Unternehmensnachfolge: Wachsende Herausforderungen, mehr Übernahmeinteressenten

Bei der Unternehmensnachfolge im Mittelstand sehen die IHKs Lichtblicke. Sie verzeichneten 2015 wieder mehr Beratungsgespräche mit potenziellen Nachfolgern und dabei auch einen höheren Frauenanteil. Allerdings wird künftig auch für mehr Betriebe hierzulande ein neuer Chef außerhalb der Familie gesucht – dafür sorgen nicht zuletzt Demografie und Erbschaftsteuer. Der DIHK fordert deshalb, Selbständigkeit attraktiver zu machen, etwa durch Bürokratieabbau und bessere Vereinbarkeit.

 

Unternehmensnachfolge: Wachsende Herausforderungen, mehr Übernahmeinteressenten

 

DIHK, Mitteilung vom 15.12.2016

 

Bei der Unternehmensnachfolge im Mittelstand sehen die Industrie- und Handelskammern (IHKs) Lichtblicke. Im Jahr 2015 haben sich erstmals seit 2009 deutlich mehr Personen zur Übernahme eines Unternehmens beraten lassen. Doch die Demografie wirkt sich zugleich immer stärker aus. Immer mehr Alt-Inhaber gehen in den Ruhestand und suchen Betriebsnachfolger. Die Politik ist gefragt, Unternehmensübernahmen zu erleichtern und bessere Konditionen für unternehmerische Selbständigkeit zu schaffen.

 

Die Nachfrage steigt, das Angebot aber auch

 

Insgesamt 5.013 Gespräche zur Übernahme eines Unternehmens haben die IHKs im Jahr 2015 geführt, das ist ein Anstieg um 20 Prozent. Erfreulicherweise gibt es mehr weibliche Nachfolge-Aspiranten – ihr Anteil ist in den letzten fünf Jahren von 15 auf 22 Prozent gestiegen. Trotzdem bleibt die ungeklärte Unternehmensnachfolge für viele Mittelständler ein wunder Punkt. Im Jahr 2015 haben die IHKs 6.483 Senior-Unternehmer beraten, 9 Prozent mehr als im Vorjahr. In den neuen Bundesländern beträgt der Anstieg sogar über 20 Prozent.

 

Generation Y begibt sich auf eigene Wege

 

Übernahmeverhandlungen gestalten sich oftmals schwierig: Beim Kaufpreis klaffen die Vorstellungen nicht selten auseinander. 44 Prozent der Alt-Inhaber fordern einen im Vergleich zur Markteinschätzung überhöhten Kaufpreis. Auch ist die ohnehin komplizierte Materie der Nachfolge für Senior-Chefs oft emotional aufgeladen – 37 Prozent fällt es schwer, ihr Lebenswerk „loszulassen“. Zudem gehen die Kinder der Unternehmer zunehmend eigene Wege. Ein „Familienautomatismus“ zur Übernahme des Unternehmens durch Tochter oder Sohn ist immer seltener anzutreffen. Wahr ist auch: 40 Prozent der Nachfolgeinteressenten unterschätzen die Anforderungen an die Übernahme eines Betriebes.

 

Erbschaftsteuer macht Übergabe teuer

 

Mit der Einigung bei der Erbschaftsteuer haben Familienunternehmen jetzt zwar endlich Rechtssicherheit. Allerdings wird die Übergabe an die nächste Generation auch teurer. Das macht es den Kindern nicht leicht, ihr Erbe anzutreten. In Zukunft dürften mithin noch mehr Unternehmer einen Nachfolger außerhalb der Familie suchen.

 

Mittelstand entlasten, Unternehmensgründung erleichtern

 

Gerade in einer solchen Situation ist es wichtig, den Mittelstand zu entlasten, damit sich frischgebackene Nachfolger ganz darauf konzentrieren können, das Unternehmen auf neuen Kurs zu bringen. Eine Chance bietet sich aktuell mit dem Zweiten Bürokratieentlastungsgesetz. Der Bundestag sollte die Anhebung der seit 50 Jahren gültigen Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter von 410 Euro auf 1.000 Euro beschließen. Das würde viele kleine und mittelgroße Unternehmen von einem Teil der Steuerbürokratie befreien. Auch das „Angebot“ an potenziellen Nachfolgern muss weiter steigen. Zwar ist die Anzahl der Personen, die sich für eine Übernahme interessieren, gestiegen. Insgesamt aber geht die Motivation, unternehmerisch selbständig zu sein, seit Jahren zurück. Notwendig ist ein konsistenter Politikmix: Bürokratieabbau etwa durch funktionierende One-stop-Shops in den Regionen und bessere Bedingungen für die Finanzierung, insbesondere für privates Wagniskapital, könnten den Unternehmergeist vieler Menschen wecken. Und: Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf würde vielen Müttern und Vätern die unternehmerische Selbständigkeit erleichtern, etwa durch das Recht auf einen Platz an einer Ganztagsschule für ihr Kind.

 

———————-

Quelle: DATEV eG