehmen steigt mit zunehmender Unternehmensgröße
  • Linderung des Fachkräftemangels zentraler Ansatzpunkt für mehr Innovationen

Der Anteil der innovativen Unternehmen im deutschen Mittelstand beläuft sich aktuell auf 40 %, wie der neue KfW-Innovationsbericht von KfW Research zeigt. Damit haben in den zurückliegenden drei Jahren 2019-2021 insgesamt 1,5 Millionen Mittelständler mindestens eine Innovation hervorgebracht. In der Vorperiode 2018-2020 hatte der Innovatorenanteil bei 42 % gelegen. Es zeigt sich folglich, dass die Innovationsaktivitäten der kleinen und mittleren Unternehmen nach einem kurzen Boom zu Beginn der Pandemie im zweiten Coronajahr wieder nachgelassen haben. Neben dem schwierigen Konjunkturumfeld dürfte ein wesentlicher Grund dafür gewesen sein, dass vielen Firmen mit zunehmender Krisendauer die finanziellen Mittel für die Durchführung von Innovationsaktivitäten gefehlt haben.

Die Innovationsausgaben im Mittelstand erreichen im Jahr 2021 insgesamt 33,9 Mrd. Euro und haben sich damit gegenüber dem Vorjahr stabil entwickelt (2020: 33,7 Mrd. Euro). Gleichzeitig setzt sich ein seit Jahren anhaltender Konzentrationsprozess fort: Immer weniger und vor allem größere Unternehmen investieren in innovative Produkte oder Prozesse. Die Gruppe der großen Mittelständler mit mehr als 50 Beschäftigten – das sind 2 % der insgesamt 3,8 Mio. mittelständischen Unternehmen in Deutschland – tätigt mit 18,5 Mrd. Euro mehr als die Hälfte aller Innovationsausgaben des Mittelstands.

Schaut man auf die verschiedenen Arten von Innovationen, so zeigt sich, dass sich die Prozessinnovatorenquote mit 34 % stabil entwickelt hat, während die Produktinnovatorenquote um 4 Prozentpunkte auf 28 % zurückgegangen ist. Bei der Mehrzahl der hervorgebrachten Produktinnovationen handelt es sich um Weiterentwicklungen oder Imitationsinnovationen. Nur jeder14. mittelständische Produktinnovator bringt eine Marktneuheit hervor. Die Innovationsaktivitäten im Mittelstand zielen überwiegend auf die Verbreitung und Anpassung neuer Technologien und Methoden ab, wie beispielsweise an Kundenwünsche oder spezifische Einsatzfelder. Eigene Forschung und Entwicklung betreiben kleine und mittlere Unternehmen nur selten (8 % bzw. 300.000 Unternehmen).

Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil innovativer Unternehmen in allen Unternehmensgrößenklassen zumindest geringfügig zurückgegangen. Der Anteil innovativer Unternehmen steigt mit zunehmender Unternehmensgröße. Mit aktuell 72 % liegt die Innovatorenquote bei den Unternehmen über 50 Beschäftigten deutlich höher als bei den kleinen Unternehmen (unter 5 Beschäftigte) mit 37 %. Kleine Unternehmen verfügen über weniger Ressourcen und über eine kleinere Marktabdeckung. Dies erschwert das Hervorbringen von Innovationen und schmälert die Gewinne, die kleine Unternehmen aus Innovationen erzielen können.

„Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht sind Innovationen entscheidende Triebfedern für Wirtschaftswachstum und Produktivitätsentwicklung. Gerade Deutschland als Land ohne wesentliche, eigene Rohstoffvorkommen muss auf zentralen wirtschaftlichen Feldern seinen technologischen Vorsprung sichern und ausbauen, um Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand auch in Zukunft zu gewährleisten“, sagt. Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. Neben der wieder gesunkenen Innovatorenquote unterstreiche deshalb auch die Nachricht, dass in den vergangenen 15 Jahren in nahezu allen Segmenten des Mittelstands die Betroffenheit von Innovationshemmnissen zugenommen hat, die Dringlichkeit strukturelle Herausforderungen jetzt anzugehen: Kompetenz- sowie finanzierungsbezogene Hemmnisse rangieren auf den vorderen Positionen. Am häufigsten bremsen der Mangel an Fachkräften und hohe Innovationskosten.

„Die Linderung des Fachkräftemangels ist eine zentrale Stellschraube für mehr Innovationen im Mittelstand. Alle Maßnahmen, die das Angebot an qualifizierten Mitarbeitenden auf dem deutschen Arbeitsmarkt erhöhen, stellen indirekt auch Innovationsfördermaßnahmen dar – von Maßnahmen im schulischen Bereich über die berufliche und akademische Aus- und Weiterbildung bis hin zur Mobilisierung des inländischen Arbeitskräfteangebots und der Migrationspolitik“, so Köhler-Geib. Ein Ausbau der finanziellen Förderung sei insbesondere für die Zielgruppe der innovationsorientierten mittelständischen Unternehmen ohne eigene Forschung und Entwicklung vielversprechend. Vor allem diese Unternehmen waren zuletzt zunehmend mit Innovationshemmnissen konfrontiert. Gleichzeitig nahm ihr Anteil an der Innovationsförderung überproportional ab, sodass sie aktuell im Vergleich zu ihrem Beitrag zum mittelständischen Innovationssystem deutlich unterrepräsentiert sind.

„Empfehlenswert ist zudem eine Stärkung der Innovationskompetenz durch eine Verbesserung der Strategiefähigkeit im Mittelstand. Viele kleine Unternehmen mit gut etablierten, jedoch wenig innovativen Geschäftsmodellen widmen dem Aspekt der strategischen Weiterentwicklung des Unternehmens wenig Aufmerksamkeit, da das Tagesgeschäft vorgeht. Hierfür Aufmerksamkeit zu schaffen, ist ein zentraler Ansatzpunkt.“

Quelle: KfW

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Unternehmen blicken pessimistisch in die Zukunft

Die im Frühjahr aufkeimende Hoffnung auf ein leichtes Wachstum ist wieder weg: Die deutsche Wirtschaft schaut erneut mehrheitlich pessimistisch in die Zukunft. Mehr als jedes dritte Unternehmen erwartet für dieses Jahr eine schwächere Geschäftstätigkeit als im Vorjahr, wie die neue Konjunkturumfrage des IW Köln zeigt.

IW Köln, Pressemitteilung vom 13.07.2023

Die im Frühjahr aufkeimende Hoffnung auf ein leichtes Wachstum ist wieder weg: Die deutsche Wirtschaft schaut erneut mehrheitlich pessimistisch in die Zukunft. Mehr als jedes dritte Unternehmen erwartet für dieses Jahr eine schwächere Geschäftstätigkeit als im Vorjahr, wie die neue Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt.

Die Perspektiven der deutschen Unternehmen haben sich im Sommer erneut verschlechtert: 34 Prozent aller befragten Betriebe gehen davon aus, dass sich ihre Produktion in diesem Jahr verschlechtern wird, nur 27 Prozent rechneten mit einer Verbesserung. Zum Vergleich: Im Frühjahr 2023 waren mit 26 Prozent weitaus weniger Unternehmen pessimistisch, dafür aber 36 Prozent optimistisch. Besonders die Bauwirtschaft kämpft mit hohen Baukosten, gestiegenen Zinsen und geringerer Nachfrage, hier überwiegt der Anteil der Pessimisten deutlich. Insgesamt hat das IW im Juni über 2.000 Unternehmen aus ganz Deutschland befragt.

Leicht positive Stimmung bei Dienstleistern

Sichtbar besser, aber noch lange nicht gut ist die Lage bei den Dienstleistern. Fast jedes dritte Unternehmen in diesem Sektor hat positive Produktionserwartungen für die Zukunft, während 23 Prozent negative haben. Der Grund: Die Angst vor hohen Belastungen mit Energiekosten hat sich vermindert und die Beschäftigungslage ist stabil. Das begünstigt den Konsum. Doch auch hier hat sich die Stimmung insgesamt seit dem Frühjahr verschlechtert.

Besonders pessimistisch sind Betriebe etwa in Hessen, Rheinland-Pfalz oder auch in Sachsen und Thüringen. Letztere trifft der Konjunkturschock härter, weil etwa der Handel mit Osteuropa gestört ist. In Baden-Württemberg belasten die hohen Energiepreise die Maschinen- und Autobauer, zudem bremst die weltwirtschaftliche Flaute. In Norddeutschland wurden zunächst größere ökonomische Probleme erwartet aufgrund der engen wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland und dem Ostseeraum, doch ganz so schlimm wurde es nicht: Neue Flüssiggasterminals vor Ort sowie der boomende Inlandstourismus sorgen für etwas Hoffnung inmitten der Energiekrise.

Energie, Kaufkraft und Zinsen

Die Aussicht auf einen konjunkturellen Aufschwung besteht derzeit nicht. Die Mischung aus hohen Produktionskosten, geringerer Kaufkraft, hohen Zinsen und nachlassender Weltwirtschaft bremst die Verbraucher und die Unternehmen aus. „Der Krieg in der Ukraine und seine Folgen für die Weltwirtschaft entwickeln sich zu anhaltenden Belastungen für die Unternehmen und Verbraucher“, sagt Studienautor und IW-Konjunkturexperte Michael Grömling. Diese Unsicherheiten verlängern zudem den Investitionsstau, der sich bereits während der Pandemie gebildet hat. „Auf absehbare Zeit wird sich das wohl nicht ändern. Dabei wären Investitionen in die Klimatransformation und die Digitalisierung enorm wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit des Landes“, so Grömling.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln)

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13,9 % mehr beantragte Regelinsolvenzen im Juni 2023 als im Juni 2022

Die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen in Deutschland ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes im Juni 2023 um 13,9 % gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Im Mai 2023 hatte sie bereits um 3,1 % gegenüber Mai 2022 zugenommen.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 13.07.2023

  • 14,4 % mehr Unternehmensinsolvenzen im April 2023 als im April 2022
  • 5,1 % weniger Verbraucherinsolvenzen im April 2023 gegenüber April 2022

Die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen in Deutschland ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im Juni 2023 um 13,9 % gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Im Mai 2023 hatte sie bereits um 3,1 % gegenüber Mai 2022 zugenommen. Bei den Ergebnissen ist zu berücksichtigen, dass die Verfahren erst nach der ersten Entscheidung des Insolvenzgerichts in die Statistik einfließen. Der tatsächliche Zeitpunkt des Insolvenzantrags liegt in vielen Fällen annähernd drei Monate davor. Die Insolvenzstatistik bildet nur Geschäftsaufgaben ab, die im Zuge eines Insolvenzverfahrens ablaufen, nicht jedoch solche aus anderen Gründen beziehungsweise vor Eintritt akuter Zahlungsschwierigkeiten. Diese und weitere Hinweise sind bei der Interpretation der Insolvenzstatistiken zu beachten.

14,4 % mehr Unternehmensinsolvenzen im April 2023 als im Vorjahresmonat

Im April 2023 haben die deutschen Amtsgerichte nach endgültigen Ergebnissen 1 428 beantragte Unternehmensinsolvenzen gemeldet. Das bedeutet einen Anstieg um 14,4 % gegenüber April 2022. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen nimmt bereits seit August 2022 kontinuierlich zu.

Die Forderungen der Gläubiger aus den im April 2023 gemeldeten Unternehmensinsolvenzen bezifferten die Amtsgerichte auf rund 1,3 Milliarden Euro. Im April 2022 hatten die Forderungen bei knapp 1,4 Milliarden Euro gelegen.

Insolvenzhäufigkeit im Bereich Verkehr und Lagerei am höchsten

Bezogen auf 10.000 Unternehmen gab es insgesamt im April 2023 in Deutschland vier Unternehmensinsolvenzen. Die meisten Insolvenzen je 10.000 Unternehmen entfielen auf den Wirtschaftsabschnitt Verkehr und Lagerei mit zehn Fällen. Dann folgte der Bereich der sonstigen wirtschaftliche Dienstleistungen (zum Beispiel Zeitarbeitsfirmen) mit acht Fällen. Die geringste Insolvenzhäufigkeit mit nur einer Insolvenz je 10.000 Unternehmen gab es in der Energieversorgung.

5,1 % weniger Verbraucherinsolvenzen im April 2023 als im Vorjahresmonat

Im April 2023 gab es 4 906 Verbraucherinsolvenzen. Damit ist die Zahl der Verbraucherinsolvenzen im April 2023 um 5,1 % gegenüber dem April 2022 gesunken.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

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Rezessionswahrscheinlichkeit steigt auf knapp 80 Prozent für 3. Quartal

Die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden drei Monaten eine Rezession durchläuft, ist auf knapp 80 Prozent gestiegen. Damit ist es sehr wahrscheinlich, dass die Konjunktur auch im Sommerquartal nicht aus der akuten Schwächephase herausfindet. Das signalisiert der Konjunkturindikator des IMK der Hans-Böckler-Stiftung.

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 12.07.2023

IMK warnt vor weiteren Leitzinserhöhungen

Die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden drei Monaten eine Rezession durchläuft, ist auf knapp 80 Prozent gestiegen. Damit ist es sehr wahrscheinlich, dass die Konjunktur auch im Sommerquartal nicht aus der akuten Schwächephase herausfindet. Das signalisiert der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, der Daten zu den wichtigsten wirtschaftlichen Kenngrößen bündelt. Für den Zeitraum von Juli bis Ende September weist der Indikator eine Rezessionswahrscheinlichkeit von 78,5 Prozent aus, nachdem sie im Juni für die folgenden drei Monate noch 49,3 Prozent betrug. Der nach dem Ampelsystem arbeitende Indikator zeigt daher „rot“, was eine akute Rezessionsgefahr markiert.

Dass das Rezessionsrisiko für die kommenden Monate kurzfristig so deutlich gestiegen ist, geht wesentlich auf die Eintrübung von Finanzmarktindikatoren zurück, was das IMK auch mit der Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) im Juni in Verbindung bringt. Auch Stimmungsindikatoren wie der ifo-Geschäftsklimaindex zeigen nach unten. Aus der Realwirtschaft kämen zwar nicht nur negative Signale, erklärt IMK-Konjunkturexperte Dr. Thomas Theobald. So haben sich die Auftragseingänge für die Industrie nach den aktuellsten verfügbaren Daten für Mai etwas erholt. Das wird aber überlagert von negativen Trends wie der zuletzt sehr schwachen Entwicklung der Produktion im Bausektor und bei energieintensiven Branchen wie der Chemieindustrie. Die Aussichten für die deutsche Exportwirtschaft sind angesichts einer lahmenden Weltkonjunktur verhalten.

Hinzu kommt die Konsumzurückhaltung vieler Haushalte. Ursache dafür: Die Inflation sinkt zwar, abgesehen von Sondereffekten, aktuell ist sie aber weiter hoch. Schließlich beobachtet IMK-Experte Theobald „erste Anzeichen der konjunkturellen Schwäche am Arbeitsmarkt“. Das betrifft etwa den Rückgang bei den Stellenangeboten: Zwar sind bei der Bundesagentur für Arbeit weiterhin viele unbesetzte Stellen gemeldet, die Zahl ist aber in den vergangenen Monaten spürbar gesunken.

„Die deutsche Wirtschaft erholt sich sehr viel zögerlicher von der Rezession zur Jahreswende 2022/2023, als es viele Prognostikerinnen und Prognostiker erwartet hatten“, sagt Sebastian Dullien, Wissenschaftlicher Direktor des IMK. „Im Gesamtjahr 2023 dürfte das deutsche Bruttoinlandsprodukt nun spürbar unter dem Vorjahreswert liegen.“ In seiner aktuellen Konjunkturprognose geht das IMK von einem BIP-Rückgang um 0,5 Prozent in diesem Jahr aus.

Umso wichtiger sei es, nun konjunkturelle Schadensbegrenzung zu betreiben, argumentiert das Institut: „In dieser Gemengelage sind die Risiken einer zu restriktiven Geldpolitik, wie sie die EZB für ihre kommende Leitzinsentscheidung Ende Juli schon in Aussicht gestellt hat, für die deutsche Wirtschaft erheblich“, sagt Thomas Theobald. Die stark gestiegenen Zinsen hätten Konjunktur und Nachfrage bereits so deutlich gebremst, dass davon keine Inflationsimpulse ausgingen. Die Notenbank sollte deshalb von der für Juli angekündigten und von weiteren Zinserhöhungen vorerst absehen.

In den IMK-Konjunkturindikator fließen zahlreiche Daten aus der Real- und der Finanzwirtschaft zum jeweils vorliegenden Veröffentlichungszeitpunkt ein. Darüber hinaus berücksichtigt das Instrument Stimmungsindikatoren. Das IMK nutzt die Industrieproduktion als Referenzwert für eine Rezession, weil diese rascher auf einen Nachfrageeinbruch reagiert als das Bruttoinlandsprodukt. Der Konjunkturindikator wird monatlich aktualisiert.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

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