Konsumklima in Deutschland trotzt den Rezessionsängsten

Trotz steigender Rezessionsängste kann sich das Konsumklima in Deutschland lt. GfK im Herbst dieses Jahres behaupten. Die nach wie vor guten Beschäftigungsaussichten lassen die Erwartungen hinsichtlich zunehmender Einkommen wieder ansteigen. Dagegen muss die Anschaffungsneigung im September Verluste hinnehmen, verzeichnet aber nach wie vor ein sehr gutes Niveau.

GfK, Pressemitteilung vom
27.09.2011

Ergebnisse der GfK-Konsumklimastudie
für September

Das uneinheitliche Stimmungsbild der
Verbraucher setzt sich im September fort. Die Einkommenserwartung verbessert
sich auf gutem Niveau, während die Konjunkturerwartung wie auch die
Anschaffungsneigung Einbußen hinnehmen müssen. Der Gesamtindikator
prognostiziert nach 5,2 Punkten im September für Oktober ebenfalls einen Wert
von 5,2 Punkten.

Trotz steigender Rezessionsängste kann sich das
Konsumklima in Deutschland im Herbst dieses Jahres behaupten. Die nach wie vor
guten Beschäftigungsaussichten lassen die Erwartungen hinsichtlich zunehmender
Einkommen wieder ansteigen. Dagegen muss die Anschaffungsneigung im September
Verluste hinnehmen, verzeichnet aber nach wie vor ein sehr gutes Niveau. Unter
dem Einfluss der steigenden Krisenstimmung an den internationalen Finanzmärkten
verliert die Konjunkturerwartung weiter an Wert.

Konjunkturerwartung: Verbraucher
rechnen mit geringerer Wirtschaftsleistung

Nach dem heftigen Einbruch im August
schwächt sich die Konjunkturerwartung auch im September weiter ab. Nach dem
Minus von 31,2 Punkten im Vormonat verliert der Indikator im September noch
einmal 8,6 Zähler und weist aktuell 4,8 Punkte auf. Einen niedrigeren Wert gab
es zuletzt im Mai 2010. Damit liegt er weiter über seinem langjährigen
Durchschnittswert von 0 Zählern.

In den vergangenen Wochen haben sich die
Diskussionen um den richtigen Weg aus der internationalen Schuldenkrise
verschärft; eine politische Lösung zeichnet sich bislang nicht ab. Inzwischen
befürchten auch die Konsumenten, dass der Krisenvirus von den Finanzmärkten auf
die Realwirtschaft übergreifen könnte. Als stark exportorientiertes Land kann
sich die Bundesrepublik auf Dauer den Rezessionstendenzen in wichtigen
Abnehmerländern, wie beispielsweise den USA, nicht vollständig entziehen. Eine
nachlassende Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland wird
inzwischen auch von einer Reihe von Wirtschaftsforschungsinstituten gesehen, die
ihre Wachstumsprognosen für dieses und das kommende Jahr kürzlich nach unten
revidiert haben. Dennoch gilt eine Rezession in Deutschland derzeit als
unwahrscheinlich. Dafür soll vor allem der stabile Arbeitsmarkt sorgen. Aktuell
bewerten laut ifo-Geschäftsklimaindex die Unternehmen in Deutschland ihre
Geschäftslage weiterhin gut, allerdings habe sich ihre Zukunftsaussichten im
September erneut deutlich eingetrübt.

Einkommenserwartung: legt wieder
zu

Trotz zunehmender Krisenstimmung
verbessert sich die Einkommenserwartung im September. Mit einem Plus von 7,5
Punkten kann sie die Verluste aus dem Vormonat mehr als kompensieren und ihr
ohnehin hohes Niveau auf aktuell 35,1 Zähler steigern.

Die gute und
weiterhin stabile Beschäftigungslage in Deutschland ist der wesentliche Grund
für den gestiegenen Einkommensoptimismus. Ein beträchtlicher Teil der
Arbeitnehmer kann in diesem Jahr reale Einkommenszuwächse verzeichnen. Das
belegen auch die Zahlen des Statistischen Bundesamtes für das zweite Quartal,
wonach die Reallöhne durchschnittlich bereits um 1,9 Prozent angestiegen sind.
Hinzu kommt, dass durch die steigende Beschäftigung die Angst vor Jobverlust,
und damit vor möglichen Einkommenseinbußen, schwindet.

Hinzu kommt, dass
aufgrund der konjunkturellen Abschwächung der Preisdruck vor allem bei Energie
und Rohstoffen voraussichtlich etwas nachlassen und die Inflationsrate nicht
weiter steigen wird. Dies wirkt stabilisierend auf die Kaufkraft der Einkommen
und stützt die Stimmung.

Anschaffungsneigung: mit moderaten
Verlusten

Nachdem sie im Vormonat noch leicht
zulegen konnte, muss die Anschaffungsneigung im September Einbußen hinnehmen.
Der Indikator verliert 7,2 Zähler und weist nun 29,7 Punkte auf. Das entspricht
in etwa dem Vorjahresniveau. Trotz der aktuellen Verluste ist das Niveau des
Indikators noch immer ausgesprochen gut. Dafür sorgt auch die stabile
Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt.

Damit werden die positiven Effekte der
Schuldenkrise auf die Anschaffungsneigung überlagert. Zuletzt hatte der Glaube
an die Stabilität in die Währung im Euro-Raum abgenommen. Folglich tendierten
viele Konsumenten dazu, ihr Geld eher in werthaltige Anschaffungen zu
investieren als es auf die hohe Kante zu legen. Die heftigen und zum Teil sehr
konträren Diskussionen zum Umgang mit der Staatsschuldenkrise, die bislang noch
keinen einheitlichen und abgestimmten Lösungsansatz erkennen lassen, haben das
Vertrauen der Konsumenten in die Handlungsfähigkeit der Politik jedoch
erschüttert. Dieser Vertrauensverlust macht sich nun offenbar auch bei der
Konsumneigung bemerkbar und steigert die Verunsicherung.

Konsumklima: stabile Entwicklung

Der Gesamtindikator prognostiziert für
Oktober einen Wert von 5,2 Punkten nach ebenfalls 5,2 Zählern im September.
Damit trotzt das Konsumklima im Moment der Verschärfung der Schuldenkrise und
einem drohenden Übergriff von den Finanzmärkten auf die reale Wirtschaft in
Deutschland.

Die Zuspitzung der Schuldenkrise, vor allem in Griechenland,
sowie die heftigen und konträren Diskussionen um deren Lösung, haben nicht das
Vertrauen der Bundesbürger gestärkt, dass die Politik zu einer nachhaltigen und
einvernehmlichen Lösung in der Lage ist. Für eine stabile und solide Entwicklung
der Konsumstimmung ist es jedoch erforderlich, dass das Vertrauen der
Bundesbürger in die politischen Entscheidungsträger wieder gestärkt wird. Denn
nur Vertrauen sorgt für Planungssicherheit bei den Verbrauchern, und dies ist
wiederum eine wesentliche Grundlage für die Stärkung des
Konsums.

Angesichts der absehbaren Abschwächung der deutschen
Exportentwicklung ist eine stabile zweite Säule in Form der Binnenkonjunktur für
die weitere konjunkturelle Entwicklung überaus wichtig.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der GfK.

Quelle: GfK

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