ifo Beschäftigungsbarometer gesunken (Mai 2023)

Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen in Deutschland ist gesunken. Das ifo Beschäftigungsbarometer sank im Mai auf 98,3 Punkte, nach 100,2 Punkten im April.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 30.05.2023

Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen in Deutschland ist gesunken. Das ifo Beschäftigungsbarometer sank im Mai auf 98,3 Punkte, nach 100,2 Punkten im April. „Weniger Neuaufträge und steigende Unsicherheit lösen Zurückhaltung bei den Unternehmen aus“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen. „Auch im zuletzt positiv gestimmten Dienstleistungssektor nimmt die Vorsicht zu.“

In der Industrie hat sich die Lage kaum geändert. Einstellungs- und Entlassungspläne halten sich im Moment die Waage. Gleiches gilt auch für den Bau. Im Dienstleistungssektor hat das Barometer einen deutlichen Dämpfer erlitten. Während im IT-Bereich weiter eingestellt werden soll, denken dagegen im Grundstücks- und Wohnungswesen Unternehmen über Entlassungen nach. Im Handel sank die Einstellungsbereitschaft auf den niedrigsten Wert seit März 2021. Immer mehr Händler gehen aufgrund der schwierigeren Geschäftslage davon aus, mit weniger Personal auszukommen.

Quelle: ifo Institut

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Reallöhne im 1. Quartal 2023 um 2,3 % niedriger als im Vorjahresquartal

Die Nominallöhne in Deutschland sind im 1. Quartal 2023 um 5,6 % gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen. Es handelt sich um den höchsten gemessenen Nominallohnanstieg für ein Berichtsquartal seit Beginn der Zeitreihe 2008. So das Statistische Bundesamt.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 30.05.2023

Die Nominallöhne in Deutschland sind im 1. Quartal 2023 um 5,6 % gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen. Es handelt sich um den höchsten gemessenen Nominallohnanstieg für ein Berichtsquartal seit Beginn der Zeitreihe 2008. Die Verbraucherpreise stiegen im selben Zeitraum um 8,3 %. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, sanken damit die Reallöhne im 1. Quartal 2023 um 2,3 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ein Trend aus dem Jahr 2022 setzt sich somit fort: Die hohe Inflation zehrt das Lohnwachstum für die Beschäftigten auch zum Jahresbeginn 2023 mehr als auf.

Auszahlungen der Inflationsausgleichsprämie hat Reallohnverlust leicht abgeschwächt

Die überproportionale Steigerung der Nominallohnentwicklung im 1. Quartal 2023 hat den Reallohnverlust für die Beschäftigten zum Jahresbeginn im Vergleich zu den letzten drei Berichtsquartalen insgesamt etwas abgeschwächt. Zu dieser Abfederung des Kaufkraftverlustes der Beschäftigten haben auch die Auszahlungen der Inflationsausgleichsprämie beigetragen. Diese kann bis zu 3.000 Euro betragen (steuer- und abgabefrei) und ist eine freiwillige Leistung der Arbeitgeber.

Geringfügig Beschäftigte mit überdurchschnittlichen Nominallohngewinn

Betrachtet man die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach ihrer Beschäftigungsart, weisen geringfügig Beschäftigte mit 8,9 % den stärksten Nominallohnanstieg im 1. Quartal 2023 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf. Dies ist vor allem auf die seit dem 1. Oktober 2022 gültige Erhöhung der Minijob-Verdienstgrenze von 450 Euro auf 520 Euro zurückzuführen. Die Nominallöhne von Beschäftigten in Vollzeit stiegen ebenfalls leicht überdurchschnittlich um 5,9 %. Für Teilzeitkräfte und Auszubildende ist ein Lohnanstieg von 4,7 % im 1. Quartal 2023 zu verzeichnen.

Quelle: Statistisches Bundesamt

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Welthandel: Seitwärtsbewegung im Mai

Nach recht kräftigen Zuwächsen im April zeichnet sich für den Welthandel im Mai eine Seitwärtsbewegung ab. Dies zeigt das jüngste Update des Kiel Trade Indicators.

IfW Kiel, Mitteilung vom 22.05.2023

Nach recht kräftigen Zuwächsen im April zeichnet sich für den Welthandel im Mai eine Seitwärtsbewegung ab. Dies zeigt das jüngste Update des Kiel Trade Indicators, berechnet anhand von Containerschiffbewegungen in der ersten Monatshälfte (Vergleich zum Vormonat, preis- und saisonbereinigt). Auch die Indikatorwerte großer Volkswirtschaften zeigen tendenziell seitwärts, die EU und die USA könnten aber Zuwächse bei den Importen verzeichnen.

Auffällig ist die Entwicklung der Frachtmenge im Roten Meer, der wichtigsten Seehandelsroute zwischen Europa und Asien. Nachdem die Lücke zwischen erwartbarer und tatsächlicher Frachtmenge – berechnet anhand des Handelsaufkommens der Jahre 2017 bis 2019 – kurzzeitig geschlossen war, fällt das Handelsvolumen nun abermals zurück.

„Die Erholung der Frachtmenge im Roten Meer könnte nur von kurzer Dauer gewesen sein. Die gegenwärtigen Containermengen folgen wieder dem Trend der Schwächephase der vergangenen Monate“, sagt Vincent Stamer, Leiter Kiel Trade Indicator. „Ein Indiz für einen insgesamt etwas gedämpfteren maritimen Warenhandel im Vergleich zu den Boom-Zeiten vor Ausbruch der Corona-Pandemie.“

Quelle: IfW Kiel

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Arbeitszeiterfassung: Zwei Drittel der Unternehmen beklagen erheblichen Mehraufwand

Hoher Aufwand, schwierige Umsetzung, mangelnde Flexibilität: Ein Großteil der deutschen Unternehmen sieht lt. Bitkom die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung kritisch und fordert vom Gesetzgeber umfassende Verbesserungen. So sagen zwei Drittel der Unternehmen, dass die Einführung bzw. Anpassung der Arbeitszeiterfassungssysteme erheblichen finanziellen und administrativen Mehraufwand verursacht.

Bitkom, Pressemitteilung vom 26.05.2023

  • Viele Unternehmen sehen Erfassungspflicht kritisch und fordern gesetzliche Verbesserungen
  • Drei Viertel der Unternehmen für wöchentliche statt täglicher Höchstarbeitszeit
  • Bundestag diskutiert am heutigen Freitag Oppositionsantrag zur Arbeitszeiterfassung

Hoher Aufwand, schwierige Umsetzung, mangelnde Flexibilität: Ein Großteil der deutschen Unternehmen sieht die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung kritisch und fordert vom Gesetzgeber umfassende Verbesserungen. So sagen zwei Drittel der Unternehmen (66 Prozent), dass die Einführung beziehungsweise Anpassung der Arbeitszeiterfassungssysteme erheblichen finanziellen und administrativen Mehraufwand verursacht. Gleichzeitig wollen mehr als drei Viertel (78 Prozent), dass die gesetzliche Neuregelung des Arbeitszeitrechts die tägliche durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit ersetzt. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Demnach finden 60 Prozent, dass die Einführung beziehungsweise Anpassung der Arbeitszeiterfassung durch das bisherige Fehlen einer gesetzlichen Neuregelung erschwert wird. Ohnehin halten 59 Prozent der Unternehmen eine genaue Arbeitszeiterfassung in der Praxis für nur schwer umsetzbar.

„Das Bundesarbeitsgericht hat mit seinem Beschluss vom September 2022 mehr als 34 Millionen Menschen zur minutiösen Erfassung ihrer Arbeitszeit verpflichtet. Der Gesetzgeber sollte diesem Anachronismus ein Ende bereiten und die gesetzlichen Voraussetzungen dafür schaffen, dass auch künftig Vertrauensarbeitszeit möglich ist. Niemand sollte gezwungen werden, seine Arbeitszeit zu erfassen, wenn zwischen Arbeitgeber und Beschäftigten Einvernehmen herrscht, dass dies nicht nötig ist. Der aktuelle Referentenentwurf zur Änderung des Arbeitszeitgesetzes geht komplett an der Realität der heutigen Arbeitswelt vorbei, in der Homeoffice und Vertrauensarbeitszeit für viele zum Standard gehören“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Nicht nur die geplante tagesaktuelle Erfassungspflicht, auch das Beharren auf einer täglichen Höchstarbeitszeit sind absolut kontraproduktiv. Bitkom fordert schon lange eine wöchentliche Höchstarbeitszeit, die den Beschäftigten bei der Einteilung ihrer Arbeitszeit mehr Flexibilität und Selbstbestimmtheit gewähren würde. Auch die vorgeschriebene Ruhepause von elf Stunden passt nicht zu „New Work“, wie viele Beschäftigte es sich wünschen. Hierunter leidet besonders die Digitalbranche, die angesichts des massiven IT-Fachkräftemangels attraktiv bleiben muss.“ Am heutigen Freitag diskutiert der Bundestag einen Antrag der Unionsfraktion zur bürokratiearmen Arbeitszeiterfassung. Er geht aus Bitkom-Sicht in die richtige Richtung, da er die Möglichkeit freiwilliger Vertrauensarbeitszeitmodelle sowie eine Abkehr von der tagesaktuellen Erfassungspflicht und der täglichen Höchstarbeitszeit fordert.

Sechs von zehn Unternehmen (59 Prozent) sind überzeugt, dass durch die Erfassungspflicht die Flexibilität von Vertrauensarbeit verloren geht. Rund die Hälfte (48 Prozent) befürchtet, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch die Aufzeichnungspflicht kontrolliert fühlen. Gleichzeitig sagen 44 Prozent, dass die Arbeitszeiterfassungspflicht die Beschäftigten vor Stress und Überlastung schützen kann. Berg: „Wo früher auf Vertrauensbasis gearbeitet wurde, zwingt die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung zu Kontrolle und sorgt für vollkommen unnötige Bürokratie. Die Ampel-Regierung hat im Koalitionsvertrag angekündigt, dass bei einer Anpassung des Arbeitszeitrechts Vertrauensarbeit weiterhin möglich sein soll. Daran muss sie sich jetzt messen lassen.

Quelle: Bitkom

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Preiserhöhungen flauen ab

Die Preiserhöhungen in Deutschland werden in den kommenden Monaten voraussichtlich langsam abflauen. Das geht aus einer Umfrage des ifo Instituts hervor.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 26.05.2023

Die Preiserhöhungen in Deutschland werden in den kommenden Monaten voraussichtlich langsam abflauen. Das geht aus der Umfrage des ifo Instituts hervor. Demnach sanken die ifo Preiserwartungen im Mai auf 19 Punkte, von 21,5 im April. Beim Einzelhandel mit Nahrungs- und Genussmitteln sank die Zahl ebenfalls, aber auf sehr hohem Niveau, von 69,7 auf 63,2. „Die Inflationsrate für die Verbraucher wird daher nur ganz langsam sinken, denn auch bei vielen Dienstleistern gehen die Preiserwartungen nur schleppend zurück; zum Beispiel in der Gastronomie von 36,4 auf 34,1 oder bei den Reisebüros von 48,6 auf 46,5 Punkte.“

Im Handel insgesamt gingen die Preiserwartungen zurück von 26,4 auf 18,6 Punkte. Bei den Fahrradhändlern, einem Ausreißer, stürzte die Zahl sogar ab von plus 31,2 auf – 21,8. Diese Betriebe planen also mehrheitlich Preiskürzungen. Damit rechnen können auch die Auftraggeber beim Bau. In der Branche sank die Zahl von plus 3,9 auf – 6,9.

In der Industrie sanken die Preiserwartungen von 12,1 auf 7,7 Punkte. In einzelnen Branchen zeichnen sich sogar deutliche Preissenkungen ab. „Bis das bis zum Verbraucher durchschlägt, wird aber noch einige Zeit vergehen“, sagt Wollmershäuser. Zu erwarten sind Preissenkungen bei den Papierherstellern (55,4 nach -71), in der Chemie (-27,9 nach -23), bei Gummi- und Kunststoffwaren (-14,2 nach -4,4) bei Glas, Keramik (-9,5 nach -3,8) und bei Textilien (-20,7 nach -10,1).

Die Punkte bei den ifo Preiserwartungen geben an, wie viel Prozent der Unternehmen per Saldo ihre Preise erhöhen wollen. Der Saldo ergibt sich, indem man vom prozentualen Anteil der Unternehmen, die ihre Preise anheben wollen, den prozentualen Anteil derer abzieht, die ihre Preise senken wollen. Wenn alle befragten Unternehmen beabsichtigten, ihre Preise zu erhöhen, läge der Saldo bei plus 100 Punkten. Würden alle ihre Preise senken wollen, läge er bei -100. Der Saldo wurde saisonbereinigt. Das ifo Institut fragt nicht nach der Höhe der geplanten Preisänderung.

Quelle: ifo Institut

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Das EU-Mercosur-Abkommen – Gamechanger für die Lieferkettendiversifizierung in Lateinamerika

Seit den 90er-Jahren beraten die EU und der Mercosur über ein umfassendes Handelsabkommen. Seit 2019 ist es ausverhandelt, bis heute aber noch nicht ratifiziert. Dabei böte es lt. DIHK gerade der deutschen Wirtschaft wichtige Wachstumsimpulse und Ansätze für die Diversifizierung von Lieferketten.

DIHK, Mitteilung vom 25.05.2023

Die Mercosur-Länder Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay beraten seit den 90er-Jahren mit der EU über ein umfassendes Handelsabkommen. Zwar sind die Verhandlungen seit 2019 abgeschlossen, jedoch steht die Ratifizierung des Abkommens weiter aus. Dabei könnte es wichtige Wachstumsimpulse für die international eng vernetzte deutsche Wirtschaft bieten und die Diversifizierung von Lieferketten vorantreiben – gerade auch mit Blick auf die Rohstoff- und Energieversorgung. Immerhin hängt ein Viertel der deutschen Arbeitsplätze am Export, in der Industrie sogar mehr als jeder zweite. Welche Perspektiven ergeben sich für die deutschen Unternehmen?

Wirtschaftschancen durch Marktöffnung

Weltweit nehmen Handelshemmnisse zu und erschweren das Außenwirtschaftsgeschäft. Eine ambitionierte EU-Handelspolitik ist daher die Grundvoraussetzung für den globalen Erfolg der deutschen Wirtschaft.

Das ehrgeizige EU-Mercosur-Abkommen setzt hierfür wichtige Akzente: Im Laufe der nächsten Jahre sollen fast alle Zölle mit dem bisher wirtschaftlich protektionistisch aufgestellten lateinamerikanischen Wirtschaftsraum fallen. Außerdem sieht das Abkommen vor, den Marktzugang im Dienstleistungshandel auszuweiten, öffentliche Beschaffungsmärkte zu öffnen, regulatorische Kooperation zu vereinfachen und 350 traditionelle europäische Spezialitäten wie bayerisches Bier oder schwäbische Spätzle auch im Mercosur zu schützen.

Das Handelsabkommen hat zudem ein gezieltes Mittelstandskapitel, damit die Vorteile auch kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) erreichen. Über 8.500 deutsche Betriebe exportieren in die Mercosur-Länder, 74 Prozent von ihnen sind KMU. Bisher unterliegen 85 Prozent der europäischen Ausfuhren in diesem über 260 Millionen Konsumenten umfassenden Markt einem Zoll. Das verursacht in deutschen und europäischen Betrieben Kosten in Höhe von vier Milliarden Euro pro Jahr.

Entsprechend sehen viele Unternehmen in einem Handelsabkommen Chancen für sich. Laut der DIHK-Going-International-Umfrage 2023 gibt jedes fünfte auslandsaktive deutsche Unternehmen an, Lateinamerika als zunehmend wichtigen Markt zu betrachten – das ist auch eine Reaktion der Betriebe auf die aktuellen wettbewerblichen und geopolitischen Spannungen.

Diversifizierung in Zeiten geopolitischer Risiken

Die deutsche Wirtschaft benötigt eine Zeitenwende in den Wirtschafts- und Handelsbeziehungen mit wichtigen geopolitischen Partnern wie dem Mercosur. Je länger die Ratifizierung des Mercosur-Abkommens auf sich warten lässt, desto mehr Marktchancen entgehen der deutschen Wirtschaft.

Eine rasche Ratifizierung würde europäischen Unternehmen jetzt noch einen wichtigen zeitlichen Vorsprung verschaffen, da das Abkommen das erste zwischen den Mercosur-Staaten und einem bedeutenden Partner wäre. Auch andere große Wettbewerbsnationen sind aber in der Region zunehmend aktiv. China hat inzwischen die frühere Position Europas als wichtigster Handelspartner mit den Ländern der Region übernommen.

Daher sollten sich die EU und die Bundesregierung für eine zügige Umsetzung des Abkommens einsetzen. Der EU-Lateinamerika-Gipfel Mitte Juli in Brüssel bietet der EU und dem Mercosur eine gute Gelegenheit, sich auf ein passgenaues Zusatzinstrument zur Nachhaltigkeit zu einigen und so den Weg für die Ratifizierung freizumachen.

Europa kann bereits auf intensiven Handelsbeziehungen aufbauen: Allein nach Brasilien exportierten deutsche Unternehmen 2021 Waren und Dienstleistungen im Wert von über 13 Milliarden Euro, der deutsche Investitionsbestand dort lag zuletzt bei mehr als 22 Milliarden Euro. Die deutschen Exporte unterstützen laut EU-Angaben in Deutschland fast 250.000 Arbeitsplätze. Die brasilianische Metropole São Paulo ist gleichzeitig einer der größten Standorte der deutschen Industrie weltweit. Das zeigt das große Potenzial, das bei einer Ratifizierung des Abkommens gehoben werden kann. Marktchancen für deutsche Unternehmen liegen vor allem in den Bereichen Maschinenbau, Automobil und Ernährung, in denen die Mercosur-Länder bisher mitunter sehr hohe Zölle erheben.

Nachhaltiger Handel mit Lateinamerika

Durch moderne Nachhaltigkeitsregelungen kann das Abkommen auch die Bemühungen der Mercosur-Staaten im Klimaschutz unterstützen. Alle Beteiligten haben sich auf klare Nachhaltigkeitsstandards verständigt und sich somit dazu verpflichtet, das Pariser Klimaschutzabkommen effektiv umzusetzen.

Für die deutschen Unternehmen bedeutsam: Je stärker die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Lateinamerika sind, desto größer sind auch die Chancen, in Umwelt- und Klimafragen gemeinsam voranzukommen. Die deutsche Wirtschaft fördert das Ziel eines nachhaltigen Handels zwischen der EU und dem Mercosur. Ein Abkommen kann Unternehmen ermutigen und Investitionen für den Aus- und Aufbau nachhaltiger Lieferketten auslösen.

Hiesige Betriebe sind – auch mit Unterstützung der deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) bereits seit über 100 Jahren in den Mercosur-Ländern vertreten. Sie sichern Zehntausende Arbeitsplätze und tragen etwa durch die duale Ausbildung nach deutschem Vorbild vor Ort zur nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung der Region bei. Das EU-Mercosur-Abkommen bietet nun neue Chancen, dieses Engagement gemeinsam weiter zu stärken.

Umsetzung für Unternehmen entscheidend

Entscheidend für den Erfolg von Handelsabkommen ist ihre Umsetzung. Die EU sollte sich hier generell für Vereinfachungen stark machen, insbesondere durch klare und harmonisierte Regeln für den Warenursprung, ein umfassendes EU-Online-Tool zu Ursprungsregeln und standardisierte Ursprungsnachweise über alle Abkommen hinweg. Die Digitalisierung der Zollprozesse sollte beschleunigt und der EU-Zolltarif vereinfacht werden. Das würde vor allem auch KMU entlasten und den Handel erleichtern.

Quelle: DIHK

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Über 13.000 Kleinstunternehmen waren in 2022 insolvent

In 2022 haben lt. IfM Bonn geringfügig mehr Unternehmen Insolvenz angemeldet als im Jahr zuvor (+4,3 %). Deutlich stärker fiel der Anstieg bei Unternehmen mit 11 bis 100 Beschäftigten aus (+26,1 %). Die Mehrheit aller Insolvenzanträge stammte in 2022 jedoch erneut von Kleinstunternehmen (bis zu 10 Beschäftigte).

IfM Bonn, Pressemitteilung vom 25.05.2023

Im 10-Jahres-Vergleich bleibt das Insolvenzgeschehen weiter auf einem sehr niedrigen Niveau

In 2022 haben geringfügig mehr Unternehmen Insolvenz angemeldet als im Jahr zuvor (+4,3 %). Deutlich stärker fiel der Anstieg bei Unternehmen mit 11 bis 100 Beschäftigten aus (+26,1 %). Die Mehrheit aller Insolvenzanträge stammte in 2022 jedoch erneut von Kleinstunternehmen (bis zu 10 Beschäftigte). Inzwischen empfiehlt die EU-Kommission daher für die Kleinstunternehmen, das Insolvenzverfahren zu vereinfachen.

Trotz des Anstiegs verharrt die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen auf sehr niedrigem Niveau wie der Vergleich mit den vergangenen 10 Jahren belegt. Auch der Anteil der insolventen Unternehmen am Unternehmensbestand ist weiterhin sehr gering. Nur 4,8 von 1.000 Unternehmen waren in 2022 zahlungsunfähig, so dass ein Insolvenzantrag gestellt werden musste. Über 90 % aller Unternehmensschließungen finden hingegen aus eigenem Antrieb der Eigentümerinnen und Eigentümer statt.

Mehr Insolvenzen unter den Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbHs)

Über 8.400 Insolvenzanträge betrafen in 2022 Unternehmen in der Rechtsform der GmbH, das sind 14,8 % mehr als im Jahr zuvor. Ein Grund hierfür ist die Wiedereinsetzung der strikten Insolvenzantragspflicht. Weitere Ursachen liegen in spezifischen Wirtschaftskrisen und im Strukturwandel (z. B. im Einzelhandel und bei Kfz-Zulieferern). Dagegen verharrte die Zahl der Insolvenzanträge von Unternehmen in der Rechtsform eines Einzelunternehmens oder einer Personengesellschaft auf dem Niveau der beiden Pandemiejahre.

Größere GmbH-Unternehmen werden oftmals im Zuge der Eigenverwaltung saniert oder mit Hilfe von Investoren fortgeführt. Besonders häufig finden aktuell Restrukturierungen im Insolvenzverfahren im Handel, im Gesundheitswesen und bei Kfz-Zulieferern statt. Von Einzelunternehmen werden dagegen nur selten Sanierungswege wie die Eigenverwaltung beantragt, was unter anderem an der Komplexität der Gerichtsverfahren liegt. Ein vereinfachtes, schnelles Sanierungsverfahren könnte dazu beitragen, mehr kleinere Unternehmen zu entschulden und die Gerichte zu entlasten.

Quelle: IfM Bonn

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IMK-Konjunkturindikator trübt sich spürbar ein – Empfehlung für abwartende Geldpolitik

Das Risiko, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden drei Monaten eine Rezession durchläuft, ist zuletzt spürbar gestiegen. Das signalisiert der Konjunkturindikator des IMK der Hans-Böckler-Stiftung.

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 25.05.2023

Das Risiko, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden drei Monaten eine Rezession durchläuft, ist zuletzt spürbar gestiegen. Das signalisiert der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, der Daten zu den wichtigsten wirtschaftlichen Kenngrößen bündelt. Für den Zeitraum von Mai bis Ende Juli weist der Indikator eine Rezessionswahrscheinlichkeit von 37,6 Prozent aus, nachdem sie im April für die folgenden drei Monate noch 26 Prozent betrug. Die statistische Streuung, ein Maß für die Unsicherheit von Wirtschaftsakteuren, bleibt fast unverändert bei 21 Prozent. Der nach dem Ampelsystem arbeitende Indikator schaltet wegen der Eintrübung erstmals seit Januar von „gelb-grün“ auf „gelb-rot“, was für eine erhöhte konjunkturelle Unsicherheit steht. Allerdings bleiben die Werte für Mai bis Juli nach wie vor deutlich unter der Schwelle für eine akute Rezessionsgefahr. Die neue Drei-Monats-Prognose stehe daher für „eine Fortsetzung des verhaltenen Wachstumskurses der deutschen Wirtschaft“, analysiert IMK-Konjunkturexperte Dr. Thomas Theobald.

Dass die Rezessionswahrscheinlichkeit gestiegen ist, geht vor allem auf Entwicklungen im Verarbeitenden Gewerbe zurück, insbesondere der Bauwirtschaft, der energieintensiven Industrie und der Exportwirtschaft. Einige Branchen wie die Automobilindustrie werden noch in nennenswertem Umfang von Lieferengpässen gebremst – auch wenn diese sich nach und nach auflösen. Zunehmend Sorge macht den IMK-Experten das „wenig dynamische außenwirtschaftliche Umfeld“. Die US-Konjunktur schwächt sich aufgrund hoher Zinsen ab. Gleichzeitig stützt sich die wirtschaftliche Erholung in China, anders als in vergangenen Aufschwungsphasen, bislang kaum auf kräftige Investitionen, von denen die deutsche Exportwirtschaft profitieren könnte. Eine Stabilisierung bei den Finanzmarkt- und den Stimmungsindikatoren, die das IMK-Konjunkturradar ebenfalls auswertet, verhindert hingegen eine stärkere Erhöhung der Rezessionswahrscheinlichkeit. Realwirtschaftlich stützt der Dienstleistungsbereich aktuell die Konjunktur.

„Das außenwirtschaftliche Umfeld ermöglicht der stark exportorientierten deutschen Wirtschaft über die Sommermonate wahrscheinlich nur ein maues Wachstum“, fasst Konjunkturforscher Theobald den Ausblick zusammen. „Umso wichtiger wäre es, dass die Europäische Zentralbank die Leitzinsen nicht zu weit in den restriktiven Bereich erhöht und die Binnennachfrage in Abwägung mit dem Ziel der Preisstabilität nicht unverhältnismäßig dämpft.“ Die geldpolitische Straffung durch die vorangegangenen Leitzinserhöhungen entfalte derzeit ihre volle Wirkung, was sich am Einbruch der Kreditnachfrage ablesen lasse. Weitere Zinsschritte sind aus Sicht des IMK derzeit nicht nötig.

In den IMK-Konjunkturindikator fließen zahlreiche Daten aus der Real- und der Finanzwirtschaft zum jeweils vorliegenden Veröffentlichungszeitpunkt ein. Darüber hinaus berücksichtigt das Instrument Stimmungsindikatoren. Das IMK nutzt die Industrieproduktion als Referenzwert für eine Rezession, weil diese rascher auf einen Nachfrageeinbruch reagiert als das Bruttoinlandsprodukt. Der Konjunkturindikator wird monatlich aktualisiert.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

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Bund, Länder, Wirtschaft und Gewerkschaften stärken duale Ausbildung

Die Allianz für Aus- und Weiterbildung hat am 24.05.2023 die inhaltlichen Schwerpunkte für die kommenden vier Jahre vereinbart.

BMWK/Allianz für Aus- und Weiterbildung, gemeinsame Pressemitteilung vom 24.05.2023

„Allianz für Aus- und Weiterbildung“ legt Schwerpunkte für 2023-2026 fest

Die Allianz für Aus- und Weiterbildung hat am 24. Mai 2023 die inhaltlichen Schwerpunkte für die kommenden vier Jahre vereinbart. Die Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt in Deutschland sind seit der Unterzeichnung der letzten Allianzvereinbarung von 2019 nicht geringer geworden: Einen starken Einfluss hatten zuletzt die Corona-Pandemie und der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Hinzu kommen die langfristigen und tiefgreifenden Transformations- und Umbauprozesse, die den Bedarf nach passend qualifiziertem und ausreichendem Fachkräftenachwuchs erhöhen bzw. verschieben. Diese hängen vor allem mit den Veränderungen in der Bevölkerungsentwicklung, der Digitalisierung und der Umstellung auf möglichst kohlenstofffreie Arbeits- und Produktionsprozesse zusammen.

Vor diesem Hintergrund wollen sich die Allianzpartner in der neuen Allianzperiode verstärkt der Phase vor der Ausbildung widmen: dem Ausbau der Berufsorientierung, der Gewinnung von Auszubildenden sowie weiteren Ausbildungsbetrieben und der Optimierung der Übergangsphase zwischen Schule und Beruf. Die Bundesregierung wird eine Ausbildungsgarantie einführen und hat die Exzellenzinitiative berufliche Bildung gestartet. Die bereits seit 2014 in der Allianz verankerte Chanchengarantie für die bis zum 30. September unvermittelten Ausbildungsbewerber wird fortgeführt.

Die Allianzpartner wollen die Qualität und Attraktivität der dualen Ausbildung sichern und weiter steigern. So sollen die Ausbildung durch moderne Instrumente der Qualitätssicherung, wie den Einsatz eines digitalen Ausbildungsnachweises, weiter gestärkt und Ausbildungsabbrüche verhindert werden. Wichtig ist außerdem eine hochwertige Aus- und Weiterbildung des Lehr- und Ausbildungspersonals und eine Stärkung der Berufsschulen.

Darüber hinaus wollen die Allianzpartner die höherqualifizierende bzw. höhere Berufsbildung stärken und dafür werben. Hierdurch ergeben sich für Jugendliche gleichwertige Entwicklungsmöglichkeiten neben dem hochschulischen Bildungsweg.

Flankiert werden die Maßnahmen seit dem 5. Mai 2023 erneut durch den „Sommer der Berufsausbildung“, eine gemeinsame und abgestimmte Initiative aller Allianzpartner, in der über die berufliche Ausbildung informiert und für sie geworben wird.

Eine duale Ausbildung bietet jungen Menschen einen praktischen Einstieg in viele spannende und anspruchsvolle Berufe mit vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten und persönlichen Karrierechancen bis hin zur Selbstständigkeit.

Die Allianz für Aus- und Weiterbildung ist die zentrale politische Plattform und ein Aktionsbündnis für die duale Ausbildung auf Bundesebene. In der Allianz arbeiten Bund, Länder, Wirtschaft und Gewerkschaften gemeinsam daran, die betriebliche Aus- und Weiterbildung zu stärken, um dadurch einen Beitrag zur Fachkräftesicherung zu leisten und möglichst viele Menschen zu einem dualen Berufsabschluss zu bringen. Auf Landesebene ergänzen die Bündnisse, Pakte sowie Allianzen der Länder diese Zusammenarbeit.

Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz

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ifo Exporterwartungen gesunken (Mai 2023)

Die Stimmung in der deutschen Exportindustrie hat sich merklich verschlechtert. Die ifo Exporterwartungen sind im Mai auf plus 1,8 Punkte gefallen, von plus 6,5 Punkten im April. Das ist der niedrigste Wert seit November 2022.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 25.05.2023

Die Stimmung in der deutschen Exportindustrie hat sich merklich verschlechtert. Die ifo Exporterwartungen sind im Mai auf plus 1,8 Punkte gefallen, von plus 6,5 Punkten im April. Das ist der niedrigste Wert seit November 2022. „Die weltweiten Zinserhöhungen schlagen langsam auf die Nachfrage durch“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen. „Der deutschen Exportwirtschaft fehlt die Dynamik.“

In der Autobranche haben die Exportpläne einen kräftigen Dämpfer bekommen. Nachdem zuletzt merkliche Zuwächse erwartetet worden waren, rechnen die Unternehmen nun mit einem Rückgang. Auch in der Metallbranche und bei Textilien gehen die Hersteller von sinkenden Auslandsumsätzen aus. In der Chemischen Industrie und den Herstellern von elektrischen Ausrüstungen halten sich die positiven und negativen Aussichten gegenwärtig in etwa die Waage. Die Hersteller von Geräten zur Datenverarbeitung sowie die Bekleidungsfabrikanten blicken hingegen optimistisch auf die Entwicklung ihres Auslandsgeschäfts.

Quelle: ifo Institut

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