Konjunkturerwartungen nahezu unverändert

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland sind im November 2018 um 0,6 Punkte auf einen neuen Wert von minus 24,1 Punkten angestiegen. Die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage für Deutschland hat sich im November ganz erheblich verschlechtert.

Konjunkturerwartungen nahezu unverändert

ZEW, Pressemitteilung vom 13.11.2018

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland sind im November 2018 um 0,6 Punkte auf einen neuen Wert von minus 24,1 Punkten angestiegen. Der Indikator hat sich damit zwar geringfügig verbessert, befindet sich aber nach wie vor sehr deutlich im negativen Bereich und unterhalb seines langfristigen Durchschnitts von 22,7 Punkten. Die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage für Deutschland hat sich im November ganz erheblich verschlechtert. Sie fällt um 11,9 Punkte auf einen aktuellen Wert von 58,2 Punkten.

„Die Verläufe von Industrieproduktion, Einzelhandelsumsätzen und Außenhandel deuten auf eine schwache Entwicklung der deutschen Wirtschaft im dritten Quartal hin. Dies spiegelt sich im Rückgang der Lageeinschätzung wider. Die Erwartungen der Teilnehmer/innen unserer Umfrage für die kommenden sechs Monate zeigen keine Verbesserung an. Sie gehen damit derzeit nicht von einer schnellen Korrektur der schwächeren Wirtschaftsentwicklung aus“, kommentiert ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach, Ph.D.

Die Erwartungen der Finanzmarktexperten/-innen an die Konjunkturentwicklung in der Eurozone sinken um 2,6 Punkte auf einen neuen Wert von minus 22,0 Punkten. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Eurogebiet bricht um 13,8 Punkte ein. Der aktuelle Wert der Lageeinschätzung beträgt damit nur noch 18,2 Punkte. Für das Eurogebiet ergibt sich daraus eine noch stärkere Verschlechterung des Ausblicks als für Deutschland.

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Bruttoinlandsprodukt im 3. Quartal 2018 um 0,2 % gegenüber dem Vorquartal gesunken

Die deutsche Wirtschaft ist im 3. Quartal 2018 zum ersten Mal seit dreieinhalb Jahren wieder geschrumpft. Belastet von schwächelnden Exporten und sinkenden Konsumausgaben der Verbraucher verringerte sich das BIP gegenüber dem 2. Quartal 2018 um 0,2 %, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Bruttoinlandsprodukt im 3. Quartal 2018 um 0,2 % gegenüber dem Vorquartal gesunken

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 14.11.2018

Bruttoinlandsprodukt, 3. Quartal 2018

  • -0,2 % zum Vorquartal (preis-, saison- und kalenderbereinigt)
  • +1,1 % zum Vorjahresquartal (preisbereinigt)
  • +1,1 % zum Vorjahresquartal (preis- und kalenderbereinigt)

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im dritten Quartal 2018 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – um 0,2 % niedriger als im zweiten Quartal 2018, teilt das Statistische Bundesamt mit. Das ist im Vorquartalsvergleich der erste Rückgang seit dem ersten Quartal 2015. In der ersten Jahreshälfte 2018 war das BIP gestiegen, und zwar um 0,5 % im zweiten und 0,4 % im ersten Quartal.

Der leichte Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im Vorquartalsvergleich war vor allem auf die außenwirtschaftliche Entwicklung zurückzuführen: Nach vorläufigen Berechnungen gab es im dritten Quartal 2018 weniger Exporte, aber mehr Importe als im zweiten Quartal des Jahres. Aus dem Inland kamen gemischte Signale: Während sowohl in Ausrüstungen als auch in Bauten mehr investiert wurde als im Vorquartal, gingen die privaten Konsumausgaben zurück. Die staatlichen Konsumausgaben lagen leicht über dem Niveau des Vorquartals.

Im Vorjahresvergleich war das preisbereinigte BIP im dritten Quartal 2018 um 1,1 % höher (kalenderbereinigt: 1,1 %), nach 2,3 % im zweiten (kalenderbereinigt: 2,0 %) und 1,4 % im ersten Quartal 2018 (kalenderbereinigt: 2,1 %).

Die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal 2018 wurde von 45,0 Millionen Erwerbstätigen mit Arbeitsort im Inland erbracht, das waren 556.000 Personen oder 1,3 % mehr als ein Jahr zuvor.

Neben der Erstberechnung des dritten Quartals 2018 wurden auch die bisher veröffentlichten Ergebnisse des ersten und zweiten Quartals 2018 überarbeitet und, soweit erforderlich, neu verfügbare statistische Informationen in die Berechnungen der Ergebnisse einbezogen. Dabei ergaben sich für das Bruttoinlandsprodukt im ersten und zweiten Quartal 2018 keine Korrekturen der bisherigen Ergebnisse. Dennoch kann es, wie üblich bei saison- und kalenderbereinigten Reihen, zu geänderten Ergebnissen in der gesamten Zeitreihe ab 1991 kommen.

Ausführlichere Ergebnisse gibt das Statistische Bundesamt am 23. November 2018 bekannt.

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Verbraucherpreise Oktober 2018: +2,5 % gegenüber Oktober 2017

Die Verbraucherpreise in Deutschland lagen im Oktober 2018 um 2,5 % höher als im Oktober 2017. Damit zog die Inflationsrate – gemessen am Verbraucherpreisindex – weiter an. Das Statistische Bundesamt bestätigt somit seine vorläufigen Gesamtergebnisse vom 30.10.2018. Eine höhere Inflationsrate hatte es zuletzt vor gut zehn Jahren gegeben (September 2008: +2,8 %).

Verbraucherpreise Oktober 2018: +2,5 % gegenüber Oktober 2017

Teure Mineralölprodukte sorgen für Anstieg der Inflationsrate

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 13.11.2018

Verbraucherpreisindex, Oktober 2018

  • +2,5 % zum Vorjahresmonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)
  • +0,2 % zum Vormonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)

Harmonisierter Verbraucherpreisindex, Oktober 2018

  • +2,4 % zum Vorjahresmonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)
  • +0,1 % zum Vormonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)

Die Verbraucherpreise in Deutschland lagen im Oktober 2018 um 2,5 % höher als im Oktober 2017. Damit zog die Inflationsrate – gemessen am Verbraucherpreisindex – weiter an. Eine höhere Inflationsrate hatte es zuletzt vor gut zehn Jahren gegeben (September 2008: +2,8 %). Im Vergleich zum Vormonat September 2018 stieg der Verbraucherpreisindex im Oktober 2018 um 0,2 %.

Maßgeblich beeinflusst wurde die Inflationsrate – wie in den Vormonaten – durch den Preisanstieg bei Energieprodukten. Die Energiepreise lagen im Oktober 2018 um 8,9 % höher als im Oktober 2017. Der Preisanstieg bei Energie hat sich damit erneut verstärkt, im Vormonat September hatte die Teuerungsrate für Energie bei +7,7 % gelegen. Von Oktober 2017 bis Oktober 2018 verteuerten sich vor allem leichtes Heizöl (+39,9 %) und Kraftstoffe (+14,8 %). Die Preisentwicklung bei den anderen Energieprodukten fiel deutlich schwächer aus (zum Beispiel Umlagen von Zentralheizung und Fernwärme: +2,9 %; Strom: +1,0 %; Gas: -1,4 %). Ohne Berücksichtigung der Preise für Energie hätte die Inflationsrate im Oktober 2018 bei +1,7 % gelegen, ohne Berücksichtigung der Mineralölprodukte ebenfalls bei +1,7 %.

Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich von Oktober 2017 bis Oktober 2018 um 1,9 %. Der Preisanstieg hat sich damit im Oktober 2018 deutlich abgeschwächt (September 2018: +2,8 %). Ursache für diese Abschwächung sind auch die vergleichsweise hohen Nahrungsmittelpreise vor einem Jahr. Binnen Jahresfrist gingen im Oktober 2018 die Preise für Speisefette und Speiseöle (-2,6 %) sowie für Obst (-2,4 %) zurück. Hingegen war Gemüse (+9,3 %) erheblich teurer als ein Jahr zuvor. Auch für Molkereiprodukte und Eier (+3,1 %) sowie Fisch und Fischwaren (+2,7 %) mussten die Verbraucherinnen und Verbraucher mehr bezahlen.

Die Preise für Waren insgesamt erhöhten sich im Oktober 2018 gegenüber dem Vorjahr um 3,2 %, maßgeblich bestimmt durch den Preisanstieg bei Energie (+8,9 %). Auch andere Waren verteuerten sich binnen Jahresfrist deutlich, zum Beispiel Bier (+4,9 %), Zeitungen und Zeitschriften (+4,2 %) sowie Mineralwasser, Limonaden und Säfte (+3,8 %). Günstiger für die Verbraucherinnen und Verbraucher wurden unter anderem Geräte der Unterhaltungselektronik (-4,7 %) und Telefone (-3,3 %).

Im Vergleich zu den Preisen für Waren erhöhten sich im Oktober 2018 die Preise für Dienstleistungen insgesamt mit +1,8 % gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich schwächer. Die Preisentwicklung für Dienstleistungen wirkte somit dämpfend auf die Inflationsrate. Bedeutsam für die Preiserhöhung bei Dienstleistungen waren die Nettokaltmieten (+1,6 %), da private Haushalte einen großen Teil ihrer Konsumausgaben dafür aufwenden. Stärker verteuerten sich zum Beispiel Pauschalreisen (+7,1 %), Sport- und Erholungsdienstleistungen (+3,2 %) sowie Wartung und Reparatur von Fahrzeugen (+2,8 %). Günstiger waren hingegen Bildungsdienstleistungen des Elementar- und Primarbereichs (-11,9 %), insbesondere durch den Wegfall der Kinderbetreuungskosten in einigen Bundesländern. Preisrückgänge gegenüber Oktober 2017 gab es auch bei Flugtickets (-2,3 %) und Telekommunikationsdienstleistungen (-0,7 %).

Veränderung im Oktober 2018 gegenüber dem Vormonat September 2018

Im Vergleich zum September 2018 stieg der Verbraucherpreisindex im Oktober 2018 um 0,2 %. Preiserhöhungen im Vormonatsvergleich gab es zum Beispiel bei Schuhen und Schuhzubehör (+1,8 %) sowie Bekleidungsartikeln (+1,2 %). Zudem stiegen im Oktober 2018 die Preise für Energie insgesamt um 1,0 % gegenüber September 2018, insbesondere wurden Mineralölprodukte teurer (+1,8 %, davon leichtes Heizöl: +5,4 %; Kraftstoffe: +0,7 %).

Hingegen gingen die Preise für Nahrungsmittel insgesamt im Oktober 2018 gegenüber dem Vormonat leicht zurück (-0,2 %). Binnen Monatsfrist wurden vor allem Obst (-2,6 %, darunter Äpfel: -14,5 %; Zitrusfrüchte: -6,3 %) sowie Speisefette und Speiseöle (-1,1 %, darunter Butter: -2,1 %) günstiger. Saisonbedingte Preisrückgänge im Vormonatsvergleich gab es zudem bei Pauschalreisen (-3,6 %).

Harmonisierter Verbraucherpreisindex für Deutschland

Der für europäische Zwecke berechnete Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) für Deutschland lag im Oktober 2018 um 2,4 % über dem Stand von Oktober 2017. Im Vergleich zum September 2018 stieg der HVPI im Oktober 2018 um 0,1 %. Die vorläufigen Ergebnisse für den HVPI vom 30. Oktober 2018 wurden damit bestätigt.

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Unternehmensbefragung zur Bürokratiewahrnehmung

Viele Führungskräfte und Unternehmer klagen über die bürokratischen Belastungen, die den Unternehmen aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Pflichten entstehen. Dagegen zeigt das Statistische Bundesamt auf, dass der Bürokratiekostenindex seit 2012 tendenziell sinkt. Das IfM Bonn untersucht daher aktuell mit Hilfe einer großangelegten Unternehmensbefragung die Hintergründe dieser Divergenz.

Unternehmensbefragung zur Bürokratiewahrnehmung

IfM Bonn, Pressemitteilung vom 12.11.2018

Viele Führungskräfte und Unternehmer klagen über die bürokratischen Belastungen, die den Unternehmen aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Pflichten entstehen. Insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen verweisen zudem auf den zeitlichen Aufwand, der mit der Erfüllung bürokratiebedingter Aufgaben verbunden ist. Dagegen zeigt das Statistische Bundesamt auf, dass der Bürokratiekostenindex seit 2012 tendenziell sinkt.

Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn untersucht daher aktuell mit Hilfe einer großangelegten Unternehmensbefragung die Hintergründe dieser Divergenz. An der anonymen Online-Umfrage können bis 31. Dezember 2018 Vertreter von mittelständischen und nichtmittelständischen Unternehmen aller Betriebsgrößen teilnehmen. „Unser Ziel ist es, diejenigen Bereiche zu identifizieren, in denen bürokratische Aufgaben als belastend empfunden werden. Auf der Basis der Befragungsergebnisse werden wir dann Handlungsempfehlungen für die Entscheidungsträger in der Politik erstellen. Auf diese Weise möchten wir dazu beitragen, dass die Rahmenbedingungen für die Unternehmen in Deutschland – und insbesondere für den Mittelstand – optimiert werden“, erläutert Projektleiterin Dr. Annette Icks.

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August 2018: 5,6 % weniger Unternehmensinsolvenzen als im August 2017

Im August 2018 meldeten die deutschen Amtsgerichte 1.616 Unternehmensinsolvenzen. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 5,6 % weniger als im August 2017.

August 2018: 5,6 % weniger Unternehmensinsolvenzen als im August 2017

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 13.11.2018

Im August 2018 meldeten die deutschen Amtsgerichte 1.616 Unternehmensinsolvenzen. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 5,6 % weniger als im August 2017.

Im Wirtschaftsbereich Handel (einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen) gab es im August 2018 mit 273 Fällen die meisten Unternehmensinsolvenzen. 267 Insolvenzanträge stellten Unternehmen des Baugewerbes. Im Gastgewerbe wurden 182 und im Bereich der sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen 175 Insolvenzanträge gemeldet.

Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger aus beantragten Unternehmensinsolvenzen bezifferten die Amtsgerichte für August 2018 auf rund 2,3 Milliarden Euro. Im August 2017 hatten sie bei 4,5 Milliarden Euro gelegen.

Zusätzlich zu den Unternehmensinsolvenzen meldeten 7.636 übrige Schuldner im August 2018 Insolvenz an (-7,3 % gegenüber dem Vorjahresmonat). Darunter waren 5.716 Insolvenzanträge von Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie 1.570 Insolvenzanträge von ehemals selbständig Tätigen, die ein Regel- bzw. ein Verbraucherinsolvenzverfahren durchlaufen.

Auf Basis der bisherigen Entwicklung rechnet das Statistische Bundesamt für das gesamte Jahr 2018 mit rund 19.800 Unternehmensinsolvenzen (2017: 20.093). Das wäre die niedrigste Zahl seit Einführung der Insolvenzordnung im Jahr 1999. Weiterhin werden rund 69 000 Verbraucherinsolvenzen (2017: 71.896) für das Jahr 2018 erwartet. Die Gesamtzahl der Insolvenzen für das Jahr 2018 wird voraussichtlich bei rund 112.400 Fällen liegen (2017: 115.632).

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Starker US-Dollar bremst die Rohstoffpreise

Im Oktober verzeichnete der HWWI-Rohstoffpreisindex erneut einen Anstieg, wobei er bereits im September deutlich gestiegen war. Der HWWI-Gesamtindex stieg um 1,6 % (in Euro: +3,1 %). Starke Preiserhöhungen konnten bei den Genussmitteln verzeichnet werden. Am stärksten stieg mit 5,0 % (in Euro: 6,6 %) der Teilindex für Nahrungs- und Genussmittel.

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Anhaltendes, aber weniger dynamisches Wachstum bei hoher Unsicherheit

Nachdem das Wachstum im Euroraum im Jahr 2017 mit 2,4 Prozent den höchsten Stand seit 10 Jahren erreicht hatte, dürfte es sich den Prognosen zufolge im Jahr 2018 auf 2,1 Prozent abschwächen und sich 2019 und 2020 mit 1,9 Prozent bzw. 1,7 Prozent weiter verlangsamen. Diese Zahlen hat die EU-Kommission im Rahmen ihrer Herbstprognose bekanntgegeben. Für Deutschland erwartet die Kommission 2018 ein Wachstum von 1,7 Prozent, im kommenden Jahr sind es 1,8 Prozent.

Herbstprognose 2018

Anhaltendes, aber weniger dynamisches Wachstum bei hoher Unsicherheit

EU-Kommission, Pressemitteilung vom 08.11.2018

Nachdem das Wachstum im Euroraum im Jahr 2017 mit 2,4 Prozent den höchsten Stand seit 10 Jahren erreicht hatte, dürfte es sich den Prognosen zufolge im Jahr 2018 auf 2,1 Prozent abschwächen und sich 2019 und 2020 mit 1,9 Prozent bzw. 1,7 Prozent weiter verlangsamen. Diese Zahlen hat die Europäische Kommission am 08.11.2018 im Rahmen ihrer Herbstprognose bekanntgegeben. Für Deutschland erwartet die Kommission 2018 ein Wachstum von 1,7 Prozent, im kommenden Jahr sind es 1,8 Prozent.Die außergewöhnlich günstige globale Lage im vergangenen Jahr hat die starke Wirtschafts- und Investitionsleistung in der EU und im Euroraum begünstigt. Trotz eines mit stärkeren Unsicherheiten behafteten Umfelds wird davon ausgegangen, dass aufgrund der Stärke des Binnenkonsums und der Investitionstätigkeit alle Mitgliedstaaten weiter wachsen werden, wenn auch langsamer. Kommt es nicht zu größeren Schocks, sollte Europa in der Lage sein, weiterhin ein über dem Potenzialwachstum liegendes Wirtschaftswachstum, einen kräftigen Zuwachs an Arbeitsplätzen und sinkende Arbeitslosenzahlen zu gewährleisten. Dieses Basisszenario ist jedoch einer zunehmenden Anzahl miteinander verbundener Abwärtsrisiken ausgesetzt.

Valdis Dombrovskis, Vizepräsident für den Euro und den sozialen Dialog, außerdem zuständig für Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und die Kapitalmarktunion, erklärte: „Alle Volkswirtschaften in der EU werden in diesem und im nächsten Jahr aller Voraussicht nach Wachstum verzeichnen, und das schafft weitere Arbeitsplätze. Allerdings nehmen sowohl die externen als auch die internen Unsicherheiten und Risiken zu und schlagen sich allmählich auf das Wirtschaftswachstum nieder. Wir müssen wachsam bleiben und mehr dafür tun, dass unsere Volkswirtschaften noch widerstandsfähiger werden. Auf EU-Ebene bedeutet dies, dass wir konkrete Beschlüsse über die weitere Konsolidierung unserer Wirtschafts- und Währungsunion fassen müssen. Auf nationaler Ebene ist es jetzt umso wichtiger, Haushaltspolster aufzubauen und die Schulden abzubauen. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass die Vorteile des Wachstums auch den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft zugutekommen.“

Pierre Moscovici, EU-Kommissar für Wirtschafts- und Finanzangelegenheiten, Steuern und Zoll, ergänzte: „Die europäische Wirtschaft hält sich wacker, und das Wachstum lässt nur langsam nach. Wir rechnen damit, dass sich diese Entwicklung in den nächsten zwei Jahren fortsetzen wird, da die Arbeitslosigkeit weiter rückläufig ist und ein Niveau erreicht hat, das es seit der Krise nicht mehr gegeben hat. Die öffentlichen Schulden im Euroraum dürften weiter zurückgehen und das Defizit wird wohl deutlich unter 1 Prozent des BIP verbleiben. In einem zunehmend unberechenbaren internationalen Umfeld müssen die politischen Entscheidungsträger in Brüssel und den nationalen Hauptstädten mit ihrer Arbeit dafür sorgen, dass der Euroraum stark genug aufgestellt ist, um mit sämtlichen künftigen Szenarien umgehen zu können.“

Binnennachfrage als Wachstumstreiber

Die zunehmende globale Unsicherheit, die internationalen Handelsspannungen und die höheren Ölpreise werden sich wachstumshemmend auf Europa auswirken. Nach Jahren des soliden Beschäftigungswachstums könnten auch die Aussichten auf nachlassende Verbesserungen am Arbeitsmarkt und zunehmende Probleme auf der Angebotsseite in einigen Mitgliedstaaten diese wachstumshemmende Wirkung noch verstärken. Wachstumsimpulse werden wohl zunehmend von innen kommen: Der private Verbrauch dürfte von einem stärkeren Lohnwachstum und steuerlichen Maßnahmen in einigen Mitgliedstaaten profitieren. Auch die Finanzierungsbedingungen und die hohe Kapazitätsauslastung dürften weiterhin investitionsfördernd wirken. Zum ersten Mal seit 2007 wird im Jahr 2019 mit einem Anstieg der Investitionen in allen Mitgliedstaaten gerechnet.

Arbeitslosigkeit weiter rückläufig

Die Lage am Arbeitsmarkt hat sich in der ersten Jahreshälfte 2018 weiter verbessert. So blieb das Beschäftigungswachstum trotz einer Abkühlung des Wirtschaftswachstums konstant. Die Arbeitslosenquote im Euroraum dürfte in diesem Jahr auf 8,4 Prozent und in den Jahren 2019 und 2020 auf 7,9 Prozent bzw. 7,5 Prozent sinken. Für die EU-27 wird in diesem Jahr mit einer Arbeitslosenquote von 7,4 Prozent gerechnet. 2019 dürfte sie auf 7 Prozent und 2020 auf 6,6 Prozent sinken. Dies entspräche der niedrigsten Arbeitslosenquote seit Beginn der Erstellung der monatlichen Datenreihe zur Arbeitslosigkeit im Januar 2000.

Ölpreise heizen Inflation an

Die Gesamtinflation dürfte im Prognosezeitraum nur moderat ansteigen. Im Euroraum wird für die Jahre 2018 und 2019 mit einer Inflation von 1,8 Prozent gerechnet, 2020 dürfte sie sich auf 1,6 Prozent abschwächen.

Die steigenden Ölpreise haben die Inflation in diesem Jahr angeheizt, und auch im ersten Quartal des nächsten Jahres wird weiterhin mit starken positiven Basiseffekten gerechnet. Während die Kerninflation, bei der die Preise für Energie und unverarbeitete Nahrungsmittel ausgeklammert werden, in diesem Jahr bislang relativ moderat war, wird erwartet, dass sie sich 2020 wieder als stärkste Triebkraft der Gesamtinflation erweisen wird, da die Löhne bei einer zunehmend angespannten Lage an den Arbeitsmärkten steigen werden.

Öffentliche Finanzen: sinkende Schuldenstände und ein aggregiertes öffentliches Defizit des Euroraums von unter 1 Prozent

Dank niedrigerer Zinsausgaben wird das gesamtstaatliche Defizit des Euroraums im Verhältnis zum BIP in diesem Jahr voraussichtlich weiter sinken. Mit diesem Rückgang dürfte im nächsten Jahr zum ersten Mal seit 2009 Schluss sein, da der haushaltspolitische Kurs im Jahr 2019 leicht expansive Züge annehmen wird, bevor er 2020 wieder weitgehend neutral wird. Das gesamtstaatliche Defizit des Euroraums wird voraussichtlich von 0,6 Prozent des BIP im Jahr 2018 auf 0,8 Prozent im Jahr 2019 steigen und im Jahr 2020 wieder auf 0,7 Prozent fallen. Für die EU-27 wird das gesamtstaatliche Defizit voraussichtlich von 0,6 Prozent des BIP im Jahr 2018 auf 0,8 Prozent im Jahr 2019 steigen und im Jahr 2020 wieder auf 0,6 Prozent fallen. Insgesamt stellt der Trend nach wie vor eine deutliche Verbesserung gegenüber der Situation von vor zehn Jahren dar. Damals, im Jahr 2009, lag das Defizit im Euroraum bei 6,2 Prozent und für die EU bei 6,6 Prozent.

Unterstützt durch schuldensenkende Primärüberschüsse und ein anhaltendes Wachstum dürften die Schuldenquoten im Euroraum und in fast allen Mitgliedstaaten weiter sinken. Die Schuldenquote des Euroraums dürfte von 86,9 Prozent des BIP im Jahr 2018 auf 84,9 Prozent im Jahr 2019 und auf 82,8 Prozent im Jahr 2020 fallen. 2014 lag sie noch bei 94,2 Prozent. In der EU-27 wird der gesamtstaatliche Schuldenstand voraussichtlich von 80,6 Prozent des BIP im Jahr 2018 auf 78,6 Prozent im Jahr 2019 und 76,7 Prozent im Jahr 2020 schrumpfen.

Zahlreiche korrelierte Risiken und Unsicherheiten trüben die Aussicht

Die Prognose ist mit vielen Unsicherheiten behaftet, und es bestehen zahlreiche miteinander verbundene Abwärtsrisiken. Tritt eines dieser Risiken ein, könnten sich die anderen Risiken ausweiten und größere Kreise ziehen.

Eine Überhitzung der Wirtschaft in den USA, die durch prozyklische Konjunkturmaßnahmen angeheizt wird, könnte dazu führen, dass die Zinsen schneller steigen als erwartet, was zahlreiche negative Spillover-Effekte über die USA hinaus zur Folge hätte, insbesondere auf aufstrebende Märkte, die anfällig für Veränderungen bei den Kapitalströmen sind und Risiken im Zusammenhang mit auf US-Dollar lautenden Krediten ausgesetzt sind. Dies könnte die Spannungen an den Finanzmärkten noch verschärfen. Auch die EU könnte aufgrund ihrer starken Handelsbeziehungen mit den USA und des umfassenden Engagements europäischer Banken in Mitleidenschaft gezogen werden.

Die erwartete Ausweitung des Leistungsbilanzdefizits der USA könnte zudem zu weiteren Handelsspannungen mit China führen. Aufgrund des Umfangs der Unternehmensverschuldung und der finanziellen Anfälligkeit Chinas könnte dies das Risiko einer ungeordneten Anpassung in China erhöhen. Da sich stärkere Handelsspannungen auf Vertrauen und Investitionstätigkeit auswirken und die EU stark in die globalen Wertschöpfungsketten eingebettet ist, würden solche Spannungen auch der EU schaden. Innerhalb der EU könnten Zweifel an der Qualität und Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen in hochverschuldeten Mitgliedstaaten auf die inländischen Bankensektoren übergreifen und dadurch die Finanzstabilität infrage stellen und das Wirtschaftsgeschehen belasten.

Schließlich bestehen nach wie vor Risiken im Zusammenhang mit den Ergebnissen der Brexit-Verhandlungen.

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Deutsche Exporte im September 2018: -1,2 % zum September 2017

Im September 2018 wurden von Deutschland Waren im Wert von 109,1 Mrd. Euro exportiert und Waren im Wert von 90,7 Mrd. Euro importiert. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Ergebnisse mitteilt, waren damit die deutschen Exporte im September 2018 um 1,2 % niedriger und die Importe um 5,3 % höher als im September 2017.

Außenhandel

Deutsche Exporte im September 2018: -1,2 % zum September 2017

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 08.11.2018

Exporte, September 2018

  • 109,1 Milliarden Euro
  • -0,8 % zum Vormonat (kalender- und saisonbereinigt)
  • -1,2 % zum Vorjahresmonat

Importe, September 2018

  • 90,7 Milliarden Euro
  • -0,4 % zum Vormonat (kalender- und saisonbereinigt)
  • +5,3 % zum Vorjahresmonat

Außenhandelsbilanz, September 2018:

  • 18,4 Milliarden Euro
  • 17,6 Milliarden Euro (kalender- und saisonbereinigt)

Leistungsbilanz der Deutschen Bundesbank, September 2018

  • 21,1 Milliarden Euro

Im September 2018 wurden von Deutschland Waren im Wert von 109,1 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 90,7 Milliarden Euro importiert. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Ergebnisse weiter mitteilt, waren damit die deutschen Exporte im September 2018 um 1,2 % niedriger und die Importe um 5,3 % höher als im September 2017. Kalender- und saisonbereinigt nahmen die Exporte gegenüber dem Vormonat August 2018 um 0,8 % ab, die Importe sanken um 0,4 %.

Die Außenhandelsbilanz schloss im September 2018 mit einem Überschuss von 18,4 Milliarden Euro ab. Im September 2017 hatte der Saldo in der Außenhandelsbilanz +24,2 Milliarden Euro betragen. Kalender- und saisonbereinigt lag der Außenhandelsbilanzüberschuss im September 2018 bei 17,6 Milliarden Euro.

Unter Berücksichtigung der Salden für Warenhandel einschließlich Ergänzungen zum Außenhandel (+19,7 Milliarden Euro), Dienstleistungen (-1,8 Milliarden Euro), Primäreinkommen (+6,8 Milliarden Euro) und Sekundäreinkommen (-3,6 Milliarden Euro) schloss – nach vorläufigen Berechnungen der Deutschen Bundesbank – die Leistungsbilanz im September 2018 mit einem Überschuss von 21,1 Milliarden Euro ab. Im September 2017 hatte die deutsche Leistungsbilanz einen Aktivsaldo von 26,9 Milliarden Euro ausgewiesen.

In die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) wurden im September 2018 Waren im Wert von 64,7 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 52,1 Milliarden Euro von dort importiert. Gegenüber September 2017 sanken die Exporte in die EU-Länder um 0,4 % und die Importe aus diesen Ländern stiegen um 5,8 %. In die Länder der Eurozone wurden im September 2018 Waren im Wert von 41,0 Milliarden Euro (+0,6 %) geliefert und Waren im Wert von 34,1 Milliarden Euro (+9,3 %) aus diesen Ländern bezogen. In die EU-Länder, die nicht der Eurozone angehören, wurden im September 2018 Waren im Wert von 23,7 Milliarden Euro (-2,0 %) exportiert und Waren im Wert von 18,0 Milliarden Euro (-0,3 %) von dort importiert.

In die Länder außerhalb der Europäischen Union (Drittländer) wurden im September 2018 Waren im Wert von 44,4 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 38,6 Milliarden Euro aus diesen Ländern importiert. Gegenüber September 2017 nahmen die Exporte in die Drittländer um 2,2 % ab, die Importe von dort stiegen um 4,7 %.

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Viele Stellen, wenig Bewerber: Fachkräftemangel im Mittelstand

Für die kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland wird die Besetzung offener Stellen mehr und mehr zum Problem, wie eine aktuelle Analyse von KfW Research auf Basis des KfW-Mittelstandspanels 2018 zeigt.

KfW-Mittelstandspanel 2018

Viele Stellen, wenig Bewerber: Fachkräftemangel im Mittelstand

KfW, Pressemitteilung vom 05.11.2018

  • Zwei Drittel aller Firmen, die Fachkräfte einstellen wollen, befürchten Rekrutierungsschwierigkeiten
  • Haupthindernis sind immer häufiger fehlende Bewerber
  • Fachkräfteengpässe sind Kehrseite des Arbeitsmarktbooms
  • Struktureller Fachkräftemangel droht bei Renteneintritt der Baby-Boomer ab 2025

Für die kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland wird die Besetzung offener Stellen mehr und mehr zum Problem, wie eine aktuelle Analyse von KfW Research auf Basis des KfW-Mittelstandspanels 2018 zeigt. Zwei Drittel aller mittelständischen Betriebe wollen in den nächsten drei Jahren neue Fachkräfte einstellen (66 %). Davon rechnen knapp zwei Drittel (65 %) mit Problemen bei der Rekrutierung – befürchten also, dass Stellen nur mit Abstrichen, verzögert oder überhaupt nicht besetzt werden können. Der Mittelstand ist damit seit der letzten Untersuchung von KfW Research zu diesem Thema im Jahr 2014 deutlich pessimistischer geworden. Vor vier Jahren sahen sich „nur“ 57 % der einstellenden Unternehmen mit Rekrutierungsschwierigkeiten konfrontiert.

Hauptgrund für die Sorgen der Firmen ist der quer durch alle Branchen zunehmende Mangel an Fachkräften. Im Jahr 2018 begründen 77 % der betroffenen Mittelständler ihre Rekrutierungsprobleme mit „Bewerbermangel im gesuchten Beruf“, vier Jahre zuvor waren es noch 57 %. Dieser Anstieg ist nicht nur eindeutig, er ist auch einseitig, denn andere Gründe für Rekrutierungsschwierigkeiten spielen eine geringere Rolle als 2014: Die Stellenbesetzung scheitert heute deutlich seltener an zu hohen Lohnforderungen (Rückgang von 44 % auf 38 %) und etwas seltener an fehlenden Zusatzqualifikationen der Bewerber (von 37 % auf 35 %).

Zwar wäre die Diagnose eines flächendeckenden Fachkräftemangels in Deutschland nach wie vor übertrieben. Doch die aktuelle Analyse von KfW Research zeigt, dass sich die Fachkräfteengpässe seit 2014 in allen Wirtschaftssektoren verschärft haben, obwohl in diesem Zeitraum die Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren deutlich gestiegen ist. Denn der konjunkturbedingt große Bedarf an Arbeitskräften übersteigt diese Zugewinne noch. Besonders stark betroffen ist der Bausektor, in dem heute neun von zehn mittelständischen Firmen mit Rekrutierungsproblemen Bewerbermangel befürchten (2014: 75 %). Zusätzlich zur Sanitärtechnik und dem Trockenbau werden nun auch die Fachkräfte im Tiefbau knapp.

Die Verschiebung der Rekrutierungsprobleme in Richtung berufsspezifischen Fachkräftemangels und weg von anderen Gründen ist im forschungs- und entwicklungsintensiven Verarbeitenden Gewerbe besonders ausgeprägt. Auch hier wird weitaus häufiger Bewerbermangel befürchtet als vor vier Jahren (81 % gegenüber 60 %). Zu hohe Lohnvorstellungen und fehlende Zusatzqualifikationen waren im Jahr 2014 noch fast gleichrangige Probleme, fallen nun aber weit hinter den Bewerbermangel zurück (auf 40 % bzw. 38 %).

Im Dienstleistungssektor ist die Verschärfung des Bewerbermangels gegenüber 2014 am drastischsten. In der wissensintensiven Hälfte des Sektors mit großem Akademikeranteil ist die Häufigkeit von 55 % auf 75 % gestiegen, bei den „Sonstigen Dienstleistern“ springt der Wert sogar um 27 Prozentpunkte (von 46 % auf 73 %). Vor vier Jahren waren hohe Lohnforderungen dort noch das häufigste Problem (48 %). Im Bereich der Gesundheitsdienstleistungen fehlen bekanntlich seit Jahren Pfleger und Ärzte, hinzu kommen neuerdings u. a. Hebammen, Physio- und Sprachtherapeuten. Außerdem gibt es Engpässe in der Softwareentwicklung, Steuerberatung, Ver- und Entsorgung sowie bei Friseurmeistern und Fahrlehrern. Im KfW-Mittelstandspanel zeichnen sich zudem Fachkräfteengpässe bei Reinigungsdiensten, in der Verkehrsbranche sowie in Bildungseinrichtungen ab.

„Die Ursachen von Rekrutierungsproblemen haben sich in den vergangenen Jahren verschoben: Den Unternehmen fehlen zunehmend die Bewerber. Das ist die Kehrseite eines erfreulichen Arbeitsmarktbooms und voller Auftragsbücher im Mittelstand“ sagt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe. „Von der aktuellen Konjunktur abgesehen droht aber mittelfristig ein flächendeckender Fachkräftemangel, wenn ab ca. 2025 die Baby-Boomer in Rente gehen. Um die Folgen abzufedern, müssen Erwerbsquote und Weiterbildungsbeteiligung weiter steigen. Ein leergefegter Arbeitsmarkt ist ein guter Anreiz, um in Kita-Ausbau, Ganztagsschulen und Weiterbildung zu investieren. Ich kann mir auch vorstellen, dass die heutigen Berufsanfänger angesichts steigender Lebenserwartung später in Rente gehen werden als mit 67 Jahren. So oder so braucht Deutschland in den kommenden Jahren zweifellos viel mehr qualifizierte Zuwanderer als zuvor“, so Zeuner.

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