Das Fehlen von Fachkräften mit Berufsausbildung wird zum Innovationshemmnis

Der Fachkräftemangel bremst einer Studie des ZEW zufolge die Innovationskraft der Unternehmen in Deutschland. Vor allem ein Mangel an beruflich Qualifizierten bewirkt, dass Unternehmen manche Innovationsprojekte nicht mehr durchführen können. Um die Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu erhalten, müssen Politik und Unternehmen verstärkt in die berufliche Ausbildung investieren.

 

Das Fehlen von Fachkräften mit Berufsausbildung wird zum Innovationshemmnis

ZEW, Pressemitteilung vom 27.02.2020

Der Fachkräftemangel bremst die Innovationskraft der Unternehmen in Deutschland. Vor allem ein Mangel an beruflich Qualifizierten bewirkt, dass Unternehmen manche Innovationsprojekte nicht mehr durchführen können. Fachkräfte mit einer beruflichen Qualifikation im Produktions- und IT-Bereich sind besonders gefragt. Innovationen scheitern dagegen seltener an einem Mangel an akademisch ausgebildetem Personal. Um die Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu erhalten, müssen Politik und Unternehmen verstärkt in die berufliche Ausbildung investieren.Die Studie entstand in Zusammenarbeit des ZEW Mannheim mit Prof. Jens Horbach von der Fachhochschule Augsburg. Sie stützt sich auf Daten des Community Innovation Survey (CIS) für Deutschland aus den Jahren 2017 bis 2019. Es zeigt sich, dass innovative Unternehmen besonders vom Fachkräftemangel betroffen sind: 43,8 Prozent aller innovationsaktiven Unternehmen melden Personalengpässe. In der Gesamtwirtschaft sind es 39,6 Prozent der Unternehmen.

Innovationsaktivitäten verstärken den Fachkräftemangel, da innovative Unternehmen besonders auf qualifiziertes Personal angewiesen sind. Zugleich erschwert ein Mangel an geeigneten Fachkräften weitere Innovationen. Wie die Studie zeigt, führt insbesondere das Fehlen geeigneter Mitarbeiter/-innen mit beruflicher Ausbildung dazu, dass Innovationsprojekte aufgegeben werden müssen. Unternehmen mit einem bereits hohen Akademikeranteil haben dagegen seltener Schwierigkeiten, geeignete Mitarbeiter/innen für ihre ausgeschriebenen Stellen zu finden. Auch müssen Unternehmen seltener Innovationsprojekte aufgeben, wenn ihnen akademisch gebildetes Personal fehlt. Das deutet darauf hin, dass der Fachkräftemangel in Bezug auf akademische Berufe weniger stark die Innovationsaktivitäten hemmt.

Die Studie zeigt außerdem, dass Unternehmen mit einer großen Bandbreite an Innovationsaktivitäten Stellen für sehr unterschiedliche Qualifikationsniveaus ausschreiben. Entsprechendes gilt auch für Unternehmen, die schon in der Vergangenheit über einen Mangel an Fachkräften geklagt haben. „Wir erleben derzeit einen technologischen Wandel. Um diesen zu bewältigen, sind unterschiedliche Fähigkeiten notwendig“, sagt Christian Rammer, stellvertretender Leiter des ZEW-Forschungsbereichs Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik sowie Mitautor der Studie. „Es reicht nicht aus, nur die Anzahl der Studierenden an Universitäten zu erhöhen. Auch die in der beruflichen Ausbildung vermittelten Fähigkeiten sind entscheidend für die Innovationskraft. Um Innovationen voranzubringen, braucht die deutsche Wirtschaft eine gute Mischung aus beiden Ausbildungsformen, beruflich und akademisch.“

Ein Hindernis für Innovationsprozesse ist insbesondere der Mangel an beruflich ausgebildeten Fachkräften in der Produktion sowie in der Informationstechnologie. „Es braucht eine höhere gesellschaftliche Anerkennung und bessere finanzielle Anreize, damit sich mehr Menschen für eine Berufsausbildung in diesen Bereichen entscheiden“, sagt Rammer. „Die Politik muss Maßnahmen ergreifen, um den negativen Auswirkungen des Fachkräftemangels auf die Innovationsaktivitäten der Unternehmen entgegenzuwirken. Nur so kann sie künftiges Produktivitätswachstum und damit einen höheren Wohlstand sichern.“

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Wirtschaftliche und soziale Lage in der EU: Mitgliedstaaten müssen Reformweg fortsetzen

Rekordwerte bei der Beschäftigung, weniger Ungleichgewichte innerhalb der EU und Reformfortschritte bei Finanzdienstleistungen und Arbeitsmarktpolitik – in diesen Bereichen machen die EU-Mitgliedstaaten Fortschritte. Mehr Anstrengungen sind dagegen nötig beim Abbau der Schulden, der Steigerung der Produktivität, Investitionen und Chancengleichheit. Das geht aus einer von der EU-Kommission vorgelegten jährlichen Analyse der wirtschaftlichen und sozialen Lage in den Mitgliedstaaten („Winterpaket“) hervor.

 

Wirtschaftliche und soziale Lage in der EU: Mitgliedstaaten müssen Reformweg fortsetzen

EU-Kommission, Pressemitteilung vom 26.02.2020

Rekordwerte bei der Beschäftigung, weniger Ungleichgewichte innerhalb der EU und Reformfortschritte bei Finanzdienstleistungen und Arbeitsmarktpolitik – in diesen Bereichen machen die EU-Mitgliedstaaten Fortschritte. Mehr Anstrengungen sind dagegen nötig beim Abbau der Schulden, der Steigerung der Produktivität, Investitionen und Chancengleichheit. Das geht aus der am 26.02.2020 von der EU-Kommission vorgelegten jährlichen Analyse der wirtschaftlichen und sozialen Lage in den Mitgliedstaaten („Winterpaket“) hervor. Dabei hat die EU-Kommission geprüft, wie die Mitgliedstaaten die länderspezifischen Empfehlungen vom vergangenen Jahr umsetzen. In dem Bericht bewertet sie auch die verbleibenden makroökonomischen Ungleichgewichte, die nach wie vor bei 12 Mitgliedstaaten bestehen, darunter auch Deutschland. Erstmals werden auch die Fortschritte bei der Erreichung der Nachhaltigkeitsziele bewertet.Der für eine Wirtschaft im Dienste der Menschen zuständige Exekutiv-Vizepräsident Valdis Dombrovskis erklärte hierzu: „Die gute Nachricht ist, dass innerhalb der EU bestehende Ungleichgewichte zurückgehen. Auf diesem positiven Trend sollten die Mitgliedstaaten aufbauen und Reformen vorantreiben, um unsere Wirtschaft zukunftsfähig zu machen. Sie müssen Schulden abbauen, ihre Produktivität steigern und die richtigen Investitionen tätigen, um einen gerechten Übergang zu einer nachhaltigen und inklusiven Wirtschaft zu ermöglichen. Wir legen heute auch eine gezielte Analyse der Herausforderungen im Zusammenhang mit ökologischer Nachhaltigkeit vor, um die Mitgliedstaaten bei ihrem Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft zu unterstützen.“Nicolas Schmit‚ EU-Kommissar für Beschäftigung und soziale Rechte, erklärte: „Die Beschäftigung verzeichnet in Europa ein Rekordhoch, doch bestehen nach wie vor Ungleichheiten. Wir müssen unseren Kampf für mehr Chancengleichheit intensivieren und dazu die soziale Dimension des Europäischen Semesters stärken und die europäische Säule sozialer Rechte vollständig umsetzen; dies erfordert, dass wir einen Rahmen für gerechte Mindestlöhne vorschlagen, die Kompetenzagenda stärken und die Jugendgarantie überarbeiten. Wenn wir einen ökologischen und digitalen Wandel verwirklichen wollen, bei dem alle mit im Boot sind, sind dies die Grundvoraussetzungen.“

Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni sagte: „Wir legen heute den Grundstein dafür, dass die Wirtschaftspolitik und die einschlägigen Maßnahmen der EU künftig verstärkt im Zeichen der Nachhaltigkeit stehen. Die Länderberichte 2020 erfassen die Fortschritte bei der Verwirklichung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen und widmen der ökologischen Nachhaltigkeit nunmehr einen eigenen Abschnitt. Dies geht mit der zentralen Ausrichtung des Europäischen Semesters auf wirtschaftliche und soziale Fragen und die Korrektur makroökonomischer Ungleichgewichte Hand in Hand. Der Abbau der öffentlichen und privaten Verschuldung schreitet in unterschiedlichem Tempo voran – und auch wenn die Leistungsbilanzdefizite größtenteils korrigiert wurden, geben die hohen Überschüsse nach wie vor Anlass zur Sorge.“

Die im Rahmen der Länderberichte vorgenommene Analyse greift die im Dezember 2019 vorgestellte Jährliche Strategie für nachhaltiges Wachstum auf, mit der durch einen Fokus auf wettbewerbsorientierte Nachhaltigkeit sichergestellt werden soll, dass die Wirtschaft den Menschen und dem Planeten gerecht wird. Außerdem wird jeder Mitgliedstaat auf die Umsetzung der europäischen Säule sozialer Rechte sowie auf sein Abschneiden beim begleitenden sozialpolitischen Scoreboard hin bewertet. Die Länderberichte befassen sich insbesondere mit vier Dimensionen: ökologische Nachhaltigkeit, Produktivitätswachstum, Fairness und makroökonomische Stabilität.

Erstmals werden in den Berichten die Fortschritte der Mitgliedstaaten bei der Verwirklichung der Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (SDG) bewertet und die makroökonomischen und beschäftigungspolitischen Maßnahmen hervorgehoben, die zu ihrer Umsetzung beitragen können. Zudem werden für jedes Land die Herausforderungen und Chancen analysiert, die sich aus der Klima- und Energiewende ergeben. Festgelegt werden außerdem vorrangige Ziele für die Unterstützung durch den Fonds für einen gerechten Übergang.

Wichtigste Ergebnisse der Länderberichte

Durch den europäischen Grünen Deal soll Europa bis 2050 als erster Kontinent Klimaneutralität erreichen. Die Länderberichte umfassen eine gezielte Analyse von Fragen im Zusammenhang mit ökologischer Nachhaltigkeit sowie eine Analyse der Reformen und des wichtigsten Investitionsbedarfs in Bereichen wie Energie, Verkehr und Bau, die den Mitgliedstaaten bei der Ausrichtung ihrer politischen Maßnahmen auf diese Priorität als Richtschnur dienen kann.

In den Länderberichten wird hervorgehoben, dass die Arbeitslosenquoten in den einzelnen Mitgliedstaaten nach wie vor sehr unterschiedlich ausfallen, während Armut und soziale Ausgrenzung aufgrund guter Arbeitsmarktbedingungen weiter zurückgehen. Nichtsdestotrotz wird es von entscheidender Bedeutung sein, die Umsetzung der europäischen Säule sozialer Rechte voranzutreiben, um sicherzustellen, dass Klimawende und Digitalisierung fair und sozial gerecht bewältigt werden.

Das Produktivitätswachstum stellt – insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels – weiterhin eine Herausforderung dar. Unzureichende Investitionen, eine alternde Erwerbsbevölkerung und Defizite bzw. Missverhältnisse bei Qualifikationsangebot und -nachfrage hemmen das Potenzialwachstum.

Hinsichtlich ihres Schuldenstands und der Tragfähigkeit ihrer öffentlichen Finanzen befinden sich die einzelnen Mitgliedstaaten in sehr unterschiedlichen Positionen. Der öffentliche Schuldenstand der einzelnen EU-Mitgliedstaaten ist im Durchschnitt wieder gestiegen, womit der rückläufige Trend der letzten Jahre umgekehrt wurde. In einigen Mitgliedstaaten verursacht der hohe öffentliche Schuldenstand Anfälligkeiten.

Einbindung der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen

Eine der Neuerungen im Europäischen Semester besteht in der Einbindung der Nachhaltigkeitsziele. Fortan enthält jeder Länderbericht eine zusammenfassende Bewertung der Fortschritte des betreffenden Mitgliedstaats bei der Erreichung der Nachhaltigkeitsziele sowie einen eigenen Anhang, in dem seine Ergebnisse im Hinblick auf die Nachhaltigkeitsziele und der Trend der letzten fünf Jahre dargelegt werden. Insgesamt konnten bei der Verwirklichung fast aller 17 Nachhaltigkeitsziele Fortschritte erzielt werden.

Die Analysen sollen in den kommenden Jahren weiter vertieft werden, damit die Ergebnisse bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele und beim Übergang zu einer klimaneutralen und ressourceneffizienten Wirtschaft besser erfasst werden können.

Festlegung vorrangiger Ziele für den Fonds für einen gerechten Übergang

Der Übergang zu einer nachhaltigen und klimaneutralen Wirtschaft muss fair und sozial gerecht gestaltet werden. In den Länderberichten werden die Regionen und Sektoren näher beleuchtet, die am stärksten vom Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft betroffen sind. Die Berichte umfassen eine Analyse der mit dem Übergang verbundenen Herausforderungen sowie vorrangige Ziele für die Unterstützung durch den Fonds für einen gerechten Übergang. Damit soll sichergestellt werden, dass bei den Anstrengungen der EU zur Erreichung von Klimaneutralität niemand zurückgelassen wird.

Reformfortschritte

Die unsicheren Wirtschaftsaussichten machen deutlich, wie wichtig Reformen zur Steigerung des Potenzialwachstums sind. In den Länderberichten werden die Fortschritte der Mitgliedstaaten bei der Umsetzung der länderspezifischen Empfehlungen bewertet; dabei handelt es sich um maßgeschneiderte politische Orientierungshilfen, die die Kommission alljährlich vorlegt.

Die Länderberichte zeigen, dass die 2019 angenommenen Empfehlungen in den Bereichen Finanzdienstleistungen und aktive Arbeitsmarktpolitik entschlossen umgesetzt wurden. In Bereichen wie dem Wettbewerb in der Dienstleistungsbranche und der Gewährleistung der langfristigen Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen ist die Umsetzung der Reformen indes nach wie vor gering.

Insgesamt haben die Mitgliedstaaten seit der Einführung des Europäischen Semesters im Jahr 2011 bei der Umsetzung von rund zwei Dritteln der abgegebenen Empfehlungen zumindest einige Fortschritte erzielt.

Die Mitgliedstaaten werden bei der Konzeption und Umsetzung von Reformen durch das Programm zur Unterstützung von Strukturreformen (SRSP) unterstützt. Die Kommission nahm am 26.02.2020 das SRSP-Jahresarbeitsprogramm für 2020 an, in dem mit der Durchführung von 240 Reformprojekten erstmals in allen 27 Mitgliedstaaten Unterstützung geleistet wird.

Behebung makroökonomischer Ungleichgewichte

Das Verfahren bei einem makroökonomischen Ungleichgewicht zielt darauf ab, das Entstehen potenziell schädlicher makroökonomischer Ungleichgewichte, die die wirtschaftliche Stabilität in einem Mitgliedstaat, im Euro-Raum oder in der EU insgesamt beeinträchtigen könnten, zu ermitteln, zu verhindern und zu bekämpfen.

Dem im Dezember 2019 veröffentlichten Warnmechanismus-Bericht 2020 zufolge sollten 13 Mitgliedstaaten einer eingehenden Überprüfung unterzogen werden, um zu ermitteln, ob sie von Ungleichgewichten betroffen oder bedroht sind. In der Analyse wird untersucht, wie schwerwiegend diese Ungleichgewichte sind, wie ihre Entwicklung verläuft und wie die entsprechenden politischen Maßnahmen aussehen können.

Die Ergebnisse dieser eingehenden Überprüfungen sind in den Länderberichten für die betreffenden Mitgliedstaaten enthalten und lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Griechenland, Italien und Zypern weisen nach wie vor übermäßige Ungleichgewichte auf;
  • in Deutschland, Irland, Spanien, den Niederlanden, Frankreich, Kroatien, Portugal, Rumänien und Schweden bestehen nach wie vor Ungleichgewichte;
  • in Bulgarien gibt es keine Ungleichgewichte mehr.

Aktualisierte beschäftigungspolitische Leitlinien

Die Kommission hat einen Vorschlag zur Aktualisierung der beschäftigungspolitischen Leitlinien angenommen, in dem die gemeinsamen Prioritäten für die nationalen beschäftigungspolitischen Maßnahmen dargelegt werden. Mit einem klaren Fokus auf dem Ziel einer nachhaltigen sozialen Marktwirtschaft werden die beschäftigungspolitischen Leitlinien auf die vier Dimensionen der jährlichen Strategie für nachhaltiges Wachstum und die Mitteilung der Kommission „Ein starkes soziales Europa für einen gerechten Übergang“ abgestimmt. Zudem werden die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung integriert. Die aktualisierten Leitlinien gehen nun explizit auf faire, transparente und verlässliche Arbeitsbedingungen und auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von bei Online-Plattformen Beschäftigten ein sowie auf eine gestärkte Rolle der Sozialpartner und auf die Notwendigkeit, die niedrigen und mittleren Einkommensgruppen stärker in den Blick zu nehmen, wenn es um gerechte Löhne für einen angemessenen Lebensstandard geht.

Bericht über die verstärkte Überwachung Griechenlands

Die Kommission hat den fünften Bericht über die verstärkte Überwachung Griechenlands angenommen.

In dem Bericht wird festgestellt, dass Griechenland bei der Umsetzung seiner spezifischen Reformzusagen für Ende 2019 gute Fortschritte erzielt hat. Die zusätzlichen Maßnahmen, die derzeit umgesetzt werden oder von der Regierung angekündigt wurden, dürften rechtzeitig vor dem für Mai 2020 geplanten sechsten Bericht über die verstärkte Überwachung abgeschlossen werden. Das erfordert ein kontinuierliches Engagement der griechischen Behörden – insbesondere im Finanzsektor, wo umfangreiche weitere Maßnahmen notwendig sind. Der Bericht wird nun von der Euro-Gruppe erörtert, wird jedoch nicht zu Schuldenmaßnahmen führen.

Nächste Schritte

Die Länderberichte und die Ergebnisse der eingehenden Überprüfungen werden vom Rat erörtert. Die Kommission wird die Zusammenfassung der Ergebnisse der Länderberichte mit dem Europäischen Parlament beraten. In den kommenden Monaten wird die Kommission in engem Kontakt mit den Mitgliedstaaten stehen, um die Standpunkte der nationalen Parlamente, Regierungen, Sozialpartner und anderer Interessenträger zur Analyse und den Schlussfolgerungen der Länderberichte einzuholen.

Im April unterbreiten die Mitgliedstaaten dann ihre nationalen Reformprogramme, in denen die Prioritäten bei den Strukturreformen erläutert sind, und ihre Stabilitätsprogramme (für Länder des Euro-Raums) bzw. Konvergenzprogramme (für Länder, die nicht dem Euro-Raum angehören) mit der jeweiligen mehrjährigen haushaltspolitischen Strategie.

Die Kommission wird ihre Vorschläge für eine neue Runde länderspezifischer Empfehlungen im Frühjahr 2020 vorlegen.

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Wie ist die Bürokratiebelastung von Unternehmen zu bremsen?

Deutsche Unternehmen im Gastgewerbe müssen wöchentlich 14 „Überstunden“ leisten, um 100 bis 125 Vorschriften zu erfüllen, das zeigt eine aktuelle, vom DIHK beauftragte Studie. Zusammen mit der Untersuchung präsentiert der DIHK Vorschläge, wie diese und weitere Bürokratielasten abgebaut werden könnten.

 

Wie ist die Bürokratiebelastung von Unternehmen zu bremsen?

DIHK, Pressemitteilung vom 20.02.2020

Aufbewahrungsfristen verkürzen, Förderverfahren vereinfachen oder Baugenehmigungsverfahren beschleunigen: Der Abbau von bürokratischen Belastungen hat für Betriebe die größte Bedeutung. Das zeigen DIHK-Umfragen zu den drängendsten wirtschaftspolitischen Maßnahmen immer wieder. Unternehmen erkennen zwar an, dass Gesetze und Regeln ein wichtiges Element der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind. Es geht aber darum, das richtige Maß zu finden.

Projekt „Bürokratie bremsen“

Eine aktuelle, für den DIHK erstellte Studie zeigt am Beispiel des Gastgewerbes, wie hoch die bürokratische Belastung für mittelständische Unternehmen ist. Sie sind mit bis zu 125 Vorschriften konfrontiert. Jede Woche sind bis zu 14 „Überstunden“ erforderlich, um gesetzliche und andere Vorgaben zu erfüllen. Die Kosten der Betriebe zur Bewältigung von Bürokratie belaufen sich immerhin im Durchschnitt auf 2,5 Prozent ihres Umsatzes. Die Studie zeigt auch: Es gibt Lösungen. In nur wenigen Fällen ist es erforderlich, Verpflichtungen ganz abzuschaffen. Oft reicht es schon, Verfahrensschritte abzuschaffen oder zu vereinfachen. Auf Basis der Studie schlägt der DIHK drei Wege zum Bürokratieabbau vor.

Erstens: Praxischeck einführen

Vieles, was Gesetze vorschreiben, tut ein Unternehmer sowieso: für Brandschutz und Sicherheit im Betrieb sorgen, schonend mit Ressourcen umgehen, Löhne abrechnen, Bücher führen, Steuern zahlen und vieles mehr. Das alles wird von den Betrieben nicht per se als Bürokratie bewertet. Das Problem ist aber: Mehr als 50 Prozent der Verpflichtungen im Gastgewerbe haben keinen Bezug zu Unternehmensprozessen. Hier bieten sich deshalb Ansatzpunkte zum Abbau von Bürokratie: Bevor Gesetze eingeführt werden, brauchen wir dringend einen Praxischeck – und zwar in den vor allem betroffenen Branchen.

Zweitens: Verständlichkeit und Klarheit bei Regulierungen herstellen

Die Untersuchung zeigt, dass Betriebe häufig sogar mehr tun, als gesetzlich vorgeschrieben ist. Das passiert dann, wenn die Vorgaben und Anforderungen nicht klar formuliert sind. Man spricht dabei von der sogenannten Übererfüllung. Belastungen entstehen hier zum Beispiel beim Datenschutz, bei der Allergenkennzeichnung oder beim Aufbewahren von Unterlagen. Häufig müssen Betriebe externe Berater einsetzen, um den Anforderungen gerecht zu werden. Diese Kosten könnten durch verständlich formulierte Regelungen vermieden werden.

Drittens: Schlüsselbetriebe und -branchen entlasten

Das Gastgewerbe ist eine mittelständische, verbrauchernahe Branche, die für lebendige Regionen und eine hohe Standortqualität sorgt. Entlastungen in dieser Branche haben positive Auswirkungen auf andere Unternehmen – direkt über die Vereinfachung allgemeiner unternehmerischer Pflichten und indirekt über eine Stärkung der Regionen und Anhebung der Standortqualität. Es gibt offensichtlich Betriebe, die Schlüsselindikatoren für ganze Branchen aufweisen und es gibt Branchen, die der Schlüssel für eine Entlastung ganzer Wirtschaftszweige sind. Wenn in diesen Betrieben Bürokratie effektiv gebremst werden kann, dann lassen sich negative Folgen für die Wirtschaft insgesamt begrenzen.

Fazit: Gemeinsam mehr unternehmen

Die Bundesregierung hat bereits mehrere Bürokratieentlastungsgesetze verabschiedet und eine Bürokratiebremse mit dem Namen „One in, one out“ beschlossen. Zudem hat sie das Potenzial der Digitalisierung erkannt. Es bleibt aber noch viel zu tun. Unter dem Titel #GemeinsamMehrUnternehmen setzen wir uns dafür ein, dass die Vielfalt unserer Betriebe und die Qualität von Leistungen erhalten bleiben – für die Attraktivität des Unternehmertums und die Überlebensfähigkeit von Betrieben.

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Konsumklima stagniert

Die Verbraucherstimmung in Deutschland zeigt sich lt. GfK im Februar 2020 uneinheitlich und wenig verändert. Die Konjunkturerwartung legt etwas zu, während Einkommenserwartung und Anschaffungsneigung leichte Einbußen hinnehmen müssen.

Konsumklima stagniert

GfK, Pressemitteilung vom 20.02.2020

Die Verbraucherstimmung in Deutschland zeigt sich im Februar uneinheitlich und wenig verändert. Die Konjunkturerwartung legt etwas zu, während Einkommenserwartung und Anschaffungsneigung leichte Einbußen hinnehmen müssen. Folglich prognostiziert GfK für März 2020 einen Wert von 9,8 Punkten und damit 0,1 Zähler weniger als im Februar dieses Jahres (9,9 Punkte). Das sind Ergebnisse der GfK-Konsumklimastudie für Februar 2020.

Leichte Rückgänge bei Einkommenserwartung und Anschaffungsneigung führen aktuell dazu, dass das Konsumklima geringe Einbußen hinnehmen muss.

„Das Konsumklima kann damit seinen positiven Trend des Vormonats nicht fortsetzen. Die Ausbreitung des Coronavirus hat sicherlich dazu beigetragen, dass Verunsicherung unter den Verbrauchern aufkommt“ erklärt Rolf Bürkl, GfK Konsumexperte. „Ein durch das Virus ausgelöster Produktionsrückgang bzw. -stopp in Unternehmen in China kann dazu führen, dass auch die Produktion in Deutschland beeinträchtigt wird bzw. sogar ganz zum Stillstand kommt. Die Folge wäre Kurzarbeit bis hin zu möglichen Personalanpassungen. Und dies wäre für die Konsumstimmung wenig förderlich.“

GfK bestätigt ihre Prognose aus dem Vormonat, wonach der reale private Konsum in diesem Jahr um ein Prozent zunehmen wird.

Konjunkturerwartung mit zweitem Anstieg in Folge

Die Konjunkturerwartung scheint sich langsam wieder zu erholen. Im Februar legt der Indikator zum zweiten Mal in Folge zu. Er lässt damit sein Tief vom Herbst letzten Jahres mehr und mehr hinter sich. Das Plus in diesem Monat beträgt 4,9 Zähler. Mit aktuell 1,2 Punkten liegt er wieder knapp über seinem langjährigen Durchschnittswert von etwa 0 Punkten. Im Vergleich zum Vorjahr beträgt das Minus nur noch 0,2 Zähler.

Trotz konjunktureller Schwächephasen verursacht durch den Handelsstreit zwischen USA und China und dem Coronavirus, sind die Signale vom deutschen Arbeitsmarkt bislang noch ermutigend. Die Beschäftigung bleibt weitgehend stabil, wenn auch die Dynamik der letzten Jahre der Vergangenheit angehört.

Einkommenserwartung mit leichten Verlusten

Die Einkommenserwartungen können im Februar nicht von den gestiegenen Konjunkturaussichten profitieren. Der Indikator büßt 3,4 Zähler ein und sinkt auf 41,2 Punkte. Dennoch bleibt das Niveau des Einkommensindikators weiterhin hoch, wenn auch das Minus im Vergleich zum Vorjahr 16,5 Punkte beträgt.

Aufgrund der im Großen und Ganzen stabilen Beschäftigungslage werden die Arbeitnehmer auch in diesem Jahr Einkommenszuwächse zu verzeichnen haben, wenn auch nicht mehr ganz so hoch wie zuletzt. Die Rentner können ebenfalls auf eine ansehnliche Erhöhung ihrer Bezüge hoffen.

Es bleibt allerdings abzuwarten, wie sich das Coronavirus auf die deutsche Wirtschaft auswirkt. Sollte es in China zu einem längeren Produktionsstopp kommen und dadurch die Belieferung der deutschen Wirtschaft mit Vorprodukten unterbrochen sein, besteht die Gefahr, dass die Angst vor Arbeitslosigkeit zunimmt. Dies würde sicherlich auch die Einkommensaussichten beeinträchtigen.

Konsumneigung behauptet sehr gutes Niveau

Trotz geringer Einbußen behauptet die Anschaffungsneigung im Februar 2020 ihr überaus gutes Niveau. Zwar verliert der Indikator 1,9 Zähler, aber mit 53,6 Punkten ist die Konsumlaune nach wie vor sehr ausgeprägt. Dies belegt auch die Tatsache, dass im Vergleich zum Vorjahr sogar ein kleines Plus von 1,7 Punkten zu verzeichnen ist.

Bislang zeigt sich die Konsumneigung noch unbeeindruckt von konjunkturellem Gegenwind, Handelsstreit und Coronavirus. Eine weitere Eskalation dieser Krisenherde birgt jedoch die Gefahr, dass der Höhenflug der Konsumstimmung ein Ende findet. Deshalb sollte auch aus Verbrauchersicht ein Augenmerk auf die Entschärfung dieser Krisen gelegt werden.

Stütze findet die Anschaffungsneigung noch immer durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Die Sparneigung verharrt auch im Februar tief im Keller. Sparen ist und bleibt keine sehr attraktive Alternative zum Konsum.

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Zahl innovativer Mittelständler in Deutschland sinkt auf Tiefststand

Der Anteil der innovativen mittelständischen Unternehmen in Deutschland ist auf einen neuen Tiefststand gefallen: Nur noch 725.000 der etwa 3,81 Mio. kleinen und mittleren Unternehmen hierzulande haben zuletzt innovative Produkte oder Prozesse eingeführt. Die Innovatorenquote für die Jahre 2016/2018 liegt bei nur noch 19 %, wie der aktuelle KfW-Innovationsbericht zeigt.

 

KfW, Pressemitteilung vom 19.02.2020

  • 725.000 kleine und mittlere Unternehmen mit innovativen Produkten oder Prozessen
  • Innovatorenquote sinkt auf 19 %
  • Innovationsausgaben steigen zwar auf 34 Mrd. Euro, konzentrieren sich aber auf immer weniger Firmen

Der Anteil der innovativen mittelständischen Unternehmen in Deutschland ist auf einen neuen Tiefststand gefallen: Nur noch 725.000 der etwa 3,81 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen hierzulande haben zuletzt innovative Produkte oder Prozesse eingeführt. Die Innovatorenquote für die Jahre 2016/2018 liegt bei nur noch 19 %, wie der aktuelle KfW-Innovationsbericht zeigt. Der Anteil der innovativen Unternehmen im Mittelstand hat sich seit seinem Höchststand von 42 % aus den Jahren 2004/2006 damit mehr als halbiert. Die Summe, die der Mittelstand für Innovationen ausgibt, ist 2018 hingegen erstmals seit 2014 wieder angestiegen und beträgt nun 34 Mrd. Euro (2017: 31 Mrd. Euro). Damit konzentrieren sich in Deutschland die Innovationsausgaben auf immer weniger Unternehmen.

Der aktuelle Rückgang der Innovatorenquote ist auf eine negative Entwicklung sowohl bei Produkt- als auch bei Prozessinnovationen zurückzuführen. Der Anteil der Unternehmen, die neue bzw. verbesserte Produkte auf dem Markt brachten, nahm gegenüber der Vorperiode um 2 Prozentpunkte ab und liegt mit 13 % nun auf dem niedrigsten Wert seit Beginn der Messung der KfW im Jahre 2002/2004. Auch die Prozessinnovatorenquote sank auf 13 % (-4 Prozentpunkte).

Blickt man auf die Innovationstätigkeit nach Unternehmensgröße, so sind aktuell in allen Größenklassen Rückgänge zu verzeichnen. Bei den größeren Mittelständlern mit mehr als 10 Beschäftigen fällt das aktuelle Minus etwas geringer aus als bei den kleinen Unternehmen (-2 bis -3 gegenüber -6 bis -7 Prozentpunkte). Auch im langfristigen Vergleich ist der Verlust an Innovatoren umso deutlicher, je kleiner die Unternehmen sind.

Gleichzeitig zeigt sich in der aktuellen Entwicklung ebenso wie im Langzeittrend, dass in Deutschland vor allem die sog. nachahmenden Innovationen zurückgehen, also solche Innovationen, die ein Unternehmen von einem Wettbewerber – gegebenenfalls mit gewissen Modifikationen – übernimmt. Aktuell dürfte hierfür die schwächere wirtschaftliche Entwicklung der Hauptgrund sein, denn diese Art der Innovation ist sehr konjunkturabhängig. Nachahmende Innovationen stellen die Masse der Innovationstätigkeit im Mittelstand und sind aus gesamtwirtschaftlicher Sicht bedeutend: Durch sie verbreiten sich Neuerungen, der Ressourceneinsatz verbessert sich und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft insgesamt wird gestärkt. Aktuell ist der Anteil der Mittelständler mit Produktnachahmungen um 1 Prozentpunkt auf 11 % gesunken, im Vergleich zu seinem Höchststand in den Jahren 2004/2006 nahm er um knapp zwei Drittel ab. Demgegenüber hält sich der Anteil der Mittelständler mit Marktneuheiten nach mehreren Rückgängen zuletzt bei 3 % stabil.

“Der Mittelstand zieht sich immer mehr aus der Innovationstätigkeit zurück”, sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. “Für die Zukunftsfähigkeit und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ist das eine gefährliche Entwicklung – schließlich spielen Innovationen eine große Rolle für Beschäftigung, Wachstum und Produktivität”. Auch der Rückgang bei den nachahmenden Innovationen sei ein Problem: “Gesamtwirtschaftliche Effekte von Innovationen stellen sich nur dann ein, wenn ein technologischer Fortschritt in der Breite der Wirtschaft realisiert wird.” Auf der anderen Seite sei es notwendig, die Entwicklung von Marktneuheiten und neuen Technologien weiterhin zu stärken. “Vor dem Hintergrund der ambitionierten Innovationsstrategien im Ausland sind dazu erhöhte Forschungsanstrengungen hierzulande notwendig. Die deutsche Wirtschaft kann sich nicht auf ihrem technologischen Vorsprung ausruhen, sondern muss ihre Vorreiterrolle sichern und Zukunftstechnologien entwickeln”, so Dr. Fritzi Köhler-Geib.

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Deutlicher Rückgang der Konjunkturerwartungen im Februar 2020

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland fallen im Februar 2020 überraschend deutlich. Daneben trübte sich auch die Einschätzung der aktuellen Lage stärker als erwartet ein.

Der ZEW-Indikator liegt bei 8,7 Punkten
ZEW, Pressemitteilung vom 18.02.2020

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland gehen im Februar um 18,0 Punkte zurück. Mit einem Wert von 8,7 Punkten liegen sie leicht unter dem Stand von Dezember 2019. Die Einschätzung der konjunkturellen Lage für Deutschland hat sich ebenfalls gegenüber dem Vormonat verschlechtert. In der aktuellen Umfrage liegt der Lageindikator bei minus 15,7 Punkten und damit 6,2 Punkte unterhalb des Wertes vom Januar.

“Die befürchteten negativen Folgen der Coronavirus-Epidemie in China auf den Welthandel führen zu einem markanten Rückgang der ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland. Besonders stark sinken die Einschätzungen zur Entwicklung der exportintensiven Sektoren. Zudem entwickelte sich die deutsche Wirtschaft Ende 2019 sowie zu Beginn des neuen Jahres schlechter als erwartet. Die neue, nach unten korrigierte Lageeinschätzung sowie die gesunkenen Erwartungen machen deutlich, dass die Konjunkturentwicklung derzeit recht fragil ist”, kommentiert ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach, Ph.D.

Die Erwartungen der Finanzmarktexperten/-innen an die Konjunkturentwicklung in der Eurozone sinken mit einem Rückgang um 15,2 Punkte etwas weniger stark als die für Deutschland. Der Erwartungsindikator für das Eurogebiet liegt damit im Februar bei 10,4 Punkten. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Eurogebiet bleibt im Februar fast konstant. Er liegt aktuell bei minus 10,3 Punkten, 0,4 Punkte niedriger als im Januar.

Einhergehend mit den Konjunkturerwartungen sinken auch die Inflationserwartungen für das Eurogebiet. Der entsprechende Indikator geht um 13,7 Punkte auf einen neuen Wert von 4,7 Punkten zurück.

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Nachfrage nach Bundesgarantien zur Unterstützung von Unternehmen weiterhin hoch

Wie das BMWi mitteilt, hat der Bund 2019 Lieferungen und Leistungen deutscher Exporteure und Banken in Höhe von rund 21 Mrd. Euro mit Exportkreditgarantien gegen wirtschaftliche und politische Risiken abgesichert. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Anstieg um sechs Prozent.

Nachfrage nach Bundesgarantien zur Unterstützung von Unternehmen bei der Erschließung von Auslandsmärkten weiterhin hoch – Bund übernimmt 2019 Export- und Investitionsgarantien in Höhe von 24,3 Mrd. Euro
BMWi, Pressemitteilung vom 17.02.2020

2019 hat die Bundesregierung erneut eine Vielzahl von Ausfuhrgeschäften und Investitionsvorhaben mit Exportkredit- und Investitionsgarantien abgesichert. Die Außenwirtschaftsförderinstrumente des Bundes leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der deutschen Wirtschaft und zum Erhalt und Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Exportkreditgarantien

2019 hat der Bund Lieferungen und Leistungen deutscher Exporteure und Banken in Höhe von rd. 21 Mrd. Euro mit Exportkreditgarantien gegen wirtschaftliche und politische Risiken abgesichert. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Anstieg um sechs Prozent. Neben zahlreichen Geschäften kleinerer und mittelständischer Unternehmen hat die Bundesregierung im zurückliegenden Jahr erneut eine Reihe großvolumiger Geschäfte gedeckt, vor allem im Schiffsektor. Den Schwerpunkt bei den gedeckten Geschäften bildeten wiederum Schwellen- und Entwicklungsländer. Sie machten drei Viertel des Neugeschäfts aus.

Vor dem Hintergrund der weiterhin bestehenden politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten in wichtigen Auslandsmärkten ist die Nachfrage nach Exportkreditgarantien des Bundes weiterhin hoch.

Exportkreditgarantien sind ein sich durch die Gebühren – und Prämienzahlungen der Unternehmen selbst tragendes Instrument, sie enthalten keine Fördermittel. Mit 640,4 Mio. Euro erzielten die Exportkreditgarantien 2019 erneut ein positives Ergebnis für den Bundeshaushalt.

Investitionsgarantien

Zur Absicherung von Investitionen deutscher Unternehmen im Ausland gegen politische Risiken hat der Bund im Jahr 2019 Investitionsgarantien in Höhe von 3,3 Mrd. Euro für Projekte in 16 Ländern übernommen. Das Gesamtvolumen hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdreifacht.

Der Großteil des neu übernommenen Garantievolumens betraf Projekte in Asien. Wesentliche Anlageländer weltweit waren China, gefolgt von Argentinien, Mexiko, Kuwait und Indien. 28 Prozent der genehmigten Anträge entfielen auf kleine und mittlere Unternehmen. Fast jeder dritte Garantienehmer hat erstmals eine Investitionsgarantie erhalten.

Die Nachfrage nach Investitionsgarantien war auch 2019 hoch. So verblieb das Volumen der Neuanträge (3,8 Mrd. Euro) in etwa auf dem ähnlich hohen Vorjahresniveau. Nahezu ein Fünftel aller Anträge betraf im Jahr 2019 zudem Projekte in Afrika. Dies ist der höchste Wert der letzten fünf Jahre. Zum Jahresende betrug der Gesamtgarantiebestand des Bundes aus bestehenden Investitionsgarantien 33,3 Mrd. Euro. Auch die Investitionsgarantien erzielten im Jahr 2019 ein positives Ergebnis in Höhe von EUR 114,6 Mio. für den Bundeshaushalt.

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IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsrisiko wieder etwas gewachsen

Der Zickzackkurs bei den Aussichten für die deutsche Konjunktur setzt sich fort: Nachdem die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft in eine Rezession eintritt, zwischen September 2019 und Januar 2020 deutlich zurückgegangen war, haben sich die Perspektiven für das kommende Vierteljahr wieder etwas eingetrübt. Das zeigen die neuesten Werte, die der IMK-Konjunkturindikator der Hans-Böckler-Stiftung liefert.

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 14.02.2020

 

Der Zickzackkurs bei den Aussichten für die deutsche Konjunktur setzt sich fort: Nachdem die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft in eine Rezession eintritt, zwischen September 2019 und Januar 2020 deutlich zurückgegangen war, haben sich die Perspektiven für das kommende Vierteljahr wieder etwas eingetrübt. Das zeigen die neuesten Werte, die der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung liefert. Für die drei Monate von Februar bis Ende April zeigt der Indikator, der die aktuellsten verfügbaren Daten über die Wirtschaftslage bündelt, ein Rezessionsrisiko von 23,3 Prozent an – nach 14,8 Prozent im Januar. Da die statistische Streuung im Indikator – sie spiegelt die Verunsicherung vieler Wirtschaftsakteure wider – mit 17 Prozent relativ hoch ist, weist das nach dem Ampelsystem arbeitende IMK-Frühwarnsystem die aktuelle Lage weiterhin als “gelb-rot” (erhöhte konjunkturelle Unsicherheit) aus.

Dass die Rezessionswahrscheinlichkeit wieder zugenommen hat, beruht nach Analyse des IMK in erster Linie auf dem unerwartet starken Rückgang der Industrieproduktion Ende 2019. Hinzu kommt der rückläufige Trend bei den offenen Stellen und zuletzt schwächere Auftragseingänge aus dem Ausland. Das IMK sieht in diesen negativen Entwicklungen einen “Ausdruck außenwirtschaftlicher Konjunkturrisiken, denen die deutsche Exportwirtschaft ausgesetzt bleibt”. Zusätzlich zu den fortwährenden Belastungen durch US-Handelskonflikte oder den Brexit dürfte sich “die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus sowohl über die Störung global verzahnter Lieferketten als auch über eine zumindest temporäre Absatzschwäche in China belastend auf das Exportwachstum Deutschlands auswirken”, schreiben die Forscher. Positive Impulse erhält der Konjunkturindikator dagegen durch die nach wie vor günstigen Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und tendenziell optimistische Erwartungen an den Finanzmärkten, die das IMK mit einem eigenen Instrumentarium misst. Diese Entwicklungen haben verhindert, dass sich die Aussichten noch weiter eintrüben.

Unter dem Strich erwarten die Düsseldorfer Konjunkturforscher weiterhin, dass der deutschen Wirtschaft 2020 keine Rezession droht, weil ein robuster Arbeitsmarkt und ein starker öffentlicher und privater Verbrauch der Schwäche im Verarbeitenden Gewerbe gegenüberstehen. “Die kraftvolle Binnennachfrage ist die entscheidende Stärke der aktuellen Konjunktur”, sagt IMK-Experte Peter Hohlfeld. “Angesichts der anhaltenden Produktionsschwächen bei deutschen Schlüsselindustrien wie dem Maschinen- und Autobau wird die konjunkturelle Dynamik aber nur wenig stärker als 2019 ausfallen.” In ihrer aktuellen Prognose rechnen die Düsseldorfer Konjunkturforscher mit einem Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent im Jahresdurchschnitt 2020.

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Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Februar 2020

Die deutsche Wirtschaft befindet sich lt. BMWi konjunkturell weiterhin in einer Schwächephase. Im Jahresschlussquartal konnte sie ihre gesamtwirtschaftliche Leistung zwar halten, aber nicht weiter ausbauen.

BMWi, Pressemitteilung vom 14.02.2020

  • Im Jahresschlussquartal 2019 stagnierte die deutsche Wirtschaft. Sie befindet sich weiterhin in einer Schwächephase. Im Gesamtjahr 2019 nahm die Wirtschaftsleistung um 0,6 % zu.
  • Zum Jahresende entwickelte sich die Industrieproduktion sehr schwach, wozu eine hohe Zahl an Brückentagen beitrug. Aber auch die Auftragseingänge verzeichneten einen merklichen Rückgang. Die Geschäftserwartungen im Verarbeitenden Gewerbe hellten sich hingegen weiter auf.
  • Die Indikatoren für den privaten Konsum senden für das vierte Quartal gemischte Signale.
  • Die positive, aber gedämpfte Entwicklung der Beschäftigung setzt sich fort. Die Arbeitslosigkeit entwickelt sich im jahreszeitlich üblichen Rahmen.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich konjunkturell weiterhin in einer Schwächephase. Im Jahresschlussquartal konnte sie ihre gesamtwirtschaftliche Leistung zwar halten, aber nicht weiter ausbauen. Das Bruttoinlandsprodukt stagnierte im vierten Quartal 2019 preis-, kalender- und saisonbereinigt (+/-0,0 %) gegenüber dem Vorquartal, in dem es sich aufwärts revidiert um 0,2 % erhöht hatte. Nachfrageseitige Impulse blieben im vierten Quartal rar, lediglich die Investitionen in Bauten und in sonstige Anlagen wurden ausgeweitet. Die privaten und staatlichen Konsumausgaben dürften ihr Niveau in etwa gehalten haben. Die Exporte und im Gefolge auch die Investitionen in Ausrüstungen wurden eingeschränkt. Das Bruttoinlandsprodukt erhöhte sich damit im Jahr 2019 insgesamt preisbereinigt um 0,6 %.

Die Konjunktur in der deutschen Wirtschaft ist weiterhin zweigeteilt. Während sich die mehr binnenwirtschaftlich orientierten Dienstleistungsbereiche und das Baugewerbe wirtschaftlich gut entwickeln, steht die exportorientierte Industrie weiterhin unter Druck. Die Konjunkturindikatoren für die Industrie senden gegenwärtig gemischte Signale. Während die Umsätze und die Produktion im Jahresschlussquartal nochmals kräftig abnahmen, hellten sich ihre Geschäftserwartungen weiter etwas auf, was absehbar für eine Stabilisierung der Industriekonjunktur spricht. Allerdings haben sich zwischenzeitlich die Risiken aus dem außenwirtschaftlichen Umfeld durch die Ausbreitung des Corona-Virus erhöht. Die damit einhergehenden wirtschaftlichen Auswirkungen auf China und seine Handelspartner sind gegenwärtig noch nicht abschätzbar.

Die Weltwirtschaft entwickelt sich weiterhin gedämpft. Sie ist geprägt durch den Abschwung der Industriekonjunktur, der nicht zuletzt auf protektionistische Tendenzen zurückzuführen ist. Die globale Industrieproduktion ist zwar im November gegenüber dem Vormonat etwas gestiegen und übertraf ihr Vorjahresniveau wieder leicht, gleichzeitig verringerte sich aber der globale Warenhandel und für das Gesamtjahr zeichnet sich beim Warenhandel erstmals seit zehn Jahren ein Rückgang ab. Der zusammengesetzte Einkaufsmanagerindex von J. P. Morgan/IHS Markit für die Weltwirtschaft startete in das Jahr 2020 aber mit einer erneuten Steigerung. Der Teilindex für die Industrie legte zuletzt ebenfalls zu und lag wieder merklicher oberhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Mit der Corona-Epidemie in China ist jedoch ein neuer Risikofaktor für die globale Wirtschaft hinzugekommen. In Anbetracht der aktuellen Indikatorenlage gehen die internationalen Organisationen bisher für das laufende und kommende Jahr von einer nur wenig beschleunigten, aber weiterhin aufwärtsgerichteten Entwicklung der Weltwirtschaft aus.

Die schwachen Impulse aus dem weltwirtschaftlichen Umfeld wirken grundsätzlich dämpfend auf den deutschen Außenhandel. Insofern bleiben auch die näheren Aussichten verhalten. Die Ausfuhren an Waren und Dienstleistungen sind im Dezember saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen im Vergleich zum Vormonat um 1,6 % gestiegen, nachdem sie allerdings im November um 3,8 % zurückgegangen waren. Im vierten Quartal insgesamt ergab sich ein leichter Zuwachs von 0,3 %, der aufgrund leicht gestiegener Ausfuhrpreise in realer Rechnung etwas geringer ausfallen dürfte. Die ifo Exporterwartungen sind zum Jahresbeginn 2020 wieder gefallen, blieben aber per Saldo noch im positiven Bereich. Auch die Importe von Waren und Dienstleistungen haben sich im Dezember saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen im Vergleich zum November erhöht (+0,9 %), im gesamten vierten Quartal sind sie nominal nach der Zahlungsbilanzstatistik nur leicht gestiegen (+0,1 %).

In der Industrie hält die Konjunkturschwäche an. Darauf deuten sowohl die schwache Entwicklung von Auftragseingängen, Umsätzen und Produktion hin. Auf der anderen Seite hat sich die Stimmung in den Unternehmen zuletzt weiter verbessert. Die spricht dafür, dass sich die Industriekonjunktur in den kommenden Monaten zumindest etwas stabilisieren dürfte. Die Produktion im Produzierenden Gewerbe insgesamt nahm im Dezember um 3,5 % ab. Dieser deutliche Rückgang ist allerdings aufgrund einer hohen Anzahl an Brückentagen merklich überzeichnet. Darauf deutet auch das kräftige Produktionsminus von 8,7 % im Teilbereich Baugewerbe hin. Die Erzeugung in der Industrie ging um 2,9 % zurück. Die Energieproduktion erhöhte sich um 2,0 %. Im Jahresschlussquartal insgesamt wurde die Herstellung im Produzierenden Gewerbe um 1,9 % eingeschränkt. In der Industrie fiel das Minus mit -2,3 % etwas stärker aus, was insbesondere auf die Kfz-Industrie und den Maschinenbau zurückzuführen ist (-4,6 % bzw. -4,5 %). Auch die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe haben sich im Quartalsvergleich um 0,5 % verringert, aber nicht mehr so stark wie in den Vorquartalen. Das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe hat sich im Januar den vierten Monat in Folge merklich verbessert und die Kapazitätsauslastung ist der Umfrage zufolge sogar gestiegen.

Die privaten Konsumausgaben bleiben grundsätzlich eine verlässliche Stütze der Binnenkonjunktur. Hierzu tragen die zunehmende Beschäftigung sowie gute Einkommensentwicklung bei. Letztere dürfte sich im vierten Quartal 2019 etwas weniger dynamisch entwickelt haben als im Vorquartal. Im Jahresschlussquartal 2019 haben daher den aktuellen Indikatoren zufolge die privaten Konsumausgaben vorübergehend eine langsamere Gangart eingeschlagen. Die Umsätze im Einzelhandel ohne Kfz schwächten sich bei einem starken Rückgang im Dezember um 3,3 % im vierten Quartal insgesamt um 0,6 % ab, während in den vier Quartalen zuvor Zuwächse verzeichnet wurden. Die Neuzulassungen von Pkw, die im vierten Quartal um 0,8 % zugelegt hatten, sind im Januar um 17,0 % gesunken. Die Zulassungen der privaten Halter, die für den privaten Konsum maßgeblich sind, waren nicht ganz so stark rückläufig (-5,3 %). Das Geschäftsklima im Einzelhandel hat sich im Januar etwas abgekühlt, blieb aber per saldo positiv und spürbar oberhalb seines langjährigen Durchschnitts. Das Preisklima ist weiterhin relativ ruhig. Die Inflationsrate betrug im Jahr 2019 +1,4 %, sie war damit merklich niedriger als im Vorjahr (+1,8 %). Für den geringeren Preisauftrieb spielten rückläufige Kraftstoffpreise eine wichtige Rolle.

Die gedämpfte Konjunktur zeigt sich auch auf dem Arbeitsmarkt. Die Erwerbstätigkeit wurde im Dezember gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 22.000 Personen ausgeweitet und damit so stark wie im monatlichen Durchschnitt im Jahr 2019. Der Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung war im November (+40.000 Personen) so kräftig wie im Vormonat. Im Bereich Arbeitnehmerüberlassung sank die Zahl der Beschäftigten um 6.000 Personen, im Verarbeitenden Gewerbe nahm die Beschäftigung hingegen nach einem Rückgang im Oktober geringfügig zu. Die Arbeitslosigkeit verläuft seit dem Sommer weitgehend seitwärts, sie nahm im Januar saisonbereinigt um 2.000 Personen ab. Nach den Ursprungszahlen (2,43 Mio. Personen) wird der Vorjahresstand um 20.000 Personen überschritten. Die Unterbeschäftigung veränderte sich nicht. Die Inanspruchnahme von konjunkturellem Kurzarbeitergeld nimmt in der Tendenz zu, wenngleich sie im November mit 96.000 Personen etwas geringer war als im Oktober.

Die Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit waren im Dezember mit 46.000 Personen ebenfalls leicht zurückgegangen. Die Frühindikatoren lassen weiterhin einen moderaten Beschäftigungsaufbau und nur geringe Veränderungen der Arbeitslosigkeit erwarten.

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Winterprognose 2020: Stabiles, aber gedämpftes Wachstum

Die Winterprognose 2020 der EU-Kommission bestätigt den stetigen, gemäßigten Wachstumskurs der europäischen Wirtschaft. Das Euro-Währungsgebiet erlebt derzeit seine längste Phase nachhaltigen Wachstums seit der Einführung des Euro im Jahr 1999. Nach der Prognose wird das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Euro-Währungsgebiet in den Jahren 2020 und 2021 stabil bei 1,2 Prozent bleiben.

 

EU-Kommission, Pressemitteilung vom 13.02.2020

Die am 13.02.2020 veröffentlichte Winterprognose 2020 bestätigt den stetigen, gemäßigten Wachstumskurs der europäischen Wirtschaft. Das Euro-Währungsgebiet erlebt derzeit seine längste Phase nachhaltigen Wachstums seit der Einführung des Euro im Jahr 1999. Nach der Prognose wird das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Euro-Währungsgebiet in den Jahren 2020 und 2021 stabil bei 1,2 Prozent bleiben. Für Deutschland rechnet die Kommission in beiden Jahren mit einem Wachstum von je 1,1 Prozent. Für die EU insgesamt wird ein geringfügiger Rückgang des Wachstums auf 1,4 Prozent in den Jahren 2020 und 2021 prognostiziert – in der Herbstprognose 2019 wurde noch von 1,5 Prozent ausgegangen.

Valdis Dombrovskis, Exekutiv-Vizepräsident für eine Wirtschaft im Dienste der Menschen, erklärte: “Trotz des schwierigen Umfelds ist die europäische Wirtschaft nach wie vor auf einem stetigen Wachstumspfad, es werden Arbeitsplätze geschaffen und die Löhne steigen. Wir sollten jedoch die potenziellen Risiken beachten, die von den sich verändernden geopolitischen Verhältnissen in Verbindung mit Handelsunsicherheiten ausgehen. Die Mitgliedstaaten sollten daher noch die Gelegenheit für Strukturreformen nutzen, um Wachstum und Produktivität anzukurbeln. Länder mit hoher Staatsverschuldung sollten sich verstärkt schützen, indem sie eine umsichtige Haushaltspolitik verfolgen.”

Der EU-Kommissar für Wirtschaft, Paolo Gentiloni, sagte: “Das stabile, allerdings gedämpfte Wachstum der europäischen Wirtschaft dürfte sich in den kommenden zwei Jahren auf gleichem Niveau fortsetzen. Damit wird sich die bisher längste Expansionsphase seit der Einführung des Euro im Jahr 1999 noch weiter verlängern, was gut für die Beschäftigung ist. Weitere positive Entwicklungen waren die Verringerung der Handelsspannungen und die Vermeidung des Brexit ohne Abkommen. Allerdings belastet die beträchtliche politische Unsicherheit weiterhin den verarbeitenden Sektor. Was das Coronavirus angeht, so ist es noch zu früh, um zu bewerten, in welchem Ausmaß es sich negativ auf die Wirtschaft auswirken wird.”

Weiterhin stabiles Wachstum dank Binnennachfrage

Die außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen gestalten sich weiterhin schwierig. Dank der kontinuierlichen Schaffung von Arbeitsplätzen, eines robusten Lohnwachstums und eines unterstützenden Policy-Mix dürfte die europäische Wirtschaft jedoch auf einem gemäßigten Wachstumspfad bleiben. Der private Konsum und private Investitionen, insbesondere im Bausektor, werden das Wirtschaftswachstum weiter ankurbeln, während davon auszugehen ist, dass eine Reihe von Mitgliedstaaten außerdem verstärkt öffentliche Vorhaben verwirklichen und insbesondere in Verkehr und digitale Infrastruktur investieren werden. Mit einer sich abzeichnenden Stabilisierung des verarbeitenden Gewerbes und der mutmaßlichen Überwindung des Rückgangs der globalen Handelsströme dürfte dies der europäischen Wirtschaft zu weiterer Expansion verhelfen. Gleichzeitig erscheinen diese Faktoren jedoch nicht ausreichend, um das Wachstum signifikant voranzutreiben.

Inflationsprognose leicht nach oben korrigiert

Die Inflationsprognose (der harmonisierte Verbraucherpreisindex) für das Euro-Währungsgebiet wurde für 2020 auf 1,3 Prozent und für 2021 auf 1,4 Prozent korrigiert – eine Steigerung von 0,1 Prozentpunkten für beide Jahre im Vergleich zur Herbstprognose 2019. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die höheren Löhne ersten Anzeichen zufolge nunmehr auf die Preise durchschlagen könnten und die Annahmen bezüglich der Ölpreise leicht nach oben korrigiert wurden.

Auch die Inflationsprognose für die gesamte EU wurde für 2020 um 0,1 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent angehoben. Die Prognose für 2021 bleibt unverändert bei 1,6 Prozent.

Risiken für die Prognose

Einige Abwärtsrisiken haben sich zwar abgeschwächt, gleichzeitig sind jedoch neue entstanden, und insgesamt überwiegen die Abwärtsrisiken weiterhin.

Das Handelsabkommen zwischen den USA und China hat die Abwärtsrisiken etwas verringert, doch die hohe Unsicherheit in Bezug auf die Handelspolitik der USA ist nach wie vor ein Hindernis für die Entwicklung eines besseren Geschäftsklimas. Soziale Unruhen in Lateinamerika könnten die wirtschaftliche Erholung dieser Region beeinträchtigen, während vermehrte geopolitische Spannungen im Nahen Osten die Konfliktgefahr erhöhen.

Zwar herrscht nun Klarheit hinsichtlich der Handelsbeziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich während des Übergangszeitraums, doch bleibt sehr ungewiss, wie die neue Partnerschaft mit dem Vereinigten Königreich aussehen wird. Ein weiteres Abwärtsrisiko ist der Ausbruch des Coronavirus (COVID-19) und dessen Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit, Wirtschaft und Handel, insbesondere in China. Es wird davon ausgegangen, dass seine Verbreitung im ersten Quartal ihren Höchststand erreichen wird und andere Teile der Welt nur in begrenztem Maße betroffen sein werden. Mit fortschreitender Dauer erhöht sich allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass Konjunkturerwartungen und die globalen Finanzierungsbedingungen beeinträchtigt werden. Außerdem können Risiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel auch auf kurze Sicht nicht ausgeschlossen werden, obwohl sie überwiegend langfristiger Natur sind.

Andererseits könnte die europäische Wirtschaft von einer expansiveren und wachstumsfreundlicheren Haushaltspolitik profitieren, und durch günstigere Finanzierungsbedingungen in einigen Mitgliedstaaten des Euro-Währungsgebiets könnten positive Spillover-Effekte entstehen.

Rein technische Annahme für das Vereinigte Königreich

Da die künftigen Beziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich noch nicht geklärt sind, beruhen die Projektionen für 2021 auf einer rein technischen Annahme des Status quo in Bezug auf die Handelsbeziehungen. Sie dient ausschließlich Prognosezwecken und ist keine Vorwegnahme oder Vorhersage des Ergebnisses der Verhandlungen über die künftigen Beziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich.

Hintergrund

Diese Prognose basiert auf einer Reihe technischer Annahmen über Wechselkurse, Zinssätze und Rohstoffpreise mit Stichtag 29. Januar. Bei allen anderen herangezogenen Daten, auch den Annahmen zu staatlichen Maßnahmen, wurden Informationen bis einschließlich 4. Februar berücksichtigt. Den Projektionen liegt die Annahme einer unveränderten Politik zugrunde, es sei denn, es wurden glaubwürdig konkrete politische Maßnahmen angekündigt.

Die Europäische Kommission veröffentlicht jedes Jahr zwei umfassende Prognosen (im Frühjahr und im Herbst) und zwei Zwischenprognosen (im Winter und im Sommer). Die Zwischenprognosen enthalten jährliche und vierteljährliche BIP- und Inflationszahlen für das laufende und das folgende Jahr für alle Mitgliedstaaten sowie die aggregierten Zahlen für die EU insgesamt und für das Euro-Währungsgebiet.

Als nächste Wirtschaftsprognose wird die Europäische Kommission ihre Frühjahrsprognose 2020 vorlegen, die am 7. Mai 2020 veröffentlicht werden soll.

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