Herausforderung Disruption

Immer noch beobachten und bewerten KMU zu selten neu aufkommende Technologien und Geschäftsmodelle. Dadurch setzen sie sich der Gefahr aus, Marktanteile an Mitbewerber oder branchenfremde Unternehmen zu verlieren oder gar aus dem Markt gedrängt zu werden. Dies zeigen aktuelle Forschungsergebnisse des IfM Bonn.

Herausforderung Disruption

IfM Bonn, Pressemitteilung vom 26.02.2019

Immer noch beobachten und bewerten kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zu selten neu aufkommende Technologien und Geschäftsmodelle. Dadurch setzen sie sich der Gefahr aus, Marktanteile an Mitbewerber oder branchenfremde Unternehmen zu verlieren oder gar aus dem Markt gedrängt zu werden. Dies zeigen aktuelle Forschungsergebnisse des IfM Bonn. Angesichts der zunehmenden Digitalisierung – derzeit der technologische Trend schlechthin – sollten mittelständische Unternehmen daher regelmäßig prüfen, inwieweit ihr eigenes Geschäftsmodell digital angreifbar ist.

So weisen beispielsweise die Autoren der Studie „SMEs‘ Responses to Potentially Disruptive Innovations: Does Strategic Entrepreneurship provide an Explanation?“ Dr. Rosemarie Kay, Dr. Sebastian Nielen und Dr. Christian Schröder empirisch nach, dass kleine und mittlere Unternehmen, die regelmäßig die Entwicklung neuer Technologien und Geschäftsmodelle auch jenseits der eigenen Branche beobachten, Wettbewerbsvorteile besitzen: Sie können nicht nur frühzeitig disruptive Trends identifizieren, sondern sie erkennen deutlich häufiger, dass sich daraus neue Geschäftschancen ergeben. Zugleich versuchen sie, diese Geschäftschancen durch strategische Maßnahmen gezielt zu nutzen.

Allerdings setzen die regelmäßige Beobachtung und Bewertung der digitalen Möglichkeiten voraus, dass die Entscheider die technologischen Entwicklungen verstehen. Dabei stellen nicht nur die Dynamik und Komplexität neuer digitaler Technologien die Führungskräfte vor Herausforderungen, sondern auch die rechtlichen Vorschriften im Hinblick auf den Datenschutz und die IT-Sicherheit. Zudem geben die Autoren des IfM-Denkpapiers „Digitale Geschäftsmodelle – Chancen und Herausforderungen für den Mittelstand“ Dr. Teita Bijedić und Marina Hoffmann zu bedenken, dass im Vorfeld einer strategischen Veränderung auch deren Folgen im Auge behalten werden müssen: So dürfen weder die notwendigen Veränderungen im Organisationsprozess außer Acht gelassen werden, die in der Regel im laufenden Betrieb stattfinden, noch der Weiterbildungsbedarf bei den Mitarbeitern. All dies verweist auf die Bedeutung der Unternehmensführung in diesem Prozess.

Im Rahmen ihrer Studie „Digitalisierungskompetenzen in der Führungsebene im Mittelstand“ befassten sich die IfM-Wissenschaftler Dr. Teita Bijedic, Max Paschke (Universität Siegen), Philipp Pasing, Dr. Christian Schröder zudem mit dem Vorgehen von Führungskräften im Zuge der Digitalisierung. Sie haben dabei verschiedene Führungstypen identifiziert: So haben Führungskräfte in größeren managementgeführten Unternehmen aufgrund ihrer spezialisierten Position (z. B. Chief Digital Officer) ein ganzheitliches Verständnis von der Digitalisierung als Führungsaufgabe. Ihnen ist klar, dass die Digitalisierung in ihrem Unternehmen nur gelingt, wenn auch die Belegschaft vom Nutzen der neuen Technologien überzeugt ist. Entsprechend sind für sie neben den fachlichen Kompetenzen auch beispielsweise Sozial- und Methodenkompetenz wichtig, um die Veränderungsprozesse professionell managen und um möglichen Bedenken der Mitarbeiter angemessen begegnen zu können. Inhaber von kleineren mittelständischen Unternehmen halten zwar teilweise ebenfalls ein Kompetenzbündel für bedeutsam – gleichwohl verlassen sie sich bei der Initiierung und Umsetzung neuer Digitalisierungsprojekte oftmals auf die Expertise interner und externer Fachkräfte. Inhaber von Handwerksbetrieben verstehen sich hingegen selbst als die Gestalter der Digitalisierung in ihrem Unternehmen – was auf ein ausgeprägtes aufgabenorientiertes Führungsverständnis zurückzuführen ist.

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ifo Exporterwartungen leicht gestiegen

Die Stimmung unter den deutschen Exporteuren hat sich etwas aufgehellt. Die ifo Exporterwartungen der Industrie sind im Februar auf 7,2 Saldenpunkte gestiegen, von 6,0 Saldenpunkten im Januar. Die deutsche Industrie behauptet sich in einem schwierigen weltwirtschaftlichen Umfeld.

ifo Exporterwartungen leicht gestiegen

ifo Institut, Pressemitteilung vom 25.02.2019

Die Stimmung unter den deutschen Exporteuren hat sich etwas aufgehellt. Die ifo Exporterwartungen der Industrie sind im Februar auf 7,2 Saldenpunkte gestiegen, von 6,0 Saldenpunkten im Januar. Die deutsche Industrie behauptet sich in einem schwierigen weltwirtschaftlichen Umfeld.

Die Zolldrohungen der US-Regierung haben im Moment keine negativen Auswirkungen auf die Exporterwartungen der Automobilindustrie. Es zeigt sich jedoch eine deutliche Zurückhaltung bei der Einschätzung der Lage. Im Moment wird weder ein Anstieg noch ein Fallen der Exporte erwartet. Mit deutlichen Zuwächsen im Auslandsgeschäft rechnet die Nahrungs- und Genussmittel-Industrie. Dagegen hat sich die Dynamik im Maschinenbau in den letzten Monaten deutlich abgeflacht. Es werden kaum noch zusätzliche Aufträge aus dem Ausland erwartet.

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Konjunktur in Deutschland und Eurozone legt 2019 Atempause ein

Da die konjunkturelle Schwächephase in Deutschland und in der Eurozone anhält, revidiert KfW Research seine Konjunkturprognosen 2019 für Deutschland auf 0,8 % (Vorprognose: 1,6 %) und für den Euroraum auf 1,1 % (Vorprognose: 1,6 %) deutlich nach unten.

Konjunktur in Deutschland und Eurozone legt 2019 Atempause ein

KfW, Pressemitteilung vom 22.02.2019

  • KfW Research revidiert Wachstumsprognose 2019 für Deutschland auf 0,8 % nach unten, 2020 Erholung auf 1,8 % erwartet
  • Wachstum im Euroraum 2019 nun bei 1,1 %, 2020 bei 1,5 %
  • Binnenwirtschaft stabil, Negativrisiken aus internationalem Umfeld bestimmen Konjunkturbild

Die konjunkturelle Schwächephase in Deutschland und in der Eurozone hält an, die Stimmung in den Unternehmen hat sich nach dem Jahreswechsel weiter eingetrübt. Bei stabil guter Binnennachfrage dominieren große internationale Risiken das Konjunkturbild – allen voran die Befürchtung eines „no-deal“-Brexit, die unsicheren wirtschaftlichen Aussichten für globale Schwergewichte wie China sowie die nicht abreißenden Spannungen in den Handelsbeziehungen. KfW Research revidiert infolgedessen seine Konjunkturprognosen 2019 für Deutschland auf 0,8 % (Vorprognose: 1,6 %) und für den Euroraum auf 1,1 % (Vorprognose: 1,6 %) deutlich nach unten.

„Die Konjunktur legt 2019 eine Atempause ein“, sagt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe. „In Deutschland dürfte das Wachstum mit 0,8 % erstmals seit 2013 wieder deutlich unterhalb der Potenzialrate liegen, auch im gesamten Euroraum schwenkt die Wirtschaft auf einen flacheren Wachstumspfad ein. Auf das schwache zweite Halbjahr 2018 dürfte ein nochmals schwaches erstes Quartal 2019 folgen. Im Jahresverlauf ist jedoch Besserung für die deutsche und europäische Wirtschaft in Sicht.“ Voraussetzung hierfür sei allerdings, dass sich ein harter Austritt Großbritanniens aus der EU Ende März vermeiden lasse.

Insgesamt bleibt 2019 vor allem die Binnenwirtschaft als Stütze für das Wachstum in Deutschland und Europa gefordert. Die fundamentale Ausgangslage dafür ist grundsätzlich gut. Eine niedrige Arbeitslosenquote, aufwärts gerichtete Reallöhne, eine hohe Kapazitätsauslastung und ein merklicher fiskalischer Impuls geben der Konjunktur Rückhalt. 2020 sind wieder höhere Wachstumsraten möglich. KfW Research erwartet im kommenden Jahr für Deutschland ein BIP-Plus von 1,8 %. Ein erheblicher Teil der Wachstumsbeschleunigung ist allerdings allein der veränderten Feiertagslage zu verdanken (Kalendereffekt): Die Erwerbstätigen werden im kommenden Jahr fast vier Tage länger arbeiten als 2019 und so die Produktion zusätzlich anschieben. Bereinigt um den Kalendereffekt wächst die deutsche Wirtschaft 2020 lediglich um 1,4 %. Für die Eurozone prognostiziert KfW Research im kommenden Jahr ein kalenderbereinigtes Wachstum von 1,5 %.

„Alles in allem erwarte ich eine ausgeprägte Wachstumsdelle, aber keine Rezession“, fasst Zeuner zusammen. Die Abwärtsrisiken blieben allerdings hoch. „Ein ungeordneter Brexit, ein globaler Handelskrieg, Autozölle und Konjunktursorgen in China – all das ist nicht vom Tisch. Sollten die Risiken schlagend werden, könnte die Konjunktur in Deutschland und Europa vollends kippen.“

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Verbraucherpreise Januar 2019: +1,4 % gegenüber Januar 2018

Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, lagen die Verbraucherpreise in Deutschland im Januar 2019 um 1,4 % höher als im Januar 2018. Damit hat sich die Inflationsrate – gemessen am Verbraucherpreisindex – abgeschwächt.

Verbraucherpreise Januar 2019: +1,4 % gegenüber Januar 2018

Inflationsrate weiter abgeschwächt

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 21.02.2019

Verbraucherpreisindex, Januar 2019

  • +1,4 % zum Vorjahresmonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)
  • -0,8 % zum Vormonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)

Harmonisierter Verbraucherpreisindex, Januar 2019

  • +1,7 % zum Vorjahresmonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)
  • -1,0 % zum Vormonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)

Die Verbraucherpreise in Deutschland lagen im Januar 2019 um 1,4 % höher als im Januar 2018. Damit hat sich die Inflationsrate – gemessen am Verbraucherpreisindex – abgeschwächt (Dezember 2018: +1,6 %). Im Vergleich zum Vormonat Dezember 2018 sank der Verbraucherpreisindex im Januar 2019 deutlich um 0,8 %.

Maßgeblich verantwortlich für die im Vergleich zum Vormonat geringere Inflationsrate war die Preisentwicklung bei Energieprodukten. Die Energiepreise lagen im Januar 2019 um 2,3 % höher als im Januar 2018. Der Preisanstieg der Energie hat sich damit weiter verringert (Dezember 2018: +4,9 %; November 2018: +8,7 %). Betrachtet man die einzelnen Energieprodukte, so verteuerten sich Strom, Gas und andere Brennstoffe von Januar 2018 bis Januar 2019 um 3,3 %. Die Preise für Kraftstoffe erhöhten sich im gleichen Zeitraum um 0,3 %. Ohne Berücksichtigung der Energiepreise hätte die Inflationsrate im Januar 2019 bei +1,3 % gelegen.

Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich von Januar 2018 bis Januar 2019 um 0,8 %. Der Preisanstieg bei Nahrungsmitteln lag damit unterhalb der Gesamtteuerung. Teurer binnen Jahresfrist wurde vor allem Gemüse (+6,3 %). Auch für einige andere Nahrungsmittelgruppen mussten die Verbraucherinnen und Verbraucher mehr bezahlen (zum Beispiel Fisch, Fischwaren und Meeresfrüchte: +2,4 %; Brot und Getreideerzeugnisse: +1,7 %). Günstiger waren im Januar 2019 gegenüber dem Vorjahresmonat insbesondere Obst (-5,1 %) sowie Molkereiprodukte (-1,3 %).

Die Preise für Waren insgesamt erhöhten sich im Januar 2019 gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,3 %. Die Preise für Dienstleistungen insgesamt stiegen mit 1,4 % im gleichen Zeitraum etwas stärker. Unter den Waren verteuerten sich neben der Energie (+2,3 %) und den Nahrungsmitteln (+0,8 %) unter anderem Zeitungen und Zeitschriften (+4,9 %) sowie Bier und Tabakwaren (jeweils: +3,0 %). Andere Waren wurden hingegen günstiger, zum Beispiel Telefone (-8,3 %), Geräte der Unterhaltungselektronik (-5,9 %) und Informationsverarbeitungsgeräte (-5,3 %). Bedeutsam für die Preisentwicklung der Dienstleistungen war die Preiserhöhung bei Nettokaltmieten (+1,5 %), da private Haushalte einen großen Teil ihrer Konsumausgaben dafür aufwenden. Stärker verteuerten sich zum Beispiel Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (+4,4 %), Wartung und Reparatur von Fahrzeugen (+3,0 %) sowie Gaststättendienstleistungen in Restaurants, Cafés und Straßenverkauf (+2,2 %).

Veränderung im Januar 2019 gegenüber dem Vormonat Dezember 2018

Der Preisrückgang im Januar 2019 um 0,8 % im Vergleich zum Dezember 2018 war zu einem erheblichen Teil saisonbedingt: So lagen vor allem die Preise für Pauschalreisen im Januar 2019 unter dem Niveau des Urlaubsmonats Dezember (-24,6 %). Zudem sanken gegenüber dem Vormonat die Preise für Bekleidungsartikel (-6,0 %) sowie für Schuhe und Schuhzubehör (-3,1 %) deutlich, insbesondere aufgrund der Rabatte bei Winterwaren.

Auch die Preise für Energie insgesamt sanken im Januar 2019 gegenüber dem Vormonat (-2,0 %). Insbesondere gingen die Preise für Kraftstoffe (-7,3 %) und leichtes Heizöl (-5,2 %) spürbar zurück. Teurer binnen Monatsfrist wurden hingegen Nahrungsmittel (+0,6 %), vor allem stiegen die Preise für Gemüse (+2,7 %).

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Private-Equity-Gesellschaften kauften 2017 mehr als 270 Unternehmen

Wie die Hans-Böckler-Stiftung mitteilt, boomt das Geschäft von Finanzinvestoren in Deutschland. Private-Equity-Gesellschaften (PE) haben 2017 insgesamt 274 Unternehmen übernommen – rund 30 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Gemessen an der Zahl der Käufe ist das der höchste Wert seit dem Rekordjahr 2007.

Private-Equity-Gesellschaften kauften 2017 mehr als 270 Unternehmen

Einstiege in Gesundheitsbranche wachsen stark – Mehrheit der Fonds an Offshore-Standorten

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 20.02.2019

Das Geschäft von Finanzinvestoren in Deutschland boomt. Private-Equity-Gesellschaften (PE) haben 2017 insgesamt 274 Unternehmen übernommen – rund 30 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Gemessen an der Zahl der Käufe ist das der höchste Wert seit dem Rekordjahr 2007 – unmittelbar vor der Finanz- und Wirtschaftskrise. Auch das Transaktionsvolumen erreichte mit bis zu 24,5 Milliarden Euro einen Höchststand. Von den 131 PE-Fonds, die 2017 in Deutschland Unternehmen kauften und identifizierbar waren, hatten 63 Prozent ihren Rechtssitz an einem Offshore-Standort. Besonders aktiv waren die Investoren in der Gesundheitsbranche. Für Beschäftigte und Arbeitnehmervertreter ist der Umgang mit den neuen Eigentümern oft nicht einfach, zudem könnte der verstärkte Einstieg von stark renditeorientierten Firmenhändlern den Sozial- und Gesundheitssektor drastisch verändern. Das ergibt der aktuelle „Private Equity Monitor“, den Dr. Christoph Scheuplein vom Institut Arbeit und Technik (IAT), gefördert vom Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.) der Hans-Böckler-Stiftung, erstellt hat. Die jährliche Auswertung stellt die einzige regelmäßig erscheinende wissenschaftliche Berichterstattung zu den Aktivitäten von Private Equity in Deutschland dar. Ende Februar trifft sich die PE-Branche zur „SuperReturn“-Konferenz in Berlin.

Private Beteiligungsgesellschaften gelten als besonders aktive Finanzinvestoren, ihr Geschäftsmodell besteht im Kaufen und Verkaufen von Unternehmen. Auffällig ist, dass sie 2017 verstärkt kleine und mittlere Unternehmen erwarben. Nur in zwei Fällen wurden Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten aufgekauft, im Schnitt hatten die übernommenen Firmen 340 Mitarbeiter. Die Zahl der insgesamt von Übernahmen betroffenen Arbeitnehmer sank gegenüber 2016 um 13 Prozent auf 93.200, obwohl es deutlich mehr Transaktionen gab. „Der Boom an Übernahmen von Unternehmen durch Private-Equity-Gesellschaften zeigt, dass immer mehr Unternehmen und inzwischen auch die mittleren und kleinen Unternehmen in den Einflussbereich der Finanzinvestoren geraten“, schreibt IAT-Experte Scheuplein.

Verkäufe zu knapp 60 Prozent von einer PE-Gesellschaft an die nächste

Auch die Zahl der Verkäufe, an denen Private-Equity-Gesellschaften beteiligt waren, stieg 2017 – um neun Prozent auf 110. Dabei fehlten jedoch ebenso umsatz- und beschäftigungsstarke Firmen: Nur ein Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten wurde verkauft. Aus diesem Grund ging die Zahl der betroffenen Beschäftigten um mehr als ein Drittel auf 64.000 zurück. In knapp 60 Prozent der Fälle verkauften Finanzinvestoren an andere Finanzinvestoren, was als „Secondary Buyout“ bezeichnet wird. Außerdem haben sich Private-Equity-Gesellschaften in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Verkaufspartner für chinesische Unternehmen entwickelt: Von den 182 Unternehmen, die Chinas Investoren in den Jahren 2011 bis 2017 in Deutschland erwarben, stammten insgesamt 43 Unternehmen aus dem Eigentum eines Finanzinvestors.

Das Engagement von Private-Equity-Investoren ist häufig kurzfristig angelegt. Im Schnitt waren die Beteiligungsgesellschaften, die 2017 ein Unternehmen aus Deutschland verkauften, erst fünf Jahre zuvor eingestiegen. Ein Grund: Die Gesellschaften beschaffen Kapital überwiegend über Fonds, in denen institutionelle Investoren und vermögende Privatpersonen ihr Geld anlegen. Die Laufzeit dieser Fonds ist in der Regel begrenzt, in dieser Zeit muss eine möglichst hohe Rendite erzielt werden. Aus Sicht der Investoren ergebe es Sinn, so Scheuplein, den schnellen Erfolg zu suchen: durch die Veräußerung von Vermögenswerten, das Abstoßen von vermeintlichen Randbereichen, Outsourcing, Aufspaltung, Stellenabbau. Neue Produkte zu entwickeln oder Zukunftsmärkte zu erschließen, komme hingegen zu kurz. Und wenn ein Finanzinvestor nach wenigen Jahren aussteigt, stehe ein weiterer Eigentümerwechsel an – mit erneuten Veränderungen von Unternehmensstrategien, Geschäftsfeldern und Standorten. Die Beschäftigten erlebten diese Wechsel häufig als eine Zeit der jahrelangen Unsicherheit. Insbesondere, wenn der nächste Eigner wiederum ein Private-Equity-Fonds ist.

Mitbestimmung kann Kontinuität fördern, wird aber oft verwehrt

Die Mitbestimmung im Aufsichtsrat könne ein gewisses Gegengewicht zu kurzatmigen Strategiewechseln bilden, betont der Wissenschaftler. Sie bleibt allerdings vielen Arbeitnehmern vorenthalten: Dem „Private Equity Monitor“ zufolge hatten 39 Unternehmen, die im Jahr 2017 im Besitz einer Beteiligungsgesellschaft waren, mehr als 2.000 Beschäftigte in Deutschland. Sie müssten laut Gesetz paritätisch mitbestimmt sein. Tatsächlich war das aber nur in der Hälfte der Unternehmen der Fall, wobei 18 Unternehmen die gesetzlichen Vorgaben ignorierten und in drei weiteren Unternehmen die Mitbestimmung aktiv vermieden wurde, etwa durch die Einschaltung einer Holding in der Rechtsform einer Societas Europaea.

In den Unternehmen mit 500 bis 1.999 Beschäftigten, bei denen das Gesetz ein Drittel der Aufsichtsratssitze für Arbeitnehmer vorsieht, fiel die Vermeidungsquote noch höher aus. Von allen im Jahr 2017 übernommenen Unternehmen waren fast 90 Prozent nicht drittelparitätisch mitbestimmt, konstatiert der IAT-Forscher. Firmen im Eigentum von Private Equity ignorierten oder verwehrten Mitbestimmungsrechte häufiger, als das im Durchschnitt vergleichbarer Unternehmen vorkomme.

„Vermeidung und Ignorierung von Mitbestimmung sind nicht nur ein Verstoß gegen geltende Gesetze. Sie zeigen vor allem auch, dass den Investoren das Interesse an einer langfristigen Entwicklungsperspektive im Sinne aller Beteiligten fehlt“, sagt Alexander Sekanina“, I.M.U.-Experte für Finanzinvestoren. „Das Unternehmen wird einzig den Renditeinteressen der Investoren unterworfen, während die Arbeitnehmer die Folgen entgegenzunehmen haben, ohne mitreden zu können“, erklärt der Ökonom.

Auch auf Ebene der betrieblichen Mitbestimmung signalisiert der „Private-Equity-Monitor“ Probleme: Wenn sich Finanzinvestoren ins operative Geschäft einmischen, verringert sich der Entscheidungsspielraum der Geschäftsführung vor Ort. Damit kann den Betriebsräten ihr Gesprächs- und Verhandlungspartner verloren gehen – erst recht, wenn es sich bei den neuen Eigentümern um Investoren handelt, die ihren Sitz im Ausland haben.

Gut 60 Prozent der Fonds in „Steueroasen“

Während die in Deutschland ansässigen Private-Equity-Gesellschaften in früheren Jahren die Mehrheit der Buyouts tätigten, ist ihr Anteil 2017 auf 38 Prozent gefallen. Auf Gesellschaften aus Großbritannien und den USA entfielen rund 31 Prozent der Käufe. Die Finanzinvestoren mit einem Sitz in Frankreich oder Benelux, die 2016 einen starken Anstieg erlebten, konnten ihre Position halten mit einem Anteil von 16 Prozent. Bemerkenswert waren einige große Transaktionen schwedischer Investoren. Sie hatten zwar nur einen Anteil von 5 Prozent an allen Buyouts, davon betroffen war allerdings ein Fünftel der Beschäftigten von allen übernommenen Firmen. Die in Deutschland aktiven Fonds zahlten ihren Anlegern 2017 im Schnitt eine Verzinsung von 18,6 Prozent – fast fünf Prozentpunkte mehr als die Fonds, die im Vorjahr in Deutschland aktiv gewesen sind. Diese außerordentliche Rendite könne auch deshalb erzielt werden, so der Wissenschaftler, weil 63 Prozent der 2017 als Käufer identifizierbaren Fonds ihre Gewinne in „Steueroasen“ wie Guernsey und Jersey, den Kaimaninseln oder Luxemburg versteuern.

Vermehrt Interesse an Pflegeheimen und Praxen

Die Gesundheitsbranche erlebte einen starken Anstieg an Übernahmen und nahm mit einem Anteil von 15 Prozent – gleichauf mit der Software- und Internetbranche – erstmals den ersten Rang ein. Gemessen an der Zahl der Beschäftigten lag die Gesundheitsbranche mit einem Anteil von mehr als einem Drittel unangefochten auf dem ersten Platz. Ausschlaggebend dafür war zum einen die Übernahme mehrerer großer Pflegeheimbetreiber. Zum anderen haben Investoren eine Reihe von Arztpraxen übernommen, mit dem Ziel, diese zu international aufgestellten Unternehmensgruppen zusammenschließen.

Das Aufkaufen kleinerer Betriebe und deren anschließende Zusammenlegung ist eine beliebte Strategie von Finanzinvestoren, bekannt unter dem Namen „Buy and Build“. Dass sie auch im deutschen Gesundheitssektor zum Einsatz kommt, ist durch regulatorische Veränderungen möglich geworden. Erst seit 2015 dürfen beispielsweise einzelne Zahnarztpraxen durch einen nicht-medizinischen Investor übernommen werden. „Das rasante Größenwachstum der neuen Pflegekonzerne und Facharztketten macht deutlich, dass es hier um eine Neuordnung der Branchen- und Wertschöpfungsstrukturen geht“, schreibt Scheuplein. Bei dieser Entwicklung handele es sich um eine „neue Dimension der Privatisierung und Finanzialisierung von Einrichtungen der öffentlichen Daseinsvorsorge“. Wenn die Marktanteile in einigen Jahren neu verteilt sind, werde die Solidargemeinschaft mit neuen, handlungsstarken Akteuren konfrontiert sein. Die Leidtragenden könnten Patienten und Beschäftigte sein, warnt der Experte. „Es erscheint dringend erforderlich, den aktuellen Eingriff von Finanzinvestoren in den Gesundheitssektor wieder zu unterbinden.“

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Erwartungen nahezu unverändert bei schwächelnder Konjunktur

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland steigen im Februar 2019 um 1,6 Punkte auf einen neuen Wert von minus 13,4 Punkten an. Der Indikator hat sich damit zwar geringfügig verbessert, befindet sich aber nach wie vor sehr deutlich im negativen Bereich.

Erwartungen nahezu unverändert bei schwächelnder Konjunktur

ZEW, Pressemitteilung vom 19.02.2019

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland steigen im Februar 2019 um 1,6 Punkte auf einen neuen Wert von minus 13,4 Punkten an. Der Indikator hat sich damit zwar geringfügig verbessert, befindet sich aber nach wie vor sehr deutlich im negativen Bereich und unterhalb des langfristigen Durchschnitts von 22,4 Punkten. Die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage für Deutschland hat sich im Februar weiter deutlich verschlechtert. Sie fällt um 12,6 Punkte auf einen Wert von 15,0 Punkten.

„Eine schnelle Korrektur der schwächelnden Wirtschaftsentwicklung wird aktuell nicht erwartet. Die konjunkturelle Lage in Deutschland hat sich vor allem im produzierenden Gewerbe enttäuschend entwickelt. Die Industrieproduktion ist erneut gesunken, die Auftragseingänge stocken und vom Außenhandel kommen derzeit keine neuen Impulse. Dies spiegelt sich im starken Rückgang der Lageeinschätzung wider. Für die kommenden sechs Monate erwarten die Finanzmarktexperten/-innen unserer Umfrage auch keine Verbesserung“, kommentiert ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach, Ph.D.

Die Erwartungen der Finanzmarktexperten/-innen an die Konjunkturentwicklung in der Eurozone steigen um 4,3 Punkte auf einen neuen Wert von minus 16,6 Punkten. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Eurogebiet sinkt hingegen erneut deutlich. Der aktuelle Wert der Lageeinschätzung beträgt minus 3,0 Punkte und liegt damit 8,3 Punkte unterhalb des Wertes vom Vormonat.

Die Einschätzungen zu zukünftigen kurzfristigen Zinsen gehen entsprechend ebenfalls stark zurück. Die Erwartungen für kurzfristige Zinsen für das Eurogebiet sinken um 5,3 Punkte auf einen neuen Wert von 6,8 Punkten.

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Rezessionswahrscheinlichkeit steigt auf 34 Prozent – Konjunkturampel schaltet auf erhöhte Unsicherheit

Die Aussichten für die deutsche Konjunktur haben sich in den vergangenen Wochen deutlich eingetrübt. Das zeigen auch die neuesten Werte, die der IMK-Konjunkturindikator der Hans-Böckler-Stiftung liefert.

Rezessionswahrscheinlichkeit steigt auf 34 Prozent – Konjunkturampel schaltet auf erhöhte Unsicherheit

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 18.02.2019

Die Aussichten für die deutsche Konjunktur haben sich in den vergangenen Wochen deutlich eingetrübt. Das zeigen auch die neuesten Werte, die der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung liefert. Für den Zeitraum von Februar bis Ende April ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Wirtschaft in eine Rezession gerät, erneut gestiegen – auf jetzt 34 Prozent. Gegenüber dem Januar-Wert fiel die Zunahme des Rezessionsrisikos im Indikator, der die aktuellsten verfügbaren Daten über die Wirtschaftslage bündelt, mit neun Prozentpunkten zwar noch relativ moderat aus. Doch bei Überschreiten der 30-Prozent-Marke hat das nach dem Ampelsystem arbeitende Frühwarnsystem auf eine höhere Stufe umgeschaltet: Statt „grün-gelb“, was für eine Phase mit durchschnittlichem Wachstum steht, zeigt der Indikator nun „gelb-rot“. Das signalisiert eine Situation erhöhter konjunktureller Unsicherheit.

Der Anstieg der Rezessionswahrscheinlichkeit beruht nach Analyse des IMK maßgeblich auf dem Rückgang der Industrieproduktion seit Oktober 2018 sowie der fortgesetzten Verschlechterung bei Stimmungsindikatoren wie dem ifo-Index. Hinzu kommen negative Signale von den Finanzmärkten. Zwar haben sich die Börsenkurse zuletzt etwas erholt, gleichwohl ist der „Finanzmarktstress“, den das IMK mit einem eigenen Indikator misst, erneut leicht angestiegen. Setze sich dieser Trend in den kommenden Monaten fort, müsse man auch die Konjunkturprognose auf den Prüfstand stellen, erklären die Düsseldorfer Ökonomen. In seiner aktuellen Prognose vom Dezember rechnet das IMK mit einem Wirtschaftswachstum um 1,7 Prozent in diesem Jahr.

„Die Saat der Unsicherheit, die unter anderem von der aggressiven US-Handelspolitik und dem drohenden Brexit-Chaos gesetzt wurde, ist leider zu einem guten Teil aufgegangen und gefährdet nun auch den moderaten Aufschwung in Deutschland“, sagt Prof. Dr. Gustav A. Horn, wissenschaftlicher Direktor des IMK. „Wir können die Fehler der internationalen Wirtschaftspolitik nicht korrigieren. Aber wir können das weiter stärken, was unsere Wirtschaftsentwicklung in den vergangenen Jahren so erstaunlich stabil gemacht hat: Die Binnennachfrage, die sich stützt auf wachsende Beschäftigung, spürbar steigende Löhne und stärkere öffentliche Investitionen. Sowohl die deutschen Unternehmen als auch die öffentliche Hand haben dafür zum Glück die nötigen Polster.“

In den IMK-Konjunkturindikator fließen zahlreiche Daten aus der Real- und der Finanzwirtschaft ein. Darüber hinaus berücksichtigt das Instrument Stimmungsindikatoren. Das IMK nutzt die Industrieproduktion als Referenzwert für eine Rezession, weil diese rascher auf einen Nachfrageeinbruch reagiert als das Brutto-Inlandsprodukt (BIP).

Der IMK-Konjunkturindikator wird monatlich aktualisiert.

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Mindestlöhne in den meisten EU-Mitgliedstaaten kräftig angehoben – neue Ansätze für europäische Koordination

Die Mindestlöhne in den 22 EU-Staaten, die über eine gesetzliche Lohnuntergrenze verfügen, sind zuletzt im Mittel kräftig angehoben worden – nominal um 4,8 und nach Abzug der Inflation um 2,7 Prozent. Wie der neue WSI-Mindestlohnbericht der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, ist insgesamt innerhalb der EU bereits seit einigen Jahren ein Trend zu deutlich höheren Mindestlohnsteigerungen zu beobachten.

Mindestlöhne in den meisten EU-Mitgliedstaaten kräftig angehoben – neue Ansätze für europäische Koordination

Hans-Böckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 14.02.2019

Die Mindestlöhne in den 22 EU-Mitgliedstaaten, die über eine gesetzliche Lohnuntergrenze verfügen, sind zuletzt im Mittel kräftig angehoben worden – nominal um 4,8 und nach Abzug der Inflation um 2,7 Prozent. 20 EU-Mitgliedstaaten haben ihre Mindestlöhne zum 1. Januar, zum 1. Februar 2019 oder in der zweiten Hälfte 2018 erhöht, in Großbritannien ist eine Anhebung des National Minimum Wage für April beschlossen. Erstmals seit sieben Jahren stieg zum 1. Februar auch der griechische Mindestlohn wieder. Lediglich in Lettland gibt es aktuell keine Erhöhung. Die nominalen Steigerungen waren die zweitstärksten seit 2009. Das zeigt der neue Mindestlohnbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Der deutsche Mindestlohn ist mit 9,19 Euro pro Stunde weiterhin spürbar niedriger als die Lohnuntergrenzen in den westeuropäischen Euro-Staaten, die alle 9,66 Euro und mehr Stundenlohn vorsehen, in Frankreich erstmals über zehn und in Luxemburg sogar 11,97 Euro.

„Insgesamt ist innerhalb der EU bereits seit einigen Jahren ein Trend zu deutlich höheren Mindestlohnsteigerungen zu beobachten, der sich auch 2019 weiter fortgesetzt hat“, schreiben die WSI-Tarifexperten Prof. Dr. Thorsten Schulten und Dr. Malte Lübker. Die höchste Dynamik beobachten die Wissenschaftler in den mittel- und osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten, wo die Zuwachsraten aktuell meist zwischen sieben und zehn Prozent liegen. In den west- und südeuropäischen Mitgliedsländern reichen die Anhebungen von 1,4 Prozent in den Niederlanden bis 4,0 Prozent in Deutschland (allerdings für zwei Jahre, da 2018 nicht erhöht wurde), 4,4 Prozent in Großbritannien und 11 Prozent in Griechenland. Spanien und Litauen stechen besonders heraus: Dort wurden die Lohnuntergrenzen zum 1. Januar sogar um gut 22 bzw. um 38 Prozent angehoben – jeweils mit dem erklärten Vorsatz der Regierungen, den Mindestlohn im Verhältnis zu den mittleren Löhnen im Land strukturell zu erhöhen. In Großbritannien hat die konservative Regierung das Ziel ausgegeben, bis 2020 die Lohnuntergrenze auf 60 Prozent des mittleren (Median-)Lohns zu bringen.

Ab diesem Niveau, gemessen am jeweiligen nationalen Median, können Löhne nach Ansicht von Armutsforschern als einigermaßen „existenzsichernd“ gelten, weil Alleinstehende dann in der Regel ohne spezielle Sozialtransfers von ihrer Arbeit leben können und das Risiko von Altersarmut sinkt. Vorschläge, europaweit ein entsprechendes Mindestniveau zu verankern, finden nach Analyse der WSI-Experten zunehmend Unterstützer. So ist im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vereinbart, dass sich die deutsche Ratspräsidentschaft im kommenden Jahr um einen „europäischen Rechtsrahmen für Mindestlöhne“ bemühen soll. Die Bundesminister Katarina Barley, Olaf Scholz und Hubertus Heil haben das kürzlich bekräftigt und für 2020 eine entsprechende Initiative angekündigt. Eine europäische Koordinierung mit dem Ziel, in allen Mitgliedsländern beim Mindestlohn „ein angemessenes, existenzsicherndes Niveau“ zu erreichen, könne nationale Initiativen unterstützen und „der Idee eines sozialeren Europas praktische Gestalt verleihen“, schreiben die WSI-Experten Schulten und Lübker.

Trotz der aktuellen Erhöhungen sei der Mindestlohn in den meisten Ländern aber noch ein erhebliches Stück vom 60-Prozent-Ziel entfernt, betonen die Forscher. Das gelte gerade auch für Deutschland, wo der Mindestlohn aktuell nicht einmal die Hälfte des Medianlohns erreicht. Bei 60 Prozent müsste der deutsche Mindestlohn auf annähernd 12 Euro angehoben werden.

In Westeuropa fast überall mehr als 9,60 Euro

In den westeuropäischen Ländern mit Mindestlohn betragen die niedrigsten erlaubten Brutto-Stundenlöhne mit Ausnahme von Großbritannien und Deutschland mehr als 9,60 Euro. In Belgien müssen mindestens 9,66 Euro gezahlt werden, in Irland 9,80 Euro, in den Niederlanden 9,91 Euro und in Frankreich 10,03 Euro. Den mit Abstand höchsten Mindestlohn hat Luxemburg mit 11,97 Euro. Der Mindestlohn in Großbritannien liegt umgerechnet mit aktuell 8,85 Euro und 9,28 Euro ab dem 1. April etwas niedriger, wäre ohne die starke Abwertung des Britischen Pfundes aber deutlich höher. Keinen Mindestlohn haben Österreich, die nordischen Länder und Italien. In diesen Staaten besteht aber meist eine sehr hohe Tarifbindung, die auch vom Staat stark unterstützt wird. Faktisch setzen dort also Tarifverträge eine allgemeine Untergrenze, die, so Schulten und Lübker, „in der Regel oberhalb der gesetzlichen Mindestlöhne in Westeuropa liegt“.

Die südeuropäischen EU-Mitgliedstaaten setzen Lohnuntergrenzen von 3,61 Euro in Portugal und 3,76 Euro in Griechenland bis 5,45 Euro in Spanien. Fast gleichauf liegt mit 5,10 Euro Slowenien. In den meisten anderen mittel- und osteuropäischen Staaten sind die Mindestlöhne noch niedriger. Allerdings haben sie durch die stärkeren Zuwächse weiter aufgeholt. So müssen etwa in Litauen jetzt umgerechnet 3,39 Euro pro Stunde bezahlt werden, in Tschechien 3,11 Euro, in Polen 3,05 Euro und in Rumänien 2,68 Euro. Der niedrigste EU-Mindestlohn gilt in Bulgarien mit 1,72 Euro.

Zudem spiegeln die Niveauunterschiede zum Teil unterschiedliche Lebenshaltungskosten wider. Legt man Kaufkraftstandards (KKS) zugrunde, reduziert sich das Verhältnis zwischen den EU-Mitgliedstaaten mit niedriger und relativ hoher Untergrenze von 1 zu 4 auf 1 zu 2,3. Rumänien liegt bei dieser Betrachtungsweise beispielsweise vor Portugal und Griechenland. Mindestlohnempfänger in Deutschland profitieren etwas vom im westeuropäischen Vergleich niedrigeren Preisniveau. Allerdings bleibt ihre Kaufkraft trotzdem hinter der von Mindestlohnempfängern in Luxemburg, Frankreich und den Niederlanden zurück, Belgien liegt gleichauf.

Deutscher Mindestlohn weiter moderat

Der deutsche Mindestlohn ist auch gemessen am allgemeinen Lohnniveau im Land moderat. Das zeigt ein Blick auf den Medianlohn. Hierzulande entsprach der Mindestlohn 2017, dem letzten Jahr, für das internationale Vergleichsdaten vorliegen, knapp 48 Prozent des Medianlohns. 12 EU-Mitgliedstaaten kamen auf höhere Werte, darunter Portugal, Polen, Großbritannien oder Luxemburg. Weit vorne im EU-Vergleich rangiert Frankreich, wo die Untergrenze bei 61,8 Prozent des Medians liegt.

Auch außerhalb der EU sind Mindestlöhne weit verbreitet, und sie wurden fast überall zum Jahresanfang spürbar angehoben. Exemplarisch betrachtet das WSI die Mindestlöhne in 15 Ländern mit ganz unterschiedlichen Mindestlohnhöhen. Sie reichen von umgerechnet 78 Cent in Moldawien und der Ukraine, 88 Cent landesweit in Russland und 1,05 Euro in Brasilien über 2,30 Euro in der Türkei, 6,14 Euro in den USA und 6,70 Euro in Japan bis zu 9,67 Euro in Neuseeland und 11,98 Euro in Australien. Insbesondere in den USA gibt es neben dem nationalen Mindestlohn höhere regionale Untergrenzen. Der höchste Mindestlohn auf der Ebene von Bundesstaaten gilt in Kalifornien, Massachusetts und Washington (12 Dollar, umgerechnet 10,16 Euro). Darüber hinaus führen immer mehr Städte lokale Mindestlöhne ein, die weit über dem nationalen und regionalen Niveau liegen. So müssen Arbeitnehmer in Seattle mindestens 16 Dollar (13,55 Euro) erhalten, in New York City und San Francisco umgerechnet 12,70 Euro.

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Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Februar 2019

Das BMWi berichtet ausführlich über die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Februar 2019.

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Februar 2019

BMWi, Pressemitteilung vom 14.02.2019

  • Die deutsche Wirtschaft hat sich im Jahresendquartal 2018 stabilisiert.
  • Die vorausschauenden Konjunkturinkatoren bleiben zurückhaltend. Solide binnenwirtschaftliche Auftriebskräfte und fiskalischen Impulse sorgen aber zu Jahresbeginn für etwas Schub.
  • Die Industrieproduktion hat sich zu Jahresende 2018 stabilisiert, insbesondere die Kfz-Produktion zog wieder an. Bei hohen Auftragsbeständen kam es bis zuletzt noch nicht zu einer Belebung der Auftragseingänge. Das Baugewerbe boomt weiterhin.
  • Die Einkommen steigen unterstützt durch die Fiskalpolitik kräftig und sorgen für eine rege Konsumnachfrage der privaten Haushalte.
  • Die Erwerbstätigkeit nimmt weiter zu und der Rückgang der Arbeitslosigkeit setzt sich fort.

Die deutsche Wirtschaft hat sich im vierten Quartal 2018 stabilisiert. Das Bruttoinlandsprodukt blieb in etwa auf dem Niveau des Vorquartals (+0,0 Prozent). Im dritten Quartal war es etwas überraschend um 0,2 Prozent zurückgegangen. Die Konjunktur wurde durch erschwerte außenwirtschaftliche Rahmenbedingungen und binnenwirtschaftliche Sondereffekte gedämpft. Die steigende Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern wurde bei neutralem Außenbeitrag teilweise aus den Lagern bedient. Während die Handelskonflikte und der Brexit-Prozess weiterhin für Verunsicherung sorgen, schreitet die heimische Pkw-Industrie bei der Bewältigung der WLTP-Problematik voran und die von der Binnenschifffahrt abhängigen Produktionsstandorte werden nicht mehr durch Niedrigwasser behindert. Die vorausschauenden Konjunkturindikatoren, wie z. B. die Geschäftserwartungen oder die Auftragseingänge des Verarbeitendes Gewerbes, sind zwar weiterhin zurückhaltend. Wichtige binnenwirtschaftliche Auftriebskräfte wirken jedoch fort. Die Beschäftigung und die Einkommen sowie die Investitionen in Bauten nehmen kräftig zu. Hinzu kommen ab der Jahreswende spürbare fiskalische Impulse, nicht zuletzt durch die Entlastung von Bürgerinnen und Bürgern bei Steuern und Abgaben sowie die Erhöhung der monetären Sozialleistungen.

Vom weltwirtschaftlichen Umfeld gehen lediglich gedämpfte Signale aus. Sowohl bei der industriellen Erzeugung als auch beim Welthandel war im vergangenen Jahr eine verlangsamte Entwicklung zu beobachten. Zuletzt, Stand November 2018, gingen sie sogar etwas zurück. Der Stimmungsindikator IHS Markit PMI für die globale Industrie lag im Januar 2019 auf dem niedrigsten Stand seit über zwei Jahren. Auch der ifo Index zum Weltwirtschaftsklima gab für das erste Quartal 2019 eine abgekühlte Stimmung insbesondere für die entwickelten Volkswirtschaften wieder. Angesichts der Indikatoren und der derzeitigen Ballung globaler Risiken gehen die internationalen Organisationen in ihren letzten Prognosen von einer weniger dynamischen, aber dennoch merklich aufwärtsgerichteten Entwicklung der Weltwirtschaft aus.

Die schwache weltwirtschaftliche Dynamik spiegelt sich auch in den deutschen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen wider. So nahmen die Exporte im Dezember saisonbereinigt und in jeweiligen Preisen um 2,0 % ab. Im Quartalsvergleich sind die Ausfuhren nominal leicht gestiegen (+0,9 Prozent). Preisbereinigt dürfte diese Steigerung jedoch geringer ausfallen. Die Unternehmen gehen hier aktuell nicht von einer deutlichen Belebung aus: Die ifo Exporterwartungen fielen auf den niedrigsten Stand seit über zwei Jahren. Die nominalen Importe von Waren und Dienstleistungen verringerte sich im Dezember saisonbereinigt um 0,3 Prozent. Im Quartalsvergleich ergab sich ein Plus von 1,5 Prozent. Bei steigenden Importpreisen dürfte sich preisbereinigt ebenfalls ein schwächerer Anstieg ergeben. Insgesamt deuten die Indikatoren auf eine verhaltene Entwicklung der Ausfuhren in den kommenden Monaten hin. Über das vergangene Jahr hinweg hat sich der Leistungsbilanzüberschuss kontinuierlich um 12,1 Mrd. Euro auf 249,1 Mrd. Euro abgebaut.

Bei der Produktion im Produzierenden Gewerbe zeigte sich im Dezember der vierte leichte Rückgang in Folge. Die Industrie hat ihre Produktion hingegen wieder etwas ausgeweitet (+0,2 Prozent), konnte die kräftige Einschränkung der Produktion im Baugewerbe (-4,1 Prozent) aber nicht gänzlich kompensieren. Im vierten Quartal insgesamt ergab sich ein Minus in der Industrie von 1,3 Prozent und im Baugewerbe von 0,6 Prozent. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe verringerten sich im Dezember bei sehr geringen Großaufträgen kräftig um 1,6 Prozent. Ohne die volatilen Großaufträgen ergab sich hingegen ein Auftragsplus von 3,5 Prozent. Im vierten Quartal insgesamt lagen die Auftragseingänge nach drei rückläufigen Quartalen erstmals wieder um 0,3 Prozent über dem Vorquartal. Stützend wirkte, dass die Aufträge in der Kfz-Industrie um 10,2 Prozent gegenüber dem schwachen dritten Quartal zulegten. Auch wenn das Auftragspolster mit einer Reichweite von 5,6 Monaten hoch blieb, wirken die externen Risiken weiterhin dämpfend auf die Industriekonjunktur. Andererseits könnte sich der Erholungsprozess in der Automobilindustrie beschleunigen und positiv auf andere Vorleistungsbereiche ausstrahlen. Der Bauboom dürfte sich nach den deutlich gestiegenen Aufträgen im jüngsten Quartal fortsetzen.

Mit der guten Beschäftigungs- und Einkommensentwicklung stiegen die Konsumausgaben der privaten Haushalte im Jahr 2018 um 1,0 Prozent. Nach einem überraschenden Rückgang im 3. Quartal 2018 haben die privaten Haushalte ihre Konsumausgaben im 4. Quartal wieder erhöht. Die real verfügbaren Einkommen stiegen 2018 um 1,8 Prozent, allerdings nahm auch die Sparquote der privaten Haushalte zu, was den Anstieg der Konsumausgaben etwas dämpfte. Im vierten Quartal stiegen die Umsätze im Einzelhandel (ohne Kfz) um 0,2 Prozent, obwohl es im Dezember zu deutlichen Umsatzeinbußen von 4,3 Prozent kam. Im Januar 2019 setze sich die positive Entwicklung der Neuzulassungen von Pkw bei privaten Haltergruppen fort (+4,5 Prozent). Damit steigen die Zulassungszahlen den vierten Monat in Folge. Insgesamt deutet alles auf eine weiterhin positive Entwicklung der privaten Konsumausgaben hin.

Am Arbeitsmarkt setzen sich die Besserungstendenzen trotz der aktuell schwächeren Konjunktur fort. Die Zunahme der Erwerbstätigkeit hielt im Dezember mit 42.000 Personen im bisherigen Tempo an. Jahreszeitlich üblich war die Beschäftigung nach den Ursprungszahlen mit 45,1 Mio. Personen etwas niedriger als im Vormonat. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm im November aber erneut kräftig zu. Die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften blieb, wenn auch leicht abgeschwächt, hoch. Signale z. B. aus der Arbeitnehmerüberlassung deuten auf eine etwas ruhigere Entwicklung in den nächsten Monaten hin. Die Zahl der Arbeitslosen verringerte sich im Januar saisonbereinigt leicht um 2.000 Personen; in Ursprungszahlen stieg sie im jahreszeitlich üblichen Rahmen auf knapp über 2,4 Mio. Personen. Damit erhöhte sich auch die Arbeitslosenquote auf 5,3 Prozent. Die Langzeitarbeitslosigkeit geht kontinuierlich zurück, der Vorjahresstand wurde um rd. 11 Prozent unterschritten. Die Stärkung der Wirtschaftskraft strukturschwacher Regionen bleibt eine Herausforderung.

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Bruttoinlandsprodukt im 4. Quartal 2018 auf dem Niveau des Vorquartals

Das BIP war im vierten Quartal 2018 etwa auf demselben Niveau wie im Vorquartal. Für das gesamte Jahr 2018 ergibt sich ein Anstieg von 1,4 % (kalenderbereinigt: 1,5 %). Das Wachstum fällt nach Angaben des Statistischen Bundesamt damit etwas niedriger aus als im Januar gemeldet.

Bruttoinlandsprodukt im 4. Quartal 2018 auf dem Niveau des Vorquartals

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 14.02.2019

Bruttoinlandsprodukt, 4. Quartal 2018

  • 0,0 % zum Vorquartal (preis-, saison- und kalenderbereinigt)
  • +0,9 % zum Vorjahresquartal (preisbereinigt)
  • +0,6 % zum Vorjahresquartal (preis- und kalenderbereinigt)

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im vierten Quartal 2018 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – etwa auf demselben Niveau wie im Vorquartal. Die konjunkturelle Lage in Deutschland war damit im Jahr 2018 zweigeteilt: Nach einem schwungvollen ersten Halbjahr (+0,4 % im ersten Quartal, +0,5 % im zweiten Quartal) gab es im zweiten Halbjahr eine kleine Delle (-0,2 % im dritten Quartal, 0,0 % im vierten Quartal), teilt das Statistische Bundesamt weiter mit. Für das gesamte Jahr 2018 ergibt sich daraus ein Anstieg von 1,4 % (kalenderbereinigt: 1,5 %). Das Wachstum fällt damit etwas niedriger aus als im Januar gemeldet.

Positive Impulse kamen im Vorquartalsvergleich (preis-, saison- und kalenderbereinigt) vor allem aus dem Inland: Es wurde im vierten Quartal deutlich mehr investiert als im dritten Quartal 2018, insbesondere in Bauten, aber auch in Ausrüstungen. Während die Konsumausgaben der privaten Haushalte leicht anstiegen, erhöhte der Staat seine Konsumausgaben zum Jahresende deutlich. Die außenwirtschaftliche Entwicklung lieferte im vierten Quartal dagegen keine Wachstumsimpulse: Nach vorläufigen Berechnungen stiegen Exporte und Importe von Waren und Dienstleistungen im Vorquartalsvergleich etwa in derselben Größenordnung.

Im Vorjahresvergleich hat sich das Wirtschaftswachstum – gemessen an den Ursprungswerten – verlangsamt: Das preisbereinigte BIP stieg im vierten Quartal 2018 um 0,9 % (kalenderbereinigt: 0,6 %), nach +1,1 % im dritten Quartal 2018 (auch kalenderbereinigt), +2,3 % im zweiten Quartal 2018 (kalenderbereinigt: 2,0 %) und +1,4 % im ersten Quartal 2018 (kalenderbereinigt: +2,1 %).

Nach aktuellem Rechenstand gab es keinen messbaren statistischen Überhang zum Ende des Jahres 2018. Beim statistischen Überhang handelt es sich um die Veränderungsrate des BIP, die sich für das Jahr 2019 schon dann ergäbe, wenn das saison- und kalenderbereinigte BIP in allen Quartalen dieses Jahres gegenüber dem vierten Quartal 2018 unverändert bliebe.

Die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2018 wurde von 45,2 Millionen Erwerbstätigen erbracht, das waren 507.000 Personen oder 1,1 % mehr als ein Jahr zuvor.

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