Außenhandelsvolumen trotz Anstieg im Jahr 2025 unter dem Vorkrisenniveau des Jahres 2019

Im April 2026 wurden mengenmäßig 4,8 % mehr Waren aus Deutschland exportiert und 2,8 % mehr Waren nach Deutschland importiert als im Vorjahresmonat. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Ergebnisse mitteilt, stieg das Außenhandelsvolumen damit sowohl export- als auch importseitig.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 19.06.2026

  • Ausfuhrvolumen 2025 nach drei Jahren mit Rückgängen erstmals gestiegen
  • Im- und Exportvolumen aber noch immer niedriger als vor der Corona-Pandemie
  • Durchschnittswert der gehandelten Waren 2025 unter Allzeithoch von 2022, aber deutlich über dem Niveau von 2019

Im April 2026 wurden mengenmäßig 4,8 % mehr Waren aus Deutschland exportiert und 2,8 % mehr Waren nach Deutschland importiert als im Vorjahresmonat. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anhand vorläufiger Ergebnisse mitteilt, stieg das Außenhandelsvolumen damit sowohl export- als auch importseitig. Das Außenhandelsvolumen zeigt für Importe (Importvolumen) und Exporte (Exportvolumen) die reine Mengenentwicklung ein- und ausgeführter Waren. Damit ist es unabhängig von aktuellen Preisentwicklungen und ergänzt die nominalen, unbereinigten Ergebnisse der Außenhandelsstatistik, die auch Preisveränderungen einschließen. Zum Vergleich: Nach den nominalen Ergebnissen waren die Exporte im April 2026 um 3,7 % und die Importe um 6,3 % höher als im Vorjahresmonat. Die langfristige Betrachtung seit dem Jahr 2019 zeigt, dass sich beide Größen in diesem Zeitraum stark unterschiedlich entwickelten: Während das Volumen sank, stieg der nominale Wert der Im- und Exporte deutlich.

Im Gesamtjahr 2025 war das Exportvolumen nach drei Jahren mit Rückgängen erstmals wieder angestiegen und lag um 1,3 % höher als im Jahr 2024. Die Menge der über die Grenzen Deutschlands gehandelten Waren war damit jedoch um 6,3 % niedriger als im Jahr 2019, dem letzten Jahr vor den Krisen infolge der Corona-Pandemie und des russischen Angriffs auf die Ukraine. Bei den Importen zeigt sich ein ähnliches Bild. Das Importvolumen stieg 2025 nach zwei Jahren mit Rückgängen erstmals wieder und lag um 1,6 % höher als 2024, aber noch 4,2 % unter dem Niveau des Jahres 2019.

Durchschnittswert gehandelter Waren stabilisiert sich nach 2022 auf hohem Niveau

Der Durchschnittswert der gehandelten Waren, der unabhängig von der Warenmenge ist und die durchschnittliche Preisentwicklung zeigt, hat sich seit 2019 in die entgegengesetzte Richtung entwickelt. Anders als das Außenhandelsvolumen können Durchschnittswerte methodisch bedingt nur mit dem Basisjahr 2021 verglichen werden. Die bislang höchsten Durchschnittswerte waren sowohl import- und exportseitig im Jahr 2022 erreicht worden. Damals hatte der Durchschnittswert exportierter Waren um 17,3 % und der Durchschnittswert importierter Waren um 21,2 % über dem Niveau des Jahres 2021 gelegen. Seither haben sich die Durchschnittswerte stabilisiert. 2025 lagen sie für exportierte Waren 16,0 % und für importierte Waren 15,8 % über dem Niveau des Jahres 2021. Im Jahr 2019 hatten die Durchschnittswerte exportseitig noch 7,7 % und importseitig 9,8 % niedriger als im Basisjahr 2021 gelegen.

Nominalwert der Im- und Exporte trotz geringerer Warenmenge deutlich höher als 2019

Die Ergebnisse zum Export- und Importvolumen und zu den Durchschnittswerten zeigen somit, dass die gehandelte Warenmenge im Jahr 2025 kleiner war als zu Beginn des Betrachtungszeitraums im Jahr 2019. Zugleich war der durchschnittliche Wert der Waren 2025 höher war als 2019. Nach den nominalen Außenhandelsergebnissen, die sowohl Mengen- als auch Preisentwicklungen abbilden, übertrafen die deutschen Exporte 2025 das Vorkrisenniveau des Jahres 2019 deutlich um 17,8 %. Die Importe wiesen für 2025 gegenüber 2019 sogar einen nominalen Anstieg um 23,3 % auf. Während also die nominalen, unbereinigten Ein- und Ausfuhren im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 stark gestiegen sind, lag das Ein- und Ausfuhrvolumen, das die Preisentwicklungen ausblendet, unter dem Wert des Vor-Corona-Jahres 2019.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Powered by WPeMatico

Investitionen im Mittelstand: alles andere als systematisch

Im Mittelstand dominiert Unregelmäßigkeit die Investitions­entscheidungen der allermeisten Unternehmen. Nur 3 % der insgesamt 3,8 Mio. kleinen und mittleren Unternehmen betreiben lt. KfW Research eine mehrjährige, systematische Investitionsplanung.

KfW Research, Mitteilung vom 18.06.2026

Im Mittelstand dominiert Unregelmäßigkeit die Investitions­entscheidungen der allermeisten Unternehmen. Nur 3 % der insgesamt 3,8 Mio. kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) betreiben eine mehrjährige, systematische Investitionsplanung. Kapazitätsgrenzen, Ressourcen­engpässe oder auch mangelndes Fachwissen spielen eine Rolle. Die Investitions­bereitschaft im Mittelstand ist dabei stark an die Inhaber gekoppelt, die Einbettung in ein strategisches Gesamtkonzept fehlt oft. Nicht zuletzt werden Investitions­entscheidungen nicht selten situativ, auf Basis akuter Notwendigkeiten und verfügbarer Liquidität getroffen. Insgesamt gilt: Je kleiner das Unternehmen ist, desto weniger systematisch werden Investitionen angegangen.

Quelle: KfW

Powered by WPeMatico

Arbeitsmarkt: Wie sich die Industriebeschäftigung regional entwickelt

Der Strukturwandel schreitet voran: Die Industrie reduziert Arbeitsplätze, die Stellenausschreibungen sind auf dem tiefsten Stand seit der Jahrtausendwende. Der Rückgang trifft die Regionen unterschiedlich stark, zeigt eine Studie des IW Köln.

IW Köln, Pressemitteilung vom 18.06.2026

Der Strukturwandel schreitet voran: Die Industrie reduziert Arbeitsplätze, die Stellenausschreibungen sind auf dem tiefsten Stand seit der Jahrtausendwende. Der Rückgang trifft die Regionen unterschiedlich stark, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Von 2019 bis 2025 sind rund 420.000 Arbeitsplätze im Verarbeitenden Gewerbe weggefallen. Der Rückgang läuft dabei nicht über Massenentlassungen. Das Risiko, aus einer Industriestelle heraus arbeitslos zu werden, ist historisch niedrig; stattdessen besetzen Unternehmen freiwerdende Stellen nicht mehr nach. Zuletzt schrieb die Industrie so wenige Stellen aus wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Das zeigt eine IW-Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung auf Basis von Daten der Bundesagentur für Arbeit.

Industriestarke Standorte halten sich noch

Die Entwicklung fällt regional sehr unterschiedlich aus. In industriestarken Kreisen, vor allem in Süddeutschland, entstanden bis 2019 überdurchschnittlich viele Industriearbeitsplätze. Seitdem wächst auch dort der Druck. Exemplarisch für den Deutschland-Trend stehen Kronach, Kassel und das Altenburger Land: Nach Beschäftigungsaufbau von 2014 bis 2019 folgte von 2019 bis 2024 ein Rückgang.

Zugleich driften die Regionen stärker auseinander, wie bereits ein Blick auf ausgewählte Regionen verrät. Erlangen verlor seit 2014 rund 34 Prozent seiner Industriearbeitsplätze, Gelsenkirchen knapp ein Drittel. Stuttgart dagegen legte von 2014 bis 2024 um mehr als ein Drittel zu. Den stärksten Aufbau verzeichnete der Landkreis Oder-Spree: Die Tesla-Fabrik in Grünheide verdoppelte die Industriebeschäftigung dort binnen weniger Jahre. Solche Einzeleffekte zeigen, dass regionale Standortpolitik wirkt – am bundesweiten Trend ändern sie gleichwohl wenig.

Warnsignal: Unternehmen verlieren Vertrauen in den Standort

Besserung ist nicht in Sicht: Laut IW-Konjunkturumfrage vom April wollen 37 Prozent der Industrieunternehmen in diesem Jahr Personal abbauen, nur 14 Prozent planen Neueinstellungen. Zwar sind industrietypische Berufe außerhalb des Verarbeitenden Gewerbes seit 2014 um 15 Prozent gewachsen – Ingenieure und Techniker arbeiten zunehmend bei Dienstleistern. Doch die Industrialisierung des Dienstleistungssektors kann ins Stocken geraten, wenn die Krise länger anhält. „Die Entwicklung ist ein Warnsignal: Nicht die Entlassungen sind das Problem, sondern dass Unternehmen kaum noch einstellen. Eine Trendwende ist möglich – sie erfordert aber, dass Deutschland als Industriestandort wieder an Attraktivität gewinnt“, sagt IW-Arbeitsmarktexpertin Stefanie Seele.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.

Powered by WPeMatico

Folgen des Iran-Kriegs bremsen Wachstum 2026 auf 0,6 Prozent und 0,9 Prozent 2027

Der Iran-Krieg und der dadurch ausgelöste Energiepreisschock bremsen die Erholung der deutschen Wirtschaft deutlich, stoppen sie aber nicht komplett. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr um 0,6 Prozent und 2027 um 0,9 Prozent wachsen. So die Einschätzung der neuen Konjunkturprognose der Hans-Böckler-Stiftung.

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 18.06.2026

Der Iran-Krieg und der dadurch ausgelöste Energiepreisschock bremsen die Erholung der deutschen Wirtschaft deutlich, stoppen sie aber nicht komplett. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr um 0,6 Prozent und 2027 um 0,9 Prozent wachsen. Voraussetzungen dafür sind, dass der Krieg nicht weiter eskaliert, sich die Energielieferungen durch die Straße von Hormus im weiteren Jahresverlauf normalisieren, die Öl- und Gasinfrastruktur der arabischen Golfstaaten nicht substanziell weiter beschädigt wird und die Europäische Zentralbank die Leitzinsen allenfalls moderat um 0,5 Prozentpunkte erhöht. Von diesem Szenario geht das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung in seiner neuen Konjunkturprognose aus. Falls sich die Ankündigungen um einen Rahmenvertrag zum Frieden zwischen den USA und dem Iran als belastbar erweisen, wäre aber auch eine stärkere konjunkturelle Aufhellung wahrscheinlich (mehr unten).

Der Höhenflug der Energiepreise wird sich nach dem IMK-Hauptszenario bis zum Jahresende 2026 zurückbilden. Die Inflation ist im Jahresmittel 2026 zwar mit 2,8 Prozent deutlich höher als zum Jahresauftakt erwartet und wird insbesondere den privaten Konsum belasten – so stark, dass davon in diesem Jahr kaum ein Beitrag zum Wirtschaftswachstum ausgeht. 2027 läge die Teuerung mit 2,3 Prozent aber wieder deutlich näher am Inflationsziel der EZB. Die positiven Impulse durch die erhöhten staatlichen Investitionen werden im laufenden Jahr vom Energiepreisschock überlagert, im kommenden Jahr aber wieder stärker das Wachstum antreiben, weil sie auch die privaten Ausrüstungsinvestitionen stimulieren. Am Arbeitsmarkt bewegt sich nach der IMK-Prognose wenig, die Arbeitslosenquote steigt in diesem Jahr um 0,1 Prozentpunkte auf durchschnittlich 6,4 Prozent, um 2027 wieder auf 6,3 Prozent zu sinken.

Gegenüber seiner vorherigen Prognose vom März 2026 reduziert das IMK die Wachstumserwartung beim BIP für dieses Jahr um 0,3 Prozentpunkte. Für 2027 nehmen die Düsseldorfer Konjunkturexpert*innen die BIP-Prognose um 0,7 Prozent zurück. „Der wirtschaftliche Schaden durch den Iran-Krieg ist erheblich, aber halbwegs beherrschbar, wenn sich der Konflikt nicht noch etliche Monate hinzieht. Außerdem haben es die EZB und die Bundesregierung in der Hand, die Konjunktur zu unterstützen oder noch weiter zu schwächen“, fasst Prof. Dr. Sebastian Dullien, der wissenschaftliche Direktor des IMK, das Bild zusammen.

Die Forscher*innen haben in ihrer Prognose einen vorsichtigen Ansatz gewählt und sind davon ausgegangen, dass es bei den weiteren Friedensverhandlungen zwischen den USA und Iran zu Rückschlägen kommt und die Unsicherheit über den Einigungsprozess den Ölpreis weiterhin erhöht. „Sollte sich die jüngst geschlossene Vereinbarung zwischen den USA und Iran als nachhaltig erweisen, könnte der Ölpreis allerdings schneller und weiter fallen als von uns angenommen. Dann würde auch die Inflation in Deutschland geringer und das Wachstum messbar höher ausfallen“, so Dullien. In diesem Jahr wären dann rund 0,8 Prozent Wachstum plausibel, 2027 etwas mehr als ein Prozent.

Diese Abhängigkeit der Prognose vom Krieg im mittleren Osten illustriere einmal mehr die Ursachen der deutschen Wachstumsschwäche, betont Ökonom Dullien. „Die aktuellen Probleme der deutschen Wirtschaft sind in erster Linie Folge externer Energiepreisschocks, eines aggressiven Protektionismus in China und den USA sowie der erheblichen Aufwertung des Euro“, so Dullien. „Es sind keine klassischen Probleme preislicher Wettbewerbsfähigkeit.“ Deutschland brauche einen Fokus auf Investitionen, Innovationen und Produktivitätssteigerungen. „Dafür sind keine Sozialreformen nötig, die die Lohnnebenkosten drücken, indem sie Lasten auf die Beschäftigten umverteilen, sondern ein ganzheitlicher industriepolitischer Ansatz. Dabei darf es keine Denkverbote geben, sondern der ganze Instrumentarienkasten einschließlich Schutzzöllen auf EU-Ebene und Buy-European-Klauseln sollte diskutiert werden“, sagt der IMK-Direktor.

Zudem sei es in der gegenwärtigen Situation wirtschaftspolitisch wichtig, „die Menschen nicht weiter zu verschrecken und den Konsum nicht zusätzlich zu schwächen – wie es durch nervöse und übertriebene Diskussionen zu Kürzungen bei Gesundheit oder Rente passiert.“

Die EZB solle sich mit Zinserhöhungen so weit wie möglich zurückhalten, raten die Expert*innen des IMK. Denn noch sei es durchaus möglich, dass der Energiepreisschock temporär bleibt. „Eine geldpolitisch induzierte Rezession erscheint vor diesem Hintergrund nicht zielführend“, schreiben sie. Für den – aktuell unwahrscheinlichen – Fall, dass sich die höhere Inflation doch verfestigt, sollten die europäischen Regierungen Vorbereitungen treffen. Unter anderem, indem sie Maßnahmen einleiten, um den Strompreis vom Gaspreis zu entkoppeln, und sie sollten eine Deckelung von Energiepreisen ebenso wie Übergewinnsteuern ins Auge fassen. Sinnvoll sei es zudem, den Verbrauch fossiler Energien zu verringern, beispielsweise durch ein generelles Tempolimit auf Autobahnen oder so viel Homeoffice wie möglich.

Kerndaten der Prognose

Arbeitsmarkt

Das schwache Wachstum kann den Trend auf dem Arbeitsmarkt nicht ins Positive drehen. Die Zahl der Erwerbstätigen nimmt im Jahresdurchschnitt 2026 um 0,4 Prozent ab. Die Arbeitslosigkeit steigt moderat um gut 40.000 Personen auf rund 2,99 Millionen im Jahresmittel, die Arbeitslosenquote beträgt 6,4 Prozent nach 6,3 Prozent 2025. Für 2027 veranschlagen die Forschenden einen weiteren, allerdings sehr kleinen, Rückgang der Erwerbstätigenzahl um jahresdurchschnittlich 0,1 Prozent. Die Arbeitslosigkeit sinkt minimal, die Quote geht wieder auf 6,3 Prozent zurück.

Weltwirtschaft und Außenhandel

Die Weltwirtschaft wächst 2026 um 3,0 Prozent, „historisch schwach“, so das IMK. Der Iran-Krieg und die Handelspolitik der USA wirken belastend – auch auf die wirtschaftliche Entwicklung im eigenen Land. Das IMK rechnet für die USA 2026 und 2027 mit einem Wirtschaftswachstum von 2,0 bzw. 1,7 Prozent. Der Euroraum wird allerdings weitaus stärker getroffen: 2026 wächst das BIP 2026 nur um 0,4 Prozent, 2027 sind es 1,1 Prozent.

Die deutschen Exporte erhalten von wichtigen Handelspartnern nur schwache Impulse, wozu neben Iran-Krieg und US-Zöllen auch beiträgt, dass der Euro erheblich gegenüber US-Dollar und chinesischem Renminbi aufgewertet hat und dass in China gezielt Importe durch Produkte aus heimischer Herstellung ersetzt werden. Die Nachfrage aus anderen EU-Ländern stützt zwar die deutschen Ausfuhren, aber mit deutlich weniger Schwung als in den Vorjahren. Gleichwohl steigen die Exporte im Jahresdurchschnitt 2026 leicht um 0,3 Prozent. 2027 legen sie moderat um 1,5 Prozent im Jahresmittel zu. Die Importe nehmen 2026 nur geringfügig um durchschnittlich 0,1 Prozent zu, 2027 dann stärker um 2,1 Prozent. Dementsprechend ist der Beitrag des Außenhandels zum Wirtschaftswachstum in diesem Jahr minimal positiv (0,1%), 2027 leicht negativ (-0,2%). Deutschland verzeichnet weiterhin einen Leistungsbilanzüberschuss, er beträgt je 4,3 Prozent des BIP in beiden Jahren.

Investitionen

Die mit dem Iran-Krieg einhergehende Inflation und Unsicherheit haben die Erholung der Ausrüstungsinvestitionen zurückgeworfen. Die verstärkten Ausgaben des Staates für Infrastruktur und insbesondere Verteidigung setzen zwar Impulse, doch diese übertragen sich nur gedämpft auf die privaten Investitionen. Unter dem Strich nehmen die Ausrüstungsinvestitionen im Jahresdurchschnitt 2026 leicht um 0,3 Prozent ab, 2027 wachsen sie um 0,8 Prozent. Auch die Aufwärtsentwicklung bei den Bauinvestitionen wird deutlich verzögert und geschwächt. Im Jahresdurchschnitt 2026 sinken sie sogar um 0,8 Prozent, im kommenden Jahr legen sie um durchschnittlich 3,5 Prozent zu.

Privater und öffentlicher Konsum

Der private Konsum wird durch die erhöhten Energiepreise belastet, aber nicht komplett abgewürgt, wenn die Lohnentwicklung solide bleibt. Für dieses Jahr erwartet das IMK einen kleinen realen Zuwachs der privaten Konsumausgaben um 0,3 Prozent im Jahresdurchschnitt. 2027 nehmen die Ausgaben dann um real 0,6 Prozent im Jahresmittel zu. Mit 0,1 Prozent in diesem und 0,3 Prozent im kommenden Jahr leistet die private Nachfrage aber nur geringfügige Beiträge zum Wirtschaftswachstum.

Inflation und öffentliche Finanzen

Für 2025 prognostiziert das IMK eine durchschnittliche Teuerungsrate von 2,8 Prozent im Jahresmittel. Für 2027 erwarten die Expert*innen eine durchschnittliche Inflation von 2,3 Prozent.

Das IMK rechnet damit, dass sich die staatlichen Einnahmen 2026 relativ schwach entwickeln. Zusätzlich zur schwachen Konjunktur dämpfen auch Entlastungsmaßnahmen wie der Ausgleich der kalten Progression, der Investitionsbooster und die Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie das Steueraufkommen. Die öffentlichen Einnahmen wachsen in diesem Jahr und im kommenden Jahr schwächer als die Ausgaben – vor allem, weil die öffentlichen Investitionen und insbesondere die Verteidigungsausgaben nun spürbar ausgeweitet werden. Das gesamtstaatliche Defizit gemessen am BIP steigt daher auf 3,8 Prozent 2026 und 4,2 Prozent im kommenden Jahr.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

Powered by WPeMatico

Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe im April 2026: +0,4 % zum Vormonat

Der reale (preisbereinigte) Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe ist nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes im April 2026 gegenüber März 2026 saison- und kalenderbereinigt um 0,4 % gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat April 2025 stieg der Auftragsbestand kalenderbereinigt um 8,4 %.

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 18.06.2026

Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe, April 2026
+0,4 % real zum Vormonat (kalender- und saisonbereinigt)
+8,4 % real zum Vorjahresmonat (kalenderbereinigt)

Reichweite des Auftragsbestands, April 2026
8,8 Monate

Der reale (preisbereinigte) Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe ist nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im April 2026 gegenüber März 2026 saison- und kalenderbereinigt um 0,4 % gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat April 2025 stieg der Auftragsbestand kalenderbereinigt um 8,4 %.

Die Entwicklung des Auftragsbestands im April 2026 ist wesentlich auf die Anstiege bei der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (saison- und kalenderbereinigt +2,4 % zum Vormonat) und im Sonstigen Fahrzeugbau (Flugzeuge, Schiffe, Züge, Militärfahrzeuge; +0,6 %) zurückzuführen. Negativ wirkte sich hingegen der Rückgang in der Chemieindustrie (-3,7 %) aus.

Die offenen Aufträge aus dem Inland stiegen im April 2026 gegenüber März 2026 um 0,2 %, der Bestand an Aufträgen aus dem Ausland stieg um 0,6 %.

Bei den Herstellern von Investitionsgütern stieg der Auftragsbestand zum Vormonat März 2026 um 0,5 % und bei den Herstellern von Konsumgütern um 1,6 %. Im Bereich der Vorleistungsgüter blieb der Auftragsbestand unverändert.

Reichweite des Auftragsbestands konstant bei 8,8 Monaten

Im April 2026 blieb die Reichweite des Auftragsbestands im Vergleich zum Vormonat März 2026 unverändert bei 8,8 Monaten. Bei den Herstellern von Vorleistungsgütern blieb die Reichweite konstant bei 4,6 Monaten, bei den Herstellern von Investitionsgütern bei 12,2 Monaten und bei den Herstellern von Konsumgütern bei 4,0 Monaten.

Die Reichweite gibt an, wie lange die Betriebe bei gleichbleibendem Umsatz und ohne neue Auftragseingänge mit dem Abarbeiten der vorhandenen Aufträge ausgelastet wären. Sie wird als Quotient aus aktuellem Auftragsbestand und mittlerem Umsatz der vergangenen zwölf Monate im betreffenden Wirtschaftszweig berechnet.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Powered by WPeMatico

Trotz Energiepreisschock: Industrie zeigt sich robust – Inflation greift auf immer mehr Branchen über

Das RWI Essen erwartet für die deutsche Wirtschaft in den Jahren 2026 und 2027 jeweils ein Wachstum von 0,8 Prozent. Die Erholung wird jedoch durch den Iran-Krieg und die damit verbundenen Energiepreissteigerungen gebremst.

RWI Essen, Pressemitteilung vom 16.06.2026

Das RWI erwartet für die deutsche Wirtschaft in den Jahren 2026 und 2027 jeweils ein Wachstum von 0,8 Prozent. Die Erholung wird jedoch durch den Iran-Krieg und die damit verbundenen Energiepreissteigerungen gebremst. Während die Inflation zunehmend auf weitere Branchen übergreift und zusätzliche Preissteigerungen bei Waren und Dienstleistungen zu erwarten sind, zeigt sich die deutsche Industrie bislang überraschend robust.

Die deutsche Wirtschaft setzt ihre Erholung fort, allerdings deutlich langsamer als noch zu Jahresbeginn erwartet. Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung prognostiziert für die Jahre 2026 und 2027 jeweils einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,8 Prozent. Während die Industrie von einer Belebung der Exporte und zusätzlichen staatlichen Investitionen profitiert, belasten die Folgen des Iran-Krieges Konsum und Investitionen.

Inflationsimpuls breitet sich in der gesamten Wirtschaft aus

Die unmittelbaren Auswirkungen des Konflikts zeigen sich zunächst bei Rohöl, Kraftstoffen und Transportkosten. Nach Einschätzung des RWI werden die Folgen des Energiepreisschocks jedoch zunehmend auch in anderen Bereichen sichtbar. Unternehmen sehen sich mit höheren Energie-, Logistik- und Vorleistungskosten konfrontiert und geben diese schrittweise an ihre Kunden weiter.

Das RWI erwartet deshalb, dass die Preise vieler Waren und Dienstleistungen in den kommenden Monaten verstärkt steigen werden. Die Inflationsrate dürfte im Jahr 2026 bei 3,1 Prozent liegen. Auch im Jahr 2027 bleibt sie mit 2,9 Prozent deutlich erhöht. Besonders bemerkenswert ist, dass die Kerninflation – also die Preisentwicklung ohne Energie und Nahrungsmittel – hoch bleibt. Dies deutet darauf hin, dass sich der Preisdruck zunehmend von den Energiemärkten auf die Breite der Wirtschaft verlagert.

„Der aktuelle Inflationsschub beschränkt sich nicht auf Kraftstoffe und Energie. Die höheren Kosten arbeiten sich zunehmend durch die Wertschöpfungsketten und werden bei immer mehr Waren und Dienstleistungen sichtbar werden“, sagt Torsten Schmidt, RWI-Konjunkturchef.

„Viele Unternehmen haben ihre gestiegenen Kosten bislang nur teilweise weitergegeben. Deshalb ist davon auszugehen, dass weitere Preissteigerungen noch bevorstehen.“

Der anhaltende Inflationsdruck belastet die Kaufkraft der privaten Haushalte. Zwar sind die real verfügbaren Einkommen zu Jahresbeginn noch gestiegen, in den kommenden Monaten dürfte sich diese Entwicklung jedoch umkehren. Entsprechend erwartet das RWI eine schwache Entwicklung des privaten Konsums.

Industrie bleibt überraschend widerstandsfähig

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen entwickelt sich das Verarbeitende Gewerbe robuster als erwartet. Die Industrieproduktion wurde im ersten Quartal ausgeweitet, die Auftragseingänge legten zu und die Exporte stiegen gegenüber dem Vorquartal um 3,3 Prozent. Damit trägt die Industrie wesentlich dazu bei, dass die deutsche Wirtschaft auf dem leichten Wachstumskurs bleibt.

Teilweise profitieren deutsche Unternehmen derzeit davon, dass asiatische Wettbewerber stärker unter den Folgen der Blockade der Straße von Hormus leiden. Lieferengpässe und höhere Energiekosten beeinträchtigen dort die Produktion. Das RWI geht jedoch davon aus, dass dieser Effekt nur vorübergehend wirkt und die höheren Energiekosten langfristig auch die deutsche Industrie belasten werden.

„Die Industrie zeigt sich bislang deutlich widerstandsfähiger, als viele nach Ausbruch des Iran-Krieges erwartet hatten“, so Schmidt. „Sie trägt zur Stabilisierung der Konjunktur bei, kann die Belastungen durch die steigenden Preise aber nicht vollständig kompensieren.“

Erholung setzt sich fort, bleibt aber schwach

Für das zweite Quartal 2026 erwartet das RWI eine Stagnation der Wirtschaftsleistung. Erst mit dem allmählichen Nachlassen des Inflationsdrucks dürfte die zugrunde liegende wirtschaftliche Dynamik wieder stärker zum Tragen kommen. Impulse werden dann insbesondere von der Industrie, einer Belebung der Exporte sowie zusätzlichen öffentlichen Investitionen in Infrastruktur, Klimaneutralität und Verteidigung ausgehen.

Quelle: RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung e.V.

Powered by WPeMatico

Start-ups in Europa: Großes Potenzial bleibt ungenutzt

In Frankreich, Deutschland und Großbritannien bleibt erhebliches Wachstumspotenzial ungenutzt. Ein ZEW Policy Brief untersucht auf Basis von mehr als neun Millionen Unternehmensgründungen in Europa, wo Start-ups entstehen und in welchen Regionen die Anzahl der vorhergesagten Werte von Start-ups übertroffen werden.

ZEW, Pressemitteilung vom 16.06.2026

ZEW-Studie zeigt Unterschiede bei Start-ups in Frankreich, Deutschland und Großbritannien auf

In Frankreich, Deutschland und Großbritannien bleibt erhebliches Wachstumspotenzial ungenutzt. Ein ZEW Policy Brief untersucht auf Basis von mehr als neun Millionen Unternehmensgründungen in Europa, wo Start-ups entstehen und in welchen Regionen die Anzahl der vorhergesagten Werte von Start-ups übertroffen werden. Es zeigt sich, dass sich die unternehmerische Dynamik in Europa auf Metropolen wie Paris, London oder München sowie auf forschungsstarke Regionen wie Cambridge, Oxford, Lyon, Bonn oder Heidelberg konzentriert.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Europa erhebliches Gründungspotential hat, aber bessere Bedingungen braucht, damit aus vielversprechenden Start-ups tatsächlich Scale-ups werden“, erklärt Prof. Dr. Hanna Hottenrott, Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“. „Besonders auffällig ist, dass Frankreich sein erwartetes Scale-up-Potenzial im Untersuchungszeitraum deutlich erhöht hat, während Deutschland trotz guter Ausgangslage an Dynamik verloren hat.“

Lena Füner, Wissenschaftlerin im ZEW-Forschungsbereich „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“, ergänzt: „Für die europäische Wettbewerbsfähigkeit kommt es darauf an, Markteintritt, Finanzierung, Talentzugang und Wachstumshürden gemeinsam in den Blick zu nehmen. Einzelmaßnahmen reichen nicht aus, wenn junge Unternehmen in fragmentierten Märkten nicht schnell skalieren können.“

Frankreich holt auf, Deutschland verliert an Dynamik

Besonders auffällig ist die Entwicklung in Frankreich: Die Zahl der potenziellen Scale-ups, gemessen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt, hat sich dort zwischen 2009 und 2023 etwa verdreifacht. Die Forschenden sehen darin Hinweise auf ein im Vergleich günstigeres Umfeld für wachstumsorientierte Unternehmensgründungen. Dazu zählen politische Initiativen wie Bpifrance, die French Tech Mission und Station F sowie vereinfachte Gründungsverfahren.

Deutschland startete zwar von einem höheren Niveau, verzeichnete im Untersuchungszeitraum jedoch eine abnehmende Dynamik. In Großbritannien stieg das Scale-up-Potenzial zunächst bis 2017, ging danach jedoch wieder zurück. In allen drei Ländern bleibt dabei ein großer Teil des vorhandenen Potenzials ungenutzt.

Wachstum entsteht in starken regionalen Ökosystemen

Wo viele Unternehmen gegründet werden, entstehen tendenziell auch mehr wachstumsstarke Firmen. In Frankreich konzentrieren sich Gründungen mit hohem Wachstumspotenzial vor allem auf die großen Metropolregionen Paris, Marseille und Lyon. In Großbritannien dominiert London, während Cambridge und Oxford durch ihre besonders hohe unternehmerische Qualität hervorstechen. Dies unterstreicht die Bedeutung forschungsstarker Universitätsstandorte. Deutschland weist dagegen eine dezentralere Struktur auf. Neben München als besonders starkem Zentrum zeigen auch Regionen wie Bonn, Heidelberg und Jena eine hohe Qualität des Gründungsgeschehens.

Quelle: ZEW

Powered by WPeMatico

Hoffnung auf Ende des Iran-Konflikts lässt Erwartungen kräftig steigen

Nach dem Einbruch im Frühjahr hellen sich die Erwartungen im Juni auf. Der ZEW-Index steigt um 20,7 Punkte stark an und beträgt nun plus 10,5 Punkte. Die Einschätzung der aktuellen konjunkturellen Lage erfährt dagegen einen leichten Rückgang.

ZEW, Pressemitteilung vom 16.06.2026

Der ZEW-Indikator liegt bei plus 10,5 Punkten

Nach dem Einbruch im Frühjahr hellen sich die Erwartungen im Juni auf. Der ZEW-Index steigt um 20,7 Punkte stark an und beträgt nun plus 10,5 Punkte. Die Einschätzung der aktuellen konjunkturellen Lage erfährt dagegen einen leichten Rückgang. Der Lageindikator für Deutschland liegt mit minus 81 Punkten um minus 3,2 Punkte unter dem Vormonatswert.

„Der ZEW-Index kehrt in den positiven Bereich zurück. Die Expertinnen und Experten setzen darauf, dass sich der Iran-Konflikt dem Ende nähert. Der massive Druck auf die Energiepreise und Inflation dürfte sich abschwächen. Dies käme der energieintensiven Industrie und den privaten Haushalten zugute, was die Binnennachfrage stärken würde“, kommentiert ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach, PhD die aktuellen Ergebnisse.

Die verbesserten Erwartungen spiegeln sich in den einzelnen Branchen wider. Der Saldo der Automobilindustrie, welche mehrere Rückgänge in den vergangenen Monaten verzeichnet hat, steigt um 21,9 Punkte. Auch die Salden der Chemie- und Pharmaindustrie sowie des Maschinenbaus ziehen mit jeweils 16 Punkten bzw. 9,2 Punkten kräftig an. Die Erwartungen für den Privatkonsum verbessern sich um 11,7 Punkte gegenüber dem Vormonat. Trotz der kräftigen Anstiege verbleiben die Salden dieser Branchen weiterhin im negativen Bereich. Die Baubranche verzeichnet einen Rückgang im Juni – der Saldo sinkt um minus 15,2 Punkte auf einen Wert von minus 12 Punkte. Zu dieser Entwicklung dürfte unter anderem auch die jüngste Zinsanhebung der EZB vom 11. Juni beigetragen haben.

Die Erwartungen für die Eurozone verzeichnen einen kräftigen Anstieg im Juni. Der Index liegt mit einem Saldo von 9,5 Punkten um 18,6 Punkte höher als noch im Mai. Die Bewertung der Lage bleibt negativ. Diese liegt mit minus 43,4 Punkten um minus 2,0 Punkte unter dem Vormonatswert.

Quelle: ZEW

Powered by WPeMatico

Fachkräftemangel entspannt sich weiter, bleibt aber hoch

In Deutschland fehlen lt. KfW Research weiterhin Fachkräfte, aber deutlich weniger als noch vor drei Jahren. Zu Beginn des zweiten Quartals 2026 meldeten 21 Prozent der Unternehmen in Deutschland Behinderungen ihrer Geschäftstätigkeit durch Fachkräftemangel – vor vier Jahren war es noch mehr als doppelt so viele. Vor allem der Industrie fehlt weniger Personal, während Bauwirtschaft, viele Dienstleistungsbranchen sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nach wie vor stark unter Engpässen leiden.

KfW/KfW Research, Pressemitteilung vom 16.06.2026

  • Anteil der von Fachkräftemangel betroffenen Unternehmen hat sich seit 2022 mehr als halbiert
  • Rückgang vor allem Folge der anhaltenden Wirtschaftsschwäche
  • Besonders häufig fehlen Fachkräfte in der Bauwirtschaft und im Dienstleistungssektor

In Deutschland fehlen weiterhin Fachkräfte, aber deutlich weniger als noch vor drei Jahren. Zu Beginn des zweiten Quartals 2026 meldeten 21 Prozent der Unternehmen in Deutschland Behinderungen ihrer Geschäftstätigkeit durch Fachkräftemangel – vor vier Jahren war es noch mehr als doppelt so viele. Vor allem der Industrie fehlt weniger Personal, während Bauwirtschaft, viele Dienstleistungsbranchen sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nach wie vor stark unter Engpässen leiden.

Der Rückgang folgt einem klaren Muster: In Bereichen, in denen die Wirtschaft schwächelt, entspannt sich der Fachkräftemangel deutlich. In der Industrie berichten nur noch 14 Prozent der Unternehmen von Engpässen, nach einem Höchststand von 44,5 Prozent im dritten Quartal 2022. Viele Firmen kämpfen mit schwacher Nachfrage, hohen Energiekosten und internationalem Wettbewerbsdruck. Sie stellen deshalb weniger ein. Dadurch geht der Fachkräftemangel zurück, obwohl sich das strukturelle Angebot an Fachkräften kaum verbessert hat.

Anders sieht es dort aus, wo die Nachfrage nach Leistungen trotz Flaute hoch bleibt oder sogar wächst. Im Dienstleistungsbereich sind 25 Prozent der Unternehmen von Fachkräftemangel betroffen und damit deutlich mehr als im Durchschnitt. Angespannt ist die Lage etwa in der Rechts- und Steuerberatung, im Verkehrssektor, in der Gastronomie sowie bei Architektur- und Ingenieurbüros und der Gebäude- und Gartenbetreuung. Im Bauhauptgewerbe meldet knapp ein Drittel der Betriebe Einschränkungen durch fehlende Fachkräfte. Hier stabilisieren insbesondere öffentliche Investitionen in Straßen, Schienen, Kanäle, Rohrleitungen und Kabelnetze die Nachfrage nach Bauleistungen.

Besonders betroffen vom Fachkräftemangel sind Mittelständler. Im April 2026 waren 22 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen in ihrer Geschäftstätigkeit durch Fachkräftemangel beeinträchtigt, bei den Großunternehmen waren es mit 19,3 Prozent deutlich weniger. Im Verarbeitenden Gewerbe ist der Abstand noch größer: 18,3 Prozent der Mittelständler, aber nur acht Prozent der Großunternehmen melden Engpässe. Mittelständler können im Wettbewerb um Fachkräfte oft weniger attraktive Bedingungen als Großunternehmen bieten.

„Der Fachkräftemangel in deutschen Unternehmen hat etwas nachgelassen. Leider ist das allerdings vor allem auf die anhaltende Wirtschaftsschwäche zurückzuführen“, sagt Dr. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW.

„Der Fachkräftemangel wird voraussichtlich wieder anziehen, wenn die konjunkturelle Lage sich bessert. Wichtig ist es daher, bei der Umsetzung von Gegenmaßnahmen nicht nachzulassen. Junge Menschen sollten für Mangelberufe begeistert werden. Lebenslange Weiterbildung, die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren und Fachkräfteeinwanderung sind weitere wichtige Bausteine, um den Arbeitsmarkt dauerhaft zu entlasten.“

Quelle: KfW, KfW Research

Powered by WPeMatico

Babyboomer in Rente: Bis 2036 fehlen 4,3 Millionen Arbeitskräfte

Bis 2036 erreichen weit mehr Babyboomer das Rentenalter, als junge Menschen ins Erwerbsalter nachrücken. Am Ende fehlt ein Potenzial von mehr als vier Millionen Arbeitskräften, zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft.

IW Köln, Pressemitteilung vom 15.06.2026

Bis 2036 erreichen weit mehr Babyboomer das Rentenalter, als junge Menschen ins Erwerbsalter nachrücken. Am Ende fehlt ein Potenzial von mehr als vier Millionen Arbeitskräften, zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Der Renteneintritt der Babyboomer trifft den deutschen Arbeitsmarkt stärker als bislang befürchtet: Bis 2036 – dann erreicht der letzte Jahrgang der geburtenstarken Generation das Rentenalter – schrumpft die Erwerbsbevölkerung um rund 4,3 Millionen Arbeitskräfte. Das zeigen neue Zahlen aus der IW-Bevölkerungsprognose. Noch vor zwei Jahren rechnete das IW mit einer Lücke von drei Millionen. Grund für die pessimistischere Prognose: Die Bevölkerung schrumpft früher als angenommen.

Arbeitskräftepotenzial schrumpft pro Jahr um eine halbe Million

Insgesamt zählen fast 20 Millionen Menschen zu den geburtenstarken Jahrgängen 1954 bis 1969. Etwa fünf Millionen sind bereits heute älter als 67, der Rest erreicht bis 2036 das Rentenalter – im Schnitt rund 1,3 Millionen Menschen pro Jahr. Nachrücken werden jährlich aber nur etwa 800.000. Dem Arbeitsmarkt gehen so Jahr für Jahr rund eine halbe Million potenzielle Arbeitskräfte verloren. Bis 2036 sinkt das Erwerbspersonenpotenzial dadurch um etwa sieben Prozent auf rund 51 Millionen Menschen.

Die Bevölkerung geht schneller zurück als erwartet. Im Jahr 2024 rechnete das IW noch mit einem Wachstum Deutschlands auf 85 Millionen Einwohner bis 2040. Doch inzwischen schrumpft die Bevölkerung: 2025 ging sie erstmals seit vielen Jahren zurück – um 100.000 Menschen. Bis 2040 wird sie auf unter 82 Millionen sinken. Der Grund: Es sterben weit mehr Menschen als geboren werden – zuletzt betrug das Defizit 350.000 im Jahr. Bislang glich die Zuwanderung dies aus. Allerdings hat die Zahl der Zuzüge stark nachgelassen.

Das Zeitfenster schließt sich

„Deutschland steht nicht vor dem demografischen Wandel, sondern befindet sich bereits mittendrin“, sagt IW-Experte Holger Schäfer. „Schon in wenigen Jahren fehlen der Wirtschaft die Arbeitskräfte, um Wohlstand zu erarbeiten und den Sozialstaat in seiner heutigen Form zu tragen“. Im Kern gebe es zwei Hebel: Mehr Menschen müssten länger arbeiten. Zudem müsse es leichter werden, qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.

Powered by WPeMatico