Anlässlich der vom 3. – 9. Oktober in ganz Europa stattfindenden KMU-Woche stellte die Europäische Kommission ihren Bericht über kleine und mittlere Unternehmen für das Jahr 2010 vor, einschließlich Kurzdarstellungen zu den einzelnen EU-Mitgliedstaaten.
EU-Kommission, Pressemitteilung vom
04.10.2011
Anlässlich der vom 3. – 9. Oktober in
ganz Europa stattfindenden KMU-Woche stellte die Europäische Kommission am
04.10.2011 ihren Bericht über kleine und mittlere Unternehmen (KMU) für das Jahr
2010 vor, einschließlich Kurzdarstellungen zu den einzelnen EU-Mitgliedstaaten
(die so genannten SBA-Factsheets). Der Bericht trägt den Titel „Erholen sich die
KMU in der EU von der Krise?“
Dem Bericht zufolge bilden die KMU
weiterhin das wirtschaftliche Rückgrat der EU. 2010 waren im nichtfinanziellen
Bereich der gewerblichen EU-Wirtschaft fast 20,8 Millionen KMU tätig; davon
waren 19,2 Millionen Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten.
Insgesamt entfielen auf die KMU mehr als zwei Drittel (87,5 Millionen) aller
Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft der EU. Ihr Anteil an der
Gesamtbruttowertschöpfung betrug 58,4 %; der Rest entfällt auf die 43.000
Großunternehmen, die nur 0,2 % aller EU-Unternehmen ausmachen.
Es wird
davon ausgegangen, dass die Zahl der KMU 2011 um 0,9 % und ihre
Bruttowertschöpfung um 3,9 % zunehmen wird. Die Beschäftigtenzahl dürfte nach
einem zwei Jahre währenden Rückgang um 0,4 % steigen. Die Krise ist jedoch noch
nicht überwunden. Die KMU gehen nach wie vor unsicheren Zeiten
entgegen.
Die Kommission koordiniert die KMU-Woche vom 3. – 9. Oktober.
Sie verfolgt das Ziel, KMU anzukurbeln und die unternehmerische Initiative zu
fördern, damit sich mehr Menschen mit dem Gedanken anfreunden, unternehmerisch
tätig zu werden. Die beiden Hauptthemen in diesem Jahr sind die Übertragung von
Unternehmen und die Möglichkeit, Unternehmern nach einem Konkurs eine zweite
Chance zu geben. Die Hauptveranstaltung, das Gipfeltreffen der europäischen
KMU-Woche (European SME Week Summit), findet am 6. und 7. Oktober 2011 im
Europäischen Parlament statt. Sie wird von der Kommission zusammen mit der
interfraktionellen Arbeitsgruppe „Kleine und mittlere Unternehmen“ des
Europäischen Parlaments und Interessenorganisationen veranstaltet.
Der
für Industrie und Unternehmertum zuständige Kommissionsvizepräsident Antonio
Tajani erklärte: „Dass die Erholung im Jahr 2010 von den KMU ausging, zeigt
deutlich, wie wichtig sie für Wachstum und Beschäftigung sind. Mit der KMU-Woche
möchten wir einmal mehr hervorheben, welch entscheidende Rolle die kleinen und
mittleren Unternehmen für die europäische Wettbewerbsfähigkeit spielen und wie
dringlich es für die Politik ist, unternehmensfreundliche Rahmenbedingungen zu
schaffen, damit sie ihr Potenzial entfalten können. Europa braucht neue kreative
und innovationsfreudige Unternehmer, die bereit sind, Risiken einzugehen. Dies
ist der wichtigste Weg, die Krise zu meistern.“
2010 wurde die wirtschaftliche Erholung
von den KMU vorangebracht
Der neue Bericht stellt fest, dass sich
die KMU 2010 von der Rezession in den Jahren 2008/2009 erholten. Trotz
ungünstiger Rahmenbedingungen machten sie die schlimmsten Folgen des Abschwungs
im Jahr 2009 allmählich wett. Die Zahl der KMU in der EU blieb gegenüber 2009
mit insgesamt 20,8 Millionen konstant. Nach einem Rückgang von 6,4 % im Jahr
2009 legte die zusammengefasste Bruttowertschöpfung der KMU im Jahr 2010 um 3,4
% zu (hinzu kommt ein geschätzter Anstieg von 3,7 % im Jahr 2011). Es wäre
allerdings zu früh, die Entwicklung als uneingeschränkte Erholung der KMU
einzustufen, da sich die Beschäftigungslage noch nicht in gleichem Maße
verbessert hat. Der 2009 einsetzende Rückgang der Beschäftigungszahlen (-2,7 %)
verlangsamte sich 2010 zwar auf -0,9 %, dennoch ist von einem Nettoverlust von
über 823.000 Stellen in den europäischen KMU auszugehen. Kleinstunternehmen
waren von der Rezession weniger stark betroffen als kleine und mittlere
Unternehmen; sie erholen sich aber auch langsamer. Nach Wirtschaftszweigen
betrachtet nehmen die KMU – sowohl nach der Bruttowertschöpfung als auch nach
der Beschäftigungszahl – eine beherrschende Stellung in der Baubranche ein,
ferner im Groß- und Einzelhandel, im Beherbergungs- und Gaststättengewerbe sowie
im Bereich Grundstücks- und Wohnungswesen, Vermietung beweglicher Sachen,
Erbringung von unternehmensbezogenen Dienstleistungen.
Der SME
Performance Review 2010 (KMU-Leistungsüberprüfung 2010) zufolge, lassen
sich drei Gruppen unterscheiden:
- Die Gruppe der Länder, in denen die KMU sowohl bei der
Bruttowertschöpfung als auch bei der Beschäftigung positive Wachstumsraten
aufweisen, umfasst Österreich, Deutschland, Luxemburg, Malta, Rumänien, Schweden
und das Vereinigte Königreich. - Zur Gruppe der Länder, in denen die KMU sowohl bei der
Bruttowertschöpfung als auch bei der Beschäftigung negative Wachstumsraten
aufweisen, zählen Griechenland, Irland, Spanien, Lettland und Litauen. - Die Gruppe der Länder, deren KMU bei der Bruttowertschöpfung eine
positive, bei der Beschäftigung hingegen eine negative Wachstumsrate aufweisen,
die also einen Aufschwung ohne Beschäftigungszuwachs verzeichneten, umfasst
Belgien, Bulgarien, die Tschechische Republik, Dänemark, Estland, Frankreich,
Italien, Zypern, Ungarn, die Niederlande, Polen, Portugal, Slowenien, die
Slowakei und Finnland.
Die unterschiedliche Entwicklung der
KMU ist auf Unterschiede im Bereich der Makroökonomie, beim Export, bei den
Innovationen und bei der Leistung zurückzuführen sowie auf strukturelle Faktoren
(siehe MEMO/11/661).
Was haben die Mitgliedstaaten zur
Unterstützung der KMU getan?
Die SBA-Factsheets (SBA = Small
Business Act) bestätigen, dass sich die Voraussetzungen für KMU im Zeitraum
2005-2011 in den meisten EU-Ländern verbessert haben. Die deutlichsten
Fortschritte waren bei der Verbesserung des Zugangs zum Binnenmarkt zu
verzeichnen sowie bei der Reaktionsschnelligkeit öffentlicher Verwaltungen und
bei der Förderung unternehmerischer Initiative. Der einzige SBA-Bereich, in dem
sich die Voraussetzungen verschlechtert haben, war der „Zugang zu
Finanzmitteln“. In diesem Bereich verschlechterte sich die Lage 2010 trotz
beträchtlicher strategiepolitischer Anstrengungen. Von den 588 strategischen
Maßnahmen, die 2010 (und bis zum ersten Quartal 2011) von den 27 Mitgliedstaaten
in verschiedenen Politikbereichen (siehe Factsheets) ergriffen wurden,
konzentrierten sich allein 99 auf die Verbesserung des Zugangs zu Finanzmitteln.
Zusammen mit der Förderung der unternehmerischen Initiative und der Innovation
entfielen auf diese Bereiche fast 50 % aller Maßnahmen (285). Die Lage beim
Zugang zu Finanzmitteln zeigt nur zu deutlich, dass die politischen
Entscheidungsträger – ungeachtet der bisher ergriffenen Maßnahmen – noch
Etliches auf einzelstaatliche Ebene tun können und müssen, damit die KMU aus der
Krise herausfinden.
Europäische KMU-Woche: Europas
wichtigste Beschäftigungslokomotive auf Volldampf bringen
Die alljährlich stattfindende KMU-Woche
dient der Förderung von Unternehmen in ganz Europa. In den 37 Teilnehmerländern
(EU-27 sowie Albanien, Kroatien, die ehemalige jugoslawische Republik
Mazedonien, Island, Israel, Liechtenstein, Montenegro, Norwegen, Serbien und die
Türkei) werden von Wirtschaftsverbänden, Anbietern von Unterstützungsdiensten
für Unternehmen, nationalen, regionalen und lokalen Behörden über 1.000
Veranstaltungen organisiert; sie sollen den bestehenden Unternehmen dabei
helfen, sich weiterzuentwickeln. In diesem Jahr konzentriert sich die KMU-Woche
auf zwei wichtige Themen:
- Übertragung von Unternehmen: Jedes Jahr gehen in der EU geschätzte 450.000
Unternehmen mit über 2 Millionen Arbeitsplätzen auf einen neuen Eigentümer über.
Um diese Arbeitsplätze zu sichern und dafür zu sorgen, dass die übertragenen
Unternehmen wachsen und gedeihen können, müssen die europäischen Mitgliedstaaten
die Unternehmensübertragung einfacher und billiger machen und effektivere
Unterstützungsdienste entwickeln. - Eine zweite Chance für Unternehmer: Nur 50 % aller Unternehmen überleben die
ersten fünf Jahre nach ihrer Gründung. Etwa 15 % aller Unternehmensschließungen
sind Konkurse, davon haben lediglich 4 – 6 % betrügerischen Charakter. Ehrlichen
Unternehmern, die bereits einmal von einem Konkurs betroffen waren, sollte eine
faire Chance zum Neubeginn gegeben werden: Mit ihrer Erfahrung und ihrem
Engagement sind sie ein wichtiger Wegbereiter für neue Arbeitsplätze und neue
Unternehmen. Die EU-Mitgliedstaaten müssen einen Rechtsrahmen schaffen, der
gescheiterten Unternehmern, die einen Neubeginn wagen, dieselben Chancen bietet
wie Erstunternehmern; darüber hinaus müssen sie für angemessene unternehmerische
Unterstützungsleistungen sorgen.
Weiterführende
Informationen finden Sie auf der Homepage der EU-Kommission.
Quelle: EU-Kommission
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