Eine tickende gesellschaftliche Zeitbombe – Folgen zunehmender psychischer Erkrankungen in den Betrieben

Die IG Metall hat vor den Folgen zunehmender psychischer Erkrankungen in der Arbeitswelt gewarnt und von Arbeitgebern und Politik mehr Bereitschaft zur Prävention gefordert. Sie verwies auf die Ergebnisse einer Umfrage unter Betriebsräten. Danach wird von 86 Prozent der Befragten der Anstieg psychischer Erkrankungen in den Betrieben als ernst zu nehmendes Problem wahrgenommen.

IG Metall, Pressemitteilung vom
27.09.2011

Die IG Metall hat vor den Folgen
zunehmender psychischer Erkrankungen in der Arbeitswelt gewarnt und von
Arbeitgebern und Politik mehr Bereitschaft zur Prävention gefordert. „Mit der
rasanten Zunahme von arbeitsbedingtem Stress und psychischer Erkrankungen tickt
eine gesellschaftliche Zeitbombe“, sagte Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes
Vorstandsmitglied der IG Metall am 27.09.2011 in Berlin. Stress und Burnout
hätten längst in Werkstätten, Fabrikhallen und Büros in einem Tempo und einem
Ausmaß um sich gegriffen, dass es fahrlässig sei, diese Problem unter ferner
liefen zu behandeln. „Wir wollen alle Akteure, die zur Bewältigung dieses
Problems beitragen können, aufrütteln“, betonte Urban.

Der Gewerkschafter
verwies auf die Ergebnisse einer Umfrage unter Betriebsräten. Danach wird von 86
Prozent der Befragten der Anstieg psychischer Erkrankungen in den Betrieben als
ernst zu nehmendes Problem wahrgenommen. Rund 40 Prozent der Betriebsräte geben
an, dass psychische Erkrankungen stark bzw. sehr stark im Unternehmen zugenommen
haben. Insgesamt 68 Prozent der Betriebsräte geben an, dass arbeitsbedingter
Stress und Leistungsdruck in den Unternehmen besonders seit der Krise erheblich
gestiegen sind.

Urban stellte eine eklatante Diskrepanz zwischen
öffentlicher Wahrnehmung des Problems und den tatsächlichen Hilfs- und
Präventionsangeboten in den Betrieben fest. In 43 Prozent der Betriebe gab es
keine Hilfen und in 26 Prozent zu wenige Hilfen für Burnout-Betroffene.
Insgesamt 73 Prozent der Betriebsräte sind der Meinung, dass in den Betrieben
mehr für den Gesundheitsschutz getan werden müsste.

Der Sozialexperte
kündigte an, die IG Metall werde arbeitsbedingten Stress und seine
gesundheitlichen Folgen zum Thema in den Betrieben und gegenüber der Politik
machen. „Gesundheit darf nicht hinter betriebswirtschaftlichen Erfolgszahlen und
der Wettbewerbsfähigkeit zurückstehen“, kritisierte Urban. Arbeitgeber müssten
mehr in den Gesundheitsschutz investieren.

Die IG Metall wolle die
Betriebsräte beim Thema psychische Erkrankungen, wie Burnout, stärker
unterstützen. Urban stellte die Arbeitshilfe „Burnout. Betriebsräte als Lotsen
für Burnout-Betroffene“ vor.

Der Gewerkschafter kritisierte, dass bei
Gesundheitsgefahren durch arbeitsbedingten Stress und psychische Belastungen
eine eklatante Schutzlücke bestehe, die dringend geschlossen werden müsse. „Bei
allen klassischen Gesundheitsgefährdungen wie Gefahrstoffe und Lärm gibt es
konkrete Präventionsregeln. Bei arbeitsbedingtem Stress: Fehlanzeige“,
kritisierte Urban. Hier müsse endlich mit einer Anti-Stress-Verordnung
nachgebessert werden.

Quelle: IG Metall

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