Wirtschaftsprognose Sommer 2022: Russlands Krieg trübt konjunkturelle Aussichten ein

Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine wirkt sich weiter negativ auf die EU-Wirtschaft aus, beeinträchtigt das Wachstum und führt zu höherer Inflation als in der Frühjahrsprognose der EU-Kommission erwartet.

EU-Kommission, Pressemitteilung vom 14.07.2022

Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine wirkt sich weiter negativ auf die EU-Wirtschaft aus, beeinträchtigt das Wachstum und führt zu höherer Inflation als in der Frühjahrsprognose erwartet. In der Wirtschafts(zwischen)prognose Sommer 2022 wird davon ausgegangen, dass die Wirtschaft in der EU 2022 um 2,7 % und 2023 um 1,5 % wachsen wird. Für das Euro-Währungsgebiet steht ein Wachstum von 2,6 % im Jahr 2022 zu erwarten, das im Jahr 2023 auf 1,4 % zurückgehen dürfte. Den Projektionen zufolge wird die jährliche durchschnittliche Inflationsrate im Jahr 2022 auf einen historischen Höchststand von 7,6 % im Euro-Währungsgebiet und 8,3 % in der EU klettern, bevor sie 2023 auf 4,0 % bzw. 4,6 % sinkt.

Durch den Krieg ausgelöste Schocks belasten das Wachstum

Viele der Abwärtsrisiken, mit denen die Frühjahrsprognose 2022 behaftet war, sind eingetreten. Russlands Invasion in die Ukraine hat zusätzlichen Aufwärtsdruck auf die Energie- und Nahrungsmittelpreise verursacht. Infolgedessen baut sich global weiterer Inflationsdruck auf, die Kaufkraft der privaten Haushalte wird geschmälert, und die geldpolitische Reaktion erfolgt schneller als erwartet. Die anhaltende Wachstumsverlangsamung in den USA verstärkt die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der von China verfolgten strikten Null-COVID-Politik.

Aufgrund ihrer großen Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus Russland ist die EU-Wirtschaft nach wie vor besonders anfällig für Entwicklungen an den Energiemärkten, und durch das weltweit schwächelnde Wachstum wird die Auslandsnachfrage in Mitleidenschaft gezogen. Die Jahreswachstumsrate für 2022 dürfte durch den Konjunkturaufschwung des vergangenen Jahres und ein etwas besser als erwartet ausgefallenes erstes Quartal gestützt werden. Wenngleich sich die Sommersaison für den Tourismus vielversprechend anlässt, steht zu erwarten, dass die Konjunktur sich im restlichen Jahresverlauf verhalten entwickeln wird. Im Jahr 2023 dürfte das vierteljährliche Wirtschaftswachstum – getragen von einem resilienten Arbeitsmarkt, einer eingedämmten Inflation, der Unterstützung aus der Aufbau- und Resilienzfazilität und den nach wie vor hohen überschüssigen Ersparnissen – an Dynamik gewinnen.

Insgesamt ist davon auszugehen, dass die EU-Wirtschaft weiter expandieren wird, allerdings deutlich langsamer als in der Frühjahrsprognose 2022 erwartet.

Rekordinflation soll im Jahr 2023 zurückgehen

Die Gesamtinflation hat bis Juni Rekordhöhen erreicht, da die Energie- und Nahrungsmittelpreise weiter anstiegen und der Preisdruck auch Dienstleistungen und andere Waren erfasste. Im Euro-Währungsgebiet stieg die Teuerungsrate im zweiten Quartal 2022 kräftig an, und zwar von 7,4 % im März (im Vorjahresvergleich) auf einen neuen historischen Höchststand von 8,6 % im Juni. In der EU insgesamt war der Anstieg sogar noch ausgeprägter: Die Inflation legte von 7,8 % im März auf 8,8 % im Mai zu und stieg somit um einen vollen Prozentpunkt.

Die Inflationsprognose wurde gegenüber der Frühjahrsprognose erheblich nach oben korrigiert. Zusätzlich zum starken Preisanstieg im zweiten Quartal dürfte ein weiterer Anstieg der europäischen Gaspreise auch über die Strompreise an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben werden. Es wird davon ausgegangen, dass die Inflation im dritten Quartal 2022 im Euro-Währungsgebiet ihren Höchststand von 8,4 % (im Vorjahresvergleich) erreichen wird, danach stetig nachgibt und im Schlussquartal 2023 sowohl im Euro-Währungsgebiet als auch in der EU unter die 3 %-Marke sinkt, wenn der durch Angebotsengpässe und Rohstoffpreise verursachte Druck nachlässt.

Risiken bleiben hoch und sind vom Krieg abhängig

Die Risiken, mit denen die Konjunktur- und Inflationsprognose behaftet ist, sind in hohem Maße von der Entwicklung des Krieges und insbesondere von dessen Auswirkungen auf die Gaslieferungen nach Europa abhängig. Ein erneuter Anstieg der Gaspreise könnte die Inflation weiter nach oben treiben und das Wachstum bremsen. Zweitrundeneffekte könnten wiederum die Inflation weiter verstärken und eine deutlichere Verschärfung der Finanzierungsbedingungen nach sich ziehen, was nicht nur das Wachstum belasten, sondern auch erhöhte Risiken für die Finanzstabilität mit sich bringen würde. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die wiederaufflammende Pandemie in der EU zu erneuten Störungen der Wirtschaft führen könnte.

Gleichzeitig könnten sich die jüngsten Abwärtstrends bei den Öl- und sonstigen Rohstoffpreisen beschleunigen, was einen rascheren Inflationsrückgang als derzeit erwartet zur Folge hätte. Zudem könnte sich der private Verbrauch angesichts eines starken Arbeitsmarktes als widerstandsfähiger gegenüber steigenden Preisen erweisen, sofern die privaten Haushalte vermehrt auf ihre Ersparnisse zurückgreifen.

Stimmen aus dem Kommissionskollegium

Valdis Dombrovskis, Exekutiv-Vizepräsident für eine Wirtschaft im Dienste der Menschen, erklärte:

„Russlands Krieg gegen die Ukraine wirft weiter lange Schatten auf Europa und unsere Wirtschaft. Wir stehen an mehreren Fronten vor Herausforderungen – von steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen bis hin zu äußerst unsicheren globalen Aussichten. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir aus einer Position der Stärke heraus handeln und nach der vorangegangenen Krise wieder solides Wachstum erreicht haben. Das Wirtschaftswachstum wird sich in der zweiten Jahreshälfte deutlich verlangsamen, 2023 aber an Dynamik gewinnen. Angesichts der hohen Inflation und der verschärften Finanzierungsbedingungen wird es wichtig sein, das richtige Gleichgewicht zwischen dem Übergang zu einem umsichtigeren finanzpolitischen Kurs und dem Schutz der Schwächsten zu finden. Wir sollten außerdem unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus Russland verringern.“

Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni fügte hinzu:

„Die unprovozierte Invasion Russlands in die Ukraine sendet weiter Schockwellen durch die Weltwirtschaft. Moskaus Maßnahmen stören die Energie- und Getreideversorgung, treiben die Preise nach oben und schwächen das Vertrauen. In Europa dürfte die Wiederbelebung unserer Volkswirtschaften 2022 das jährliche Wachstum stützen, doch für 2023 haben wir unsere Prognose deutlich nach unten korrigiert. Es wird nun erwartet, dass die Rekordinflation im weiteren Verlauf dieses Jahres ihren Höchststand erreicht und 2023 allmählich sinken wird. Angesichts des Kriegsverlaufs und der ungewissen Zuverlässigkeit der Gaslieferungen ist diese Prognose mit hoher Unsicherheit und Abwärtsrisiken behaftet. Um in diesem schwierigen Fahrwasser Kurs zu halten, muss Europa eine Führungsrolle übernehmen, mit drei Worten, die unsere Politik definieren: Solidarität, Nachhaltigkeit und Sicherheit.“

Quelle: EU-Kommission (Europäische Union, 1995-2022)

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Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Juli 2022

Die deutsche Wirtschaft hat – trotz des Krieges in der Ukraine – ein solides erstes Halbjahr hinter sich. Allerdings sorgen lt. BMWK Unsicherheiten über die Fortsetzung russischer Gaslieferungen für einen merklich eingetrübten Ausblick ins zweite Halbjahr.

BMWK, Pressemitteilung vom 14.07.2022

  • Die deutsche Wirtschaft hat – trotz Krieg in der Ukraine – ein solides erstes Halbjahr hinter sich. Allerdings sorgen Unsicherheiten über die Fortsetzung russischer Gaslieferungen für einen merklich eingetrübten Ausblick ins zweite Halbjahr.
  • Die deutsche Industrie hat sich im Berichtsmonat Mai ein Stück weit von dem externen Schock erholt, den sie durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine erhalten hatte. Die Produktion und die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe stabilisierten sich. Die hohe Unsicherheit durch den Krieg und das Risiko eines weitgehenden Lieferstopps beim russischen Gas werden viele Unternehmen aber vor große Herausforderungen stellen.
  • Die Umsätze im Einzelhandel haben sich im Mai gegenüber dem Vormonat wieder etwas erholt, nachdem sie im April deutlich zurückgegangen waren. Das Konsumklima setzte aber vor dem Hintergrund kräftiger Preisniveausteigerungen im Einzelhandel seine Talfahrt wieder fort.
  • Die Inflationsrate ging von Mai auf Juni um 0,3 Prozentpunkte auf 7,6 % leicht zurück. Die von der Bundesregierung ergriffenen Maßnahmen wie der sog. Tankrabatt und das Neun-Euro-Ticket haben den Preisauftrieb etwas gedämpft. Die Energieträger verteuerten sich etwas schwächer aber erneut kräftig. Die Teuerung der Nahrungsmittel verzeichnete ein neues Allzeithoch seit der Wiedervereinigung. Die Kernrate, bei der diese beiden volatilen Preiskomponenten herausgerechnet werden, verringerte sich um 0,6 Prozentpunkte auf 3,2 %.
  • Am Arbeitsmarkt zeigten sich im Juni erstmals deutliche Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine. Die Arbeitslosigkeit ist gestiegen, was ganz überwiegend durch ukrainische Geflüchtete zu erklären ist. Auch in den kommenden Monaten sind weitere Zunahmen mit abnehmender Intensität zu erwarten, was aber nicht an einer gesamtwirtschaftlichen Schwäche liegt.
  • Der insgesamt rückläufige Trend der Unternehmensinsolvenzen in den Jahren 2020/21 setzt sich auch zu Jahresbeginn 2022 fort: Die beantragten Unternehmensinsolvenzen lagen im 1. Quartal um 7,4 % unter dem Wert des Vorjahresquartals, für April ist ein Rückgang von 6,4 % gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Aktuelle Frühindikatoren und Umfragen deuten – trotz der gestiegenen Risiken – keinen signifikanten Anstieg in naher Zukunft an.

Die deutsche Wirtschaft zeigt sich robust – Ausblick weiter von Unsicherheit geprägt

Die konjunkturelle Stimmung in Deutschland ist derzeit zweigeteilt. Einerseits ist die tatsächliche Lage der Unternehmen gar nicht so schlecht, wie man im Angesicht des Kriegs in der Ukraine und den massiv gestiegenen Energiepreisen erwarten würde. So waren Produktion und Auftragseingänge im Berichtsmonat Mai leicht aufwärtsgerichtet, auch die Einzelhandelsumsätze konnten zulegen. Das Gastgewerbe erlebt einen positiven Start in den Sommer. Insgesamt verbleibt ein solides erstes Halbjahr, das viele Beobachter vor wenigen Monaten wohl deutlich schlechter erwartet hätten. Andererseits gestaltet sich der Ausblick ins zweite Halbjahr relativ zurückhaltend: Die großen Unsicherheiten über eventuell ausbleibende Gaslieferungen aus Russland drücken die Stimmung. Auch der Welthandel leidet weiterhin unter dem Schock durch den russischen Angriffskrieg. So waren die deutschen Exporte im Mai leicht rückläufig. Durch die massiv gestiegenen Importpreise sank der deutsche Handelsbilanzüberschuss sehr deutlich.

Die drohende Gasknappheit schlägt sich auch in den Stimmungsindikatoren nieder. Das ifo Geschäftsklima gab im Juni leicht nach, getrieben vor allem durch die schlechteren Erwartungen. Insbesondere die energieintensive chemische Industrie ist angesichts unsicherer Gaslieferungen aus Russland beunruhigt.

Die Inflationsrate ging im Juni leicht zurück auf 7,6 %, liegt damit aber immer noch auf einem Niveau wie während der ersten Ölkrise im Winter 1973/74 im früheren Bundesgebiet. Nach wie vor sind es vor allem die Preise für Energie und Nahrungsmittel, die die allgemeine Teuerung treiben. Der eingeführte Tankrabatt und das Neun-Euro-Ticket sorgen immerhin für eine kurzfristige Entlastung. Die weitere Entwicklung des Preisniveaus hängt am Fortgang der Energielieferungen aus Russland sowie an der Reaktion der EZB auf die hohen Inflationsraten.

Weltwirtschaft im Zeichen des Kriegs in der Ukraine

Die Weltwirtschaft hat den externen Schock durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine zu verkraften. So verringerte sich die weltweite Industrieproduktion im April gegenüber dem Vormonat um 2,7 %, nachdem sie schon im März um 1,0 % zurückgegangen war. Der Welthandel indes konnte im April (+0,5 %) die Abnahme aus dem März (-0,9 %) zum Teil wieder gut machen. Der Stimmungsindikator von S&P Global (ehemals IHS Markit) deutet auf eine leichte Erholung in den kommenden Monaten hin. Er stieg im Mai auf 51,5 Punkte und lag damit über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Die ifo-Exporterwartungen haben sich hingegen gegenüber dem Vormonat wieder leicht verschlechtert. Der Ausblick für die deutschen Exportunternehmen wird durch die hohe Unsicherheit durch Krieg und einen eventuellen Mangel bei der Gasversorgung gedämpft. Hinzu kommen massive Störungen der Lieferketten, zu denen nicht zuletzt auch die strikte Null-Covid-Politik in China mit ihren weitreichenden Schließungen ganzer Ballungsräume beiträgt. Zwar gab es in Shanghai zuletzt weitreichende Lockerungen, sollte es aber erneut zu Lockdowns solcher Größenordnungen in China kommen, dann wären verschärfte Lieferengpässe und eine weitere Verlangsamung des Welthandels nicht auszuschließen.

Deutscher Außenhandel: Hohe Energiepreise sorgen für schrumpfenden Leistungsbilanzüberschuss

Das erhöhte Preisniveau der Energieträger macht sich auch im deutschen Außenhandel bemerkbar. Die nominalen Exporte von Waren und Dienstleistungen stagnierten praktisch im Mai saisonbereinigt mit einer Veränderungsrate von 0,1 % gegenüber dem Vormonat, nachdem sie im April um kräftige 3,6 % zugelegt hatten. Im Zweimonatsvergleich ergibt sich noch ein Plus von 1,4 %. Die Exportpreise sind im Mai um 0,5 % gestiegen und dürften real für einen Rückgang der Exporte gesorgt haben. Der Warenhandel wurde durch geringere Ausfuhren in die Eurozone (-2,6 %) gebremst, demgegenüber nahmen die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten (+5,7 %) und nach China (+0,5 %) zu.

Die Importe von Waren und Dienstleistungen erhöhten sich im Mai erneut. Saisonbereinigt kam es zu einem Anstieg um 2,2 % (April: +0,9 %). Im Zweimonatsvergleich steht ein kräftiger Zuwachs von 4,5 %. Bei nochmals gestiegenen Importpreisen im Mai (+0,9 %) dürfte die reale Entwicklung der Einfuhren allerdings schwächer ausgefallen sein. Die nominalen Einfuhren von Waren aus China fielen geringer aus als im Vormonat (-1,6 %), währenddie Einfuhren aus den Vereinigten Staaten (+9,7 %) und der Eurozone (+2,5 %) deutlich zunahmen.

Im Zuge der außerordentlichen Preisdynamik im Bereich der Energieträger ist der monatliche Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands im April auf 7,3 Mrd. Euro gefallen. Im Durchschnitt der letzten Jahre waren monatliche Leistungsbilanzüberschüsse von rund 20 Mrd. Euro üblich.

Die deutschen Warenausfuhren nach Russland stiegen im Vormonatsvergleich saisonbereinigt um 29,4 % (April: -9,9 %). Dieser Zuwachs resultierte vor allem aus erhöhten Ausfuhren von pharmazeutischen Produkten, die nicht den Sanktionen unterliegen. Gegenüber dem Vorjahresmonat sanken die Ausfuhren gemäß Ursprungsdaten jedoch um knapp 55 %. Der Wert der deutschen Wareneinfuhren aus Russland gingen im Mai um 9,8 % zurück (April: – 16,4 %). Aus Russland importiert Deutschland vor allem Energiegüter wie Öl und Gas, die im Berichtsmonat Mai nicht sanktioniert waren. Dass die Importe aus Russland nun erneut so kräftig zurückgingen, deutet darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft Importe aus Russland zunehmend ersetzt und unabhängiger wird.

In China sind vor Shanghai und der angrenzenden Provinz Zheijang gegenwärtig über 3 % der globalen Frachtkapazität gebunden. Dafür konnten aber wieder mehr Schiffe den Hafen Shanghai verlassen, was eine leichte Belebung für den deutsch-chinesischen Außenhandel bedeuten könnte.

Derzeit stauen sich Containerschiffe aber auch vermehrt in der Nordsee vor den Häfen Deutschlands, der Niederlande und Belgiens. Hier stauen sich gegenwärtig knapp 2 % der globalen Frachtkapazität. Auch vor diesem Hintergrund haben sich die ifo Exporterwartungen im Juni leicht eingetrübt (von +4,4 auf +3,7 Saldenpunkte). Derzeit rechnen rund 15 % der Unternehmen mit einer Verbesserung in den nächsten drei Monaten. Der Ausblick für den deutschen Außenhandel in den kommenden Monaten fällt zusammengenommen eher verhalten aus.

Lage in Industrie stabilisiert sich im Mai

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe ist im Mail um 0,2 % gegenüber dem Vormonat gestiegen. Die Industrie und das Baugewerbe konnten ihren Ausstoß um 0,6 % bzw. 0,4 % erhöhen, während der Bereich Energie seine Produktion um 5,8 % drosselte.

Innerhalb der Industrie verlief die Entwicklung unterschiedlich: Vor allem im gewichtigen Bereich Kfz und Kfz-Teile legte die Herstellung deutlich um 5,9 % zu, aber auch im Maschinenbau und bei Metallerzeugnissen waren Produktionsausweitungen zu beobachten (+1,4 % bzw. +0,9 %). Andere Wirtschaftszweige wie pharmazeutische Erzeugnisse (-4,3 %), chemische Erzeugnisse (-2,7 %), Papier und Pappe (-2,5 %) sowie Nahrungs- und Futtermittel (-2,2 %) meldeten Rückgänge.

Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe sind im Mai praktisch unverändert geblieben (+0,1 %). In den drei Monaten zuvor war es infolge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine zu teilweise spürbaren Rückgängen gekommen. Im Mai gab es überdurchschnittlich viele Großaufträgen. Ohne deren Berücksichtigung haben sich die Ordereingänge um 0,9 % gegenüber dem Vormonat verringert. Insgesamt lagen die Auftragseingänge zuletzt in arbeitstäglich bereinigter Rechnung 3,1 % unter ihrem Niveau vor Vorjahresfrist.

Von April auf Mai ist die Nachfrage nach Investitionsgütern um 3,3 % gestiegen. Vorleistungs- und Konsumgüter wurden hingegen um 3,2 % bzw. 4,5 % weniger bestellt. Geografisch schlägt ein Nachfrageminus aus dem Inland von 1,5 % zu Buche. Aus dem Auslang gingen 1,3 % mehr Bestellungen ein (Euroraum -2,4 %, Nicht-Euroraum +3,7 %). Wie bei der Industrieproduktion entwickelte sich die Nachfrage in den einzelnen Wirtschaftszweigen sehr unterschiedlich: Auch hier verzeichnete der Bereich Kfz und Kfz-Teile mit +12,8 % einen kräftigsten Zuwachs. Andere Bereiche wie Maschinenbau und Metallerzeugung meldeten überwiegend mehr oder weniger starke Rückgänge, während chemische Erzeugnisse unverändert stark nachgefragt wurden.

Der Ausblick für die Industriekonjunktur in den kommenden Monaten bleibt angesichts der hohen Unsicherheit durch den Krieg und eines drohenden Lieferstopps für Gas aus Russland zurückhaltend.

Einzelhandelsumsatz legt zu; Inflationsrate etwas niedriger

Im Einzelhandel ohne Kfz haben sich die Umsätze im Mai gegenüber dem Vormonat um 0,6 % erhöht, nachdem sie allerdings im April um 5,4 % deutlich zurück gingen. Die Umsätze lagen damit zuletzt um 3,6 % unter ihrem Niveau von einem Jahr zuvor, was insbesondere auf die hohen Preisniveausteigerungen im Einzelhandel zurückzuführen ist. In nominaler Rechnung, also ohne Preisbereinigung, ergab sich binnen Jahresfrist ein Umsatzzuwachs von 4,1 %. Der Handel mit Lebensmitteln verzeichnete im Mai im Vergleich zum Vormonat einen realen Umsatzrückgang von 0,6 % (ggü. Vorjahresmonat -9,5 %), während der Handel Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren ein deutliches Plus von 10,6 % erzielte (ggü. Vorjahresmonat -9,5 %). Der Internet- und Versandhandel hatte im Mai gegenüber dem Vormonat einen Umsatzrückgang von 2,5 % zu verbuchen (ggü. Vorjahresmonat -14,1 %). Bei den Neuzulassungen von Pkw durch private Halter kam es im Juni erneut zu einer Zunahme um 2,7 % (Mai: +6,0 %).

Gleichwohl setzte das Konsumklima seine Talfahrt aufgrund der sehr kräftigen Steigerungen bei den Preisen für Energie- und Lebensmittel fort. Darauf deuten die beiden gängigen Frühindikatoren hin: Für das GfK Konsumklima wird für Juli ein neuer historischer Tiefststand prognostiziert. Auch die ifo Geschäftserwartungen im Einzelhandel verschlechterten sich im Juni per saldo spürbar und erreichten ein sehr niedriges Niveau, nachdem sie sich im Mai nur leicht verbessert hatten.

Das Niveau der Verbraucherpreise ist im Juni gegenüber dem Vormonat um 0,1 % gestiegen. Anders als in den sechs Monaten zuvor kam es nur zu einer leichten Erhöhung, weil die von der Bundesregierung ergriffenen Maßnahmen wie der sog. Tankrabatt und das Neun-Euro-Ticket den Preisauftrieb zumindest gedämpft haben. Energie verteuerte sich zuletzt um 0,6 % (zuvor: +2,8 %) und Nahrungsmittel um 1,0 % (zuvor: +2,1 %). Die Inflationsrate, also die Entwicklung des Preisniveaus binnen Jahresfrist, ging im Juni um 0,3 Prozentpunkte auf 7,6 % zurück. Zu Beginn des Jahres hatte sie allerdings noch unter 5 % gelegen. Die Teuerung der Energieträger fiel auch aufgrund des Tankrabatts mit +38,0 % etwas schwächer aber erneut kräftig aus (zuvor: +38,3 %). Der Anstieg der Preise für Nahrungsmittel verzeichnete mit +12,7 % ein neues Allzeithoch seit der Wiedervereinigung (zuvor: +11,1 %). Seit der Invasion Russlands in der Ukraine legen die Preise für Energie deutlich zu und treiben die Inflation in Deutschland in die Höhe. Etwa die Hälfte der Inflation ist auf die Energieträger zurückzuführen (rd. 4 Prozentpunkte). Auch Nahrungsmittel trugen merklich zur hohen Inflationsrate mit bei (nahezu 1,1 Prozentpunkt). Laut Berechnungen des Statistischen Bundesamtes hätte die Inflationsrate rein rechnerisch ohne Entlastungsmaßnahmen und bei unveränderten Preisen für Kraftstoffe und für den öffentlichen Personenverkehr bei +8,6 % gelegen. Die Kerninflationsrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) ging im Juni um 0,6 Prozentpunkte auf +3,2 % zurück, zu Beginn des Jahres hatte sie jedoch noch unter 3 % gelegen. Angesichts des drohenden Lieferstopps beim russischen Gas ist in den kommenden Monaten trotz staatlicher Entlastungsmaßnahmen wie der Senkung der EEG-Umlage auf null weiterhin mit einem starken Preisdruck bei Energie zu rechnen. Es ist deshalb auf absehbare Zeit mit weiterhin hohen Inflationsraten zu rechnen.

Fluchtmigration aus Ukraine erhöht Arbeitslosigkeit

Am Arbeitsmarkt zeigen sich erstmals deutliche Auswirkungen der russischen Invasion der Ukraine, Grund ist die dadurch ausgelöste Fluchtmigration. Die registrierte Arbeitslosigkeit erhöhte sich im Juni saisonbereinigt kräftig um 133.000 Personen, was ganz überwiegend durch ukrainische Geflüchtete zu erklären ist. Des Weiteren wirkten sich auch der im vergangenen Winter untypisch geringe Aufbau saisonaler Arbeitslosigkeit und eine geringe Zahl arbeitspolitischer Maßnahmen erhöhend aus.

In Ursprungswerten nahm die registrierte Arbeitslosigkeit um 103.000 auf 2,36 Mio. Personen zu. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren gleichwohl 251.000 Personen weniger arbeitslos gemeldet. Bei Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung setzte sich der bisherige positive Verlauf weiter fort. Die Erwerbstätigkeit erhöhte sich im Mai saisonbereinigt um 35.000 Personen. In Ursprungswerten waren damit 45,5 Millionen Menschen erwerbstätig, 772.000 Personen mehr als im Vorjahresmonat. Auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wuchs im April um 11.000 Personen gegenüber dem Vormonat. Die Inanspruchnahme der Kurzarbeit lag im April bei rund 0,4 Mio. Personen und damit deutlich niedriger als im Vormonat. Auch die Anzeigen der Kurzarbeit gingen weiter zurück. Die Frühindikatoren trübten sich zuletzt leicht ein, allerdings liegt die Arbeitsnachfrage weiter auf hohem Niveau. Der aktuelle Anstieg der Arbeitslosigkeit als Folge des russischen Angriffskriegs liegt daher nicht an einer gesamtwirtschaftlichen Schwäche, sondern erklärt sich praktisch vollständig durch die ausgelösten Migrationsbewegungen. Diese dürften in den kommenden Monaten zu weiteren Anstiegen bei der Arbeitslosigkeit führen, ihre Intensität aber abnehmen.

Weiterhin kein Anstieg der Insolvenzen

Nach dem Rückgang in den vergangenen beiden Jahren bleiben die Unternehmensinsolvenzen auch zu Beginn des Jahres 2022 weiter unter Vorjahresniveau. Im 1. Quartal 2022 lagen die beantragten Unternehmensinsolvenzen um 7,4 % unter dem Wert des Vorjahresquartals. Auch im April lag die Anzahl der beantragten Unternehmensinsolvenzen um 7,4 % unter dem Vorjahreswert.

Der im Mai beobachte Anstieg der Regelinsolvenzen als Frühindikator für die zukünftige Insolvenzentwicklung um 8,4 % ggü. April setzte sich im Juni nicht weiter fort (-7,6 % ggü. Mai). Allerdings stellen die Folgen des Kriegs in der Ukraine ein zusätzliches Risiko für die Unternehmen dar. Es lässt sich derzeit nicht abschätzen, welche Dynamik das Insolvenzgeschehen im Laufe des Jahres entwickeln wird.

Quelle: BMWK

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Geschäftsaufgaben im Mittelstand: Rund 266.000 geplante Stilllegungen bis Ende 2025

Rund 266.000 mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer planen, ihre Unternehmen bis zum Ende des Jahres 2025 stillzulegen, anstatt den Weg einer Nachfolge zu beschreiten. Dies entspricht etwa 7 % des Mittelstands. Dabei handelt es sich fast durchweg (97 %) um Kleinstunternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten. Laut dem jüngsten KfW-Nachfolge-Monitoring Mittelstand wünschen sich weitere rund 199.000 Unternehmerinnen und Unternehmer eine Nachfolgelösung, müssen aber aufgrund unzureichender Planung vermutlich mit einem Scheitern rechnen.

KfW, Pressemitteilung vom 13.07.2022

  • Nachfolgermangel, Rentenalter und mangelnde wirtschaftliche Attraktivität entscheidende Faktoren
  • Immer weniger Interesse von Familienangehörigen zur Geschäftsübernahme
  • Fast durchweg Kleinstunternehmen mit weniger als 5 Beschäftigten betroffen
  • Weiteren 199.000 Unternehmen droht die unfreiwillige Stilllegung

Rund 266.000 mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer planen, ihre Unternehmen bis zum Ende des Jahres 2025 stillzulegen, anstatt den Weg einer Nachfolge zu beschreiten. Dies entspricht etwa 7 % des Mittelstands. Dabei handelt es sich fast durchweg (97 %) um Kleinstunternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten. Laut dem jüngsten KfW-Nachfolge-Monitoring Mittelstand wünschen sich weitere rund 199.000 Unternehmerinnen und Unternehmer eine Nachfolgelösung, müssen aber aufgrund unzureichender Planung vermutlich mit einem Scheitern rechnen. Damit ist insgesamt von ca. 465.000 Unternehmen im Mittelstand auszugehen, die teils geplant, teils ungeplant bis Ende des Jahres 2025 ihre Geschäftstätigkeiten einstellen werden. Die Anzahl der Stilllegungen übersteigt damit die Anzahl der wahrscheinlich umgesetzten Nachfolgelösungen von etwa 400.000 im gleichen Zeitraum.

Erstmalig konnten im Rahmen des KfW-Nachfolge-Monitorings auch die Gründe für geplante Stilllegungen im Mittelstand näher beleuchtet werden. Danach sind das fehlende Interesse von Familienangehörigen an einer Übernahme sowie das nahende Rentenalter der Inhabenden bei rund der Hälfte aller geplanten Stilllegungen ausschlaggebende Faktoren. In der Untersuchung berichten Inhaberinnen und Inhaber immer häufiger von der Schwierigkeit, die Nachfolge innerhalb der Familie zu organisieren. Die generell sinkende Anzahl an Kindern pro Familie sowie sich wandelnde Berufswege dürften hierfür wichtige Gründe sein.

Wenig überraschend rangiert auch der Faktor Rentenalter weit oben in der Rangliste der Hauptursachen von Stilllegungen im Mittelstand. Die Zahl der Unternehmen mit älteren Inhabenden steigt seit geraumer Zeit kontinuierlich. Gegenwärtig sind 28 % der Unternehmerschaft 60 Jahre oder älter (was einer Anzahl von deutlich über einer Million entspricht), vor 20 Jahren waren es lediglich 12 %. Die u. a. durch die Corona-Pandemie erschwerte Geschäftssituation verhindert häufig eine Übergabe. Rund 28 % aller Inhabenden führen diesen Grund ins Feld.

Dabei zeigt sich, dass die wirtschaftliche Attraktivität der vor einer Stilllegung stehenden Unternehmen in aller Regel unterdurchschnittlich ist: Jahresumsatz und Jahresgewinn liegen bei den KMU mit Stilllegungsabsicht fünf bis sechsmal niedriger gegenüber Nachfolgeplanern. Die Umsatzrendite liegt niedriger, KMU mit Stilllegungsabsicht verzeichnen rund dreimal häufiger Verluste, und ihre durchschnittliche Eigenkapitalquote liegt mehr als zehn Prozentpunkte (19 %) unter dem Gesamtdurchschnitt (30 %). In der Folge verhindert die gegenwärtige Geschäftssituation häufig einen Verkauf und führt zur Stilllegung.

Die Chefvolkswirtin der KfW, Dr. Fritzi Köhler-Geib, sagt: „Jedes Jahr werden rund 120.000 Unternehmen an die nächste Generation übergeben – und das ist elementar für die Produktivität der Volkswirtschaft. Doch jeder geglückten Nachfolge stehen auch Geschäftsaufgaben gegenüber. Dass aber auch die Aufgabe von Unternehmen zur natürlichen Erneuerung einer Wirtschaft zählt, gerät häufig aus dem Blick. Im Mittelstand kommen ein schwindendes Interesse in den Familien an einer Übernahme, die demografische Entwicklung und – auch das gehört zur Wahrheit – eine oftmals geringe wirtschaftliche Attraktivität zum Tragen. Viele Inhaberinnen und Inhaber entscheiden sich dann bewusst für eine Geschäftsaufgabe. Ein echter Verlust für die Wirtschaft sind Geschäftsaufgaben von erfolgreichen Unternehmen, die ihren Nachfolgewunsch trotz wirtschaftlicher Attraktivität mangels geeigneter Kandidaten aufgeben. Davon wird es angesichts der demografischen Entwicklung immer mehr geben. Welche Folgen ein etwaiges Wiederaufflammen der Corona-Krise oder die Auswirkungen des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine haben wird, ist derzeit noch mit hoher Unsicherheit behaftet.“

Quelle: KfW

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Unternehmen unterstützen Angestellte wegen hoher Inflation

Ein knappes Drittel der deutschen Unternehmen unterstützt seine Angestellten mit Tankgutscheinen. Das geht aus der jüngsten Personalleiterbefragung durch das ifo Institut in Kooperation mit Randstad hervor.

ifo Institut, Pressemitteilung vom 13.07.2022

Ein knappes Drittel der deutschen Unternehmen unterstützt seine Angestellten mit Tankgutscheinen. Das geht aus der jüngsten Personalleiterbefragung durch das ifo Institut in Kooperation mit Randstad hervor. Danach sind es genau 32 Prozent. „Vorwiegend kleine und mittelständische Industrie und Handelsbetriebe beteiligen sich an den Fahrtkosten ihrer Mitarbeitenden“, sagt ifo-Expertin Julia Freuding.

Eine Einmalzahlung tätigen 22 Prozent der befragten Unternehmen. Eine allgemeine Unterstützung bei den Fahrtkosten zahlen 21 Prozent und einen ÖPNV-Zuschuss 18 Prozent. Gleichzeitig stellen 19 Prozent ihren Angestellten frei, mehr von zu Hause zu arbeiten, durchschnittlich 8,5 Tage im Monat. „Diese Maßnahme wird vor allem von Dienstleistern angeboten“, sagt Freuding. Jeder dritte in der Branche bietet durchschnittlich 9,0 zusätzliche Tage im Monat an. Dagegen gewährt nur ein Prozent der Firmen einen Zuschuss zu den privaten Stromkosten.

Trotz der wirtschaftlich angespannten Lage führen 84 Prozent der befragten Unternehmen Lohnerhöhungen für das Jahr 2022 wie 2021 geplant durch. „Diese Zahl dürfte unter anderem die gesetzlich vorgeschriebene Anpassung des Mindestlohns beinhalten“, sagt Freuding. Nur 9 Prozent stellen eine geplante Lohnerhöhung zurück. Auch Bonuszahlungen werden wie geplant ausgezahlt. Das trifft auf gut die Hälfte der Unternehmen zu.

Quelle: ifo Institut

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Hilfen für Landwirte beschlossen

Agrarbetriebe in Deutschland, die von den Folgen des Ukrainekrieges stark betroffen sind, will die Bundesregierung finanziell unterstützen. Die Hilfe soll unbürokratisch und zeitnah ausgezahlt werden. Das hat das Bundeskabinett beschlossen.

Bundesregierung, Mitteilung vom 13.07.2022

Agrarbetriebe in Deutschland, die von den Folgen des Ukrainekrieges stark betroffen sind, will die Bundesregierung finanziell unterstützen. Dafür stehen 180 Millionen Euro bereit. Die Hilfe soll unbürokratisch und zeitnah ausgezahlt werden. Das hat das Bundeskabinett beschlossen.

Die Bundesregierung will Landwirtinnen und Landwirte in Agrarsektoren, die von den Folgen des Ukrainekrieges am stärksten betroffen sind, finanziell entlasten. Insgesamt 180 Millionen Euro stehen für entsprechende Beihilfen bereit. Davon sind 60 Millionen Euro EU-Mittel, weitere 120 Millionen Euro kommen aus dem Bundeshaushalt.

Es sind zwei Hilfsmaßnahmen geplant: eine Anpassungsbeihilfe, die jetzt im Bundeskabinett beschlossen wurde, und eine Kleinbeihilfe, die noch in Arbeit ist. Die Förderung soll sich auf die besonders belastete Nahrungsmittelproduktion konzentrieren und somit auch einen Beitrag zu Ernährungssicherheit leisten.

Die EU-Kommission stellte am 23. März 2022 eine außergewöhnliche Anpassungsbeihilfe für den Agrarsektor in Höhe von insgesamt 500 Millionen Euro zur Verfügung, um die Auswirkungen des Ukrainekrieges abzumildern. Auf Deutschland entfällt ein Anteil in Höhe von rund 60 Millionen Euro.

Zielgerichtete und unbürokratische Hilfe

Mit den insgesamt 180 Millionen Euro sollen Betriebe in den Sektoren der Nahrungsmittelproduktion unterstützt werden, in denen Gewinneinbußen infolge des Ukrainekrieges zu erwarten sind.

Nach Berechnungen des Thünen-Instituts sind das folgende Sektoren:

energieintensive Gartenbaubetriebe mit geschützter Produktion (unter Folie, Glas, Vlies), der Freilandgartenbau, Obstbau, Weinbau, die Hühner- und Putenmast, Schweinemast und Betriebe mit Sauenhaltung. Wegen vergleichbarer Betroffenheit werden zudem Betriebe mit Hopfenanbau, Entenmast, Gänsemast und Ferkelaufzucht berücksichtigt.

Die Höhe der Beihilfe je Sektor ist unterschiedlich – je nach Ausmaß der Marktstörung. Sie soll zielgerichtet und unbürokratisch fließen und ist pro Betrieb auf 15.000 Euro begrenzt.

Anpassungsbeihilfe an Greening-Prämie gebunden

Mit der jetzt beschlossenen Anpassungsbeihilfe werden Betriebe unterstützt, die sich entsprechend EU-Recht einer klima- und umweltfördernden Bewirtschaftung verpflichtet haben. Zum Nachweis dieses Nachhaltigkeitskriteriums wird der Erhalt der sog. Greening-Prämie herangezogen. Beihilfeberechtigt sind also diejenigen Unternehmen, die die Greening-Prämie erhalten oder die Sonderregelungen erfüllen, die als Nachhaltigkeitsleistung gelten. Ebenso Betriebe, die die Anforderungen für die ökologische/biologische Landwirtschaft einhalten.

Der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) liegen die entsprechenden Daten vor, der Kreis der berechtigten Betriebe kann somit unkompliziert bestimmt werden. Die Gelder werden von der SVLFG ohne Antragsverfahren ausgezahlt. Die individuelle Beihilfe richtet sich nach den Anbauflächen- und Tierzahlen. Die Auszahlung soll bis spätestens 30. September 2022 erfolgen.

Kleinbeihilfe in Vorbereitung

Betriebe, die ebenfalls zu den betroffenen Agrarsektoren gehören, aber keine Greening-Prämie erhalten, sollen mit einem Kleinbeihilfe-Programm unterstützt werden. Dieses wird vom Bundeslandwirtschaftsministerium derzeit erarbeitet.

Quelle: Bundesregierung

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Zahl der hybriden Selbstständigen ist höher als gedacht

Sowohl die Anzahl der hybriden Selbstständigen als auch ihr Anteil an allen Erwerbstätigen ist seit der Jahrtausendwende lt. IfM Bonn deutlich gestiegen. In 2001 waren 2,46 Mio. Personen in dieser Erwerbsform tätig, in 2016 gab es schon 3,39 Mio. hybride Selbstständige. Damit überstieg ihre Anzahl in 2016 erstmals die Zahl der ausschließlich selbstständig Tätigen.

IfM Bonn, Pressemitteilung vom 12.07.2022

Studie des IfM Bonn zeigt Besonderheiten dieser Erwerbsform auf

Sowohl die Anzahl der hybriden Selbstständigen als auch ihr Anteil an allen Erwerbstätigen ist seit der Jahrtausendwende deutlich gestiegen. In 2001 waren 2,46 Millionen Personen in dieser Erwerbsform tätig, in 2016 gab es schon 3,39 Millionen hybride Selbstständige. Damit überstieg ihre Anzahl in 2016 erstmals die Zahl der ausschließlich selbstständig Tätigen.

Als hybrid Selbstständige werden Erwerbstätige bezeichnet, die sowohl selbstständig tätig als auch abhängig beschäftigt sind. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn haben – gefördert mit Mitteln des Forschungsnetzwerks Alterssicherung (FNA) der Deutschen Rentenversicherung Bund – erstmals anhand des Taxpayer-Panels das Phänomen dieser Erwerbsform quantifiziert sowie deren Struktur untersucht. Demnach waren sechs von zehn hybriden Selbstständigen vor ihrem Wechsel abhängig beschäftigt – und nur gut 26 % selbstständig tätig. Insgesamt wechseln jährlich rund 700.000 Personen in die hybride Selbstständigkeit – fast ebenso viele verlassen diese jedoch in dem Zeitraum auch wieder.

„Gemessen am jeweiligen Anteil der hybriden Selbstständigen an allen Erwerbstätigen hat die Neigung zur hybriden Erwerbstätigkeit sowohl unter Männern als auch unter Frauen zugenommen. Gleichwohl ist die Fluktuation bei den Frauen höher als bei den Männern – nicht zuletzt, weil die Frauen häufiger aus der Nichterwerbstätigkeit in diese Erwerbsform starten“, berichtet Studienleiterin Dr. Rosemarie Kay. Dagegen wechseln Männer häufiger als Frauen aus der abhängigen Beschäftigung in eine hybride Selbstständigkeit.

Hybride Selbstständigkeit vor allem im Dienstleistungsbereich

Die überwiegende Mehrheit (71 %) übt ihre selbstständige Tätigkeit im Dienstleitungsbereich aus – insbesondere in den personennahen Dienstleistungen (30 %) wie Erziehung und Unterricht, Gesundheit- und Sozialwesen, Kunst oder Unterhaltung und Erholung. Im Bereich der unternehmensnahen Dienstleistungen wie freiberufliche wissenschaftliche und technische Dienstleistungen sind fast 20 % der hybriden selbstständigen Dienstleister zu finden. Rund 18 % der hybriden Selbstständigen sind im Bereich Handel, Gastgewerbe, Verkehr/Lagerei sowie Information/Kommunikation tätig. Etwa 3 % gehen ihrer Selbstständigkeit in der Land- und Forstwirtschaft nach.

Hybride Selbstständigkeit ist in Westdeutschland verbreiteter als im Osten

Gemessen an der Anzahl der Erwerbstätigen waren gut 8 % aller Erwerbstätigen in Deutschland im Jahr 2016 hybrid erwerbstätig. Ein Vergleich zwischen Ost- und Westdeutschland zeigt, dass der Anteil der hybriden Selbstständigen an allen Erwerbstätigen im Westen rund zwei Prozentpunkte über dem im Osten liegt. Auch wechseln die Ostdeutschen schneller wieder aus dieser Erwerbsform als Westdeutsche. Dagegen ist die Form der ausschließlichen Selbstständigkeit etwas verbreiteter in Ostdeutschland als im Westen des Landes.

Quelle: IfM Bonn

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7,6 % weniger beantragte Regelinsolvenzen im Juni 2022 als im Vormonat

Die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen in Deutschland ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes im Juni 2022 um 7,6 % gegenüber Mai 2022 gesunken. Der im Mai beobachtete Anstieg (+8,4 % gegenüber April 2022) hat sich somit nicht fortgesetzt.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 13.07.2022

  • Unternehmensinsolvenzen April 2022: -6,4 % zum Vorjahresmonat
  • Verbraucherinsolvenzen April 2022: -19,7 % zum Vorjahresmonat

Die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen in Deutschland ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes im Juni 2022 um 7,6 % gegenüber Mai 2022 gesunken. Der im Mai beobachtete Anstieg (+8,4 % gegenüber April 2022) hat sich somit nicht fortgesetzt. Die Insolvenzzahlen waren im Verlauf der Corona-Pandemie durch gesetzliche Sonderregelungen und Wirtschaftshilfen zeitweise deutlich zurückgegangen; seit Mai 2021 sind keine Sonderregeln aufgrund der Corona-Pandemie mehr in Kraft.

6,4 % weniger Unternehmensinsolvenzen im April 2022 im Vergleich zum April 2021

Im April 2022 haben die deutschen Amtsgerichte nach endgültigen Ergebnissen 1.248 beantragte Unternehmensinsolvenzen gemeldet. Das waren 6,4 % weniger als im April 2021.

Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger aus den im April 2022 gemeldeten Unternehmensinsolvenzen bezifferten die Amtsgerichte auf knapp 1,4 Milliarden Euro. Im April 2021 hatten sie bei rund 2,5 Milliarden Euro gelegen.

Baugewerbe mit den meisten Insolvenzen

Die meisten Unternehmensinsolvenzen gab es im April 2022 im Baugewerbe mit 221 Fällen (April 2021: 215; +2,8 %). Es folgte der Handel (einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen) mit 187 Verfahren (April 2021: 195; -4,1 %).

Sonderregelungen in den Jahren 2020 und 2021 durch Corona und Hochwasser

Beim zeitlichen Vergleich der Insolvenzzahlen für Unternehmen ist zu beachten, dass das Insolvenzgeschehen in den Jahren 2020 und 2021 von Sonderregelungen geprägt war. Von Anfang März 2020 bis Ende 2020 war die Insolvenzantragspflicht für überschuldete Unternehmen infolge der Corona-Pandemie ausgesetzt. Diese Regelung galt bis Ende April 2021 weiterhin für Unternehmen, bei denen die Auszahlung der seit 1. November 2020 vorgesehenen staatlichen Hilfeleistungen noch ausstand. Für diese Unternehmen wurde die Pflicht zur Beantragung eines Insolvenzverfahrens erst zum 1. Mai 2021 wieder vollumfänglich eingesetzt.

Beruhte der Eintritt einer Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung auf den Auswirkungen der Starkregenfälle oder des Hochwassers im Juli 2021, war die Insolvenzantragspflicht bis 31. Januar 2022 ausgesetzt.

19,7 % weniger Verbraucherinsolvenzen im April 2022 als im April 2021

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ist im April 2022 um 19,7 % gegenüber dem Vorjahresmonat gesunken. Die Entwicklung der Verbraucherinsolvenzen ist seit Mitte 2020 im Zusammenhang mit einem Gesetz zur schrittweisen Verkürzung von Restschuldbefreiungsverfahren von sechs auf drei Jahre zu betrachten. Die Neuregelung gilt für seit dem 1. Oktober 2020 beantragte Verbraucherinsolvenzverfahren und ermöglichte den Betroffenen einen schnelleren wirtschaftlichen Neuanfang im Anschluss an ein Insolvenzverfahren. Daher ist davon auszugehen, dass viele überschuldete Privatpersonen ihren Insolvenzantrag zunächst zurückhielten, um von der Neuregelung zu profitieren. Dieser Nachholeffekt sorgte ab Anfang 2021 für einen starken Anstieg der Verbraucherinsolvenzen und scheint nun beendet.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), 2022

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Inflationsrate im Juni 2022 leicht abgeschwächt bei +7,6 %

Die Inflationsrate in Deutschland lag im Juni 2022 bei +7,6 %. Sie hat sich damit leicht abgeschwächt, verweilt aber weiterhin auf hohem Niveau deutlich oberhalb von 7 %. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, stiegen die Verbraucherpreise im Juni 2022 gegenüber Mai 2022 um 0,1 %.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 13.07.2022

Inflationsrate geht auch infolge des 9-Euro-Tickets und des Tankrabatts leicht zurück

Verbraucherpreisindex, Juni 2022

  • +7,6 % zum Vorjahresmonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)
  • +0,1 % zum Vormonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)

Harmonisierter Verbraucherpreisindex, Juni 2022

  • +8,2 % zum Vorjahresmonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)
  • -0,1 % zum Vormonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)

Die Inflationsrate in Deutschland − gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat – lag im Juni 2022 bei +7,6 %. Die Inflationsrate hat sich damit leicht abgeschwächt, verweilt aber weiterhin auf hohem Niveau deutlich oberhalb von 7 %. Im Mai 2022 hatte die Inflationsrate noch bei +7,9 % gelegen. „Hauptursachen für die hohe Inflation sind nach wie vor Preiserhöhungen bei den Energieprodukten. Leicht dämpfend wirkten sich im Juni 2022 das 9-Euro-Ticket und der Tankrabatt auf die Gesamtteuerung aus“, sagt Dr. Georg Thiel, Präsident des Statistischen Bundesamtes. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, stiegen die Verbraucherpreise im Juni 2022 gegenüber Mai 2022 um 0,1 %.

Entlastungsmaßnahmen dämpfen den Preisauftrieb infolge der Kriegs- und Krisensituation nur leicht

Die auf drei Monate befristete Einführung des 9-Euro-Tickets zum 1. Juni 2022 wirkte sich preissenkend auf den öffentlichen Regional- und Personennahverkehr aus. Zudem dämpfte die Senkung der Mineralölsteuer („Tankrabatt“) die Kraftstoffpreise. Die Teuerung im Vergleich zum Vorjahresmonat hat sich dadurch im Bereich Verkehr abgeschwächt (+8,3 %). Im Mai 2022 hatte die Teuerung noch bei +16,3 % gelegen. Aufgrund der schwankenden Rohölpreise lässt sich die Auswirkung des Tankrabatts auf die Inflationsrate nicht exakt beziffern. Wären jedoch – ohne Entlastungsmaßnahmen – die Preise für Kraftstoffe und für den öffentlichen Personenverkehr im Juni 2022 unverändert gegenüber Mai 2022 geblieben, hätte sich der Verbraucherpreisindex insgesamt rein rechnerisch um 8,6 % gegenüber Juni 2021 erhöht.

Die Inflationsrate wird jedoch nach wie vor erheblich vom Anstieg der Preise für alle Energieprodukte infolge der Kriegs- und Krisensituation bestimmt. Hinzu kommen weiterhin Lieferengpässe durch unterbrochene Lieferketten, auch aufgrund der Corona-Pandemie, sowie deutliche Preisanstiege auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen. Dadurch verteuerten sich nicht nur die Energieprodukte, sondern auch andere Waren und Dienstleistungen, insbesondere erneut viele Nahrungsmittel.

Energieprodukte binnen Jahresfrist um 38,0 % teurer, Kraftstoffe um 33,2 % trotz Tankrabatt

Die Preise für Energieprodukte lagen im Juni 2022 um 38,0 % über dem Niveau des Vorjahresmonats, nach +38,3 % im Mai 2022. Mit dem Inkrafttreten der gesunkenen Mineralölsteuer im Juni 2022 wurde der Preisauftrieb für Kraftstoffe abgeschwächt: Die Teuerung lag hier im Juni 2022 bei +33,2 %, im Mai 2022 noch bei +41,0 %. Der Preisanstieg für die Haushaltsenergie zog im Juni 2022 hingegen erneut an und betrug +40,7 % (Mai 2022: +36,8 %). Insbesondere haben sich Preise für leichtes Heizöl mit +108,5 % mehr als verdoppelt. Auch die anderen Energieprodukte wie zum Beispiel Erdgas (+60,7 %), feste Brennstoffe (+36,5 %) und Strom (+22,0 %) verteuerten sich merklich binnen Jahresfrist. Die Preiserhöhung für Energieprodukte lag somit trotz der Entlastungsmaßnahme deutlich über der Gesamtteuerung, da sie von mehreren Faktoren beeinflusst wird (internationale Einkaufspreise, CO2-Abgabe, EEG-Umlage, etc.).

Nahrungsmittel verteuern sich binnen Jahresfrist um 12,7 %

Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich im Juni 2022 für die privaten Haushalte um 12,7 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Damit hat sich der Preisauftrieb erneut verstärkt (Mai: +11,1 %, April 2022: +8,6 %). Bei allen Nahrungsmittelgruppen wurden im Juni 2022 Preiserhöhungen beobachtet. Erheblich teurer wurden Speisefette und Speiseöle (+43,1 %). Ebenso wurden für Fleisch und Fleischwaren (+18,9 %), Molkereiprodukte und Eier (+15,3 %) sowie Brot und Getreideerzeugnisse (+12,5 %) Teuerungsraten im zweistelligen Bereich ermittelt.

Waren verteuerten sich gegenüber Juni 2021 um 14,0 %

Die Preise für Waren insgesamt, die unter anderem Energieprodukte und Nahrungsmittel umfassen, erhöhten sich im Juni 2022 gegenüber dem Vorjahr erheblich (+ 14,0 %, davon Verbrauchsgüter: +18,6 %; Gebrauchsgüter: +5,5 %).

Inflationsrate ohne Energie und Nahrungsmittel bei +3,2 %

Im Juni 2022 lag die Inflationsrate ohne Energie bei +4,2 %. Wie stark aktuell zudem die Nahrungsmittelpreise Einfluss auf die Gesamtteuerungsrate nehmen, zeigt sich an der Inflationsrate ohne Berücksichtigung von Energie und Nahrungsmitteln: Sie lag bei +3,2 % und damit nicht einmal halb so hoch wie die Gesamtinflationsrate.

Dienstleistungen verteuern sich binnen Jahresfrist um 2,1 %, dämpfender Effekt des 9-Euro-Tickets

Die Preise für Dienstleistungen insgesamt lagen im Juni 2022 um 2,1 % über dem Niveau des Vorjahresmonats. Im Mai 2022 hatte die Teuerung noch bei +2,9 % gelegen. Ein wesentlicher Grund für den Rückgang der Teuerung war die Einführung des 9-Euro-Tickets im Juni 2022. Dieses führte zu deutlichen Preisentlastungen im öffentlichen Personenverkehr: Die Preise für die Bahntickets im Nahverkehr verbilligten sich binnen Jahresfrist um 43,9 %. Der Preisrückgang für den Kauf eines kombinierten Tickets für Bahn, Bus und Ähnliches betrug im Bundesdurchschnitt 62,6 %. Wie bereits in den vergangenen Monaten waren zudem die Leistungen sozialer Einrichtungen (-2,7 %) sowie für Telekommunikation (-0,9 %) günstiger als ein Jahr zuvor. Hingegen verteuerten sich die Nettokaltmieten um 1,7 %. Einige Dienstleistungspreise erhöhten sich hingegen deutlich, unter anderem die Wartung und Reparatur von Wohnungen und Wohnhäusern (+12,4 %) sowie von Fahrzeugen (+6,4 %).

Binnen Monatsfrist deutlicher Preisrückgang im Verkehr, aber steigende Preise für Nahrungsmittel und Haushaltsenergie

Im Vergleich zum Mai 2022 stieg der Verbraucherpreisindex im Juni 2022 nur geringfügig um 0,1 %. Insbesondere erhöhten sich die Preise für Pauschalreisen um 16,5 %. Teurer als im Vormonat waren erneut die Nahrungsmittel insgesamt mit +1,0 %. Hier gab es neben vielen Preissteigerungen auch saisonbedingte Preisrückgänge bei Gemüse (-3,8 %). Zudem stiegen die Energiepreise insgesamt um 0,6 %, wobei die Preise für Kraftstoffe um 3,9 % sanken. Von diesen Preisrückgängen, die im Zusammenhang mit dem Tankrabatt stehen, profitieren die privaten Haushalte mit Benzinfahrzeugen (-5,0 %) stärker als mit Dieselfahrzeugen (-0,9 %). Preisentspannung gegenüber Mai 2022 gab es vor allem im öffentlichen Personenverkehr: Deutlich günstiger waren Verbundfahrkarten (-63,3 %) und die Preise für Bahnfahrten im Nahverkehr sanken um 45,1 % infolge der temporären Einführung des 9-Euro-Tickets.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), 2022

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Konjunkturerwartungen brechen ein

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland brechen in der aktuellen Umfrage vom Juli 2022 um 25,8 Punkte auf einen Wert von minus 53,8 Punkten ein. Die Einschätzung der konjunkturellen Lage für Deutschland geht ebenfalls sehr stark zurück und liegt aktuell bei minus 45,8 Punkten, 18,2 Punkte unter dem Wert des Vormonats.

ZEW, Pressemitteilung vom 12.07.2022

Der ZEW-Indikator liegt bei minus 53,8 Punkten

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland brechen in der aktuellen Umfrage vom Juli 2022 um 25,8 Punkte auf einen Wert von minus 53,8 Punkten ein. Die Einschätzung der konjunkturellen Lage für Deutschland geht ebenfalls sehr stark zurück und liegt aktuell bei minus 45,8 Punkten, 18,2 Punkte unter dem Wert des Vormonats. Lageeinschätzung und Erwartungen sind damit sogar etwas unter den Werten, die sich im März 2020 zu Beginn der Corona-Krise ergaben.

„Die aktuell großen Sorgen über die Energieversorgung in Deutschland, der angekündigte Zinsanstieg der EZB sowie weitere coronabedingte Einschränkungen in China führen zu einer erheblichen Verschlechterung des Konjunkturausblicks. Die Expertinnen und Experten bewerten die aktuelle Wirtschaftslage deutlich schlechter als im Vormonat und senken ihre ohnehin ungünstige Prognose für die nächsten sechs Monate weiter ab. Besonders stark gehen die Erwartungen für energieintensive und exportorientierte Wirtschaftssektoren zurück, aber auch der private Konsum wird deutlich schwächer eingeschätzt“, kommentiert ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach, PhD, die aktuellen Erwartungen.

Die Erwartungen der Finanzmarktexperten und Finanzmarktexpertinnen an die Konjunkturentwicklung in der Eurozone stürzen im Juli um 23,1 Punkte ab. Sie liegen damit aktuell bei minus 51,1 Punkten. Der Lageindikator reduziert sich um 18,0 Punkte auf einen neuen Wert von minus 44,4 Punkten.

Die Inflationserwartungen für das Eurogebiet steigen in der aktuellen Umfrage um 6,8 Punkte an. Sie liegen mit minus 25,6 Punkten nach wie vor deutlich im negativen Bereich.

Quelle: ZEW

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Bauwirtschaft nähert sich der Rezession

Die deutschen Unternehmen schauen pessimistischer auf das laufende Jahr. Die neue Konjunkturumfrage des IW Köln zeigt, dass ein Viertel der Unternehmen eine sinkende Produktion erwartet. Im Bausektor überwiegen die schlechten Aussichten sogar – zudem wollen Unternehmen dort weniger investieren, der Personalbestand schrumpft.

IW Köln, Pressemitteilung vom 12.07.2022

Die deutschen Unternehmen schauen pessimistischer auf das laufende Jahr. Die neue Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass ein Viertel der Unternehmen eine sinkende Produktion erwartet. Im Bausektor überwiegen die schlechten Aussichten sogar – zudem wollen Unternehmen dort weniger investieren, der Personalbestand schrumpft.

Der Abwärtstrend in der deutschen Wirtschaft setzt sich fort: Die Belastungen durch die Corona-Pandemie, die unsichere geopolitische Lage infolge des Krieges in der Ukraine, steigende Energiekosten und allgemeine Preissteigerungen belasten deutsche Unternehmen weiterhin. Für die IW-Konjunkturumfrage wurden im Juni 2022 fast 2.300 Unternehmen aus ganz Deutschland befragt. Ein Viertel von ihnen rechnet in diesem Jahr damit, weniger zu produzieren als im Vorjahr. Zwar sind die Optimisten mit 37 Prozent immer noch in der Mehrheit, jedoch schrumpfte ihr Anteil seit dem Spätherbst 2021 um zwölf Prozentpunkte.

Die Bauwirtschaft im Tief, Personalmangel belastet Dienstleister, Industrie weiter in der Krise

  • In der Bauwirtschaft lag der Anteil der negativ gestimmten Unternehmen Ende 2021 bereits bei 20 Prozent. Nachdem ihr Anteil im Frühjahr 2022 schon auf 27 Prozent anstieg, liegt er jetzt bei 33 Prozent. Ihnen stehen nur noch 25 Prozent Optimisten gegenüber. Die Gründe sind vielfältig: Es fehlt Material, Rohstoffe und Energie werden immer teurer, es gibt kaum Personal. Die Bauwirtschaft droht, in eine Rezession abzurutschen.
  • Auch bei den Dienstleistern verschlechtern sich die Aussichten: Die Zahl der Optimisten ging seit dem Spätherbst 2021 um fast 20 Prozentpunkte zurück. Auch sie leiden unter sehr hohen Preisen und dem Fachkräftemangel.
  • Aufgrund der unsicheren politischen Lage sank der Anteil der Optimisten in der Industrie zwischen Spätherbst 2021 und Frühjahr 2022 um acht Prozentpunkte, während sich die Pessimisten verdoppelten. Verglichen mit dem starken Einbruch im Frühjahr unmittelbar nach Ausbruch des Krieges erhöhte sich der Anteil der positiv gestimmten Unternehmen wieder um sieben Prozentpunkte. Wie im Frühjahr rechnen weiterhin 28 Prozent damit, in diesem Jahr weniger zu produzieren. Damit bleibt die Industrieproduktion auch in diesem Jahr deutlich unter dem Niveau vor Corona – und damit auch im Krisenmodus.

Der Süden liegt vorne, Nord-Ost mit Comeback

Unternehmen aus Bayern und dem Süd-Westen haben im regionalen Vergleich die besten Erwartungen – hier gab es durch die Autokrise vorweg auch hohe Belastungen. In Bayern erwarten 46 Prozent der Unternehmen eine steigende Produktion. Dahinter liegt der Nord-Osten mit Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Berlin. Weil diese Region viele wirtschaftliche Kontakte zu Russland und dem Ostseeraum hält, waren die dortigen Unternehmen in der Frühjahrsumfrage sehr pessimistisch gestimmt. Diese Ängste haben sich zurückgebildet und die Region liegt jetzt sogar leicht über dem bundesweiten Durchschnitt.

Unternehmen suchen Personal

Insgesamt wollen die meisten Unternehmen im Laufe des Jahres mehr Mitarbeiter beschäftigen – die Mehrheit im Bau rechnet derweil nicht damit, dass sie ihre Belegschaft aufstocken kann. Die von Personalmangel geplagten Dienstleister wollen dagegen deutlich mehr Menschen einstellen. In der Industrie blieben die Beschäftigungsaussichten ungefähr gleich. Massenentlassungen schließen die Unternehmen aus.

Investitionslücke weiter offen

Sorgen bereiten den IW-Forschern jedoch die Investitionspläne der Unternehmen. Zwar will die Mehrheit in diesem Jahr mehr investieren, jedoch geht ihr Anteil stetig zurück: In der Industrie sank er seit dem Frühjahr um neun Prozentpunkte. In der Bauwirtschaft rechnen 34 Prozent mit einem Rückgang bei ihren diesjährigen Investitionen, nur 20 Prozent planen, mehr zu investieren als im vergangenen Jahr. Nur der Dienstleistungssektor bleibt bei den Investitionsplänen stabil. „Die Investitionslücke, die während der Corona-Pandemie entstanden ist, wird in diesem Jahr nicht geschlossen“, sagt IW-Konjunkturexperte Michael Grömling. Das wird das künftige Wachstumspotenzial in Deutschland spürbar bremsen.

Quelle: IW Köln

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