Die europäische Finanzkrise hat sich im 2. Quartal erneut zugespitzt. Je nachdem wie stark die einzelnen Länder von dieser Entwicklung betroffen waren, fallen die Einschätzungen der Verbraucher in Bezug auf die künftige Entwicklung von Konjunktur, Einkommen sowie der Bereitschaft, größere Ausgaben zu tätigen, unterschiedlich aus. Vor allem die Krisenstaaten Griechenland, Spanien und Italien haben mit der entsprechend schlechten Stimmung in der Bevölkerung zu kämpfen. Das sind Ergebnisse des GfK Konsumklima Europa und USA.
GfK, Pressemitteilung vom 17.07.2012
Die europäische Finanzkrise hat sich im zweiten Quartal erneut zugespitzt. Je nachdem wie stark die einzelnen Länder von dieser Entwicklung betroffen waren, fallen die Einschätzungen der Verbraucher in Bezug auf die künftige Entwicklung von Konjunktur, Einkommen sowie der Bereitschaft, größere Ausgaben zu tätigen, unterschiedlich aus. Vor allem die Krisenstaaten Griechenland, Spanien und Italien haben mit der entsprechend schlechten Stimmung in der Bevölkerung zu kämpfen. Das sind Ergebnisse des GfK Konsumklima Europa und USA, das einen Überblick über die Entwicklung von Konjunktur- und Einkommenserwartung sowie der Anschaffungsneigung der Konsumenten in zwölf europäischen Staaten sowie den USA gibt.
In den vergangenen Wochen und Monaten ist die Finanzkrise in Europa in Form einer Verschärfung der Bankenkrise zurückgekehrt. Wie eng das Schicksal der Staaten dabei mit dem der Banken verknüpft ist, zeigt der Fall Spanien. Die EU hat einem Rettungspaket von 100 Milliarden Euro für die Regierung in Madrid zugestimmt, um ihre Finanzinstitute zu retten. Auch Griechenland und Irland haben bereits Milliardenhilfen erhalten, um ihre Banken zu stützen. Je schlechter die Lage der Staaten ist, desto kritischer wird es auch für die Banken. Diese Verknüpfung ist in der Krise noch enger geworden. Auf der einen Seite helfen die Finanzinstitute ihren angeschlagenen Regierungen, indem sie ihre Staatsanleihen aufkaufen. Auf der anderen Seite springen die Staaten ein, wenn es für ihre Banken eng wird. Geht es dem Finanzsektor in einem Land schlecht, steigt faktisch die Staatsverschuldung. In der Folge senken die Rating-Agenturen schnell die Bonitätsbewertung für das jeweilige Land. So kürzlich geschehen in Italien.
Auf dem EU-Gipfel Ende Juni in Brüssel haben die europäischen Regierungschefs nun eine Ausweitung der Hilfen zur Stützung von Euro-Wackelkandidaten beschlossen. Die bestehenden Instrumente der Hilfsfonds EFSF (European Financial Stability Facility) und ESM (European Stability Mechanism) sollen künftig „flexibel“ eingesetzt werden können, um die Staatsanleihenmärkte zu stabilisieren. Krisenländer sollen so künftig leichter auf den Euro-Rettungsfonds zugreifen können und weniger Auflagen erfüllen müssen. Italien und Spanien leiden derzeit unter hohen Zinsen und haben akute Schwierigkeiten, sich neues Geld an den Märkten zu besorgen. Der Krisenfonds ESM soll Banken künftig direkt unterstützen dürfen. Bislang war das laut ESM-Vertrag nicht möglich. Das Geld sollte an die Regierung des jeweiligen Landes überwiesen werden, was die Schulden des jeweiligen Staates erhöhen würde, obwohl Italien und Spanien dagegen protestiert haben. Sie forderten, dass diese Zahlungen direkt an die zu rettenden Banken gehen, um den nationalen Haushalt nicht zu belasten. Voraussetzung dafür ist aber, dass vorher eine einheitliche Bankenaufsicht in der Euro-Zone geschaffen wird, bei der die Europäische Zentralbank (EZB) eine zentrale Rolle spielen soll. Zusätzlich wurde ein Konjunkturprogramm von 120 Milliarden Euro beschlossen. Die Märkte reagierten auf die Schnellmaßnahmen bislang positiv.
Ob diese Maßnahmen eine Entschärfung der Finanzkrise bewirken und ein Auseinanderfallen der Eurozone verhindern, werden die nächsten Monate zeigen. Entscheidend wird der Reformwille der betroffenen Länderregierungen sowie der jeweiligen Bevölkerung sein.
USA: Amerikaner hoffen auf wirtschaftliche Erholung
In den USA kommt die Wirtschaft noch nicht so richtig in Schwung. Experten glauben, dass sie gerade eine zweite Talsohle durchleben könnte. Um sie zu stimulieren, hat die Regierung kürzlich beschlossen, die Lohnsteuer von aktuell 4,2 Prozent das Jahr 2012 über beizubehalten. Das ist eine Reduzierung um zwei Prozentpunkte, die im Januar 2011 eingeführt wurde.
Die Amerikaner sind offensichtlich insgesamt der künftigen Entwicklung ihrer Wirtschaft gegenüber deutlich positiver gestimmt als die Europäer. Zudem hoffen Sie in den nächsten Monaten auf eine Erholung am Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenrate ist im April mit 8,1 Prozent auf den niedrigsten Wert seit Januar 2009 gesunken. Dieser Rückgang der Arbeitslosigkeit ist darauf zurückzuführen, dass inzwischen viele ältere Arbeitnehmer in den vorzeitigen Ruhestand gegangen sind, da sie keinen neuen Job bekommen haben. Der Indikator der Konjunkturerwartung ist seit August letzten Jahres von -3,9 Punkten kontinuierlich auf aktuell 21,2 Punkte gestiegen. Der Durchschnittswert für den bisherigen Erhebungszeitraum liegt bei 9 Punkten. Hinsichtlich ihrer weiteren finanziellen Lage zeigen sich die US-Bürger dagegen etwas weniger optimistisch: Die Einkommenserwartung liegt aktuell bei 14,7 Punkten; der Durchschnittswert beträgt 20 Punkte.
Die Konsumlaune der Verbraucher ist schlecht, die Einzelhandelsumsätze in den USA sind im Mai zum zweiten Mal in Folge gesunken. Entsprechend ist die Anschaffungsneigung der amerikanischen Verbraucher in den vergangenen Monaten wieder gefallen. Im Juni erreichte sie nur noch -9,6 Punkte. Der Durchschnittswert beträgt -7 Punkte. Dabei sind die Amerikaner längst wieder in alte Gewohnheiten zurückgefallen. Weil Löhne und Gehälter kaum steigen, kaufen die Konsumenten wieder auf Pump. In den vergangenen Monaten nahmen sie so viele Kredite auf, wie seit zehn Jahren nicht mehr; die Sparquote sank auf das niedrigste Niveau seit Ende 2007.
Der Immobilienmarkt hat seine Talsohle inzwischen erreicht. Teure Mieten und rekordtiefe Hypothekenzinsen ermuntern die US-Bürger wieder zum Hauskauf. Doch von gesunden Verhältnissen ist der Immobilienmarkt weit entfernt. Experten rechnen nicht vor dem Jahr 2016 mit einer Rückkehr zur Normalität. Auch der Bankensektor hat sich noch nicht von der Hypothekenkrise erholt. Viele wichtige Banken sind in den letzten Wochen von Ratingagenturen in ihrem Ranking herabgestuft worden. Hinzu kommt, dass die europäische Finanzkrise die Börsen weltweit hat sinken lassen. Die Märkte haben dadurch viel Vertrauen verloren. Angesichts dieser Situation schauen die amerikanischen Verbraucher genau auf ihre Ausgaben. Experten gehen davon aus, dass sie auch mittelfristig nicht mehr konsumieren werden.
Konjunkturerwartung: 21,2 Punkte
Durchschnitt: 9 Punkte
Einkommenserwartung: 14,7 Punkte
Durchschnitt: 20 Punkte
Anschaffungsneigung: -9,6 Punkte
Durchschnitt: -7 Punkte
Deutschland: Krise lässt Konjunkturerwartung sinken
Die Turbulenzen im Euro-Raum durch den zum Befragungszeitpunkt ungewissen Wahlausgang in Griechenland sowie die Rettungsaktion für den spanischen Bankensektor haben dem Konjunkturoptimismus der deutschen Verbraucher einen deutlichen Dämpfer versetzt. Das sich eintrübende internationale Umfeld zeigt nun offenbar auch Wirkung bei den Konjunkturaussichten der Deutschen. Die anhaltenden Diskussionen um die Zukunft der gemeinsamen Währung sowie die Bereitstellung finanzieller Mittel zur Stabilisierung des spanischen Bankensystems steigern in den Augen der Bürger die Risiken auch für die deutsche Konjunktur. Die Konsumenten befürchten offenbar, dass sich Deutschland über kurz oder lang dem Abwärtstrend im Euro-Raum nicht vollkommen entziehen kann. Vor allem für die Exportentwicklung bestehen durch die Rezession nicht unbeträchtliche Risiken auf wichtigen europäischen Absatzmärkten. Dies entspricht auch der Einschätzung der gewerblichen Wirtschaft. Die Unternehmen befürchten eine zunehmende Beeinträchtigung ihres Geschäfts durch die Eurokrise. Wachsende Beschäftigtenzahlen sowie im Vergleich zu den Vorjahren spürbar verbesserte Tarifabschlüsse lassen die Erwartungen an die weitere Einkommensentwicklung jedoch weiter steigen. Hinzu kommt, dass der Inflationsdruck zuletzt nachgelassen hat. Die Preissteigerung für die Lebenshaltung ist im Mai unter die psychologisch wichtige Schwelle von 2 Prozent gesunken. Dadurch sehen die Konsumenten ihre Kaufkraft gestärkt. Zudem ist es für viele Konsumenten aufgrund des fehlenden Vertrauens in die Finanzmärkte sowie des historisch niedrigen Zinsniveaus nicht sehr attraktiv, ihre finanziellen Mittel anzusparen. Stattdessen tendieren sie eher dazu, werthaltige Anschaffungen zu tätigen.
Konjunkturerwartung: 3,0 Punkte
Einkommenserwartung: 40,1 Punkte
Anschaffungsneigung: 32,7 Punkte
Weitere Informationen zu den einzelnen Indikatoren finden Sie auf der Homepage der GfK.
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Quelle: DATEV eG