Ohne Daten läuft in der deutschen Wirtschaft kaum noch etwas

Daten werden für Unternehmen aller Branchen immer wichtiger. Für 85 Prozent der Unternehmen in Deutschland mit 50 oder mehr Beschäftigten hat die Datennutzung bereits heute eine sehr große oder eher große Bedeutung. Und sogar 91 Prozent sind davon überzeugt, dass in zwei Jahren die Datennutzung von großer Bedeutung sein wird. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom.

Ohne Daten läuft in der deutschen Wirtschaft kaum noch etwas

Bitkom, Pressemitteilung vom 20.07.2020

  • 85 Prozent der Unternehmen sehen große Bedeutung von Daten für ihr Geschäft
  • Gesetzliche Verpflichtung zum Datenaustausch nicht hilfreich

Daten werden für Unternehmen aller Branchen immer wichtiger. Für 85 Prozent der Unternehmen in Deutschland mit 50 oder mehr Beschäftigten hat die Datennutzung bereits heute eine sehr große oder eher große Bedeutung. Und sogar 91 Prozent sind davon überzeugt, dass in zwei Jahren die Datennutzung von großer Bedeutung sein wird. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter 503 Unternehmen mit 50 oder mehr Beschäftigten. „Nur wer über Daten verfügt und sie vernünftig nutzt, wird künftig wirtschaftlich erfolgreich sein“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Rechtliche Vorgaben beim Datenschutz und im Kartellrecht müssen so gestaltet sein, dass innovative Geschäftsmodelle auch Luft zur Entwicklung haben.“

Die große Mehrheit der Unternehmen sammelt, analysiert und nutzt Daten intern, gerade einmal 8 Prozent geben an, darauf zu verzichten. Allerdings werden diese Daten in der Mehrheit der Unternehmen nur für einfache Analysen verwendet. So sammeln, analysieren und nutzen drei Viertel (74 Prozent) der Unternehmen Daten zur Unterstützung beim Personaleinsatz, zwei Drittel (64 Prozent) zur Finanzplanung und Liquiditätssteuerung. Aber nur eine Minderheit von 27 Prozent setzt auf Daten zur vorbeugenden Wartung und nur 15 Prozent für Simulationen von Betriebsabläufen oder Modellrechnungen, um Anpassungsprozesse voranzutreiben. Und gerade einmal 8 Prozent nutzen Daten zu Forschungszwecken. Rund die Hälfte der Unternehmen (48 Prozent) sammelt, analysiert und nutzt Daten zur Einschätzung der Bestandskunden, aber nur 35 Prozent versuchen auf diese Weise neue Kunden zu gewinnen. 17 Prozent vergleichen sich mittels Daten mit Wettbewerbern. Gerade einmal 18 Prozent setzen die Daten ein, um neue Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln, nur 12 Prozent entwickeln datengetriebene neue Geschäftsmodelle. „Unternehmen sollten nicht nur dort auf Daten setzen, wo man es schon immer getan hat oder wo es naheliegt. Wir brauchen eine Kultur der Datennutzung in allen Unternehmensbereichen“, so Berg.

Nach Ansicht der Unternehmen gibt es vor allem zwei Wege, um die Datennutzung im eigenen Unternehmen zu erleichtern: Zum einen Unternehmenskooperationen (48 Prozent), zum anderen die Ausweitung von Open-Data-Ansätzen (42 Prozent), bei denen die öffentliche Hand zum Beispiel vorhandene Wetter- oder Verkehrsdaten zur Verfügung stellt. Jedes vierte Unternehmen (23 Prozent) würde sich den Aufbau eines europäischen Daten-Ökosystems wünschen, rund jedes fünfte (18 Prozent) den Ausbau und die Förderung von Datenmärkten. 16 Prozent plädieren für die Einrichtung treuhänderisch gemanagter Datenpools. Schlusslicht bei den hilfreichen Maßnahmen ist die Einführung eines gesetzlich abgesicherten Anspruchs auf Zugang zu Daten anderer Unternehmen, die nur von 13 Prozent befürwortet wird. „Eine gesetzliche Pflicht zum Datenaustausch hilft den Unternehmen ganz offensichtlich am wenigsten“, sagte Berg. „Die Unternehmen sollten stattdessen möglichst viel Flexibilität bekommen, um über Verträge die notwendigen Regelungen selbst auszuhandeln und neue Wertschöpfungspotenziale zu erschließen.“

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Die Deutschen und ihr Büro

Corona hat viele Deutsche ins Homeoffice geschickt. Viele von ihnen arbeiten für gewöhnlich im Büro: Bundesweit gibt es 14,8 Millionen Büroarbeiter, Tendenz steigend. Das hatte jahrelang Folgen: Weil die Büromieten nach oben kletterten, wichen viele Firmen aus den Innenstädten in benachbarte Kreise aus, zeigt eine neue Studie des IW Köln.

Die Deutschen und ihr Büro

IW Köln, Pressemitteilung vom 19.07.2020

Corona hat viele Deutsche ins Homeoffice geschickt. Viele von ihnen arbeiten für gewöhnlich im Büro: Bundesweit gibt es 14,8 Millionen Büroarbeiter, Tendenz steigend. Das hatte jahrelang Folgen: Weil die Büromieten nach oben kletterten, wichen viele Firmen aus den Innenstädten in benachbarte Kreise aus, zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Deutschland ist eine Büronation. Bundesweit arbeiten rund 14,8 Millionen Menschen in Büros – und es werden immer mehr. Die Bürohauptstadt ist Frankfurt am Main, hier sitzt fast jeder zweite Beschäftigte regelmäßig klassisch am Schreibtisch. Aber auch Düsseldorf, München, Bonn und Stuttgart haben viele Angestellte, die ihr Arbeitsleben im Büro verbringen. Besonders in Städten mit großer öffentlicher Verwaltung ist die Bürodichte hoch, zeigt die Studie. Frankfurt beherbergt als Finanzmetropole naturgemäß viele Büros. Zudem arbeiten in Stuttgart, München, Frankfurt, Köln und Düsseldorf besonders viele Menschen in Unternehmensberatungen – und dort meist im Büro.

Hohe Mieten treiben Unternehmen aus den Städten

Im ländlichen Raum ist der Büro-Anteil deutlich geringer, allerdings wächst er vielerorts: Die bayrischen Landkreise Schwabach, Regen und Bayreuth beispielsweise verzeichnen 2019 fast 80 Prozent mehr Bürobeschäftigung als noch 2012. Vor allem in stadtnahen Kreisen ist diese Entwicklung gut zu beobachten: Weil mit dem steigenden Bedarf auch die Büromieten bis zur Pandemie gestiegen sind, wichen immer mehr Unternehmen in angrenzende Gebiete aus. Eschborn und Schwalbach bei Frankfurt zählen schon seit Jahren eine steigende Zahl an Büroarbeitern, hier sitzen beispielsweise SAP oder der US-Konsumriese Procter & Gamble. „Besonders verkehrsgünstig gelegene Kreise und Städte, die nah an Metropolen liegen, sind für Unternehmen attraktiv“, sagt Studienautor Michael Voigtländer. „Allerdings hat Corona diese Entwicklung vorerst gestoppt. In den kommenden Monaten dürften Büros nicht mehr so stark nachgefragt werden.“

Jeder zweite Büroarbeiter nutzt Homeoffice

Die Studie untersucht auch, wie verbreitet Homeoffice bei Bürobeschäftigten ist – schließlich ist Schreibtischarbeit prädestiniert für Homeoffice. Etwa 85 Prozent der Büroarbeiter könnten theoretisch auch zuhause arbeiten, wie nun auch Corona belegte. Tatsächlich arbeitete 2018 nahezu jeder zweite Büroarbeiter zumindest gelegentlich von zuhause aus, 2006 waren es noch etwas mehr als jeder dritte. Jeder zehnte Büroarbeiter lehnt Homeoffice ab, unabhängig davon, ob er die Möglichkeit dazu hätte oder nicht.

Die Studie basiert auf Befragungen von 20.000 Berufstätigen, durchgeführt vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) sowie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).

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Ein Land in Schockstarre – Kauflust der Deutschen stark gedämpft

Die Corona-Pandemie hat die Kauflust der Deutschen stark gedämpft, zeigt eine neue Studie des IW Köln. Die Konsumenten blicken voller Sorge auf den Arbeitsmarkt. Hier muss die Politik genau hinschauen und prüfen, ob die Hilfen wirksam sind.

Ein Land in Schockstarre – Kauflust der Deutschen stark gedämpft

IW Köln, Pressemitteilung vom 16.07.2020

Die Corona-Pandemie hat die Kauflust der Deutschen stark gedämpft, zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Die Konsumenten blicken voller Sorge auf den Arbeitsmarkt. Hier muss die Politik genau hinschauen und prüfen, ob die Hilfen wirksam sind.

Corona hat die Kauflaune weltweit und auch in Deutschland verdorben. Das zeigt der Verbrauchervertrauensindex, den das IW quartalsweise in Zusammenarbeit mit The Conference Board (TCB) und Nielsen veröffentlicht. Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie, also am Anfang des ersten Quartals 2020, lag der Wert noch bei 101,5 Punkten. Im zweiten Quartal fiel er nun auf 86,8 Punkte. In vielen Konsumbereichen hat der Lockdown die Nachfrage schlichtweg weggeschlossen.

Corona hat die Kauflaune weltweit und auch in Deutschland verdorben. Das zeigt der Verbrauchervertrauensindex, den das IW quartalsweise in Zusammenarbeit mit The Conference Board (TCB) und Nielsen veröffentlicht. Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie, also am Anfang des ersten Quartals 2020, lag der Wert noch bei 101,5 Punkten. Im zweiten Quartal fiel er nun auf 86,8 Punkte. In vielen Konsumbereichen hat der Lockdown die Nachfrage schlichtweg weggeschlossen.

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Rückzug aus der Globalisierung führt zu Wohlstandsverlusten

Die im Zuge der Corona-Pandemie geäußerte Forderung nach einer weniger integrierten Welt führt zu Einkommens- und Wohlstandsverlusten. Zum Beispiel die Produktion in größerem Umfang nach Deutschland zurück zu holen, wäre lt. ifo Institut keine Lösung für die aktuelle Krise.

Rückzug aus der Globalisierung führt zu Wohlstandsverlusten

ifo Institut, Pressemitteilung vom 14.07.2020

Die im Zuge der Corona-Pandemie geäußerte Forderung nach einer weniger integrierten Welt führt zu Einkommens- und Wohlstandsverlusten. Dies zeigt eine aktuelle Studie des ifo Instituts. „Die Globalisierung zurückzudrehen, also zum Beispiel Produktion in größerem Umfang nach Deutschland zurück zu holen, wäre keine Lösung für die aktuelle Krise“, stellt Lisandra Flach, Leiterin des ifo Zentrums für Außenwirtschaft, fest.

„Wir können zeigen, dass die wirtschaftlichen Folgen von COVID-19 nur marginal kleiner wären, wenn wir die Globalisierung jetzt zurückdrehen“, ergänzt Flach. In Deutschland hätten eine Renationalisierung und das Zurückholen der Produktion enorme negative Folgen auf die Wirtschaftskraft. „In einer Welt mit um 100 Prozentpunkte erhöhten Handelskosten zwischen allen Handelspartnern würde der COVID-19-Schock zu einer Verringerung des realen Einkommens von 7,4 Prozent führen“, ergänzt Marina Steininger, Ko-Autorin der Studie.

„In einer weniger integrierten Welt läge unsere Wirtschaftsleistung (BIP) bereits heute auf einem weitaus geringeren Niveau“, erklärt Flach. Laut den Berechnungen des ifo Instituts liegt das durch COVID-19 verringerte BIP Deutschlands auf dem Niveau von 2013. In einer weniger globalisierten Welt wäre das heutige BIP-Niveau mit dem Stand von 1996 vergleichbar. Zwar trifft der COVID-19-Schock globalisierte Länder stärker als geschlossene Volkswirtschaften. Aber durch die Globalisierung wurden die beteiligten Länder bereits früher auf ein Niveau gehoben, das ohne weltweite Wertschöpfung nie erreicht worden wäre.

„Die Krise wirkt sich sehr ungleichmäßig auf die verschiedenen Sektoren aus. Das Verarbeitende Gewerbe ist prozentual am stärksten betroffen, allen voran die Automobil- und Pharmaindustrie,“ sagt Marina Steininger.

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Inflationsrate im Juni 2020 bei +0,9 %

Die Inflationsrate in Deutschland – gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat – lag im Juni 2020 bei +0,9 %. Damit zog die Inflationsrate im Juni 2020 leicht an (Mai 2020: +0,6 %). Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, stiegen die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vormonat Mai 2020 um 0,6 %.

Inflationsrate im Juni 2020 bei +0,9 %

Inflationsrate zieht leicht an

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 14.07.2020

Verbraucherpreisindex, Juni 2020

  • +0,9 % zum Vorjahresmonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)
  • +0,6 % zum Vormonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)

Harmonisierter Verbraucherpreisindex, Juni 2020

  • +0,8 % zum Vorjahresmonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)
  • +0,7 % zum Vormonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)

Die Inflationsrate in Deutschland – gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat – lag im Juni 2020 bei +0,9 %. Damit zog die Inflationsrate im Juni 2020 leicht an (Mai 2020: +0,6 %). Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, stiegen die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vormonat Mai 2020 um 0,6 %.

Preisrückgang bei Energieprodukten binnen Jahresfrist abgeschwächt, aber Nahrungsmittel weiterhin teurer mit +4,4 %

Die Preise für Waren insgesamt erhöhten sich von Juni 2019 bis Juni 2020 nur um 0,2 %, vor allem infolge der Preisrückgänge bei Energieprodukten ( -6,2 %). Der Preisrückgang hat sich damit abgeschwächt (Mai 2020: -8,5 %), vor allem infolge der wieder steigenden Ölpreise auf dem Weltmarkt. Im Juni 2020 gingen insbesondere die Preise für Heizöl (-26,5 %) und Kraftstoffe (-15,1 %) gegenüber dem Vorjahresmonat zurück, hingegen verteuerte sich Strom um 4,1 %. Zudem erhöhten sich die Preise für Nahrungsmittel überdurchschnittlich um 4,4 %. Teurer wurden vor allem Obst (+11,1 %) sowie Fleisch und Fleischwaren (+8,2 %), billiger hingegen Speisefette und Speiseöle (-3,6 %). Merklich teurer wurden auch Tabakwaren (+6,2 %) sowie Zeitungen und Zeitschriften (+4,5 %), günstiger zum Beispiel Geräte der Informationsverarbeitung (-4,9 %).

Inflationsrate ohne Energieprodukte mit +1,6 % deutlich über der Gesamtteuerung

Die deutlichen Preisrückgänge bei Energieprodukten gegenüber dem Vorjahresmonat wirkten sich dämpfend auf die Inflationsrate aus: Ohne Berücksichtigung der Preise für Energieprodukte hätte die Inflationsrate im Juni 2020 bei +1,6 % gelegen, ohne Energieprodukte und Nahrungsmittel nur bei +1,3 %.

Dienstleistungen verteuerten sich binnen Jahresfrist überdurchschnittlich um 1,4 %

Die Preise für Dienstleistungen insgesamt erhöhten sich im Juni 2020 gegenüber dem Vorjahresmonat überdurchschnittlich um 1,4 %. Bedeutsam für diese Preisentwicklung war die Erhöhung bei den Nettokaltmieten (+1,4 %), da private Haushalte einen großen Teil ihrer Konsumausgaben dafür aufwenden. Nach den Lockerungen der Corona-Maßnahmen konnten Verbraucherinnen und Verbraucher wieder vermehrt Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Für Leistungen beim Friseur und für die Körperpflege (+5,1 %) und beim Besuch in Restaurants, Cafés und im Straßenverkauf (+2,6 %) mussten allerdings höhere Preise bezahlt werden. Ein Grund dürfte hier jeweils die Umsetzung der Hygieneauflagen nach der Wiedereröffnung in Zeiten der Corona-Pandemie sein. Noch deutlicher erhöhten sich die Preise für Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (+5,5 %). Hingegen wurden Fahrkarten im Fernverkehr deutlich günstiger (-16,0 %) auch durch die bereits seit Jahresbeginn gesunkene Mehrwertsteuer für Bahnfernfahrten von 19 % auf 7 %.

Kraftstoffpreise steigen wieder an: +5,0 % gegenüber Mai 2020

Im Vergleich zum Mai 2020 stieg der Verbraucherpreisindex insgesamt im Juni 2020 um 0,6 %. Die Preise für Energieprodukte zogen an (+1,3 %), insbesondere erhöhten sich Kraftstoffpreise (+5,0 %). Teurer wurden beispielweise auch Tabakwaren (+2,0 %). Hingegen gab es nennenswerte Preisrückgänge für Bekleidung und Schuhe (-2,3%), teilweise bedingt durch erste Rabatte auf die Frühjahrs- und Sommerware.

Inflationsrate im Euroraum voraussichtlich bei +0,3%

Der für den internationalen Vergleich berechnete Harmonisierte Verbraucherpreisindex für Deutschland (HVPI) lag im Juni 2020 um 0,8 % über dem Stand von Juni 2019. Nach der Schnellschätzung von Eurostat vom 30.06.2020 lag die Inflationsrate im Euroraum bei +0,3%. Nächster Veröffentlichungstermin für den HVPI ist der 17. Juli 2020. Die HVPI-Ergebnisse aller europäischen Länder finden Sie auf den Eurostatseiten.

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Mehrheit der Unternehmen will Homeoffice dauerhaft ausweiten

Knapp über die Hälfte (54 Prozent) der Unternehmen in Deutschland wollen Homeoffice dauerhaft stärker etablieren. Dies zeigt eine Studie des ifo Instituts.

Mehrheit der Unternehmen will Homeoffice dauerhaft ausweiten

ifo Institut, Pressemitteilung vom 13.07.2020

Knapp über die Hälfte (54 Prozent) der Unternehmen in Deutschland wollen Homeoffice dauerhaft stärker etablieren. Dies zeigt eine Studie des ifo Instituts, die im aktuellen ifo Schnelldienst erscheint. Die Studie basiert u. a. auf Auswertungen von Daten aus aktuellen ifo Unternehmensbefragungen und einer Mitgliederbefragung des Netzwerks LinkedIn. „Die Corona-Krise könnte einen dauerhaften Schub fürs Homeoffice bedeuten“, sagt Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien und Koautor der Studie.

Daten aus der ifo-Befragung zeigen, dass drei Viertel der Unternehmen in Deutschland zur Bewältigung der Krise Teile ihrer Belegschaft ins Homeoffice geschickt haben. In einer Umfrage unter den Mitgliedern des beruflichen Netzwerks LinkedIn gaben knapp die Hälfte der Mitglieder in Deutschland an, aufgrund der Pandemie ins Homeoffice gewechselt zu sein. „Für viele Unternehmen ging die Umstellung mit beträchtlichen Investitionen in digitale Infrastruktur und neue Kommunikationstechnologie einher. Diese Neuorganisation der Arbeit wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht vollständig rückgängig gemacht werden“, führt Falck aus. 56 Prozent der Beschäftigten in Deutschland könnten laut der ifo Studie zeitweise von zu Hause arbeiten. Vor der Corona-Pandemie wurde nur etwa die Hälfte dieses Potenzials ausgenutzt.

Zudem zeigt eine Auswertung von Stellenanzeigen und Jobsuchenden auf LinkedIn, dass die Aufrufe von Stellen, die zur Arbeit im Homeoffice ausgeschrieben sind, um mehr als das Doppelte gestiegen sind. „Dass Jobs in Zukunft vollständig ins Homeoffice verlagert werden, dürfte dennoch die Ausnahme bleiben“, erläutert Jean-Victor Alipour, Koautor der ifo-Studie und ergänzt: „Zum einen wissen wir, dass der Mangel an sozialen Kontakten im Homeoffice dauerhaft eine Belastung sein kann, zum anderen lässt sich kreativer Austausch und der Transfer von Ideen und Wissen nicht vollständig ins Digitale verlagern. Es ist wahrscheinlicher, dass sich hybride Arbeitsmodelle zwischen Präsenzarbeit und Homeoffice durchsetzen werden. Durch sie lassen sich die Vorzüge von Autonomie und Flexibilität im Homeoffice und die des sozialen Austauschs im Betrieb vereinen.“

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Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Juli 2020

Nach der Lockerung von Infektionsschutzmaßnahmen im In- und Ausland hat eine spürbare Erholung der deutschen Wirtschaft eingesetzt. Der Erholungsprozess steht aber erst am Anfang. Die Kapazitäten sind lt. BMWi noch deutlich unterausgelastet.

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Juli 2020

BMWi, Pressemitteilung vom 13.07.2020

  • Nach der Lockerung von Infektionsschutzmaßnahmen im In- und Ausland hat eine spürbare Erholung der deutschen Wirtschaft eingesetzt. Der Erholungsprozess steht aber erst am Anfang. Die Kapazitäten sind noch deutlich unterausgelastet.
  • Die Industrieproduktion hat ihren Tiefpunkt überschritten. Die gestiegenen Auftragseingänge deuten auf eine anziehende Produktion in den kommenden Monaten hin. Risiken bestehen jedoch insbesondere in der sich nur sehr leicht belebenden Nachfrage aus dem Nicht-Euroraum.
  • Die Pandemie-bedingte Belastung nimmt auch am Arbeitsmarkt weiter ab. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit fällt im Juni mit +69.000 Personen gegenüber dem Mai deutlich schwächer aus als in den Vormonaten. Ersten Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit zufolge waren im Mai etwa 6 Mio. Personen in Kurzarbeit nach 6,8 Mio. Personen im April. Die Frühindikatoren haben sich nach dem Einbruch in den Vormonaten wieder etwas erholt.

Allgemeine Lage: konjunktureller Tiefpunkt im April, dann allmähliche Erholung

Der konjunkturelle Tiefpunkt ist durchschritten. Nach einem beispiellosen Einbruch im April geht es im Mai wieder aufwärts. Die im letzten Monat veröffentlichten Konjunkturindikatoren senden zwei Signale: die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem spürbaren Aufholprozess, die Kapazitäten sind aber noch stark unterausgelastet. Die Lockerungen von Infektionsschutzmaßnahmen im In- und Ausland lassen Nachfrage und Angebot wieder steigen. Die Industrie meldete für den Mai einen Produktionszuwachs von +10,3 Prozent gegenüber April. Im Bereich Kfz und Kfz-Teile erholte sich der Produktionsindex besonders stark. Laut VDA werden im Juni weitere Steigerungen verzeichnet; sowohl die Neuzulassungen (+18 Prozent) als auch die Produktion (+84 Prozent) legten gegenüber Mai zu. Der Blick nach vorn deutet auf eine weitere Verbesserung hin; der ifo- und PMI-Index sowie die Auftragseingänge sind aufwärtsgerichtet. Auch in Teilen des Dienstleistungssektors hat die Erholung eingesetzt. Dies zeigt zum Beispiel die Entwicklung im Einzelhandel (ohne Kfz), für den inzwischen die Umsatzzahlen für Mai vorliegen: Mit einem Plus von +13,9 Prozent fiel die Gegenbewegung zum April deutlich aus. In der zweiten Jahreshälfte entstehen weitere Anreize zum Konsum durch die befristete Senkung der Steuern vom Umsatz. Für das mittlerweile abgelaufene zweite Quartal dürfte das Statistische Bundesamt am 30. Juli allerdings trotz gesamtwirtschaftlicher Erholung eine deutlich negative Veränderungsrate des Bruttoinlandsprodukts melden. Dies geht insbesondere auf den historisch einmaligen Einbruch im April zurück. Erst ab dem dritten Quartal werden für das Bruttoinlandsprodukt wieder positive Raten zu verzeichnen sein. Der Aufholprozess der deutschen Wirtschaft ist zwar dynamisch, steht aber erst am Anfang. Die Unterauslastung der Produktionskapazitäten ist noch hoch. Die Industrieproduktion befand sich im Mai erst bei etwa 75 Prozent des Niveaus vor Corona; in der Kfz-Branche waren es nur knapp 50 Prozent (laut VDA im Juni ca. 74 Prozent). Mitentscheidend für den weiteren Verlauf der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wird auch sein, wie schnell sich die Auslandsnachfrage nach deutschen Gütern erhöht. Im Mai wurden die Warenexporte mit +11,6 Prozent (nominal) zwar kräftig gesteigert. Die Ausfuhren zu wichtigen Handelspartnern, die besonders schwer von der Corona-Pandemie betroffen sind (z. B. Vereinigte Staaten und das Vereinigte Königreich), entwickeln sich aber schwächer als zu anderen Staaten (z. B. China). Auch bei den Auftragseingängen aus dem Ausland gibt es Unterschiede. Während die Aufträge aus der Eurozone für eine Verbesserung sprechen, unterstreichen die sich nur schleppend erholenden Bestellungen aus dem Nicht-Euroraum das Risiko der weltwirtschaftlichen Lage für die deutsche Konjunktur.

Weltwirtschaft: Indikatoren skizzieren heftige Rezession

Für die Weltkonjunktur zeichnet sich im zweiten Quartal ein stärkerer Einbruch als im ersten Quartal ab. Die globale Industrieproduktion ging im April massiv zurück. Viele Länder in Europa und dem Rest der Welt verschärften aufgrund der Ausbreitung des Corona-Virus ihre Infektionsschutzmaßnahmen. Es kam im April 2020 zu einer Drosselung der weltweiten Industrieproduktion von um 12,1 Prozent im Vergleich zum April 2019. Noch stärker fällt der Rückgang im globalen Warenhandel aus. Im April betrug der Absturz 16,2 Prozent im Vorjahresvergleich. Für den weiteren Jahresverlauf senden die Stimmungsindikatoren jedoch positive Signale. Der globale Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Industrie übertraf im Mai bereits wieder sein Niveau vom Februar, bleibt mit 47,7 Punkten aber noch unterhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Selbst bei einer raschen Erholung dürfte die Corona-Rezession der Weltwirtschaft das Ausmaß der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise 2008/09 deutlich übersteigen.

Auch nationale Frühindikatoren zur Außenwirtschaft verbesserten sich weiter. Die ifo Exporterwartungen für das Verarbeitende Gewerbe haben sich im Juni per Saldo deutlich aufgehellt. Mittlerweile gehen knapp 20 Prozent der Unternehmen (Mai: rund 14 Prozent) von einer Verbesserung in den nächsten drei Monaten aus. Die Auftragseingänge aus dem Ausland erholten sich im Mai ebenfalls, allerdings vor allem aus der Eurozone, weniger aus Drittstaaten. Die Aussichten für den deutschen Außenhandel verbessern sich damit. Im Zuge der Erholung von Produktion und Nachfrage sollten sowohl Exporte als auch Importe im Laufe der zweiten Jahreshälfte deutlich steigen.

Deutscher Außenhandel verzeichnet erste Belebung

Im Mai konnten sich die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen mit einem Anstieg von 7,7 Prozent gegenüber April von ihren kräftigen Rückgängen in den beiden Vormonaten: (April: -22,4 Prozent; März: -10,8 Prozent) etwas erholen. Das Niveau der Waren- und Dienstleistungsexporte liegt damit allerdings erst etwa bei 75 Prozent des Niveaus vor Beginn der Corona-Krise. Im Zweimonatsvergleich April/Mai ergab sich noch eine spürbare Abnahme von 24,0 Prozent.

Die unterschiedliche Betroffenheit von der Corona-Pandemie zeigt sich auch in den Außenhandelsdaten. Der Handel mit Staaten, die besonders schwer von der Corona-Pandemie betroffen sind, darunter die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich, entwickelt sich deutlich schwächer als mit Ländern, die geringe Neuinfektionszahlen melden, wie z. B. China.

Die Erholung der Einfuhren von Waren und Dienstleistungen fiel im Mai saisonbereinigt und nominal gegenüber dem Vormonat mit 3,0 Prozent gegenüber April vergleichsweise schwach aus (April: -18,0 Prozent; März: -6,8 Prozent). Im Zweimonatsvergleich sanken die Importe noch um beispiellose 19,7 Prozent.

Industrieproduktion erholt sich von niedrigem Niveau – Tiefpunkt durchschritten

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe hat sich nach dem drastischen Einbruch in den beiden Vormonaten im Mai deutlich erholt. Saisonbereinigt stieg sie gegenüber April um 7,8 Prozent. Der Zuwachs in der Industrie war mit +10,3 Prozent besonders ausgeprägt. Der Bau verzeichnete einen vergleichsweise moderaten Anstieg in Höhe von 0,5 Prozent. Maßgeblich für den Anstieg der Industrieproduktion war die Wiederaufnahme der im April weitestgehend zum Stillstand gekommenen Kfz-Produktion (ca. +216 Prozent). Dennoch entspricht das Niveau der Automobilproduktion im Mai nur etwa der Hälfte des Vorjahresniveaus. Auch aus den gewichtigen Bereichen Maschinenbau und Erzeugung von elektrischer Ausrüstung wurden kräftige Produktionssteigerungen gemeldet (+9,8 Prozent bzw. +4,7 Prozent); der Index liegt aber erst bei etwa 79 Prozent bzw. 84 Prozent des Vorjahreswerts. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe haben sich im Mai gegenüber dem Vormonat um 10,4 Prozent erhöht (April: -26,2 Prozent). Die Bestellungen von Investitionsgütern nahmen dabei spürbar um 20,3 Prozent zu (Kfz-Bereich: +44,4 Prozent), während bei Konsum- und Vorleistungsgütern geringere Zuwächse in Höhe von 4,7 Prozent bzw. 0,4 Prozent verzeichnet wurden.

Die Mai-Daten zur Produktion und den Auftragseingängen deuten darauf hin, dass der Tiefpunkt der Industrierezession durchschritten wurde. Auch das ifo Geschäftsklima und der PMI für die Industrie haben sich im Mai und Juni spürbar erholt. Das nach wie vor niedrige Niveau von Produktion und Auftragseingängen zeigt allerdings, dass der Aufholprozess noch lange nicht abgeschlossen ist. Zudem bleibt die immer noch schwache Entwicklung der außereuropäischen Bestellungen ein Risiko für die weitere Erholung.

Die Belebung im Einzelhandel hat begonnen

Im Mai nahm der Konsum auf Grund wieder geöffneter Geschäfte deutlich zu. Die Umsätze im Einzelhandel ohne Kfz steigerten sich von April auf Mai um 13,9 Prozent. Insbesondere der Einzelhandel mit Textilen, Bekleidung und Schuhen nahm um 173 Prozent zu, unterschreitet das Niveau aus dem Mai 2019 aber noch deutlich. Auch der Handel mit Einrichtungsgeständen erhöhte sich mit +42 Prozent kräftig, die Umsätze liegen damit bereits wieder über dem Vorjahreswert. Der Versandhandel nahm den zweiten Monat in Folge um mehr als 10 Prozent zu (April +11,3 Prozent und Mai +11,5 Prozent). Die Neuzulassungen von Pkw durch private Halter blieben im Juni allerdings nahezu auf dem Niveau des Vormonats und damit weiterhin unter dem Vorkrisenstand. Das ifo Geschäftsklima im Einzelhandel stieg im Juni deutlich, auch wenn es noch im negativen Bereich lag. Das GfK Konsumklima erholt sich im Juli weiter. Die Verbraucherpreise zogen im Juni gegenüber Mai um 0,6 Prozent an, der Preisauftrieb ging insbesondere von mittlerweile wieder möglichen Pauschalreisen aus, die deutlich teurer wurden. Die Inflationsrate erhöhte sich im Juni auf 0,9 Prozent (Mai: 0,6 Prozent). Die Kerninflationsrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) veränderte sich nur leicht von 1,2 Prozent im Mai auf 1,3 Prozent im Juni.

Anstieg der Arbeitslosigkeit deutlich schwächer als in den Vormonaten

Im Berichtsmonat Juni nehmen die Pandemie-bedingten Belastungen auf dem Arbeitsmarkt wieder ab. Die Arbeitslosigkeit stieg saisonbereinigt um 69.000 Personen und damit spürbar weniger stark als im April und Mai (+372.000 bzw. 237.000 Personen). Nach den Ursprungszahlen (2,85 Mio. Personen) wurde der Vorjahresstand aber weiterhin um 637.000 Personen überschritten. Durch den massiven Einsatz von Kurzarbeit wird ein stärkerer Anstieg vermieden. Die Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit betrafen im Juni 342.000 Personen und damit weniger als in den Monaten zuvor (Mai: 1,14 Mio. Personen; März/April: 10,66 Mio. Personen). Besonders viele Anmeldungen gab es in der Metallindustrie, dem Fahrzeugbau, dem Gastgewerbe sowie den Sonstigen Dienstleistungen. Für die tatsächlich realisierte Kurzarbeit liegen derzeit erst Daten für den April vor. Demnach erhielten im April 6,8 Mio. Personen konjunkturelles Kurzarbeitergeld. Damit wurde der Höchstwert während der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 um ein Vielfaches übertroffen. Nach vorläufigen Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit waren im Mai mit rund 6 Mio. Personen etwas weniger Menschen in Kurzarbeit.

Die saisonbereinigte Erwerbstätigkeit im Inland sank im Mai gegenüber dem Vormonat um 314.000 Personen, nach einer Abnahme um 273.000 Personen im April. Das waren die bislang stärksten Rückgänge seit der Wiedervereinigung Deutschlands. Eine Abwärtsrevision der Erwerbstätigenzahlen für den April ist allerdings wahrscheinlich. Daher kann damit gerechnet werden, dass sich der Rückgang im Mai im Vergleich zum Vormonat bereits etwas abgeflacht hat. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm im Shutdown-Monat April um 276.000 Personen ab (März: -42.000 Personen), wovon insbesondere das Verarbeitende Gewerbe, das Gastgewerbe, die Arbeitnehmerüberlassung sowie der Handel betroffen sind. Die Frühindikatoren haben sich etwas erholt, lassen in den nächsten Monaten aber noch keine nachhaltige Besserung erwarten.

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Mittelständler reagieren auf Corona-Krise mit verstärkter Innovationstätigkeit

Not macht erfinderisch. Mittelständische Unternehmen reagieren verstärkt mit Innovationen auf die Corona-Krise: 43 % aller Unternehmen haben angesichts der Pandemie bereits ihre Produkte, Prozesse oder Geschäftsmodelle verbessert oder planen entsprechende Maßnahmen. Dies zeigt eine aktuelle Sondererhebung auf Basis des KfW-Mittelstandspanels.

Mittelständler reagieren auf Corona-Krise mit verstärkter Innovationstätigkeit

KfW, Pressemitteilung vom 12.07.2020

  • Je größer der Umsatzeinbruch, desto höher die Innovationstätigkeit
  • Kleine Unternehmen in der Krise besonders innovationsaktiv
  • Aber: Corona-bedingte Innovationen beruhen nur selten auf Forschungs- und Entwicklungs-Aktivitäten
  • Corona-Krise dürfte Entwicklung grundlegender Innovationen erschweren

Mittelständische Unternehmen reagieren verstärkt mit Innovationen auf die Corona-Krise: 43 % aller Unternehmen haben angesichts der Pandemie bereits ihre Produkte, Prozesse oder Geschäftsmodelle verbessert oder planen entsprechende Maßnahmen. Dies zeigt eine aktuelle Sondererhebung auf Basis des KfW-Mittelstandspanels. Angesichts der kurzen Dauer seit Ausbruch der Krise ist dies ein beachtenswert hoher Anteil. Im Vergleich dazu haben im Zeitraum 2016-2018 lediglich 19 % der Mittelständler Produkt- oder Prozessinnovationen eingeführt.

Dazu kommt, dass Unternehmen, die unter starken Umsatzeinbußen leiden, sich besonders innovativ (41 %) zeigen. Außerdem sind Unternehmen, die bereits in der Vergangenheit Innovationen hervorgebracht haben, auch in der Krise überdurchschnittlich innovationsaktiv (42 % ggü. 30 % bei Unternehmen ohne Innovationstätigkeit in den zurückliegenden Jahren). Dies zeigt, dass innovative Unternehmen in der Lage sind, kurzfristig auf Krisen zu reagieren. Sie sind somit krisenfester als andere Unternehmen.

Allerdings basieren die Corona-bedingten Innovationen seltener auf Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten und werden nahezu ohne Vorlaufzeit im Unternehmen umgesetzt. Dies lässt darauf schließen, dass sie nicht das Ergebnis längerfristiger Entwicklungsprozesse sind, sondern häufig ad hoc umsetzbare Maßnahmen darstellen. Die angespannte finanzielle Lage der Unternehmen dürfte dagegen gerade dazu führen, dass tiefergehende Innovationsvorhaben in der Krise zeitlich gestreckt, im Umfang verringert oder ganz aufgegeben werden. Somit ist zu befürchten, dass von der Corona-Krise negative Auswirkungen auf das Hervorbringen grundlegender Innovationen im Mittelstand ausgehen.

Die Chefvolkswirtin der KfW, Dr. Fritzi Köhler-Geib, sagt zu den Ergebnissen:

„Die mittelständischen Unternehmen in Deutschland stemmen sich aktiv gegen die Krise. Viele von ihnen haben sehr schnell ihre Prozesse und Geschäftsmodelle den erschwerten Rahmenbedingungen angepasst. Das ist positiv. Wichtig ist aber auch, dass die Unternehmen ihre Forschungs- und Entwicklungs-Aktivitäten aufrechterhalten können und sich die Fähigkeit bewahren, echte Marktneuheiten zu entwickeln.“

Die Studie zeigt, dass der Schwerpunkt der Innovationen auf den Unternehmensprozessen liegt. 21 % alle mittelständischen Firmen haben diese verbessert oder erneuert. 14 % der Unternehmen haben ihr Geschäftsmodell erneuert oder verbessert. Ebenfalls 14 % der mittelständischen Unternehmen haben neue oder verbesserte Produkte und Dienstleistungen auf den Markt gebracht. Dieser im Vergleich zu den Prozessinnovationen geringere Anteil steht im Einklang mit Überlegungen, wonach Produktinnovationen häufiger in Aufschwung-Phasen auf den Markt gebracht werden.

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Start-ups brauchen im Schnitt 3,3 Mio. Euro

Die große Mehrheit der Start-ups in Deutschland benötigt in den kommenden zwei Jahren frisches Geld. Gerade einmal 2 Prozent geben an, dass sie keinen Kapitalbedarf haben, 71 Prozent benötigen dagegen neue Mittel, rund jedes Vierte will dazu keine Angaben machen. Der durchschnittliche Kapitalbedarf beträgt dabei lt. Bitkom 3,3 Mio. Euro – und durch die Corona-Krise sehen viele eine deutlich gesunkene Chance für eine erfolgreiche Finanzierung.

Start-ups brauchen im Schnitt 3,3 Mio. Euro

Bitkom, Pressemitteilung vom 08.07.2020

Die große Mehrheit der Start-ups in Deutschland benötigt in den kommenden zwei Jahren frisches Geld. Gerade einmal 2 Prozent geben an, dass sie keinen Kapitalbedarf haben, 7 von 10 (71 Prozent) benötigen dagegen neue Mittel, rund jedes Vierte will dazu keine Angaben machen. Der durchschnittliche Kapitalbedarf beträgt dabei 3,3 Millionen Euro – und durch die Corona-Krise sehen viele eine deutlich gesunkene Chance für eine erfolgreiche Finanzierung. So gaben zu Jahresbeginn noch 17 Prozent an, dass das benötigte Kapital bereits zur Verfügung steht. Von den Übrigen hielt es jedes dritte Start-up (34 Prozent) für sehr wahrscheinlich, die benötigten Finanzmittel einsammeln zu können, gut jedes zweite (49 Prozent) für eher wahrscheinlich. Nach dem Lockdown hat sich die Zuversicht stark eingetrübt: Nur noch jedes Zehnte (10 Prozent) sieht den Kapitalzufluss als gesichert an. Von den Übrigen halten 18 Prozent eine erfolgreiche Finanzierung jetzt für sehr wahrscheinlich, unverändert 49 Prozent sehen dies als eher wahrscheinlich an. Das ist das Ergebnis von Untersuchungen im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, für die im Februar und März 206 Start-ups sowie im Mai und Juni 112 Start-ups befragt wurden.

„Ohne erfolgreiche Finanzierungsrunden drohen Start-ups mit ihren hochqualifizierten Arbeitsplätzen und innovativen Technologien und Lösungen unverschuldet zu verschwinden. Dies müssen wir wo immer möglich verhindern, wenn wir Deutschland als erfolgreichen Start-up-Standort erhalten wollen“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Von den Ideen erfolgreicher Start-ups profitieren hierzulande Mittelstand und Großunternehmen ebenso wie die öffentliche Hand.“

Einen Ausweg sieht fast jedes vierte Start-up in einem Umzug ins Ausland. 23 Prozent überlegen, Deutschland mit ihrem Start-up zu verlassen, weil es hier zu wenig Kapital gibt. Zwei Drittel (69 Prozent) meinen, dass es in Deutschland zu wenig Venture Capital für Start-ups gibt. Und sogar drei Viertel (74 Prozent) sagen, dass es Start-ups in Deutschland helfen würde, wenn Versicherungen und Pensionsfonds einfacher in Venture Capital investieren können. Ein Börsengang zur Finanzierung kommt dabei nur für eine Minderheit der Start-ups in Frage. Gerade einmal jedes Fünfte (19 Prozent) streben den Gang aufs Parkett überhaupt an. „Weltweit mangelt es nicht an Venture Capital, wohl aber in Deutschland. Anders als in den USA treten institutionelle Investoren hierzulande bislang kaum als Start-up-Finanzierer in Erscheinung. Angesichts der Corona-Folgen ist es daher besonders wichtig, dass der Zukunftsfonds für Start-ups noch in diesem Jahr kommt“, so Berg.

Verglichen mit den Vorjahren ist der Kapitalbedarf der Start-ups nur leicht gestiegen. Im vergangenen Jahr hatten Start-ups für die kommenden zwei Jahre einen durchschnittlichen Bedarf von 3,2 Millionen Euro angegeben. 2018 lag dieser bei 3,1 Millionen Euro, 2017 bei nur 2,5 Millionen Euro.

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April 2020: 13,3 % weniger Unternehmensinsolvenzen als im April 2019

Im April 2020 haben die deutschen Amtsgerichte 1.465 Unternehmensinsolvenzen gemeldet. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 13,3 % weniger als im April 2019. Die wirtschaftliche Not vieler Unternehmen durch die Corona-Krise spiegelt sich somit bislang nicht in einem Anstieg der gemeldeten Unternehmensinsolvenzen wider. Ein Grund dafür ist, dass die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen seit dem 1. März 2020 ausgesetzt ist.

April 2020: 13,3 % weniger Unternehmensinsolvenzen als im April 2019

Vorläufige Angaben für eröffnete Regelinsolvenzverfahren im Juni 2020: -8,6 %

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 09.07.2020

Im April 2020 haben die deutschen Amtsgerichte 1.465 Unternehmensinsolvenzen gemeldet. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 13,3 % weniger als im April 2019. Die wirtschaftliche Not vieler Unternehmen durch die Corona-Krise spiegelt sich somit bislang nicht in einem Anstieg der gemeldeten Unternehmensinsolvenzen wider. Ein Grund dafür ist, dass die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen seit dem 1. März 2020 ausgesetzt ist.

Die meisten Unternehmensinsolvenzen gab es im April 2020 mit 249 Fällen im Baugewerbe (April 2019: 280). Unternehmen des Wirtschaftsbereichs Handel (einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen) stellten 231 Insolvenzanträge (April 2019: 284). Im Bereich der freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen wurden 163 (April 2019: 194) und im Gastgewerbe 159 (April 2019: 189) Insolvenzanträge gemeldet.

Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger aus beantragten Unternehmensinsolvenzen bezifferten die Amtsgerichte für April 2020 auf knapp 3,2 Milliarden Euro. Im April 2019 hatten sie bei knapp 1,7 Milliarden Euro gelegen. Dieser Anstieg der Forderungen bei gleichzeitigem Rückgang der Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist darauf zurückzuführen, dass im April 2020 mehr wirtschaftlich bedeutende Unternehmen Insolvenz beantragt hatten als im April 2019.

Neben den Unternehmensinsolvenzen meldeten 4.857 übrige Schuldner im April 2020 Insolvenz an. Das waren 34,2 % weniger als im Vorjahresmonat. Darunter waren 3.283 Insolvenzanträge von Verbraucherinnen und Verbrauchern (-40,1 % gegenüber April 2019) sowie 1.257 Insolvenzanträge von ehemals selbstständig Tätigen, die ein Verbraucher- beziehungsweise ein Regelinsolvenzverfahren durchlaufen.

Dieser sehr große Rückgang der Insolvenzanträge von Verbraucherinnen und Verbrauchern erklärt sich zum einen durch den eingeschränkten Betrieb der zuständigen Insolvenzgerichte während der Corona-Pandemie und einer damit verlängerten Bearbeitungszeit. Zum anderen haben Verbraucherinnen und Verbraucher den Zeitpunkt ihres Insolvenzantrages aufgrund der Corona-Pandemie zeitlich nach hinten verschoben.

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