Deutsche Wirtschaft bleibt auf solidem Wachstumskurs

Das solide Wachstum der deutschen Wirtschaft dürfte nach Einschätzung der Bundesbank trotz des Dämpfers im dritten Quartal 2018 vorerst weiterhin anhalten. Der leichte Rückgang der Wirtschaftsleistung im vergangenen Quartal sei vor allem auf vorübergehende angebotsseitige Schwierigkeiten in der Automobilindustrie zurückzuführen und sollte rasch überwunden werden, heißt es in ihrer Herbstprognose.

Deutsche Wirtschaft bleibt auf solidem Wachstumskurs

Deutsche Bundesbank, Pressemitteilung vom 14.12.2018

Das solide Wachstum der deutschen Wirtschaft dürfte nach Einschätzung der Bundesbank trotz des Dämpfers im dritten Quartal 2018 vorerst weiterhin anhalten. Der leichte Rückgang der Wirtschaftsleistung im vergangenen Quartal sei vor allem auf vorübergehende angebotsseitige Schwierigkeiten in der Automobilindustrie zurückzuführen und sollte rasch überwunden werden, heißt es in ihrer jüngst veröffentlichten Herbstprognose. Die Bundesbank rechnet mit einem kalenderbereinigten Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das laufende Jahr von 1,5 Prozent und mit jeweils 1,6 Prozent für 2019 und 2020. Im Jahr 2021 könnte es um 1,5 Prozent zulegen. „Im Vergleich zur Projektion vom Juni 2018 wird nun für das kommende Jahr erwartet, dass die deutsche Wirtschaft nur geringfügig stärker wächst als das Produktionspotenzial“, kommentierte Bundesbankpräsident Jens Weidmann die neuen Schätzungen. Die bereits hohe Auslastung der Wirtschaft wird sich der Prognose zufolge damit in den kommenden Jahren wohl nur noch leicht erhöhen.

Konsum treibt die Binnennachfrage

Ein prägender Faktor für die nächsten Jahre ist laut Weidmann die zunehmende Alterung der Gesellschaft, die zu zunehmenden Engpässen am Arbeitsmarkt führt und die Wachstumsmöglichkeiten bremst. Außerdem dämpft sie den Bedarf an Wohnraum und die Investitionsneigung der Unternehmen. Dass die Binnennachfrage dennoch lebhaft ausfällt, ist den Bundesbank-Ökonominnen und Ökonomen zufolge dem privaten Konsum zu verdanken. Die gute Konjunktur und die angespannte Lage am Arbeitsmarkt führten zu kräftigen Lohnsteigerungen, was wiederum den privaten Konsum antreibe. Insbesondere 2019 wird die Binnennachfrage den Bundesbank-Fachleuten zufolge zusätzlich von der expansiven Fiskalpolitik gestützt. Vor allem in den Bereichen Rente, Gesundheit und Pflege sowie für Bildung, Verkehrsinfrastruktur, innere Sicherheit und Verteidigung seien Mehrausgaben geplant. Neben der guten Binnenkonjunktur sorgten die Exporte für positive Wachstumsaussichten.

Inflationsrate 2019 vorübergehend gedrückt

Die Inflationsrate – gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) – wird nach Einschätzung der Bundesbank-Ökonominnen und Ökonomen zunächst von 1,9 Prozent im laufenden Jahr auf 1,4 Prozent im Jahr 2019 sinken, bevor sie 2020 und 2021 wieder jeweils 1,8 Prozent erreicht. Ausschlaggebend für den Umschwung von 2018 auf 2019 seien die Preise für Energie und Nahrungsmittel. „Während sie im laufenden Jahr kräftig steigen, legen sie 2019 nur wenig zu“, sagte Weidmann. „Dadurch wird verdeckt, dass sich andere Waren und Dienstleistungen vor dem Hintergrund des hohen gesamtwirtschaftlichen Auslastungsgrades und erheblich steigender Lohnstückkosten zunehmend stärker verteuern“, erläuterte er. Ohne Energie und Nahrungsmittel gerechnet dürfte die Preissteigerungsrate den Bundesbank-Expertinnen und Experten zufolge von 1,2 Prozent im laufenden Jahr auf 1,8 Prozent im Jahr 2020 anziehen. 2021 könnte diese Kernrate der Inflation 2,0 Prozent erreichen.

Risikobeurteilung

Insgesamt hat sich die Unsicherheit für den gesamtwirtschaftlichen Ausblick nach Auffassung der Fachleute der Bundesbank im Vergleich zur Juni-Projektion etwas verringert, bleibt aber dennoch hoch. Abweichungen von der Prognose könnten sich beispielsweise durch unvorhergesehene Entwicklungen bei den zukünftigen internationalen Handelsbeziehungen oder im Falle eines ungeordneten Brexit ergeben, heißt es dazu.

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ifo Institut erwartet Abkühlung, aber keine Rezession

Das ifo Institut erwartet eine Abkühlung der Konjunktur für 2019, aber keine Rezession. Der ifo Winterprognose 2018 zufolge wird das Wirtschaftswachstum in Deutschland von 1,5 Prozent in diesem Jahr auf 1,1 Prozent im kommenden Jahr zurückgehen. Für 2020 erwartet das ifo Institut dann ein Anziehen auf 1,6 Prozent, weil es deutlich mehr Arbeitstage gibt.

ifo Institut erwartet Abkühlung, aber keine Rezession

ifo Institut, Pressemitteilung vom 13.12.2018

Das ifo Institut erwartet eine Abkühlung der Konjunktur für 2019, aber keine Rezession. Der ifo Winterprognose 2018 zufolge wird das Wirtschaftswachstum in Deutschland von 1,5 Prozent in diesem Jahr auf 1,1 Prozent im kommenden Jahr zurückgehen. Für 2020 erwartet das ifo Institut dann ein Anziehen auf 1,6 Prozent, weil es deutlich mehr Arbeitstage gibt. Im Herbst hatte das ifo Institut noch mit 1,9 Prozent für 2018 und 2019 gerechnet und mit 1,7 Prozent für 2020. „Die durch die Auto-Industrie ausgelöste Schwächeperiode zieht sich noch bis 2019 hin. Zudem dämpfen mannigfache Unsicherheiten die Weltkonjunktur, vor allem Brexit, Italien und die US-Handelspolitik“, sagte ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.

Damit wird sich der Beschäftigungsanstieg verlangsamen. Die Zahl der Erwerbstätigen wird von 44,8 Millionen in diesem Jahr auf 45,2 im nächsten und 45,5 im übernächsten Jahr steigen. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt parallel dazu von 2,3 Millionen über 2,2 auf 2,1 Millionen. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 5,2 Prozent 2018, 4,9 Prozent 2019 und 4,7 Prozent 2020. Die Verbraucherpreise werden steigen um 1,9 Prozent in diesem Jahr, 2,2 Prozent im nächsten und 1,8 Prozent 2020. Der finanzielle Überschuss des Staates sinkt vom Rekordwert 53,8 Milliarden Euro in diesem Jahr auf 32,5 Milliarden im kommenden Jahr und dann auf 26,8 Milliarden Euro 2020. Neben der konjunkturellen Abkühlung tragen bei zum Rückgang auch Entlastungen bei Steuern und Abgaben sowie höhere Ausgaben der öffentlichen Hand, insbesondere im kommenden Jahr.

Der international viel kritisierte Überschuss der deutschen Leistungsbilanz sinkt von 7,4 Prozent der Wirtschaftsleistung (251,4 Milliarden Euro) in diesem Jahr auf 6,8 Prozent (247,7 Milliarden Euro) im Jahre 2020.

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Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Dezember 2018

Die deutsche Wirtschaft bewegt sich weiter auf einem Wachstumspfad. Die Konjunktur wird allerdings durch ein schwieriges außenwirtschaftliches Umfeld und zusätzlich durch temporäre Sondereffekte in der Automobilindustrie gedämpft. Die Einkommen steigen weiter, während sich die Konsumnachfrage der privaten Haushalte leicht abschwächt. Der Arbeitsmarkt ist weiter robust. Das BMWi stellt die Fakten zur wirtschaftliche Entwicklung des Monats Dezember in Deutschland zusammen.

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Dezember 2018

BMWi, Pressemitteilung vom 13.12.2018

  • Die deutsche Wirtschaft bewegt sich weiter auf einem Wachstumspfad. Die Konjunktur wird allerdings durch ein schwieriges außenwirtschaftliches Umfeld und zusätzlich durch temporäre Sondereffekte in der Automobilindustrie gedämpft.
  • Die Sondereffekte laufen aber allmählich aus. Ab dem Jahreswechsel ist mit zusätzlichen Impulsen durch die Umsetzung der Koalitionsvereinbarungen zu rechnen.
  • Die Erzeugung des Produzierenden Gewerbes war im Oktober nach einem leichten Plus in den beiden Vormonaten wieder schwächer. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe stiegen jedoch an. Der Auftragsbestand ist weiterhin sehr hoch. Das Baugewerbe befindet sich in der Hochkonjunktur.
  • Die Einkommen steigen weiter, während sich die Konsumnachfrage der privaten Haushalte leicht abschwächt. Die Stimmung im Handel ist gemischt.
  • Der Arbeitsmarkt ist weiter robust. Die Erwerbstätigkeit erreicht einen neuen Höchststand und die Arbeitslosigkeit sinkt unter 2,2 Millionen Personen. Strukturelle Herausforderungen am Arbeitsmarkt bestehen dennoch fort.

Die deutsche Wirtschaft fasst langsam wieder Tritt. Der leichte Rückgang der Wirtschaftsleistung im dritten Quartal 2018 um 0,2 Prozent war wesentlich auf den Sondereffekt der WLTP-Problematik in der Kfz-Industrie zurückzuführen. Dieser temporäre Sondereffekt wächst sich allmählich aus, ist zu Beginn des vierten Quartals in den Produktionsdaten aber noch deutlich spürbar. Unabhängig davon hat der Gegenwind aus dem außenwirtschaftlichen Umfeld im Verlauf des Jahres 2018 merklich zugenommen. Die Handelskonflikte, Währungsturbulenzen von Schwellenländern sowie geopolitische Konflikte belasten die Weltwirtschaft und haben die allgemeine Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung erhöht. Durch die Verschiebung der Abstimmung des britischen Parlaments zum Brexit-Abkommen ist das Risiko eines ungeordneten Austritts des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union bis auf Weiteres nicht abgewendet. Andererseits wirken ab dem Jahreswechsel zusätzliche konjunkturelle Impulse durch die Umsetzung der Koalitionsvereinbarungen, wie etwa die steuerlichen Entlastungen durch die Erhöhung des Grundfreibetrags und den Ausgleich der kalten Progression, die Erhöhung des Kindergelds oder das „Starke-Familien-Gesetz“. Alles in allem dürfte sich die deutsche Wirtschaft in diesem schwierigeren Umfeld insgesamt gut behaupten. Ihre konjunkturelle Grunddynamik bleibt aufwärtsgerichtet, wenngleich abgeschwächt.

Vom weltwirtschaftlichen Umfeld gehen gedämpfte Impulse aus. Sowohl die industrielle Erzeugung als auch der Welthandel schlossen das dritte Quartal 2018 schwach ab. Der IHS Markit PMI für die globale Industrie lag im November 2018 auf dem niedrigsten Stand seit zwei Jahren. Auch der ifo Index zum Weltwirtschaftsklima gibt für das vierte Quartal 2018 eine verhaltene Stimmung wieder. Aus den Vereinigten Staaten kommen ebenfalls Signale für einen weniger dynamischen Verlauf. Die derzeitige Ballung globaler Risiken belastet in der Summe anscheinend die Wirtschaftsentwicklung. Die internationalen Organisationen gehen in ihren Herbstprognosen von einer gegenüber früheren Einschätzungen abgeschwächten, aber weiterhin merklich aufwärtsgerichteten Entwicklung der Weltwirtschaft aus.

Die gegenwärtig eher gedämpften Signale der Weltwirtschaft spiegeln sich auch in den Zahlen zu den deutschen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen wider. Im Oktober nahmen die Exporte saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen leicht um 1,1 Prozent zu. Im Dreimonatsvergleich sind die Ausfuhren nominal unverändert geblieben. Preisbereinigt könnte es zu einem Rückgang gekommen sein. Die ifo Exporterwartungen haben sich im November zwar leicht verbessert, deuten mit ihrem unterdurchschnittlichen Niveau jedoch nicht auf eine deutliche Belebung der Ausfuhren hin. Die nominalen Importe von Waren und Dienstleistungen erhöhten sich im Oktober saisonbereinigt um 1,9 Prozent. Im Dreimonatsvergleich ergab sich ein Plus von 1,6 Prozent. Auch preisbereinigt dürften sie sich trotz steigender Importpreise noch positiv entwickelt haben. Insgesamt deuten die Indikatoren auf eine verhalten positive Entwicklung der Ausfuhren in den kommenden Monaten hin.

Im Produzierenden Gewerbe ist die Produktion im Oktober nach leichten Anstiegen in den beiden Vormonaten wieder etwas zurückgegangen. Die Erzeugung in der Industrie nahm im Oktober um 0,4 Prozent ab, im Zweimonatsvergleich September/Oktober gegenüber Juli/August stagnierte der Produktionsausstoß. Auch die Produktion im Baugewerbe wurde im Oktober eingeschränkt (-0,3 Prozent), im aussagekräftigeren Zweimonatsvergleich gab es jedoch ein kräftiges Plus von 2,2 Prozent. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe nahmen im Oktober um 0,3 Prozent zu, im Zweimonatsvergleich ergab sich ein kräftigeres Plus von 1,4 Prozent. Die in der Tendenz seitwärtsgerichtete Industrieproduktion deutet darauf hin, dass sich die Probleme in der Kfz-Branche bei der Umstellung auf den neuen Testzyklus (WLTP) erst allmählich auflösen. Positive Auftragseingänge, vor allem in der Automobilindustrie, und die wachsende Zahl der nach der neuen Norm zugelassenen Pkw-Typen signalisieren allerdings, dass das Expansionstempo der deutschen Industrie wieder Fahrt aufnehmen wird. Das sehr gute Auftragspolster im Verarbeitenden Gewerbe mit einer Reichweite von 5,6 Monaten gibt Sicherheit. Das Baugewerbe arbeitet nahe seiner Kapazitätsgrenzen, sein Boom dürfte anhalten.

Die gute Entwicklung des Arbeitsmarkts und kräftige Lohnzuwächse sorgen für günstige Rahmenbedingungen für den privaten Konsum. Allerdings ist nach den Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes die Sparquote der privaten Haushalte in den ersten drei Quartalen 2018 um 0,5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr angestiegen, was im Gegenzug die Konsumausgaben vor allem im dritten Quartal dämpfte. Auch der Start ins vierte Quartal verlief schleppend, mit Umsatzeinbußen im Einzelhandel von 0,3 Prozent im Oktober. Vor dem Hintergrund der WLTP-Problematik waren die Neuzulassungen von Pkw bei privaten Haltergruppen im dritten Quartal niedriger als in den Vorquartalen. Hier ist aber eine Trendwende eingetreten. Im November nahmen die Neuzulassungen privater Kfz nach dem deutlichen Zuwachs im Oktober (+20,4 Prozent) um weitere 7,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat zu. Für eine positive Entwicklung des privaten Konsums in den kommenden Monaten spricht außerdem der Anstieg der Einkommen. Auch die Stimmungsindikatoren zeichnen ein positives Bild.

Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiterhin positiv. Die Erwerbstätigkeit überschritt im Oktober den Höchstwert von 45,2 Millionen Personen. Saisonbereinigt lag der Zuwachs zum Vormonat mit 37.000 Personen in der Größenordnung der letzten Monate. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm jedoch, anders als in den drei Vormonaten, nur schwach zu. Die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften bleibt in vielen Sektoren sehr hoch, es gibt aber Anzeichen für eine etwas ruhigere Gangart. Die Zahl der Arbeitslosen nahm im November saisonbereinigt um 16.000 Personen ab; in Ursprungszahlen unterschritt sie die Marke von 2,2 Millionen Personen. Damit verringerte sich die Arbeitslosenquote auf 4,8 Prozent. Die Langzeitarbeitslosigkeit geht kontinuierlich zurück, der Vorjahresstand wurde um 11 Prozent unterschritten. Die Stärkung der Wirtschaftskraft strukturschwacher Regionen bleibt eine Herausforderung.

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Deutsche Wirtschaft: Hochkonjunktur vorbei, Rezessionsgefahr gering

Die Zeiten der Hochkonjunktur in Deutschland sind vorbei: Nach einer bis in das Frühjahr 2018 anhaltenden außerordentlich starken Entwicklung normalisiert sich die Wachstumsdynamik der deutschen Wirtschaft. Sie wird in diesem und in den kommenden beiden Jahren aber weiter spürbar wachsen und sich der Normalauslastung nähern. Das DIW Berlin korrigiert seine Prognose für das Wachstum der hiesigen Wirtschaftsleistung nach unten: auf 1,5 Prozent für dieses Jahr und 1,6 Prozent für das kommende Jahr.

Deutsche Wirtschaft: Hochkonjunktur vorbei, Rezessionsgefahr gering

DIW Berlin, Pressemitteilung vom 12.12.2018

DIW Berlin korrigiert Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft nach unten – Ende der Hochkonjunktur nach Periode des überdurchschnittlichen Wachstums, unter dem Strich steht deutsche Wirtschaft aber nach wie vor vergleichsweise gut da – Große Unsicherheit über Fortgang des Brexit, ungeregelter EU-Austritt aber unwahrscheinlich

Die Zeiten der Hochkonjunktur in Deutschland sind vorbei: Nach einer bis in das Frühjahr 2018 anhaltenden außerordentlich starken Entwicklung normalisiert sich die Wachstumsdynamik der deutschen Wirtschaft. Sie wird in diesem und in den kommenden beiden Jahren aber weiter spürbar wachsen und sich der Normalauslastung nähern. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) korrigiert seine Prognose für das Wachstum der hiesigen Wirtschaftsleistung nach unten: auf 1,5 Prozent für dieses Jahr (0,3 Prozentpunkte weniger im Vergleich zur Herbstprognose) und 1,6 Prozent für das kommende Jahr (0,1 Prozentpunkte weniger als im Herbst). „Obwohl das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal dieses Jahres sogar erstmals seit langer Zeit gesunken war, ist die Gefahr einer Rezession gering“, sagt DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. „Denn der Rückschlag im Sommer hatte seine Ursache vor allem in der Automobilindustrie.“ Wegen Problemen bei der Zertifizierung nach den neuen Abgas- und Verbrauchsnormen der EU konnten die Hersteller nicht so viele Autos wie gedacht absetzen und drosselten daraufhin ihre Produktion. Das setzte auch die Investitionen unter Druck. Die Produktionsausfälle dürften jedoch im Winter zumindest teilweise nachgeholt werden.

Stabile Auslandsnachfrage und starker privater Konsum stützen die Konjunktur

Auch einige andere Aspekte sprechen für eine, wenn auch abgeschwächte, Fortsetzung des Aufwärtstrends der deutschen Wirtschaft – neben der brummenden Bauwirtschaft nicht zuletzt die stabile Arbeitsmarktlage: Die Beschäftigung steigt ungeachtet der Sonderentwicklungen weiter. „Das macht sich zunehmend in den Portemonnaies der ArbeitnehmerInnen bemerkbar: Die Löhne steigen auch nach Abzug der Inflation, die in den kommenden Jahren bei etwa zwei Prozent liegen dürfte, um voraussichtlich mehr als ein Prozent pro Jahr. Davon profitiert der private Konsum“, sagt Simon Junker, Experte für die deutsche Konjunktur. Einen merklichen Einkommensschub beschert den privaten Haushalten, dass der Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung ab Jahresbeginn 2019 wieder hälftig von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite zu tragen ist. Zudem zeigt sich der Staat großzügig – so sinkt der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung, Grund- und Kinderfreibeträge werden angehoben und die Mütterrente steigt.

Obwohl die Weltkonjunktur ihren Höhepunkt bereits im Frühjahr überschritten hat, wird wohl auch das Auslandsgeschäft weiter gut laufen – sofern die schwelenden Handelskonflikte, etwa zwischen den USA und China, die Brexit-Situation und der Haushaltsstreit zwischen der EU und Italien nicht eskalieren. Die Unternehmen investieren zwar zunehmend in Maschinen und Anlagen, die ganz große Investitionsoffensive bleibt auch angesichts der diversen Unsicherheiten aber aus.

Unter dem Strich deutet viel darauf hin, dass sich das Tempo der deutschen Wirtschaft nach Jahren des überdurchschnittlichen Wachstums normalisiert. Das spiegelt sich auch in den öffentlichen Haushalten wider, die nach wie vor mit satten, über die Jahre aber rückläufigen Überschüssen abschließen werden: in diesem Jahr in Höhe von rund 56 Milliarden Euro, im Jahr 2020 dann noch in Höhe von 38 Milliarden Euro.

Brexit-Verschiebung oder neues Referendum wahrscheinlicher als ungeregelter EU-Austritt

Derzeit ist das konjunkturelle Bild jedoch außergewöhnlich unscharf: Dazu trägt nicht zuletzt die große Unsicherheit über den Fortgang des Brexit bei. Nachdem die Abstimmung im britischen Unterhaus über den zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich ausgehandelten Brexit-Vertrag verschoben wurde, ist vorerst auch nicht mit mehr Klarheit zu rechnen. Sollte es doch noch zu einem „harten“ Brexit kommen, also einem Austritt ohne Vereinbarungen mit Blick auf die künftigen Handelsbeziehungen, würde die äußerst exportorientierte deutsche Wirtschaft hart getroffen werden.

Allerdings dürfte es nach wie vor das Interesse sowohl Großbritanniens als auch der EU sein, ein solches Szenario zu vermeiden. Sollten die nun von britischer Seite angestrebten Nachbesserungen am Brexit-Vertrag und letztlich die Abstimmung im britischen Parlament nicht rechtzeitig über die Bühne gehen, sind eine Verschiebung des eigentlich für Ende März nächsten Jahres geplanten Brexit oder ein erneutes Referendum wahrscheinlicher als ein ungeordneter Austritt – insbesondere, wenn es im Zuge der politischen Turbulenzen zu Neuwahlen im Vereinigten Königreich kommen sollte. „In diesem unsicheren Umfeld werden sich Unternehmen wie auch VerbraucherInnen mit größeren Ausgaben vorerst weiterhin zurückhalten“, sagt Stefan Gebauer, Experte für die Wirtschaft des Vereinigten Königreichs und des Euroraums.

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Januar bis September 2018: 3,0 % weniger Unternehmensinsolvenzen als in den ersten 9 Monaten 2017

Von Januar bis September 2018 meldeten die deutschen Amtsgerichte 14.715 Unternehmensinsolvenzen. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 3,0 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen lag im Zeitraum Januar bis September 2018 mit 51.201 Fällen um 5,1 % niedriger als in den ersten neun Monaten 2017.

Januar bis September 2018: 3,0 % weniger Unternehmensinsolvenzen als in den ersten 9 Monaten 2017

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 11.12.2018

Von Januar bis September 2018 meldeten die deutschen Amtsgerichte 14.715 Unternehmensinsolvenzen. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 3,0 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen lag im Zeitraum Januar bis September 2018 mit 51.201 Fällen um 5,1 % niedriger als in den ersten neun Monaten 2017. Zusammen mit den Insolvenzen von anderen privaten Schuldnern und Nachlässen betrug die Gesamtzahl der Insolvenzen 83.195 Fälle, das waren 4,3 % weniger als von Januar bis September 2017.

Im Baugewerbe gab es von Januar bis September 2018 mit 2.555 Fällen die meisten Unternehmensinsolvenzen. 2.525 Insolvenzanträge stellten Unternehmen des Wirtschaftsbereichs Handel (einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen). Im Gastgewerbe wurden 1.714 und im Wirtschaftsbereich Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen 1.503 Insolvenzanträge gemeldet.

Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger aus beantragten Unternehmensinsolvenzen bezifferten die Amtsgerichte für den Zeitraum Januar bis September 2018 auf rund 17,6 Milliarden Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatten sie bei rund 17,9 Milliarden Euro gelegen.

Im September 2018 wurden 1.490 Insolvenzen von Unternehmen (-8,1 % gegenüber September 2017) und 5.212 Insolvenzen von Verbrauchern (-6,6 %) gemeldet. Insgesamt registrierten die Gerichte 8.307 Insolvenzen, das waren 8,6 % weniger als im September 2017.

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Deutsche Exporte im Oktober 2018: +8,5 % zum Oktober 2017

Im Oktober 2018 wurden von Deutschland Waren im Wert von 117,2 Mrd. Euro exportiert und Waren im Wert von 98,9 Mrd. Euro importiert. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Ergebnisse mitteilt, waren damit die deutschen Exporte im Oktober 2018 um 8,5 % und die Importe um 11,3 % höher als im Oktober 2017.

Außenhandel

Deutsche Exporte im Oktober 2018: +8,5 % zum Oktober 2017

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 10.12.2018

Exporte, Oktober 2018

  • 117,2 Milliarden Euro
  • +0,7 % zum Vormonat (kalender- und saisonbereinigt)
  • +8,5 % zum Vorjahresmonat

Importe, Oktober 2018

  • 98,9 Milliarden Euro
  • +1,3 % zum Vormonat (kalender- und saisonbereinigt)
  • +11,3 % zum Vorjahresmonat

Außenhandelsbilanz, Oktober 2018

  • 18,3 Milliarden Euro
  • 17,3 Milliarden Euro (kalender- und saisonbereinigt)

Leistungsbilanz der Deutschen Bundesbank, Oktober 2018

  • 15,9 Milliarden Euro

Im Oktober 2018 wurden von Deutschland Waren im Wert von 117,2 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 98,9 Milliarden Euro importiert. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Ergebnisse weiter mitteilt, waren damit die deutschen Exporte im Oktober 2018 um 8,5 % und die Importe um 11,3 % höher als im Oktober 2017. Kalender- und saisonbereinigt nahmen die Exporte gegenüber dem Vormonat September 2018 um 0,7 % zu, die Importe stiegen um 1,3 %.

Die Außenhandelsbilanz schloss im Oktober 2018 mit einem Überschuss von 18,3 Milliarden Euro ab. Im Oktober 2017 hatte der Saldo in der Außenhandelsbilanz +19,1 Milliarden Euro betragen. Kalender- und saisonbereinigt lag der Außenhandelsbilanzüberschuss im Oktober 2018 bei 17,3 Milliarden Euro.

Unter Berücksichtigung der Salden für Warenhandel einschließlich Ergänzungen zum Außenhandel (+19,2 Milliarden Euro), Dienstleistungen (-3,5 Milliarden Euro), Primäreinkommen (+6,7 Milliarden Euro) und Sekundäreinkommen (-6,4 Milliarden Euro) schloss – nach vorläufigen Berechnungen der Deutschen Bundesbank – die Leistungsbilanz im Oktober 2018 mit einem Überschuss von 15,9 Milliarden Euro ab. Im Oktober 2017 hatte die deutsche Leistungsbilanz einen Aktivsaldo von 19,5 Milliarden Euro ausgewiesen.

In die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) wurden im Oktober 2018 Waren im Wert von 69,8 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 55,1 Milliarden Euro von dort importiert. Gegenüber Oktober 2017 stiegen die Exporte in die EU-Länder um 8,1 % und die Importe aus diesen Ländern um 7,5 %. In die Länder der Eurozone wurden im Oktober 2018 Waren im Wert von 44,0 Milliarden Euro (+8,9 %) geliefert und Waren im Wert von 35,3 Milliarden Euro (+7,1 %) aus diesen Ländern bezogen. In die EU-Länder, die nicht der Eurozone angehören, wurden im Oktober 2018 Waren im Wert von 25,8 Milliarden Euro (+6,9 %) exportiert und Waren im Wert von 19,7 Milliarden Euro (+8,3 %) von dort importiert.

In die Länder außerhalb der Europäischen Union (Drittländer) wurden im Oktober 2018 Waren im Wert von 47,4 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 43,8 Milliarden Euro aus diesen Ländern importiert. Gegenüber Oktober 2017 nahmen die Exporte in die Drittländer um 9,2 % zu, die Importe von dort stiegen um 16,4 %.

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Was die Bundesländer alles für Startups tun

Get Started, die Startup-Initiative des Bitkom, hat deshalb erstmals eine umfassende Übersicht über die staatlichen Startup-Programme aller Bundesländer erstellt.

Startup-Initiativen

Was die Bundesländer alles für Startups tun

Bitkom, Pressemitteilung vom 07.12.2018

  • Bitkom veröffentlicht Übersicht über Startup-Initiativen der Bundesländer
  • Interaktive Landkarte zeigt erstmals alle Finanzierungs- und Beratungsangebote

Von wem gibt es finanzielle Unterstützung für mein Startup? Wer berät Gründer über die besten Fördermöglichkeiten? Wo kann ich mich mit anderen Startups oder mit etablierten Unternehmen aus der Umgebung vernetzen? Vor diesen Fragen stehen fast alle Gründer. Get Started, die Startup-Initiative des Bitkom, hat deshalb erstmals eine umfassende Übersicht über die staatlichen Startup-Programme aller Bundesländer erstellt, die online unter www.startup-land.de aufrufbar ist. „Ob Silicon Valley, Berlin oder London: Startup-Ökosysteme sind regional begrenzt. Neben der Bundes- und EU-Ebene sind deshalb insbesondere die Rahmenbedingungen auf Bundesländerebene für Startups entscheidend. Das regionale Netzwerk an Talenten, Unternehmen, Mentoren, Forschungseinrichtungen und Kapital ist der Nährboden, auf dem erfolgreiche und innovative Gründungen entstehen“, sagt Patrick Hansen, Referent Startups beim Bitkom. „Die Rahmenbedingungen auf Bundesländerebene sind für Startups deshalb ebenso wichtig wie die EU- und Bundesebene.“

Die meisten Landesregierungen haben inzwischen erkannt, dass nicht nur Startups von großer Bedeutung für den Wirtschaftsstandort sind, sondern umgekehrt auch die Landespolitik bedeutend für den Erfolg der Startups sein kann. Die Folge ist eine Vielzahl von Förderprogrammen für die Gründerszene, die von Beteiligungsfonds über Vernetzungsangeboten bis zu Gründerstipendien reichen. Die Übersicht unter www.startup-land.de stellt für jedes Bundesland sowohl die Finanzierungs-Programme als auch sonstige Beratungs- und Vernetzungsangebote vor. Abrufbar sind die Informationen, die mit Unterstützung der Wirtschaftsministerien der Bundesländer zusammengestellt wurden, über eine interaktive Landkarte. Die Karte bietet dabei nicht nur Startups die Möglichkeit, sich über Finanzierungs-, Beratungs- und Vernetzungsangebote in ihrem oder in anderen Bundesländern zu informieren. Auch die Landesregierungen haben so die Möglichkeit, ihr Angebot mit dem anderer Bundesländer zu vergleichen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. „Die öffentliche Unterstützungslandschaft für Startups ist stark fragmentiert und dadurch auch unübersichtlich, gerade auf regionaler Ebene“, so Hansen. „Fast die Hälfte aller Gründer, die keine staatliche Förderung in Betracht ziehen, gibt an, keinen Überblick über passende Förderprogramme zu haben. Mit Startup-Land bieten wir zumindest auf Länderebene erstmal für den richtigen Durchblick.“

Get Started setzt sich auch auf Bundesländerebene für bessere Rahmenbedingungen für Startups ein. Im Vordergrund stehen dabei vor allem die Verbesserung der Finanzierungsmöglichkeiten junger Wachstumsunternehmen, der Bürokratieabbau bei Unternehmensgründungen sowie die Stärkung des Ökosystems für Startups. Mehrmals im Jahr veranstaltet die Startup-Initiative des Bitkoms beispielsweise politische Gründerfrühstücke mit Ministerpräsidenten, die den Dialog zwischen Gründern und der Politik fördern sollen. Zudem werden regelmäßig Wahlprüfsteine zu Landtagswahlen veröffentlicht. Get Started setzt sich darüber hinaus auf allen Ebenen – in den Ländern, im Bund und in der EU – für die Interessen der Gründerszene ein und bietet Plattformen, die gezielt den Austausch zwischen Politik und Startups fördern.

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Entwicklung der Produktion im Produzierenden Gewerbe im Oktober 2018

Wie das BMWi mitteilt, ist die Produktion im Produzierenden Gewerbe nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Oktober im Vergleich zum Vormonat um 0,5 % zurückgegangen.

Entwicklung der Produktion im Produzierenden Gewerbe im Oktober 2018

BMWi, Pressemitteilung vom 07.12.2018

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Produktion im Produzierenden Gewerbe im Oktober im Vergleich zum Vormonat um 0,5 % zurückgegangen. Die Industrieproduktion schwächte sich um 0,4 % und die Bauproduktion um 0,3 % ab. Innerhalb der Industrie standen Zuwächse von 0,3 % bzw. 0,2 % in den Bereichen der Investitions- und Vorleistungsgüter einer Abschwächung bei den Konsumgütern um 3,2 % gegenüber. Die Produktion in der Kfz-Industrie wurde nach einer starken Erholung im September um 0,5 % eingeschränkt.

Im Zweimonatsvergleich ergab sich im Zeitraum September/Oktober gegenüber Juli/August ein leichtes Plus der Produktion im Produzierenden Gewerbe von 0,1 %. Während die Industrieproduktion stagnierte, gab es im Baugewerbe eine kräftige Zunahme von 2,2 %.

Die Industrieproduktion ist schwach ins vierte Quartal gestartet. Der Rückgang der Produktion in der Kfz-Industrie deutet darauf hin, dass sich die Probleme mit der Umstellung auf den neuen Testzyklus (WLTP) erst allmählich auflösen. Starke Auftragseingänge in der Automobilindustrie und eine größere Vielfalt von nach der neuen Norm zugelassenen Pkw-Typen deuten aber darauf hin, dass das Expansionstempo der deutschen Industrie im Verlauf des Jahresendquartals wieder Fahrt aufnehmen wird.

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Herbstblues im Mittelstand

Die Stimmung der deutschen Mittelständler kühlt lt. KfW im November merklich ab, nachdem sie sich im Oktober noch überraschend stabil präsentiert hatte. Damit vollziehen die kleinen und mittleren Unternehmen mit einem Monat Verzögerung – und in gedämpftem Ausmaß – den vor allem erwartungsgetriebenen, kräftigen Geschäftsklimaverfall bei den Großunternehmen nach, die sich ihrerseits im November wieder geringfügig erholt haben.

Herbstblues im Mittelstand

KfW, Pressemitteilung vom 03.12.2018

  • Mittelständisches Geschäftsklima gibt auf hohem Niveau spürbar nach
  • Lageurteile trotz Rückgangs weiterhin sehr gut, Erwartungen weniger optimistisch
  • Zaghafte Stimmungsaufhellung bei Großunternehmen
  • Deutscher Aufschwung geht unaufgeregt weiter

Die Stimmung der deutschen Mittelständler kühlt im November merklich ab, nachdem sie sich im Oktober noch überraschend stabil präsentiert hatte. Damit vollziehen die kleinen und mittleren Unternehmen mit einem Monat Verzögerung – und in gedämpftem Ausmaß – den vor allem erwartungsgetriebenen, kräftigen Geschäftsklimaverfall bei den Großunternehmen nach, die sich ihrerseits im November wieder geringfügig erholt haben. Konkret fällt das Geschäftsklima im Mittelstand um 3,4 Zähler auf jetzt 14,5 Saldenpunkte, wie das aktuelle KfW-ifo-Mittelstandsbarometer anzeigt.

Im langfristigen Vergleich ist dies noch immer ein sehr gutes Ergebnis, vor allem dank der Lagekomponente: Zwar beurteilen die Mittelständler ihre aktuelle Geschäftslage um 2,6 Zähler schlechter als im Oktober. Das aktuelle Niveau von 26,5 Saldenpunkten zählt aber noch immer zu den Top-10-Prozent der Lageurteile seit Beginn der Zeitreihe im Januar 2005. Die Geschäftserwartungen der Mittelständler fallen um deutliche 4,0 Zähler, halten sich aber mit 3,4 Saldenpunkten nach wie vor klar oberhalb der Nulllinie, die dem langfristigen Durchschnitt entspricht.

Bei den Großunternehmen zeigt das Geschäftsklima im November zaghafte Ansätze einer Erholung, nachdem es im Vormonat deutlich nach unten gerauscht war. Die Lageurteile verbessern sich minimal um 0,2 Zähler auf 16,9 Saldenpunkte. Gleichzeitig hellen sich die Erwartungen um bescheidene 0,6 Zähler auf nun -1,4 Saldenpunkte auf. Insgesamt zieht das Geschäftsklima der großen Firmen dadurch geringfügig um 0,4 Zähler auf 7,3 Saldenpunkte an. Das ist an sich kein schlechtes Resultat, aber deutlich weniger als im Mittelstand. An der weit geöffneten Stimmungsschere, die sich seit dem vergangenen Frühling zulasten der großen exportorientierten Unternehmen aufgetan hat, wird deutlich, dass es die etwas ins Stottern geratene Weltkonjunktur und vor allem die zahlreichen internationalen Unwägbarkeiten wie US-Protektionismus, Brexit und der Haushaltsstreit Italiens mit der EU sind, die zurzeit die wirtschaftliche Entwicklung belasten. Die Großunternehmen mit ihrer stärkeren Ausrichtung auf ausländische Märkte sind hier besonders sensitiv und spüren solche Einflüsse frühzeitig. Die Mittelständler, die häufig eher indirekt über Liefer- und Leistungsverflechtungen sowie über Nachfrageeffekte von außenwirtschaftlichen Entwicklungen betroffen sind, regieren mit entsprechender Verzögerung.

„Der gegenüber den großen Firmen leicht verzögert im Herbst einsetzende Blues im Mittelstand mag für die Jahreszeit typisch sein. Als Vorbote eines langen und frostigen Konjunkturwinters taugt er jedoch nicht“, sagt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW. Dafür seien die Niveaus nahezu aller Indikatoren des KfW-ifo-Mittelstandsbarometers viel zu gut und auch andere harte monatliche Konjunkturindikatoren wie die Auftragseingänge in der Industrie und die Autoproduktion starteten mit Rückenwind in das vierte Quartal. „Die fetten Jahre mit Realwachstumsraten von 2 % oder mehr wie noch 2017 sind zwar erst einmal vorbei. Deutschland dürfte aber noch immer im Tempo seines Wachstumspotenzials und somit ziemlich unaufgeregt weiter wachsen – zumindest wenn die vielen Risiken im europäischen und internationalen Umfeld halbwegs beherrschbar bleiben.“ KfW Research prognostiziert für das laufende Jahr und auch für 2019 ein Wirtschaftswachstum von 1,6 %.

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Entwicklung der Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe im Oktober 2018

Wie das BMWi mitteilt, haben sich die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Oktober gegenüber dem Vormonat um 0,3 % erhöht. Die Bestellungen aus dem Ausland und insbesondere dem Euroraum sind deutlich um 2,9 % bzw. 7,3 % gestiegen.

Entwicklung der Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe im Oktober 2018

BMWi, Pressemitteilung vom 06.12.2018

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben sich die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe im Oktober gegenüber dem Vormonat um 0,3 % erhöht. Die Bestellungen aus dem Ausland und insbesondere dem Euroraum sind deutlich um 2,9 % bzw. 7,3 % gestiegen. Bei den Aufträgen aus dem Inland kam es zu einem Rückgang von 3,2 %. Der Anteil an Großaufträgen war in etwa durchschnittlich.

Im Zweimonatsvergleich September/Oktober gegenüber Juli/August ergab sich ein Orderplus von 1,4 %. Zuwächse wurden bei den Investitionsgütern (+2,9 %) und den Konsumgütern (+1,4 %) gemeldet. Vorleistungsproduzenten verzeichneten einen Rückgang von 1,0 %. Während sich die Bestellungen im Verarbeitenden Gewerbe aus dem Inland nahezu unverändert zeigten (+0,1 %), stiegen die Aufträge aus dem Ausland (+2,2 %) vor allem aufgrund der Orders aus dem Euroraum (+4,8 %) deutlich an.

Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe haben sich nun drei Monate in Folge erholt. Der Sondereffekt der WLTP-Problematik in der Automobilindustrie ist allerdings auch zu Beginn des vierten Quartals noch deutlich spürbar. Es sind aber Fortschritte erkennbar. Die Auftragseingänge in der Kfz-Industrie haben sich seit ihrem Tiefpunkt im Juli merklich belebt und der Zulassungsstau löst sich allmählich auf.

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